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Donnerstag, 24.07.2014

Vereinsgeschichte

Gegründet: 01. Februar 1907 - Deutscher Meister 1955 - DFB-Pokalsieger 1953 - Deutscher Amateurmeister 1992 - Deutscher Vize-Pokalsieger 1994

1907 Die Gründung

Am 1. Februar im Jahre 1907 wurde in Essen-Vogelheim zum ersten Mal eine Mannschaft unter dem Vereinsnamen "Sportverein Vogelheim" aufgestellt. Entstanden ist dieser Verein aus dem "SC Preussen" und "Deutsche Eiche". Dieser kleine Sportverein sollte später zu "Rot-Weiss Essen" werden. Im Jahr 1910 wurden Verhandlungen mit dem "Turnerbund Bergeborbeck" zur Gründung einer Fußballabteilung geführt. Damit wurde der "Sportverein Vogelheim" in Fusion mit dem "Turnerbund Bergeborbeck" ein Verbandsverein und konnte somit an Meisterschaftsspielen teilnehmen.

Am 14. September 1913 wurde der Club dann selbständig und trennte sich wieder vom "Turnerbund Bergeborbeck". Am 18. September 1913 gründete sich der Verein unter dem Namen "Spiel- und Sportverein Emscher-Vogelheim" neu und wurde gleichzeitig beim Westdeutschen Spielverband eingetragen. In den ersten Jahren des ersten Weltkrieges wurde der Spielbetrieb noch aufrecht erhalten, und die Mannschaft konnte sich sogar in der Spitzengruppe festsetzen. Nach dem Krieg änderte man den Namen in "Spiel und Sport 1912".

Im Jahre 1923 fusionierten die beiden Bergeborbecker Vereine "Spiel und Sport 1912" und der "Turnerbund Bergeborbeck" erneut miteinander. Die Idee, die hinter dieser Fusion steckte, war klar. Ein großer Verein könne mehr für die Idee des Fussballs werben, als zwei kleine. Damit war der Verein "Rot-Weiss Essen" geboren.

1939 Einweihung des Stadions

Der Sportplatz an der Hafenstraße wurde mehr und mehr zu einem Magnet für die Massen. Bald schon konnte der Platz diesen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden, und es musste nun ernsthaft über eine Vergrößerung nachgedacht werden, was aber einige Schwierigkeiten mit sich brachte.

Mit Erfindungsgeist löste Georg Melches aber auch dieses Problem. Die schwierige Lage zwischen einer Gaststätte und einer Schule zwang die Vereinsführung zu einer Ausführung mit einer kleinen Holztribüne für 1.428 Zuschauer und Stehplatzrängen für 25.000 Zuschauer. Pünktlich zum vorgesehenen Einweihungsspiel gegen den FC Schalke 04 am 13. August 1939 erstrahlte der Platz im Flaggenschmuck. Fast 30.000 Zuschauer erfreuten sich an der neuen Platzanlage und klatschten begeistert Beifall.

1945 Wiederaufbau des Stadions

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Bilanz für Rot-Weiss Essen dramatisch. Die gesamte Anlage war fast völlig zerstört. Während andere Vereine unmittelbar nach dem Krieg den Spielbetrieb wieder aufnehmen konnten, standen die Rot-Weissen vor riesigen Bombentrichtern, aus denen erst nach und nach wieder die Umrisse eines Fußballplatzes auftauchen sollten.

Mit Schippe und Hacke begannen die freiwilligen Helfer nun ihr Aufräumwerk. Ernst Ruhkamp, später Ehrenpräsident des Vereins, stellte sich täglich zur Verfügung, beaufsichtigte und teilte Aufräumungsarbeiten ein. "Männer aller Berufe standen einträchtig nebeneinander und schufteten Abend für Abend. Wenn auch die Hauptarbeit von Handarbeitern, meist Bergleuten, geleistet wurde, so war es doch rührend anzusehen, wie Leute, die nie mit Schaufel oder Spaten gearbeitet hatten, sich abmühten, es den anderen gleichzutun", so Ernst Ruhkamp.

1953 Deutscher Pokalsieger

Im Jahre 1953 erreichten die Essener mit dem Pokalsieg ihren ersten großen Erfolg in der Vereinsgeschichte. Auf dem Weg ins Finale hatten die Essener eigentlich keine großen Probleme. Nach Siegen über Regensburg (5:0), den VfL Osnabrück (2:0), den Hamburger SV (6:1) und über den SV Waldhof Mannheim (3:2) standen die Essener zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte in einem Finale.

Der Gegner im Endspiel vor 40.000 Zuschauern im ausverkauften Rheinstadion hieß Alemannia Aachen. Die Rheinländer machten von Beginn an Druck und kamen zu einigen Chancen, die Torwart Fritz Herkenrath glänzend parierte. Nach den Warnschüssen der Aachener kamen dann auch die Essener ins Spiel. Kurz vor der Halbzeit erlangten die Essener durch einen Heber von Islacker die 1:0-Führung. Nach der Pause machten die Essener dort weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. Gottschalk passte den Ball zu Helmut "Boss" Rahn, der die Aachener Abwehr ausspielte und den Ball zum vorentscheidenden 2:0 ins Tor drosch.

Doch wer dachte, die Partie wäre entschieden, hatte seine Rechnung ohne die Aachener gemacht. In der 56. Spielminute markierte Jupp Derwall, der später im Jahr 1980 als Bundestrainer Europameister werden sollte, mit einem Schuss unter die Querlatte den Anschlusstreffer für die Aachener. Nun spürten die Aachener, dass vielleicht noch etwas mehr drin war. Beide Seiten kamen noch zu guten Torchancen, doch dieses temporeiche Spiel bei sommerlichen Temperaturen verlangte seinen Tribut.

Beide Mannschaften wurden zusehends müder und ersehnten den Schlusspfiff. Der Stuttgarter Schiedsrichter hatte dann auch ein Einsehen und pfiff pünktlich ab. Rot-Weiss Essen war neuer Pokalsieger und durfte die Trophäe unter lautstarkem Jubel der Essener Fans in Empfang nehmen.

1955 Deutscher Meister

Am 26. Juni 1955 konnte Rot-Weiss Essen den wohl größten Erfolg in der Vereinsgeschichte feiern, nämlich den Gewinn der deutschen Meisterschaft. Nach Siegen über Kickers Offenbach (3:1, 4:1), Wormatia Worms (4:0, 1:1) und Bremerhaven 93 (3:1, 1:1) zogen die Essener ins Finale um die deutsche Meisterschaft ein. Endspielgegner war der 1.FC Kaiserslautern, der als Favorit in dieses Finale ging.

Über 80.000 Zuschauer kamen bei Sonnenschein ins Niedersachsenstadion in Hannover. Die Pfälzer erwischten auch gleich den besseren Start und setzten die Essener gehörig unter Druck. Folglich war ihnen auch das erste Tor in diesem Spiel vergönnt. Nach elf Minuten stand es 1:0 für den 1.FC Kaiserslautern durch Wenzel. Nur wenige Minuten später verhinderte Essens Torwart Fritz Herkenrath mit einer tollen Parade das 2:0. Bei dieser Aktion verletzte sich der Torwart zwar, doch Fritz Herkenrath konnte unter Schmerzen weiterspielen. So nach und nach wachten dann auch die Essener auf und erarbeiteten sich nun auch Torchancen. In der 19. Spielminute glich Islacker für Essen nach einer Flanke von Röhring aus.

Keine zehn Minuten später nutze Röhring ein Abspiel von Helmut Rahn, der vorher die ganze Abwehr der Lauterer ausgespielt hatte, zum 2:1 für die Essener. Ab diesem Tor lieferten sich beide Mannschaften einen erbitterten Schlagabtausch, und beide Seiten hatten die Chance zum Ausgleich bzw. die Führung zu erhöhen. Letzteres schafften die Essener. Wenige Minuten vor der Pause erhöhte Islacker zum 3:1-Pausenstand für Rot-Weiss Essen. Nach der Pause setzten die Pfälzer noch mal alles daran, dieses Spiel vielleicht doch noch zu drehen. Schon zwei Minuten nach dem Seitenwechsel kamen sie diesem Ziel auch schon näher, als Wenzel den Ball zum 3:2 ins Tor köpfte.

In der 72. Spielminute ging Scheffler plötzlich im Essener Strafraum zu Boden, und der Schiedsrichter zögerte keine Sekunde und pfiff Elfmeter. Baßler hatte nun keine Probleme auszugleichen. In der 84. Minute hielten die Fans aus dem Ruhrgebiet den Atem an. Fritz Walter hob den Ball in den Strafraum, und drei Lauterer drückten das Leder über die Torlinie, doch der Schiedsrichter erkannte die Abseitsposition und verweigerte dem Tor die Anerkennung.

1955 Deutscher Meister -2-

Wenige Minuten vor dem Schlusspfiff wandte sich das Spiel aber noch einmal zum Guten. Termath umspielte die Abwehr der Lauterer und passte zum mittlerweile angeschlagenen Islacker, der den Ball dann mit letzter Kraft ins Tor köpfte. Nach dem Abpfiff gab es für die Fans kein Halten mehr. Das Niedersachsenstadion war in einem rot-weissen Fahnenmehr untergetaucht. Rot-Weiss Essen war deutscher Fussballmeister.

1956 Einweihung der Flutlichtanlage

Am 8. August 1956 bescherte Rot-Weiss Essen den aus nah und fern angereisten Fußballfreunden dann einen besonderen Leckerbissen. Die erste Flutlichtanlage Deutschlands wurde mit dem 100. internationalen Spiel nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem 4:0-Sieg gegen Racing Straßburg eingeweiht. "Ein Schauspiel von faszinierender Wirkung. Dem Flutlichtfußball gehört die Zukunft", schrieb man damals in den Tageszeitungen. Heute gehört es zur Tagesordnung, und doch hat es seinen eigenartigen Reiz und seine Anziehungskraft behalten.

1963 Bundesligastart ohne Rot-Weiss Essen

Als am 26. August 1963 der Anpfiff in der neugeschaffenen Bundesliga ertönt, schauen die Rot-Weissen etwas wehmütig in Richtung der acht Premiere-Stadien. Der Deutsche Meister von 1955 und Pokalsieger von 1953 gehörte nicht zu den 16 ausgewählten Vereinen, die um die ersten Bundesligapunkte kämpften.

Die Chancen zur Qualifikation verspielten die Essener bereits zwei Jahre zuvor. Der Traditionsverein musste nach einem Unentschieden gegen den Nachbarn aus Oberhausen die Oberliga West (damalige Topliga) verlassen und den bitteren Weg nach unten antreten. Da der angestrebte Wiederaufstieg nicht in die Tat umgesetzt werden konnte, kam Rot-Weiss Essen von vornherein nicht für die Eliteklasse in Frage. Trotzdem nahmen die Essener Verantwortlichen die Umstrukturierung des deutschen Fussballs mit Zufriedenheit zur Kenntnis.

Durch die Gründung der Regionalliga West (damals 2. Liga, heute 4. Liga.) kamen endlich wieder so attraktive Vereine wie Borussia Mönchengladbach, Fortuna Düsseldorf oder Alemannia Aachen nach Essen-Bergeborbeck. Einer, der länger als ein halbes Jahrhundert die Geschicke des Vereins entscheidend beeinflusst hatte, durfte diesen Augenblick allerdings nicht mehr miterleben.

Am 24. März 1963 starb Georg Melches, einer der Gründer und Ehrenvorsitzender von Rot-Weiss Essen. Sportlich verlief die Saison einigermaßen zufriedenstellend. Mit einem ausgeglichenen Punkteverhältnis musste sich Rot-Weiss Essen keine Sorgen um den Klassenerhalt machen. Allerdings war die Ausbeute gegen die Spitzenteams äußerst mager. Lediglich dem Vize-Meister Wuppertaler SV wurden gleich drei Punkte abgeknöpft.

1964 Umbenennung des Stadions

Am 5. August 1964, ein Jahr nach dem Tod des unermüdlichen Motors von Rot-Weiss Essen, wurde dem Stadion sein Name verliehen: Georg Melches. 25.000 Zuschauer, darunter viel Prominenz und als Festredner Innenminister Willy Weyer, Bundesligaboss Franz Kremer und Essens damaliger Oberbürgermeister und heutiges Ehrenmitglied, Wilhelm Nieswandt, waren an diesem Fußballfeiertag zugegen, der mit einem Freundschaftsspiel der RWE-Meistermannschaft von 1955 begann. Höhepunkt war ein Freundschaftsspiel gegen den Deutschen Meister der ersten Bundesligasaison, dem 1.FC Köln, dem die Regionalligamannschaft der Rot-Weissen ein verdientes 2:2 abtrotze.

1966 Aufstieg in die 1. Bundesliga

Es gab Niederlagen, die machten so richtig Spaß. Als Schiedsrichter Kreitlein am 26. Juni 1966 die Aufstiegsrunden-Begegnung zwischen Rot-Weiss Essen und dem FC St. Pauli abgepfiffen hat, waren 36.000 Zuschauer im überfüllten Georg-Melches-Stadion total aus dem Häuschen. 1:0 hatten die Hamburger gewonnen, doch aus norddeutscher Sicht waren es zwei Treffer zu wenig. Rot-Weiss Essen hatte bei einer Punktegleichheit knapp die Torverhältnisnase vorn. Der heißersehnte Sprung in die Bundesliga war vollbracht.

Der Jubel der Fans war gleichzeitig ein Aufschrei der Erleichterung, denn die Schützlinge von Trainer Fritz Pliska hatten in den vorausgegangenen Spielen die Nerven der Anhänger wahrlich nicht geschont. Nachdem die Essener in der Regionalliga hinter Meister Fortuna Düsseldorf und vor Alemannia Aachen den zweiten Platz belegt hatten, erhielten die Aufstiegshoffnungen gleich am ersten Spieltag einen empfindlichen Dämpfer.

Die 7.000 mitgereisten Anhänger hatten am Millerntor zwar mehrfach den Torschrei auf den Lippen, aber Lippens, Hasebrink & Co. bemühten sich vergeblich, die 1:0-Führung der Hanseaten auszugleichen. Auch in den restlichen zwei Auswärtsspielen musste bis zum Schluss gezittert werden. Sowohl in Schweinfurt als auch in Saarbrücken erzielten Herbert Weinberg bzw. Helmut Littek die Siegtreffer jeweils erst fünf Minuten vor Schluss.

Da die "Roten" gegen die gleichen Gegner nichts anbrennen ließen und St. Pauli zweimal auswärts gerupft wurde, war Essen schon vor der WM in England im Fußballrausch. Daran konnte auch Paulis Pape, der im entscheidenden Rückspiel erneut Torhüter Hermann Roß überwinden konnte, nichts ändern. Rot-Weiss Essen war endlich wieder erstklassig.

1967 Abstieg aus der 1. Bundesliga

Drei Jahre lang hatte die Fußballgemeinde in der Ruhrmetropole auf diesen Augenblick warten müssen. Im August 1966 war es dann endlich soweit, die Bundesliga-Lederkugel rollte auch an der Hafenstrasse. Direkt im ersten Heimspiel gab es den Knaller gegen den Reviernachbarn aus Schalke. 65 Minuten lang konnten die Königsblauen dem Sturmlauf des Neulings standhalten, dann brach Heinz-Dieter Hasebrink den Bann und legte mit seinem Treffer den Grundstein zum vielumjubelten 4:1-Sieg gegen den FC Schalke 04.

Einmal auf den Geschmack gekommen, ließen sich die Essener auch weiterhin nicht die Butter vom heimischen Brot nehmen. Das Georg-Melches-Stadion erlebte rauschende Fußballfeste. "Meine Mannschaft hat gut gekämpft, doch die bessere hat gewonnen", bekannte Bayern-Trainer Tschik Cajkowski nach der 1:3-Niederlage der Münchner Bayern. Nicht besser erging es den Fohlen von Gladbachs Coach Hennes Weisweiler. Quasi mit dem Schlusspfiff erzielte Hasebrink den 2:1-Siegtreffer.

Auswärts hingegen war die Ausbeute äußerst bescheiden. Das 0:0 beim frischgebackenen Europapokalsieger Borussia Dortmund war eines der wenigen Erfolgserlebnisse. Als dann der SV Werder Bremen in einer überaus harten Partie den Heimnimbus brach, ging es permanent bergab. In den restlichen 21 Spielen konnte nur noch ein einziger doppelter Punktgewinn, mit einem 3:1 über den KSC, geholt werden. Am vorletzten Spieltag lagen dann Freud und Leid ganz dicht beieinander.

Während die Braunschweiger mit einem torlosen Unentschieden die Meisterschaft perfekt machten, bedeutete der Punktverlust für Rot-Weiss Essen den Abstieg in die Regionalliga West. Obwohl anschließend dann Hasebrink, Simmet, Dietrich und Koslowski den Verein verließen, konnte ein Ausverkauf an der Hafenstrasse verhindert werden.

1969 Wiederaufstieg in die Bundesliga

Beide Augen schauten auf das Spielfeld, ein Ohr lauschte am Radio - der Zieleinlauf glich wieder einmal einem Herzschlagfinale. Der 3:0-Erfolg bei Eintracht Gelsenkirchen reichte schließlich, um den VfL Bochum hauchdünn auf den undankbaren dritten Platz zu verweisen. Das Unternehmen Aufstiegsrunde konnte zum dritten Mal in Angriff genommen werden. Vom ersten Spieltag an rollte der RWE-Express unbeirrbar in Richtung Erste Bundesliga. Drei Siege in Serie, darunter ein phantastischer 5:0-Erfolg über den Karlsruher SC. Wer sollte Rot-Weiss Essen noch stoppen?

Der VfL Osnabrück hatte sich vorgenommen, die Ziele der Essener noch zu durchkreuzen, doch an der "Bremer Brücke" feierten zunächst nur die fast 15.000 mitgereisten Essener Fans ein Fußballfest vom Feinsten. Schon nach neun Minuten versetzten Treffer von Georg Jung und Helmut Littek sie in Erstligastimmung. Kurz nach der Pause setzte Willi Lippens noch einen drauf, und auf den Rängen regierte nur noch rot und weiss.

Nach dem Schlusspfiff war die Stimmung in den drei Sonderzügen und den unzähligen PKWs allerdings gedämpft, denn die Norddeutschen hatten noch in einem furiosen Schlussspurt den Ausgleich geschafft. Die Aufstiegsfeier musste erst einmal verschoben werden. Der Schock über den überflüssigen Punktverlust saß allerdings nicht sehr tief, denn schon drei Tage später nahm die Essener Torfabrik ihre Arbeit gegen Tasmania 1900 wieder auf. Willi Lippens, Helmut Littek und Nobby Führhoff jagten dem gegnerischen Torhüter die Bälle nur so um die Ohren. Da sich die Essener im Rückspiel gegen den VfL Osnabrück nicht noch mal einen 3:0-Vorsprung aus den Händen nehmen ließen, wurde der Aufstieg in souveräner Manier perfekt gemacht.

1971 Abstieg aus der 1. Bundesliga und der Bundesliga-Skandal

Im Juni präsentierte Gregorio Canellas, damaliger Präsident der Kickers Offenbach, den Gästen auf seinem Geburtstag eine erstaunliche Geschichte. In der Fußball-Bundesliga gab es Manipulationen. Nationalspieler - Idole von Tausenden Fußballfans bundesweit - haben Bestechungsgelder angenommen und falsch gespielt. Canellas spielte vor seinen Gästen Tonbänder ab, auf denen die Stimmen bekannter Fußballspieler zu hören waren, die um Tore, Punkte und Geld feilschten. Am 6. Juni 1971 ging die Meldung vom Bundesligaskandal durch alle Redaktionen der Republik.

Im späten Nachmittag war das dramatische Spieljahr 1970/71 gelaufen. Die Borussia aus Mönchengladbach war durch ein 4:1 bei Eintracht Frankfurt zum zweiten Mal Deutscher Meister geworden. Bayern München wurde nach einer 0:2-Niederlage in Duisburg Vizemeister. Rot-Weiss Essen beendete diesen letzten Spieltag als sicherer Absteiger. Selbst ein Sieg gegen den Hamburger SV hätte die Essener nicht mehr retten können. Erstaunlicherweise hatten sich einige Clubs von den Abstiegsrängen entfernt, die in der Hinrunde noch weit hinter Rot-Weiss Essen gestanden hatten.

Durch die Beichte des Offenbacher Präsidenten wurde klar, dass man sich im Fußball wohl nicht nur durch sportliche Leistungen vom Abstieg aus der höchsten Spielklasse fernhalten konnte. Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld machten davon Gebrauch, und auch Rot-Weiss Oberhausen war daran beteiligt. Während Offenbach die Flucht nach vorne antrat - immerhin konnte man sich trotz der Manipulationen nicht retten - wies man Bielefeld nach, mindestens drei Spiele "gekauft" zu haben: gegen den VfB Stuttgart (1:0), beim FC Schalke 04 (1:0) und bei Hertha BSC Berlin (1:0). Wer jetzt aber glaubte, nach diesem Tatbestand werde der gerechten Sache zum Siege verholfen (und in Essen glaubte man dies), sah sich allerdings getäuscht. "Ohne die Punkte aus den bekannt gewordenen Bestechungsfällen", so argumentierte RWE-Präsident Dr. von Wick damals zu Recht, "wäre Arminia Bielefeld zusammen mit den Kickers Offenbach auf den letzten Tabellenplätzen gelandet."

1971 -2-

Doch auch ohne diese Rechnung hätten diese Vereine logischerweise durch eine Rückversetzung in die Regionalliga bestraft werden müssen. Doch dem war nicht so. Die Bundesligasaison 1971/72 fand ohne Rot-Weiss Essen statt. Zwei Jahre brauchte Rot-Weiss Essen dann, um wieder in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Selbst drei Jahre später, im Jahr der Weltmeisterschaft 1974, war dieser Skandal noch nicht ausgestanden. Vor dem Zivilgericht gab es noch einen Prozess wegen Meineid gegen den königsblauen Nachbarn aus Schalke, der später auf 1975 vertagt worden ist. Auf Unverständnis stießen die Urteile des DFB. Alle Sünder, die Punkte kauften bzw. verkauften, wurden wieder für den Spielbetrieb zugelassen. Torwart Manglitz vom 1.FC Köln hingegen, der von den Kickers Offenbach 25.000 DM bekam, wenn er gegen Essen so gut wie möglich halten würde, durfte nicht einmal mehr als Amateurfußballer tätig werden. Nach den Satzungen hätte er niemals bestraft werden dürfen, weil ein Torwart immer versuchen wird, sein Möglichstes zu tun, um Tore des Gegners zu verhindern. Dieser Skandal kostete den deutschen Fußball einigen Kredit.

1973 Rückkehr in die 1. Bundesliga

Die Saison 1972/73 war ein einziger Triumphmarsch in rot und weiss. In der Regionalliga gab es nicht einmal ansatzweise einen ernsthaften Konkurrenten, und wer den Favoriten ärgerte, der bekam prompt seine Strafe. Besonders hart traf es den Nachbarn aus Mülheim-Styrum, der sich erdreistete, in der Höhle des Löwen, sprich an der Hafenstraße, den Führungstreffer zu erzielen. Die Antwort von Harry de Vlugt, "Pille" Gecks, Nobby Führhoff und Willi Lippens liess nicht lange auf sich warten.

Zehnmal schlug es im Kasten der Mühlheimer ein, die sich wohl wie auf dem örtlichen Schützenfest vorkommen mussten. Borussia Dortmund leistete in der heimischen "Roten Erde" zwar weitaus mehr Widerstand, doch am Ende musste sich auch der BVB mit 2:3 beugen. Mit fünf bzw. zwölf Punkten Vorsprung auf Fortuna Köln und Bayer 05 Uerdingen ging die Witzler-Elf souverän durchs erste Etappenziel. Konzentriert absolvierten die alten "Aufstiegsrunden-Hasen" auch das zweite Teilstück.

Gleich zum Auftakt wurde der vermeintlich schärfste Mitfavorit SV Darmstadt 98 in die Schranken verwiesen. Der Rest war nur noch Formsache. Fast hätten die Essener auch im DFB-Pokal für Furore gesorgt. Bundesligist Hamburger SV bekam eine Halbzeit lang eine Lektion erteilt und lag mit sage und schreibe 5:0 zurück. Drei Treffer der Norddeutschen sorgten dann dafür, dass für sie im Rückspiel (damaliger Pokalmodus) noch alles möglich war. Trotz großartiger Gegenwehr ging dem Zweitligisten dann aber in der Verlängerung die Puste aus, und Essen musste sich mit 0:5 beugen.

1977 Erneuter Abstieg aus der 1. Bundesliga

Schon vor dem Meisterschaftsstart war sich die Essener Fußballgemeinde darüber bewusst, dass das siebte Bundesligajahr kein Zuckerschlecken für Rot-Weiss Essen werden würde. Mit Willi "Ente" Lippens (zu Borussia Dortmund) und Manfred Burgsmüller (zu Bayer 05 Uerdingen) hatten gleich zwei Leistungsträger den Deutschen Meister von 1955 verlassen.

Als dann auch noch Torhüter Heinz Blasey, Horst Hrubesch und Abwehrchef Hartmut Huse verletzungsbedingt eine Zwangspause einlegen mussten, nahm das Unglück seinen Lauf. Nach 15 Spieltagen konnten die Essener gerade einmal fünf Punkte auf der Habenseite verbuchen. Ein 18-jähriger Youngster flößte den Essenern dann wieder neuen Mut ein. Frank Mill, der im Sommer mit der A-Jugend die Vize-Meisterschaft errungen hatte, wurde ins kalte Bundesligawasser geworfen und hatte Erfolg. Sein Treffer in Frankfurt hatte beim 1:3 zwar nur statistischen Wert, aber sieben Tage später trug ein Tor von Frank Mill zumindest dazu bei, dass in Düsseldorf ein Zähler heraussprang.

Der Bann schien gebrochen. Rot-Weiss Essen startete mit dem genesenen Horts Hrubesch, der es insgesamt auf 20 Tore brachte, eine Aufholjagd. Die Zebras aus Duisburg beendeten dann allerdings mit einem deprimierenden 4:0 über den Nachbarn die kleine Essener Serie. Der Sturz in die Zweitklassigkeit war nicht mehr aufzuhalten. Am 14. Mai 1977 verabschiedete sich Rot-Weiss Essen mit einem 5:3-Sieg über Fortuna Düsseldorf aus der Bundesliga.

1984 Abstieg aus der 2. Bundesliga

Obwohl es an der Hafenstrasse ein neues Dach gab, standen die Rot-Weissen schon am ersten Spieltag im Regen. Mit einem Freundschaftsspiel gegen den Pokalsieger 1.FC Köln, der standesgemäß mit 5:3 gewann, wurde die neue Osttribüne eingeweiht. Von den guten Ansätzen war in Ulm allerdings nicht mehr viel zu sehen. Mit 2:5 gingen Pusch & Co. bei den Spatzen unter, und anschließend weinte nicht nur der Himmel.

Die Abwehr um Karl Richter blieb auch in der Folgezeit das große Sorgenkind der Essener. Selbst zu Hause erwies sich die vermeintliche Deckung eher als löcheriger Käse. Gegen den KSC musste Keeper Carsten Hallmann vier-, gegen Saarbrücken gleich fünfmal hinter sich greifen. Kleiner Lichtblick: Dem souveränen Tabellenführer Schalke 04 trotzten die Essener einen Punkt ab. Trotzdem ist zur Weihnachtszeit nicht nur das Punkte-, sondern auch das Bankkonto nur dürftig gefüllt. Um wirtschaftlich zu überleben, muss Rot-Weiss Essen sich schmerzlicherweise von Goalgetter Jürgen Wegmann, der bereits zwölf Treffer erzielte, trennen. Für rund eine Million Mark wechselte er zu Borussia Dortmund.

Während die Spieler nicht richtig in Schwung kamen, drehte sich das Trainerkarussell plötzlich immer schneller. Für Rolf Bock kam Janos Bedl, der musste Burkhardt Schacht weichen, und zum Schluss schwang dann Siegfried Melzig das Zepter. Mit ihm und einer schweren Hypothek reisten die Essener zum Saisonfinale ins Gelsenkirchener Parkstadion: Wenn Konkurrent Rot-Weiss Oberhausen nicht patzt, konnte nur noch ein Sieg den Abstieg verhindern.

Obwohl Rot-Weiss Oberhausen gegen Lütteringshausen mit 4:0 die Oberhand behielt und Essen in Gelsenkirchen mit 0:5 verlor, gab es noch eine kleine Chance. Im Schalker Aufstiegstaumel wurde Essens Torwart Carsten Hallmann von einem königsblauen Fan verletzt und musste ausgewechselt werden. Die Partie wurde daraufhin wiederholt, doch der Strohhalm war zu dünn, und Schalke pustete mit 2:3 die Essener Zweitliga-Lichter aus.

1986 Rückkehr in die 2. Bundesliga

"Der 4:1-Sieg in Viersen war das beste Auswärtsspiel meiner Amtszeit", jubelte Dieter Tartemann schon am siebten Spieltag. Auch an den folgenden Wochenenden erschien der Coach der Essener meist zufrieden zur Pressekonferenz, denn seine Mannschaft blieb auf Erfolgskurs. Lediglich der BVL Remscheid konnte den Essenern, bei denen mittlerweile Michael Tönnies auf Torejagd geht, halbwegs auf den Fersen bleiben.

Doch dann erlaubten sich die Rot-Weissen gleich zwei "Karnevalsscherze" hintereinander. Im Stadtderby sicherte der Treffer von Klaus Wuschka den ETB-Sieg, und eine Woche später gab es gegen Viersen gleich die zweite Heimniederlage obendrauf. Glücklicherweise bewahrten sowohl die Spieler als auch die Verantwortlichen danach die Ruhe, und Rot-Weiss Essen erreichte mit einem Punkt Vorsprung das Oberligaziel (damals 3. Liga, heute 4.). Mit großen Hoffnungen machten sich die Essener Fans dann auch in den kühlen Norden zum VfB Oldenburg auf, der die Essener aber gleich mit 5:0 abschoss.

Der 2:1-Erfolg über den FC St. Pauli versöhnte die Anhänger dann auch wieder, zumal man in den nächsten Spielen konzentrierter zur Sache ging. In Münster hatten es die Essener dann selbst in der Hand, mit einem Sieg über den ASC Schöppingen alles klar zu machen. Rüdiger Abramczik war kaum zu bremsen, drehte gleich viermal jubelnd ab und liess danach die Champagner-Korken knallen. Im Preussenstadion feierten 8.000 Essener den 5:1-Triumph. Das Kapitel Oberliga konnte erst einmal ad acta gelegt werden.

1991 Lizenzentzug und Abstieg aus der 2. Bundesliga

Bis zum letzten Moment musste Rot-Weiss Essen um die Lizenz zittern, doch im Trainingslager in Ascheberg erhielten die Profis endlich den heißersehnten Anruf von Manager Hans Wüst: Der DFB erteilt für die Saison 1990/91 grünes Licht. "Ein einstelliger Tabellenplatz mit Blick nach vorne" lautete die Zielsetzung von Hans-Werner Moors. Eine Meßlatte, die von den Essener Spielern nicht übersprungen werden konnte, zumal mit Dirk "Putsche" Helmig zum wiederholten Mal ein Leistungsträger aus finanziellen Gründen zum Jahreswechsel verkauft werden musste.

Da Helmig-Ersatz Michael Hubner erst spät der Durchbruch gelang, begann danach der für Rot-Weiss Essen fast schon traditionelle Existenzkampf in der Zweiten Bundesliga. Der VfB Oldenburg gewann z.B. selbst mit zehn Mann 3:1 an der Hafenstrasse, und auch in Hannover hingen die Trauben beim 0:2 zu hoch. Der klare 3:0-Erfolg gegen den SC Freiburg blieb leider nur eine Eintagsfliege, denn es folgten 1:7 Punkte in Serie. Erst in Mannheim konnten sich die Essener an den eigenen Haaren aus dem Abstiegssumpf ziehen. Das abschließende 0:3 bei den Stuttgarter Kickers hat nur noch statistischen Wert.

Der Jubel über das glückliche Ende - Essen war mit 34:42 Punkten auf dem 15. Tabellenplatz - verflog allerdings recht schnell. Bevor die Herren des DFB-Vorstandes am 22. Juni ins Olympiastadion pilgerten, um dem Pokalfinale zwischen dem SV Werder Bremen und dem 1.FC Köln beizuwohnen, teilten sie dem Essener Schatzmeister Hans-Jürgen Bredendiek die schmerzliche Nachricht mit: Rot-Weiss Essen erhält keine Lizenz für die kommende Saison und wird ins Amateurlager zurückversetzt.

1992 Deutscher Amateurmeister

Vor dem An- und nach dem Abpfiff des ersten Saisonspieles rieben sich eingefleischte RWE-Fans verwundert die Augen. Zunächst einmal, weil sie sich nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga an die vielen neuen Gesichter in der neuformierten Mannschaft gewöhnen mussten, anschließend über die furiose Spielweise der zusammengewürfelten Elf.

Mit einem in dieser Höhe absolut überraschenden 4:0-Erfolg über den 1.FC Bocholt spielte sich diese Mannschaft gleich zum Auftakt in die Herzen der Anhänger. Dem SC Brück schlug die Angriffslust der Röber-Schützlinge besonders auf den Magen. Die 90 Minuten gegen Rot-Weiss Essen wurden für sie zum Alptraum erster Klasse, denn die 1:9-Packung im eigenen Stadion glich schon einer Demütigung. Auch Titelfavorit Wuppertaler SV konnte den Gipfelsturm der Essener nicht stoppen. Mit englischer Begeisterung feierten rund 15.000 Zuschauer den knappen, aber verdienten 1:0-Erfolg.

Nach Abschluss der Hinrunde konnte sich Rot-Weiss Essen mit zwei Punkten Vorsprung den Titel als Herbstmeister sichern, aber Trainer Jürgen Röber blieb trotzdem skeptisch: "Wir sind zwar Tabellenführer, aber zwei, drei Niederlagen und wir sind wieder ganz schnell weg vom Fenster." Frank Kontny musste zwar nur einmal, und zwar in Aachen, als geschlagener Kapitän vom Rasen gehen, doch ein läppisches Törchen ließ den Wuppertaler SV noch vorbeiziehen.

Die anschließenden Begegnungen um die Deutsche Amateurmeisterschaft waren mehr als nur ein Trostpflaster für den verpassten Aufstieg in die 2. Bundesliga. Immerhin konnten sich die Essener mit dem Gruppensieg durch die Hintertür in die DFB-Pokal Hauptrunde einschleichen. Der Hunger war damit jedoch noch nicht gestillt. In einem Herzschlagfinale wurde die Spielvereinigung Bad Homburg in die Knie gezwungen, und an der Hafenstrasse gab es endlich mal wieder eine Meisterschaft zu feiern - auch wenn es nur die Amateurmeisterschaft war.

1993 Aufstieg in die 2. Bundesliga

Alle Trainer der 15 anderen Vereine der Liga waren sich einig: Meister wird nur der RWE. Für Jürgen Röber war die Favoritenrolle allerdings keine Bürde: "Wir werden uns der Herausforderung stellen. Packen wir es an!" Zum Auftakt griff seine Mannschaft dann erst einmal gehörig daneben: Mit 5:2 wurde das Team von den Amateuren des 1.FC Köln kräftig auf die Hörner genommen. Zunächst erst schleppend, dann aber immer schneller kam der Aufstiegsexpress ins Rollen.

Auch wenn das Pflaster in der Domstadt sich auch weiterhin nicht als erfolgreich erwies, denn auch Viktoria Köln behielt beide Punkte am Rhein, war der Vorsprung zur Halbzeit recht respektabel. Vier Punkte Vorsprung waren ganz komfortabel, zumal sich das Georg-Melches-Stadion als uneinnehmbare Festung präsentierte: 14:0 Punkte lautete die makellose Heimbilanz.

Den Sand vom Winterschlaf noch in den Augen, ließen sich die Essener erneut vom Kölner Talentschuppen überraschen und auskontern. Auch wenn die Essener ins Stolpern gerieten, von der Tabellenführung konnte sie keiner verdrängen. Der souveräne 3:0-Sieg gegen Alemannia Aachen am Tivoli war dafür der beste Beweis. Die errungene Meisterschaft in der Oberliga Nordrhein war zwar schön und gut, letztendlich jedoch wertlos, wenn in der folgenden Qualifikationsrunde der Aufstieg nicht unter Dach und Fach gebracht worden wäre.

Wie erwartet, erwiesen sich die Münsteraner Preußen bis zum letzten Spieltag als hartnäckigster Konkurrent. Gemeinsam waren Hans-Werner Moors und Jürgen Röber knapp zwei Jahren zuvor vom DFB ins Amateurlager verbannt worden, die Rückkehr zu den Profis konnte jedoch nur einer schaffen. In einer eindrucksvollen Manier nahm Rot-Weiss Essen auch die letzte Hürde und versetzte die Ruhrmetropole in totale Euphorie. Zwei Spielzeiten nach dem Lizenzentzug war Rot-Weiss Essen wieder da.

1994 Erneuter Lizenzentzug und Abstieg aus der 2. Bundesliga

In der Saison 1993/94 lagen Freud und Leid für Rot-Weiss Essen dicht beieinander. Ende März 1994, Rot-Weiss Essen war als Zweitligist längst für das DFB-Pokalfinale in Berlin qualifiziert, entschied der DFB in Frankfurt, Rot-Weiss Essen die erteilte Lizenz für die Saison 1993/94 nach einer Selbstanzeige des Vereins zu entziehen. Damit sollte Rot-Weiss Essen bereits im März an das Tabellenende rutschen und als erster Absteiger feststehen.

Der DFB sah sich bei der Erteilung der Lizenz von Rot-Weiss Essen getäuscht. Anstoß gaben zwei Verträge mit dem ehemaligen Präsidenten Anton Döbbe. Der Verein schuldete Döbbe rund 1,6 Millionen Mark. In beiden Verträgen verzichtete Döbbe auf einen Teil seiner Forderung. Beide Verträge trugen auf Seite des Vereins die Unterschriften der Vorstandsmitglieder Himmelreich, Lessau und Buddenbrock. Beide Verträge, so urteilte das Landgericht Essen im November 1993, sind "wirtschaftlich gleichwertig". Das Eigentor aus Sicht des DFB lag darin, dass ein Vertrag für die Lizenzverhandlungen nach Frankfurt ging, und ein Vertrag in Essen in der Schublade blieb. Deswegen zeigte der DFB den Essenern die rote Karte. Rot-Weiss Essen musste erneut den bitteren Gang in die Drittklassigkeit antreten.

 

1994 DFB-Pokalfinale gegen Werder Bremen

Am 14. Mai 1994 hatte Rot-Weiss Essen die große Chance, seinen Erfolg aus dem Jahr 1953 zu wiederholen. Nach dem Lizenzentzug und dem damit verbundenen Abstieg in die Regionalliga zeigten die Essener gerade im DFB-Pokal eine herausragende Leistung. Eine Trotzreaktion?

Der Essener Siegeszug begann in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals. Gegen den 1.FC Bocholt gewann Rot-Weiss Essen mit 3:2, danach folgte ein knapper 3:2-Sieg gegen den FC St. Pauli, der erst in der Verlängerung möglich wurde. Im Achtelfinale bezwangen die Essener dann den Nachbarn MSV Duisburg mit 4:2. Zittern mussten die Rot-Weissen im Viertelfinale. Beim FC Carl-Zeiss Jena stand es nach 90 Minuten 0:0. Auch die Verlängerung brachte keine Entscheidung, also kam es zum Elfmeterschießen, das Essen aber mit 6:5 für sich entscheiden konnte. Im Halbfinale wurde dann auf dem schneebedecktem Rasen an der Hafenstrasse Tennis Borussia Berlin mit 2:0 geschlagen.

Damit war der Weg frei für das Finale in Berlin. Gegner und haushoher Favorit war der Bundesligist SV Werder Bremen. Die Stimmung im mit 78.000 Zuschauern ausverkauften Berliner Olympiastadion war großartig, und die Zuschauer bekamen ein spannendes Spiel zu sehen. Bremen bestimmte die erste Halbzeit und ging mit einer verdienten 2:0 Führung durch Beiersdorfer (17.) und Herzog (38.) in die zweite Hälfte. Nach der Halbzeit drehten die Essener groß auf und "stürzten die Bremer von einer Verlegenheit in die andere" (Otto Rehhagel).

1994 DFB-Pokalfinale gegen Werder Bremen -2-

Rot-Weiss Essen hatte nun ganz kurz vor dem Sturz in die Drittklassigkeit noch einmal die Chance, einen großen sportlichen Erfolg zu feiern. "Wir wollten dem DFB zeigen, dass so eine Mannschaft in den Profifußball gehört", erklärte Essens Libero und Kapitän Ingo Pickenäcker. Der DFB hatte den Essenern die Lizenz entzogen "und die Spieler müssen nun für die Fehler des Vorstandes büßen", so Oliver Grein. Und damit das Leiden nicht einseitig blieb, mussten in der zweiten Hälfte die Bremer für den Frust der Essener büßen. In der 50. Minute nutze Bangoura einen Fehler von Bernd Hobsch zum 1:2-Anschlusstreffer. Von da an bestimmte Rot-Weiss Essen das Geschehen im Mittelfeld und demonstrierte enormen Kampfgeist. Immer wieder sorgten Distanzschüsse für Gefahr. "Da haben wir sie glatt an die Wand gespielt", war die Meinung von Trainer Wolfgang Frank.

In der 88. Spielminute wurde Torwart Frank Kurth von Wolters umspielt, doch seinen Torschuss konnte Roman Geschlecht an den Pfosten abwehren – mit der Hand. So hieß es zwei Minuten vor dem Ende Frank Kurth gegen Wynton Rufer. Der Neuseeländer ließ Frank Kurth aber keine Chance und verwandelte zum entscheidenden 3:1 für Werder Bremen. Nach dem Spiel wurden die Essener dann von ihren Fans mit "Wir sind stolz auf unser Team"-Gesängen wie ein Sieger verabschiedet.

1996 Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga

Zwei Jahre nach dem Zwangsabstieg aus der 2. Bundesliga und dem Pokalfinale in Berlin meldeten sich Rot-Weiss Essen im bezahlten Fußball zurück. Meister sind die Essener zwar nicht geworden, aber spitze war die Mannschaft aus dem Ruhrgebiet trotzdem.

Vor allem bei den Zuschauern war Rot-Weiss Essen ungeschlagen. Rund 750.000 kamen insgesamt in die Stadien zu den 342 Begegnungen der Regionalliga West/Südwest, im Schnitt 2.205 zu jeder Partie. 149.600 Fans, das ergab einen Schnitt von 8.311 Zuschauern pro Spiel, pilgerten alleine an die Hafenstraße. Bei diesem Vergleich hatte selbst der Meister aus Gütersloh keine Chance gegen den Vize.

Spitze waren die Rot-Weissen vor allem in der Fremde. Elf Siege, drei Unentschieden und vier Niederlagen ergaben 36 Punkte. Kein anderes Team der Liga war in dieser Beziehung besser. Essen verspielte den Titel allerdings keinesfalls auf eigenem Platz, sondern im direkten Vergleich gegen Gütersloh. Zu Hause verlor man mit 3:6 und in Ostwestfalen mit 0:2. Letztendlich führten die Gütersloher die Tabelle dann aber doch mit 16 Punkten Vorsprung klar an. Aber einen Rekord stellte Rot-Weiss Essen dennoch auf: Mit 31 Gegentreffern stellten die Essener die beste Abwehr der Liga.

Bester Essener Torschütze in dieser Saison war Wolfram Klein mit 15 Treffern. An 20 der 36 Spieltagen standen die Essener auf einem Aufstiegsplatz, so dass eine Rückkehr zwei Jahre nach dem Lizenzentzug für die Essener durchaus verdient war.

1997 Erneuter Abstieg aus der 2. Bundesliga

In der Saison 1996/97 wagte Rot-Weiss Essen erneut das Unterfangen 2. Bundesliga, nachdem die letzten beiden Versuche 1991 und 1994 mit Lizenzentzügen endeten. Diesmal sollte es allerdings sportlich nicht gelingen, die Klasse zu erhalten. Einer der Gründe für den Abstieg war die desolate Abwehrleistung der Essener in diesem Jahr. Das rot-weisse Tor entwickelte sich im Laufe der Saison zu einer wahren Schießbude. 74 mal durfte der Essener Keeper hinter sich greifen.

Im Sturm hingegen lief es prächtig. Mit 47 Treffern waren nur sechs andere Mannschaften erfolgreich. Essens Stürmer Angelo Vier wurde sogar am Saisonende Torschützenkönig in der 2. Bundesliga. Aber der beste Sturm nützt nichts, wenn die Abwehr in einem desolaten Zustand ist. 13 mal kassierten die Essener drei oder mehr Treffer. Häufig führte die Mannschaft von der Hafenstrasse sogar und musste sich letzten Endes dann doch geschlagen geben.

Trauriger Höhepunkt in dieser Beziehung war wohl die Niederlage in Kaiserslautern auf dem Betzenberg. Rot-Weiss Essen führte bis zur 80. Minute mit 0:2 beim unangefochtenen Spitzenreiter aus der Pfalz, doch nach 90 Minuten stand es dann 3:2 für die Gastgeber. Am Ende der Saison standen die Essener mit 13 Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz an vorletzter Stelle. Nur der VfB Oldenburg sammelte in dieser Saison noch weniger Punkte. Essen trat also erneut den schweren Gang in die Drittklassigkeit an. Aus finanziellen Gründen konnten viele Spieler wie zum Beispiel Angelo Vier nicht mehr gehalten werden. Essen stolperte im Sommer 1997 einer ungewissen und dunklen Zukunft entgegen.

1998 Abstieg in die Oberliga Nordrhein

Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga wurde in Essen eine neue Truppe um erfahrene Spieler wie Ingo Pickenäcker, Frank Kurth, Wolfram Klein oder Dirk "Putsche" Helmig geformt. Zum großen Leidwesen verließen Spieler wie Angelo Vier oder Günter Kutowski die Hafenstrasse. Leider genügte diese Truppe nur selten dem Anspruch, der an sie gestellt worden ist.

Nur ganze sechsmal durften die Anhänger der Truppe von der Hafenstraße nach 90 Minuten jubeln, und genau wie im Vorjahr war der rot-weisse Kasten die Schießbude der Liga. Ganze 80 mal durfte der Essener Torwart hinter sich greifen. Die Stürmer waren nur halb so oft erfolgreich: 41 mal schlug der Ball im gegnerischen Tornetz ein. Immer wieder setzte es gewaltige Niederlagen, wie zum Beispiel zu Hause mit 0:5 gegen den SC Verl oder mit 0:4 gegen den FC Homburg.

Auch auswärts waren die Essener eigentlich nicht erfolgreich, denn auch in der Fremde gab es zum Beispiel eine 0:6-Niederlage gegen die Amateure des 1.FC Kaiserslautern oder auch ein 0:6 gegen den SC Paderborn. Essens Trainer Dieter Brei begründete die Misserfolge immer wieder mit der Unerfahrenheit seiner vielen jungen Spieler. Sein Nachfolger, Willi "Ente" Lippens, der allerdings auch nichts mehr retten konnte, suchte die Gründe bei der Kondition der Spieler. Letzteres schien auch der Fall zu sein, denn die Mannschaft ging oft in Führung und verspielte dann einen Sieg oder ein Unentschieden meist gegen Ende der 2. Halbzeit.

Am letzten Spieltag bekleideten die Essener dann den vorletzten Tabellenplatz mit sechs Punkten Rückstand auf den rettenden 15. Platz und trat zusammen mit Germania Teveren und dem Bonner SC den schweren Gang in die Oberliga an.

1999 Aufstieg in die Regionalliga West/Südwest

Nach dem freien Fall aus der 2. Bundesliga bis in die Oberliga befand sich Rot-Weiss Essen auf dem Tiefpunkt seiner Vereinsgeschichte. Bis auf ganz wenige Spieler, unter anderem Frank Kurth, hatten fast alle Akteure der Hafenstraße den Rücken gekehrt, und es musste eine ganz neue Truppe um Essens Trainer Dieter Tartemann zusammengestellt werden. Für den Traditionsverein gab es von Saisonbeginn an nur ein Ziel: Der Wiederaufstieg in die Regionalliga West/Südwest.

Obwohl die Testspiele recht positiv verliefen, ging der Saisonstart in die Hose, als die Amateure von Borussia Mönchengladbach mit einem Tor kurz vor Spielende den Essenern Aufstiegsgedanken einen gehörigen Dämpfer verpassten. Doch durch konzentriertes Spielen arbeitete Essen sich Stück für Stück nach vorne und stand zur Halbzeit nach einem knappen 2:0-Auswärtssieg beim SV Adler Osterfeld, der sich überraschenderweise als härtester Konkurrent im Aufstiegskampf entpuppte, im Oberhausener Niederrheinstadion an der Tabellenspitze.

Doch die Rückrunde begann genauso wie die Hinrunde, nämlich mit einer Niederlage gegen die Amateure von Borussia Mönchengladbach. Damit waren die "Fohlen" die einzige Mannschaft, die Essen in dieser Saison zweimal besiegte. Nach schwachen Leistungen der Mannschaft warf Dieter Tartemann nach der 0:1-Niederlage beim 1.FC Bocholt das Handtuch. Sein Nachfolger wurde Klaus Berge. Ab diesem Zeitpunkt ging es dann wieder bergauf für die Essener, doch alles lief auf ein Herzschlagfinale am letzten Spieltag im Georg-Melches Stadion gegen Adler Osterfeld heraus. Doch nachdem Osterfeld patzte, hatten die Essener am vorletzten Spieltag beim SCB Preussen Köln die Möglichkeit, den Aufstieg vorzeitig zu schaffen.

1999 -2-

Voraussetzung waren allerdings drei Punkte. Lange Zeit sah es in Köln jedoch düster für die Essener aus, denn die Kölner übernahmen zuerst die Führung und hatten viele gute Möglichkeiten, diese noch zu erhöhen. Erst 15 Minuten vor Schluss konnten die Essener durch einen Doppelschlag das Spiel zum Guten wenden. Nach dem Abpfiff gab es für die Fans kein Halten mehr, und sie feierten mit der Mannschaft zusammen auf dem Rasen ausgelassen den Wiederaufstieg in die Regionalliga.

Besonders gefreut über das Essener Gastspiel in der Oberliga haben sich wohl die Schatzmeister der Vereine. In Dinslaken waren zum Beispiel bis April rund 2.000 Fans überhaupt registriert worden - zum Spiel gegen Essen kamen dann rund 6.000 Zuschauer. Auch in den beiden Stadtderbys gegen Schwarz-Weiss Essen wurden mit je 11.000 Zuschauern Oberliga-Rekordwerte erzielt. Rot-Weiss Essen hatte am Ende der Saison mehr Zuschauer, als die übrigen Vereine der beiden Oberligen Nordrhein und Westfalen zusammen.

2000 Qualifikation zur Regionalliga Nord

Zu Beginn der Saison erklärte Trainer Klaus Berge seinen Rücktritt aus beruflichen Gründen. Sein Nachfolger wurde Fritz Fuchs. Er hatte mit seinem Team eine schwierige Aufgabe vor sich, denn durch die Neugliederung der Regionalligen sollte die Anzahl im folgenden Jahr auf zwei reduziert werden. Für diese neue Regionalliga Nord sollten sich aus der bestehenden Regionalliga West/Südwest nur die ersten elf Mannschaften qualifizieren, folglich gab es also neun Absteiger in diesem Jahr.

Obwohl die Mannschaft an der Hafenstraße ordentlichen Fußball bot, zeigte sie in der Fremde doch oft Schwächen und verlor gerade auswärts unnötig Punkte. Höhepunkt war wohl das Spiel beim LR Ahlen, als Rot-Weiss Essen schon nach neun Spielminuten mit 0:3 hinten lag, zum Schluss aber ein 3:3 erreichte. Nach nur einem Punkt aus fünf Spielen und einer 2:3-Niederlage zu Hause gegen Eintracht Trier musste Trainer Fritz Fuchs am 27. Oktober 1999 seinen Hut nehmen. Rot-Weiss Essen war mittlerweile auf den zwölften Platz gerutscht und musste jetzt sogar um die Qualifikation bangen.

Bei der anschließenden 1:2-Niederlage in Paderborn saß dann Co-Trainer Michael Dämgen auf der Bank. Am 8. November 1999 kehrte Klaus Berge wieder an seine alte Wirkungsstätte zurück. Danach ging es wieder aufwärts für Rot-Weiss Essen, und am vorletzten Spieltag war die Qualifikation für die zweigleisige Regionalliga trotz einer Niederlage bei den Amateuren des VfL Bochum unter Dach und Fach.

 

2001 Dramatische Rettung vor dem Zwangsabstieg

Sportlich war der Klassenerhalt geschafft, doch auf einmal sah es so aus, als stehe Rot-Weiss Essen erneut am Abgrund. Am späten Donnerstag Abend des 8. Juni 2001, also vier Tage vor Ablauf der Frist zum Einreichen der Lizenzunterlagen beim DFB, bekam Rot-Weiss Essen ein Fax vom Partner Sportwelt, in dem die Tochter der Kinowelt AG mitteilte, die vom Deutschen Fußballbund geforderte Bürgschaft in Höhe von 6,153 Millionen Mark werde nicht hinterlegt.

Am darauffolgenden Montag, den 11. Juni, folgten telefonische Gespräche mit potentiellen Geldgebern, doch dem Präsidium war klar, dass eine Entscheidung frühestens erst am Dienstag fallen würde. Viele Fans wollte so lange aber nicht warten, also versammelte man sich bereits am Montagabend mit rund 150 Leuten vor der Geschäftsstelle, um vom Präsidium eine Erklärung zu fordern, die Rolf Hempelmann den wartenden Fans auch gab, indem er um Verständnis und mehr Zeit bat und den Fans das Angebot unterbreitete, am nächsten Tag wiederzukommen. Nach diesen Worten löste sich die Versammlung auf, und einige Fans fuhren in einem Autokorso nach Düsseldorf zum Büro der Sportwelt AG.

Am kommenden Tag kamen dann die ersten Rückmeldungen der potentiellen Geldgeber, und die enorme Finanzlücke wurde durch das leidenschaftliche und nicht nachlassende Engagement vor allem von Rolf Hempelmann und Geschäftsführer Nico Schäfer von Stunde zu Stunde Schritt für Schritt verkleinert. Insgesamt 1,55 Millionen Mark hatten bereits Mitglieder der Gremien von Rot-Weiss Essen gestellt. An den Gesprächen war unter anderem auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement beteiligt, und auch Essens Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger spielte eine große Rolle, als er sich vor allem noch mal in den letzten Minuten in die Gespräche mit einschaltete.

2001 -2-

Gegen 17:30 Uhr kamen bereits die ersten Rot-Weiss-Fans zum Stadion, um vor der Osttribüne das RWE-Emblem und eine große "1907" aus Grablichtern aufzubauen, die den drohenden Untergang des Traditionsvereines symbolisieren sollten. Die Minuten verstrichen, und gegen 19:00 Uhr hatten nun rund 300 Fans den Weg zur Hafenstrasse gefunden und sich erneut vor dem Eingang der Geschäftstelle versammelt, um auf die Ansprache des Präsidenten zu warten. Nachdem es immer später wurde, wurden auch die Fans vor dem Stadion immer nervöser und unruhiger. Um 20:45 Uhr war es dann soweit: Präsident Rolf Hempelmann erschien und sprach, sichtlich erschöpft und auf dem Zaun sitzend, die erlösenden Worte zu Fans: "Wir haben das Geld für die Bürgschaften zusammen!" Noch während er dies sagte, lösten sich Anspannung und Angst in einem überwältigenden Aufschrei der Erleichterung und Freude, eine dramatisch Szene der Begeisterung, die hier kaum in Worten wiedergegeben werden kann.

Nach dieser Mitteilung glich die Hafenstrasse einem Tollhaus. Wildfremde Leute lagen sich jubelnd, zum Teil mit Freudentränen in den Augen, in den Armen und feierten die finanzielle Rettung. Spontan formierte sich ein Autokorso, der einmal quer durch die Innenstadt ging und wieder am Stadion endete. Selbst Lothar, der allen Fans bekannt sein sollte, hielt noch eine kleine Rede vom Dach eines PKW und gab dann, unter dem ohrenbetäubenden Jubel der rot-weissen Anhänger, sein berühmtes "Wer ist der Schreck vom Niederrhein?" zum Besten. In einer Pressekonferenz am 13. Juni erklärte Rolf Hempelmann, dass das Fax mit allen benötigten Lizenzunterlagen genau um 21:01 Uhr, nach nervenaufreibenden Stunden und rund drei Stunden vor Ablauf der Frist, an den DFB nach Frankfurt ging.

2001 Klassenerhalt in der Regionalliga Nord

Ziel dieser Saison sollte eine Festigung im oberen Tabellenbereich sein, um ein Jahr später vielleicht den Aufstieg in die 2. Bundesliga in Angriff zu nehmen. Zu Beginn sah es auch gar nicht mal so schlecht aus. Zwar ging der Saisonauftakt bei Zweitliga-Absteiger TeBe Berlin mit 0:2 gehörig in die Hose, doch vor allem in Heimspielen glänzte Rot-Weiss Essen und besiegte Mannschaften wie Sachsen Leipzig oder Preussen Münster spielend mit 3:1 bzw. 3:0. Diese Heimserie wurde im fünften Heimspiel durch eine 0:2-Niederlage gegen den SV Wilhelmshaven beendet.

Nach dieser Niederlage ging es für Rot-Weiss Essen steil bergab. Vor allem die schlechte Bilanz bei Auswärtsspielen machte dem Verein zu schaffen. Vier Niederlagen in Folge, unter anderem gegen die abstiegsbedrohten Düsseldorfer, brachten den Stuhl von Trainer Klaus Berge mächtig ins Wanken. Ein mehr als mäßiges Spiel beim 1:1 zu Hause gegen die Dortmunder Amateure sollte dann auch sein letztes Spiel als Trainer werden.

Interimslösung bis zum Saisonende wurde Frank Kurth, der bis dato die Landesliga-Reserve betreut hatte. Doch auch der Trainerwechsel brachte keinen Schwung in die Truppe, so dass das erste Spiel des Ex-Torhüters in Wilhelmshaven mit 0:4 verloren ging. Ein ums andere mal verspielte die Mannschaft immer wieder ihre Chancen, den Klassenerhalt, der plötzlich ernsthaft gefährdet war, vorzeitig zu sichern. Nachdem man auch im letzten Heimspiel gegen Wattenscheid 09 die Chance mit einem 1:1-Unentschieden vergeben hatte, kam es am letzten Spieltag zum Fernduell zwischen Rot-Weiss Essen, Fortuna Düsseldorf und den Bremer Amateuren, die plötzlich wieder mit im Rennen um den Klassenerhalt waren. Essen musste in Braunschweig gewinnen, dann wäre es egal gewesen, was die anderen Vereine auf den jeweiligen Plätzen ablieferten.

2001 Klassenerhalt -2-

Es sah auch erst sehr gut aus. Schnell führte Essen mit 0:2, doch Braunschweig wurde immer stärker und kam noch vor der Pause zum 1:2-Anschlusstreffer. Nach der Pause drängte Braunschweig immer weiter auf den Ausgleich, der auch zum Leidwesen der zahlreich mitgereisten Fans gelang. Da Bremen in Köln führte, reichte dieses Unentschieden nicht. Rot-Weiss Essen war der Oberliga seit dem Aufstieg 1999 nicht mehr so nahe. Plötzlich keimte aber wieder Hoffnung auf, als Fortuna Köln mit einem Doppelschlag kurz vor Schluss den Ausgleich erzielten. Damit war Essen wieder drin. Frank Kurth beorderte seine Mannschaft, obwohl er das Zwischenergebnis aus Köln kannte, weiter nach vorne - und er sollte belohnt werden.

Eine verunglückte Flanke von Ali Bilgin prallte in der 89. Spielminute an die Latte und von da aus direkt auf den Kopf von Sascha Wolf, der den 3:2-Endstand erzielte. Dieses Tor war für Essen goldwert, denn Bremen schaffte in Köln noch während der Nachspielzeit die 3:2-Führung. Ein Unentschieden in Braunschweig hätte also nicht gereicht. Essen war sportlich gerettet, aber das eigentliche Zittern begann erst später...

2002 Herzschlagfinale in Münster

Nach der vorangegangenen katastrophalen Saison wurden die Töne an der Essener Hafenstraße leiser. "Wir wollen dieses Jahr einen einstelligen Tabellenplatz. Wenn man bedenkt, dass dieser Verein letztes Jahr fast abgestiegen wäre, dann ist das ein realistisches Ziel", bremste Trainer Harry Pleß bereits vor der Saison die Euphorie, die sich unter anderem durch namhafte Neuverpflichtungen wie zum Beispiel Andreas Fischer vom Hamburger SV oder den Ex-DDR-Nationalspieler Heiko Bonan unter den Fans breit machte.

Einen Vorteil hatte die neue Mannschaft allerdings: Nach der knappen Rettung im Vorjahr hatte sie niemand so richtig auf der Rechnung, und so gelang der Truppe von Harry Pleß ein traumhafter Start. In den ersten elf Spielen konnte das Team nur ein einziges mal besiegt werden. Zwar folgte dann mit einer 0:5-Schlappe in Chemnitz die höchste Saisonniederlage, doch erholte sich das Team von diesem Schlag sehr schnell wieder und stand am Ende der Hinrunde mit 32 Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz. Zwar beteuerte der Coach über die Winterpause hinweg, man wolle trotzdem nur einen einstelligen Tabellenplatz, doch er ließ auch durchblicken, dass dies ja auch nicht unbedingt die Plätze drei bis neun sein müssten. Die Frage war nun, wie Rot-Weiss in die Rückrunde starten würde, und wie die Mannschaft mit ihrer neuen Rolle zurechtkommen würde.

Der Start gelang, und so überstand man die ersten acht Rückrunden-Partien ohne Niederlage. Durch wetterbedingte Spielausfälle verschob sich der Start aus der Winterpause mehrfach, und so hatte Rot-Weiss Essen allein im März sieben Spiele zu absolvieren. Nach fünf Spielen, die überwiegend im Rhythmus von drei Tagen stattfanden, merkte man der Mannschaft die Müdigkeit deutlich an, und plötzlich befand man sich in einer ungewohnten Situation: Nach zwei Niederlagen in Folge - gegen Osnabrück und Lübeck - sowie zwei weiteren Unentschieden stand man vier Spiele ohne Sieg da. Eine Situation, die man in dieser Saison noch nicht erlebt hatte. Da die Konkurrenz allerdings auch immer wieder Federn ließ, mischte Essen weiter an der Spitze mit.

2002 -2-

Am 30. Spieltag war der Jubel unter den Essener Anhängern groß: Durch den 2:0-Sieg beim Dresdner SC und der gleichzeitigen 2:4-Niederlage von Eintracht Braunschweig in Münster stand Rot-Weiss plötzlich mit zwei Punkten Vorsprung auf Braunschweig auf einem Aufstiegsplatz. Für die meisten Fans war klar: Mit Spielen gegen den Tabellenletzten aus Köln, den abstiegsbedrohten SC Paderborn sowie gegen Bremens Amateure und den alten Rivalen Preußen Münster konnte der Aufstieg gar nicht mehr verfehlt werden, doch leider sollte das Spiel gegen Schlusslicht Köln zum tragischen Schlüsselspiel für Essen werden.

Die Fortuna, die mit einem Punkt in Essen zufrieden gewesen wäre, spielte auf Zeit und unterband jeglichen Spielfluss im Essener Spiel. In der 90. Spielminute gab es dann die vermeintliche Erlösung für die Essener Fans, als Dennis Brinkmann die 1:0-Führung erzielte. Doch anstatt abzupfeifen, ließ der Schiedsrichter das Spiel weiterlaufen, und so kam das, was kommen musste: Fortuna Köln erhielt in der 96. Spielminute einen Freistoß zugesprochen, den Michael Oelkuch flach in den Strafraum spielte. Eigentlich hätte der Ball kein Problem für Torhüter Christoph Müller darstellen sollen, allerdings rutschte ihm das Leder durch die Arme, und so stand es plötzlich sechs Minuten nach dem regulären Ende 1:1.

Nach dem Spiel wandelte sich das lähmende Entsetzen in eine Trotzreaktion: "Wir haben immer noch gute Chancen, aber dafür müssen wir alles gewinnen." Diese Taktik ging leider nicht auf. Eine völlig verunsicherte Mannschaft verlor eine Woche später in Paderborn mit 1:3. Nun waren die Chancen auf den Aufstieg nur noch minimal. Eintracht Braunschweig hatte zwei Spiele vor Saisonende vier Punkte Vorsprung, was bedeutete, dass Essen nur noch aufsteigen konnte, wenn man seine eigenen Spiele gegen Bremen und Münster gewinnen würde und Braunschweig gleichzeitig aus den Partien in Aue und gegen Wattenscheid maximal einen Punkt holen würde. Der 33. Spieltag ließ dann unter Verantwortlichen und Anhängern Hoffnung aufkeimen. Das eigene Spiel gegen Bremen wurde locker mit 4:2 gewonnen, und so blickte man gespannt nach Aue. Als der 2:1-Sieg der Erzgebirgler über die Eintracht vermeldet wurde, ging ein Aufschrei der Freude durch das Stadion. Der Weg war frei für ein packendes Saisonfinale.

2002 -3-

Da Konkurrent Lübeck bereits aufgestiegen war, traten Braunschweig und Essen zum Fernduell an. Beide Mannschaften hatten an diesem Tag ein Heimspiel, denn obwohl Essen in Münster spielte, hatten sie die Unterstützung von rund 10.000 mitgereisten Fans im Rücken. Die Partie begann denkbar schlecht: Bereits nach sechs Minuten führte der Gastgeber mit 1:0. Essen wurde dann zwar stärker, doch es sprang nichts Zählbares dabei heraus. Die Eintracht hingegen ging zwar mit 0:1 in Rückstand, konnte aber noch vor der Halbzeit den Ausgleich erzielen. Nach der Pause spielte Essen noch engagierter, und nach einem Doppelschlag durch Weber und Sven Fischer gelang den Rot-Weissen sogar die Führung. Dann wurde das Spiel noch dramatisch. Erst verschoss Achim Weber einen Foulelfmeter, und wenige Minuten später war es dann Kais Manai, der an Christoph Müller aus elf Metern scheiterte. Essen hatte das Spiel aber im Griff, und der Sieg war nicht mehr in Gefahr. In der 90. Spielminute konnte Essen durch Karp sogar noch auf 3:1 erhöhen, doch was war in Braunschweig los?

Da das Spiel in Münster mit vierminütiger Verspätung angefangen hatte, wusste man, dass das Spiel in Braunschweig doch eigentlich vorüber sein musste. Als dann die Bestätigung kam, dass in Niedersachsen Schluss sei, breitete sich Entsetzen unter den Fans und unter den Spielern aus, denn die Eintracht hatte in der 94. Spielminute noch die Führung erzielt und war somit in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Trainer Pleß zeigte sich nach dem Spiel mehr als nur enttäuscht: "Es ist unglaublich. Uns haben vielleicht zehn Sekunden zum Ziel gefehlt. Das ist grausam." Trotz aller Enttäuschung über den verpassten Aufstieg in letzter Sekunde überwog am Ende aber die Freude über eine tolle Saison. Ein bitterer Nachgeschmack blieb allerdings, denn sportlich wäre Essen aufgestiegen und hätte mit einem Punkt vor der Eintracht, die zwei Punkte aus dem Spiel gegen Bremens Amateure am grünen Tisch zugesprochen bekam, gestanden.

2003 Zweitliga-Aufstieg erneut knapp verpasst

Die Erwartungshaltung zu Beginn der Saison war groß: Nach dem knapp verpassten Aufstieg in der Vorsaison sollte das große Ziel nun mit allen Mitteln erreicht werden. Doch schon früh wurde deutlich, dass Rot-Weiss nicht einfach ohne weiteres durch die Saison marschieren würde. Nach drei Spielen war Essen zwar noch ohne Niederlage, konnte aber auch erst drei Punkte auf der Habenseite verbuchen. Erst am vierten Spieltag konnte die Mannschaft mit einem 1:0 gegen Preußen Münster den ersten Sieg einfahren.

Wer aber auf eine Initialzündung hoffte, der hatte sich getäuscht, denn schon eine Woche später setzte es in Wattenscheid die erste Niederlage. Auch mehrere Umstellungen innerhalb des Kaders - inklusive der Position des Torhüters - brachten nicht viel. Die Negativ-Serie setzte sich mit einem 1:1 gegen Kölns Amateure und einer Niederlage im Pokalspiel gegen Vizemeister Bayer Leverkusen fort. Gegen Leverkusen zeigte die Mannschaft aber zum ersten Mal in der Saison eine richtig gute Leistung und alle Experten waren sich einig: "Wenn die diese Leistung auf die Regionalliga übertragen können, dann klappt das mit dem Aufstieg schon. Diese Euphorie wurde jäh gebremst, denn nicht mal eine Woche später setzte es gegen den SC Verl eine bittere 4:5-Heimniederlage. Der Tiefpunkt war erreicht. Die Presse machte das Auswärtsspiel bei den Hamburger Amateuren zum Schicksalsspiel für Trainer Pleß. Vorstand, sportliche Leitung, Trainer und Mannschaft setzten sich zu Gesprächen zusammen und berieten über die Situation. Und dies schien Wirkung zu zeigen: Am 13. September 2002 startete Rot-Weiss eine Serie, die die Aufstiegshoffnung wieder aufkeimen ließ. In den nachfolgenden 14 Spielen blieb die Mannschaft ohne Niederlage und holte 34 Punkte. Dass da teilweise spielerische Defizite durch Kampfgeist und eine gehörige Portion Glück kompensiert wurden, störte zu dem Zeitpunkt niemanden.

2003 -2-

Am 8. März 2003 folgte der Knackpunkt. Gegen die SG Wattenscheid 09, gegen die man die letzten zehn Jahre nicht verloren hatte, setzte es nun gleich die zweite Niederlage in einer Saison. Besonders bitter war die Art, wie dieses Spiel verloren ging. "Ich muss mir Gedanken machen, wie sich die Mannschaft heute hier präsentiert hat“, sagte Pleß nach diesem Spiel. Viel änderte sich allerdings im Laufe der restlichen Saison nicht mehr. Die nächste Niederlage folgte direkt eine Woche später in Köln. Zwei knappe Siege gegen Verl und Hamburg trösteten zunächst über die schwachen Leistungen hinweg, doch nun folgten drei Unentschieden, wovon zumindest zwei mehr als unnötig waren.

In Kiel ging das Team von der Hafenstraße mit 1:0 in Führung und versuchte, diesen Vorsprung über die Zeit zu retten. Die Rechnung hatten sie ohne den Unparteiischen gemacht, der den Gastgebern einen Strafstoß und damit auch einen Punkt schenkte. Am nächsten Spieltag kam dann das Tabellenschlusslicht aus Dresden ins Essener Georg-Melches-Stadion. Eigentlich eine klare Angelegenheit dachten die Fans, doch auch in diesem Spiel kamen die Essener mit einer äußerst schwachen Leistung nicht über ein 2:2 hinaus. Für viele war der Aufstieg verspielt, wurden doch Erinnerungen an das Heimspiel gegen Fortuna Köln der Vorsaison wach.

Die Vereinsführung rief dazu auf, Ruhe zu bewahren. "Wir haben noch sechs Spiele vor uns. Darunter sind noch die Begegnungen gegen die direkten Konkurrenten. Wir haben immer noch alles selbst in der Hand, gab sich Pleß selbstbewusst. Ein Konkurrent, der FC Erzgebirge Aue, konnte auch postwendend an der Hafenstraße mit 1:0 geschlagen werden. Und auch das Spiel in der Leverkusener BayArena konnte man mit einer überzeugenden Leistung mit 3:1 für sich entscheiden. Alles war für das Gipfeltreffen am 16. Mai gegen Tabellenführer Osnabrück gerüstet. Der Druck war immens. Das Spiel bot Chancen und Risiken zugleich. Mit einem Sieg wäre Essen zurück an die Tabellenspitze geklettert – eine Niederlage hätte für den Verlust des Aufstiegplatzes gesorgt. Diesen spürbaren Druck konnte man der Mannschaft deutlich ansehen.

2003 -3-

Vor 23.500 Zuschauern konnte man im ausverkauften Georg-Melches-Stadion zwar die Führung übernehmen, doch der VfL schaffte noch vor dem Pausenpfiff den Ausgleich. Ein Doppelschlag in der zweiten Hälfte brachte die Entscheidung, und Essen rutschte von den Aufstiegsplätzen ab. "Wenn wir aus den letzten drei Spielen neun Punkte holen, dann bin ich fest davon überzeugt, dass wir aufsteigen werden, gab Harry Pleß die Richtung vor. Seine Mannschaft folgte jedoch nicht. In Uerdingen setzte es mit einem 1:2 den wahrscheinlich alles entscheidenden Schlag. Mit dieser Niederlage war der Aufstieg in so weite Ferne gerückt, dass eine Chance schon fast nicht mehr in Prozent auszudrücken war, denn sowohl für Aue als auch für Osnabrück reichten schon ein Sieg in zwei Spielen zum Aufstieg.

Dennoch wollte man in den letzten beiden Partien noch einmal alles geben. "Es wäre doch fahrlässig, wenn Aue oder Osnabrück noch mal straucheln würden und wir unsere Spiele nicht gewonnen hätten, so Präsident Rolf Hempelmann. Während sich Rot-Weiss im Heimspiel gegen Paderborn zu einem 2:1-Sieg abmühte, machte Aue mit einem 4:1-Erfolg gegen den Dresdner SC alles klar. Osnabrück hingegen strauchelte tatsächlich und kam in der Hamburger AOL-Arena nicht über ein 0:0 hinaus. So entschied sich der Aufstieg also erneut - wie schon in der Vorsaison - in einem Fernduell am letzten Spieltag, und erneut hatte Essen die schlechteren Karten. Die Situation war folgende: Rot-Weiss musste in Bremen siegen, und Osnabrück durfte nicht einen Punkt holen. Dieser letzte Spieltag war ein Spiegelbild der gesamten Rückrunde. Osnabrück machte seine Hausaufgaben und schlug Kiel mit 2:0, doch die Mannschaft von Trainer Pleß konnte noch nicht mal die Bremer Amateure schlagen und kam über ein 0:0 nicht hinaus.

"Das ist doch einfach nur brutal! Wir sind jetzt zwei mal in Folge Dritter geworden. In der ersten Liga qualifiziert man sich auf dem dritten Platz für die Champions-League, in der Zweiten Liga reicht der dritte Platz für den Aufstieg, und in der Regionalliga hält man als Dritter nichts in den Händen", brachte Harry Pleß den Saisonabschluss auf den Punkt.

2004 Aufstieg in die 2. Bundesliga

Aller guten Dinge sind drei - so spricht der Volksmund, und er sollte Recht behalten. Zweimal scheiterten die Rot-Weissen auf der Zielgeraden zum Aufstieg in die Zweite Bundesliga, doch dieses Mal war alles anders. Wie keine andere Mannschaft zuvor in der vierjährigen Geschichte der Regionalliga Nord dominierten die Spieler von der Hafenstraße diese Liga. Bereits nach dem 32. Spieltag durfte der Aufstieg gefeiert werden. Wer dies im Winter vorher gesagt hätte, dem wäre mit Sicherheit nicht geglaubt worden. Aber es passte alles in eine turbulente Saison, wie man sie in Essen lange nicht mehr erlebt hat.

Am 3. August 2003 startete Rot-Weiss Essen mit dem Auswärtsspiel bei den Amateuren des 1.FC Köln in die neue Saison. Die guten Vorbereitungsspiele im Trainingslager an der Nordsee und daheim in Essen ließen viel hoffen. Der Saisonstart ging dennoch in die Hose, denn gleich zweimal musste die Mannschaft von Trainer Harry Pleß in Köln einem Rückstand hinterherlaufen. Erschreckend harmlos zeigte sich das Essener Team vor dem Tor der jungen Geißböcke - der Jahrhundertsommer wird sicherlich auch seinen Teil dazu beigetragen haben. Erst fünf Minuten vor dem Ende konnte Sascha Wolf gerade noch die Niederlage zum Auftakt verhindern. Auch die Heimpremiere verlief nicht nach dem Geschmack der Essener. Zwar gelang gegen Bremens Amateure zunächst die Führung, doch reichte es erneut nicht zum Sieg. In der 85. Spielminute fiel der verdiente Ausgleich, und erneut stand der ambitionierte Aufstiegsfavorit mit nur einem Punkt da.

2004 -2-

Wegen des Todes eines Idols für Millionen deutscher Fußball-Fans hing dann am 13. August am Georg-Melches-Stadion die Fahne auf Halbmast. Helmut Rahn, Mitglied der Essener Meistermannschaft von 1955 und zweifacher Torschütze beim Weltmeisterschafts-Finale 1954 in Bern, war verstorben. Ganz Essen, wenn nicht sogar ganz Deutschland, trauerte um einen der größten Fußballer, den dieses Land je hervorgebracht hat. Innerhalb von nur wenigen Stunden platzte das im Internet eingerichtete Kondolenzbuch aus allen Nähten. Zwei Wochen später zum Heimspiel gegen Uerdingen gedachten die Essener Fans mit riesigen Blockfahnen dem ehemaligen Rot-Weiss-Stürmer.

Sportlich folgte zunächst aber die Begegnung bei Aufsteiger und Schlusslicht VfR Neumünster, und endlich gelang mit 0:3 ein eher unspektakulärer Sieg. "Nun wird sich zeigen, was der Sieg in Neumünster wert war“, erklärte Harry Pleß vor dem Spiel gegen den KFC Uerdingen. Es sollte sein letztes Spiel als Trainer von Rot-Weiss Essen sein. Nach einem schwachen Spiel kassierte man eine verdiente 0:2-Pleite. Die Konsequenz: Harry Pleß und Rot-Weiss Essen gingen von nun an getrennte Wege. Das Training leiteten vorübergehend Co-Trainer Michael Lusch und der sportliche Leiter Frank Kontny. Und ausgerechnet zum bis dahin starken Zweitliga-Absteiger Eintracht Braunschweig ging es für die Mannschaft als nächstes.

Nach dem Trainerwechsel schien aber ein Ruck durch das Team gegangen zu sein. Zwar wurde das Spiel mit 0:1 verloren, die Essener Gäste waren allerdings über die 90 Minuten die spielbestimmende Mannschaft. Unruhig wurde es im Umfeld an der Hafenstraße. Nach fünf Spielen hatte das Team nur fünf Zähler auf dem Konto. Für Rolf Hempelmann war dies dennoch kein Grund, das Saisonziel zu korrigieren. "Wir müssen sehen, dass wir das Ruder möglichst schnell herumreißen“, so der Präsident. Richten sollte es nun Holger Fach, der bis dahin den Spitzenreiter der Oberliga Nordrhein, die Amateure seines Heimatvereines Borussia Mönchengladbach, trainiert hatte. Was folgte, waren drei Siege in Folge gegen Wattenscheid, beim FC St. Pauli und gegen den späteren Mitaufsteiger Dynamo Dresden. Rot-Weiss hatte sich mit diesen neun Punkten im Rücken bis auf den fünften Rang herangekämpft und stand nur noch drei Punkte hinter dem Tabellenzweiten, dem Wuppertaler SV.

2004 -3-

Doch ausgerechnet vor dem schweren Auswärtsspiel beim starken Aufsteiger aus Wuppertal herrschte an der Essener Hafenstraße wieder Unruhe. In der Bundesliga musste Ewald Lienen seinen Trainerstuhl bei Borussia Mönchengladbach räumen. Holger Fach hatte bei Rot-Weiss aber nur unter der Bedingung unterschrieben, dass er, wenn Mönchengladbach ihn als Trainer für die Bundesligamannschaft haben wollte, sofort gehen könne. Dieser Fall trat ein, und Essen stand von einer Sekunde auf die andere ohne Trainer da. Die sportliche Führung suchte fieberhaft nach einem Ersatz und wurde schnell fündig. Neuer Trainer wurde Jürgen Gelsdorf, der den Rot-Weissen in der Vorsaison mit Osnabrück noch den Aufstieg vor der Nase weggeschnappt hatte. Sein Auftaktspiel in Wuppertal ging jedoch verloren.

Essen entwickelte sich allerdings im weiteren Verlauf zu einer wahren Heimmannschaft. An der Hafenstraße wurde in der Hinrunde nicht ein Spiel mehr verloren. Auf fremden Plätzen hingegen schwächelte das Team noch. Bei Holstein Kiel wurde mit 3:4 unglücklich verloren, und auch beim Mitaufstiegsfavoriten Paderborn gab es mit 1:2 nichts zu holen. Einzig die Amateure von Borussia Dortmund konnten auswärts noch besiegt werden.

Ein Wiedersehen mit Ex-Trainer Harry Pleß gab es am 21. November. Pleß hatte inzwischen das Traineramt beim Aufsteiger FC Sachsen Leipzig übernommen. Diese Begegnung war ein denkwürdiger Tag. Innerhalb von drei Minuten machte Benjamin Köhler aus einem 0:0 ein 3:0 für die Gastgeber - die Hafenstraße stand Kopf. Dieses Spiel unterstrich die eindrucksvolle Heimstärke der Elf von Trainer Jürgen Gelsdorf. Im letzten Heimspiel folgte allerdings wieder ein kleiner Dämpfer. Trotz drückender Überlegenheit gelang es den Kölner Amateuren, mit einem torlosen Remis einen Punkt mit in die Domstadt zu nehmen. Der Jahresabschluss in Bremen verlief noch unbefriedigender. Mit einem 0:2 gelang es den Amateuren von Werder Bremen ohne großen Aufwand, die Punkte an der Weser zu behalten.

Trotz der Niederlage sollte dieses Spiel dennoch so etwas wie ein Meilenstein in der Saison werden, denn die Bremer sollten an diesem 7. Dezember 2003 die letzte Mannschaft der Saison sein, die Rot-Weiss schlagen konnte. Essen überwinterte nun auf Platz fünf in Lauerstellung. Drei Punkte hinter einem Aufstiegsplatz und sieben Punkte hinter Spitzenreiter Wuppertal.

Der Start ins neue Jahr glückte mit Siegen in Uerdingen, gegen Braunschweig, Neumünster und St. Pauli. Vor allem das Spiel gegen St. Pauli zeigte, dass in dieser Saison auch das Glück auf Seiten der Rot-Weissen stand. Erst in der Nachspielzeit trudelte das Leder nach einem Fehler des Hamburger Torhüters über die Linie. Beim Essener Anhang schwanden alle Zweifel am Aufstieg spätestens nach dem 5:2-Sieg gegen den Spitzenreiter aus Wuppertal. Eine Woche später konnte man mit dem Sieg in Hamburg sogar selbst die Führung übernehmen. Von diesem Spieltag an genoss Rot-Weiss den Platz an der Sonne bis zum Ende der Saison. Nicht einen Punktverlust gab es mehr zu beklagen.

Der Höhepunkt der Saison fand dann am 32. Spieltag im Wattenscheider Lorheidestadion statt. Die Ausgangslage war klar: Wenn Rot-Weiss gegen die Amateure vom Reviernachbarn aus Schalke gewinnt und Wuppertal bei den Amateuren des 1.FC Köln patzt, dann stünde Essen bereits zwei Wochen vor Saisonende als Aufsteiger in die Zweite Liga fest. Der Traum ging mit einem Paukenschlag in Erfüllung. Wuppertal verlor seine Begegnung mit 0:4, und Rot-Weiss schoss die Blau-Weißen mit einem 7:0-Kantersieg ab. Dieser Sieg war gleichzeitig auch der höchste Pflichtspielsieg seit zwölf Jahren. In der Saison 1991/92 traf es zuletzt den SC Brück mit einem 9:1.

Der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Nach der Feier im Lorheidestadion ging es wieder zurück zur Hafenstraße zur Spontanaufstiegsfeier. Der Parkplatz vor dem Stadion verwandelte sich in ein riesiges Meer in rot-weiss. Und eine weitere Feier stand dann eine Woche später zum letzten Heimspiel der Saison im Essener Georg-Melches-Stadion an. Zunächst erledigten die Akteure ihren Teil beim 3:1-Sieg gegen die Dortmunder Amateure, danach feierten wieder die Fans. Fast vier Stunden lang standen noch Tausende auf der Tribüne und sagen immer wieder nur "Allez, allez, Rot-Weiss Essen allez!“ Wer das live miterleben konnte, dem wird es noch heute bei der Erinnerung daran Schauer über den Rücken jagen. Vom Ehrgeiz gepackt, auch das Saisonfinale in Leipzig zu gewinnen, entschied die Truppe von der Hafenstraße auch das letzte Saisonspiel mit 2:0 für sich. Mit 74 Punkten stand man nun mit neun Punkten Abstand vor dem direkten Verfolger und gar mit zwölf Punkten vor dem ersten Nichtaufstiegsplatz. Eine große Ehre wurde den Spielern und Verantwortlichen dann nach Saisonende zuteil. Als erste Mannschaft von Rot-Weiss Essen durfte sich das Team in das Stahlbuch der Stadt Essen eintragen.

Nach sieben mageren Jahren im Amateurbereich war es endlich wieder soweit. Ein Verein, ein Mythos, eine Liebe kehrt endlich wieder zurück in die Zweite Bundesliga.

2005 Abstieg aus der 2. Bundesliga

Das Saisonziel war mit dem Klassenerhalt klar definiert und man hoffte mit etlichen Neuzugängen und der Euphorie des Aufstiegs die nötigen Punkte sammeln zu können. Diese Euphorie war jedoch schon nach dem ersten Spieltag und einer 1:5 Heimniederlage gegen Erzgebirge Aue nahezu verflogen. Es war nun wohl auch dem Letzten klar, wie schwierig die zu bewältigende Aufgabe werden würde. Der erste Dreier ließ bis zum 5. Spieltag mit einem 4:2-Heimsieg gegen Energie Cottbus auf sich warten, so dass man nach dem 5. Spieltag mit nur 5 Punkten im Tabellenkeller stand. Im weiteren Verlauf der Hinrunde konnte die Punktausbeute leider nicht auf das „Soll“ von 20 Punkten gesteigert werden. Trotz guter Spiele, wie z.B. die noch in der Nachspielzeit verschenkten Siege gegen Eintracht Frankfurt (4:4) und den 1.FC Köln (2:2), befand sich das Team von Trainer Jürgen Gelsdorf zur Winterpause mit 16 Punkten in akuter Abstiegsgefahr. In der Rückrunde konnten auch die in der Winterpause verpflichteten Neuzugänge nicht die gewünschte Wende einleiten. So langsam wurde klar, dass die Abgänge zu Saisonbeginn von Kirchstein, Weigelt und Köhler aus der Aufstiegsmannschaft kaum kompensiert werden konnten.

Nachdem beim Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen erneut eine 2:0-Führung und somit zwei sehr wichtige Punkte gegen den Abstieg durch zwei Gegentoren in den letzten 10 Minuten verschenkt wurden, musste Trainer Jürgen Gelsdorf seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger Uwe Neuhaus, der von den Dortmunder Amateuren verpflichtet wurde, übernahm die Mannschaft vor dem 30. Spieltag mit nun 32 Punkten. Auch der neue Trainer vermochte nicht die verunsicherte Mannschaft noch auf Kurs zu bringen und so wurde aus den letzten fünf Spielen lediglich noch ein einziger Punkt geholt. Nach nur einer Saison musste mit nur 33 Punkten der bittere Gang in die Drittklassigkeit angetreten werden.

Die Regionalliga Nord hatte uns wieder...

2006 Direkter Wiederaufstieg

Trainer Uwe Neuhaus wurde mit dem ehemaligen Bundesligaprofi Olaf Janßen ein neuer Sportlicher Leiter zur Seite gestellt. Beide hatten nun die schwierige Aufgabe, in nur wenigen Wochen eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen, die den angestrebten sofortigen Wiederaufstieg umsetzen sollte. Aus der Abstiegsmannschaft der Vorsaison wurden lediglich die Spieler Bilgin, Ristau und Larsen gehalten.

So kam es, dass im ersten Spiel bei Kickers Emden die Startelf komplett aus Neuzugängen bestand. Die Mannschaft zeigte sich allerdings sofort harmonisch und siegte glatt mit 3:0. Diese Harmonie sollte aber nicht lange Bestand haben: nach dem 0:3 beim FC St. Pauli am 16. Spieltag stand die Mannschaft mit 29 Punkten auf Platz 5 und hatte 6 Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz. Wie schon gegen Kiel und Lübeck konnte gegen einen Aufstiegsrivalen nicht gepunktet werden.

Nun kochte die Fanseele, nicht weil, sondern wie verloren wurde und wie sich die Mannschaft zum Teil präsentierte, ließ die Kritik wachsen. Im nächsten Heimspiel wurde gegen HSV II zwar wieder mit 2:1 ein Dreier gelandet, jedoch brachte die nicht gerade ansprechende Spielweise einen Teil der Fans dazu ihrem Unmut abermals auf Uwe Neuhaus abzuladen. Eigentlich sollte jedem klar sein das eine Mannschaft mit 19 Neuzugängen nicht von heute auf morgen zu einem Topteam reift, jedoch war der Kredit bei den Fans durch den Abstieg der Vorsaison noch immer nahezu aufgebraucht.

2006 -2-

Der Tiefpunkt der Saison war erreicht, von nun an sollte jedoch alles besser werden. Es wurde nicht nur eine beeindruckende Serie gestartet, nein, es konnte auch endlich spielerisch und kämpferisch überzeugt werden. Spätestens nach dem 2:1 Heimsieg gegen Kiel hatte sich das Team in die Herzen der Fans gespielt und auch die Arbeit von Uwe Neuhaus fand endlich ihre Anerkennung.

Essen war nach dem 22. Spieltag das erste mal Spitzenreiter und trotz kleinerer Rückschläge konnte am 37. Spieltag, vor 20.000 Fans, nach dem 0:0 zu hause gegen Werder Bremen II, zum 5. mal die Rückkehr in die 2. Bundesliga gefeiert werden. Die Aufstiegsfeier im strömenden Regen war sehr emotional und aller Schmerz des letzten Abstiegs schien vergessen. Uwe Neuhaus hatte es als erster Trainer geschafft direkt wieder aufzusteigen und das mit sage und schreibe 21 neuen Spielern.

Regionalliga in Not...kein Essen mehr da...

2007

Im Winter 2006 musste RWE mit dem neu verpflichteten Trainer Lorenz-Günther Köstner erneut den Weg in die Regionalliga antreten: Am letzten Spieltag besiegelte eine 0:3-Niederlage in Duisburg den Abstieg, nachdem man mit Auswärtssiegen beim späteren Aufsteiger Karlsruher SC und der SpVgg Greuther Fürth zwar eine beachtliche Rückrunde gespielt, allerdings konnte man im heimischen Georg-Melches Stadion nur ein Spiel für sich entscheiden und fing sich zu häufig entscheidende Gegentore in den letzten Spielminuten der Begegnung.

 

 

2008

Im Folgejahr musste RWE erneut einen schweren Rückschlag verkraften: Durch eine überraschende 0:1-Heimniederlage gegen Lübeck am letzten Spieltag gaben die Essener die Qualifikation für die neue 3. Liga noch aus der Hand und spielen fortan weiterhin in der nun viertklassigen Regionalliga West. Als Konsequenz aus der sportlichen und demnach auch wirtschaftlichen Talfahrt trat Präsident Rolf Hempelmann, der seinen Verbleib im Verein stets eng mit der Verwirklichung des Stadionneubaus verknüpft hatte, im Juni 2008 nach zehn Jahren Amtszeit zurück.

2009

Mit einem Fünf-Jahres-Plan wollte Thomas Strunz RWE wieder in die 2. Bundesliga zurückführen. Nach der Niederlage im Regionalligaspiel der Rot-Weissen gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Köln (0:2) gab die Vereinsführung am 11. September 2009 bekannt, dass Rot-Weiss Essen sich mit sofortiger Wirkung von Geschäftsführer Sport und Teamchef Thomas Strunz trennt. Bis zum Saisonende übernahmen die beiden Co-Trainer Uwe Erkenbrecher und Ralf Außem die Trainingsleitung des Regionalligateams.

2010

Der Vereinsvorstand sah sich am 4. Juni 2010 gezwungen, einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Essen zu stellen. Zur Lizenzerteilung und zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs fehlten über zwei Millionen Euro. Die für die NRW-Liga erforderlichen Unterlagen reichte man am 28. Juni 2010 beim für die Lizenzierung zuständigem Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverband (WFLV) ein. Am 15. Juli 2010 wurde RWE vom WFLV die Spielberechtigung für die NRW-Liga-Saison 2010/11 erteilt.

2011 Abschluss der Insolvenz

Aufgrund der Insolvenz übernahmen vor der Spielzeit 2010/2011 Damian Jamro und Waldemar Wrobel als Trainer die sportlichen Geschicke von Rot-Weiss Essen. Der RWE trat mit der eigentlichen U23, die um drei-vier Spieler erweitert wurde, in der Oberliga (NRW-Liga) an.

Die Spielzeit in der fünfthöchsten Spielklasse im deutschen Fußball gestaltete sich für Rot-Weiss Essen äußerst erfolgreich. Bereits am 28. Spieltag machte das Team von Waldemar Wrobel die Rückkehr in die Regionalliga mit einem 2:1 über die Sportfreunde aus Siegen perfekt. Nur vier Wochen später reichte ein Remis gegen die U23 von Alemannia Aachen für die Meisterschaft in der NRW-Liga 2010/2011.

Ein weiterer Höhepunkt der Saison war der Einzug in die erste DFB-Pokal Hauptrunde. Diese erreichte man am 26. Mai 2011 über einen 1:0 Erfolg gegen die SSVg Velbert.

Einen persönlichen Erfolg konnte RWE-Verteidiger Alexander Thamm feiern. Mit seinem Fallrückzieher aus der 89. Minute im Spiel gegen den VfB Homburg am 13. August 2010 erzielte Thamm nicht nur den vielumjubelten Siegtreffer, sondern sein Tor wurde auch von der ARD-Sportschau zum Tor des Monats nominiert. Die Wahl gewann er letztendlich auch.

Nicht nur sportlich gelang in der Saison 2010/2011 die Wende, sondern auch wirtschaftlich konnte ein Erfolg erzielt werden. Am 17. Mai 2011 stimmten die Gläubiger des RWE, in einerm vom Amtsgericht Essen anberaumten Gläubigerversammlung, dem Insolvenzplan des Insolvenzverwalters zu. Am 28. Juni 2011 wurde das Verfahren der Insolvenz mit Wirkung zum 30. Juni 2011 offiziell aufgehoben worden. Seither ist Rot-Weiss Essen schuldenfrei und trägt die alleinige wirtschaftliche Verantwortung.

2012 Pokalwunder gegen Union Berlin

Dank der Qualifikation zur ersten DFB-Pokal Hauptrunde aus der Vorsaison gegen SSVg Velbert befand sich der RWE im Lostopf des deutschen Fußball Bundes. Als Gegner wurde dem Aufsteiger in die Regionalliga der Zweitligist 1. FC Union Berlin zugelost. Das "Spiel des Jahres" wie es im Vorfeld der Partie gehäuft zu lesen war fand am 29. Juli 2011 im altehrwürdigen Georg-Melches Stadion.

Vor 12.701 Zuschauern führte der RWE überraschend bis zehn Minuten vor Schluss mit 2:0, ehe Zoundi (83.) und Terodde (90.) für den späten Ausgleich sorgten. Der Pokalfight konnte auch in der Verlängerung nicht entschieden werden und wurde mit dem Elfmeterschießen fortgesetzt. Auf Seiten der rot-weissen waren Dirk Jasmund, Brauer, Heppke und Vincent Wagner erfolgreich und machten den Einzug in die nächste Runde perfekt.

Dort wurde der zweite Berliner Klub den Essenern zugelost. Gegen Hertha BSC Berlin setzte es im Oktober 2011 jedoch eine klare 0:3 Pleite.

Im Niederrheinpokal schaffte man es, wie in der Vorsaison das Finale zu erreichen und dies auch siegreich zu gestalten. Unter dem Motto "Abschied aus Ruinen" bestritt man die Partie gegen den FC Hönnepel-Niedermörmter, denn es war zugleich das letzte Pflichtspiel in der jahrzente langen Heimspielstätte des RWE, Georg-Melches-Stadion. Das Finale konnte mit 3:2 für sich entschieden und der Niederrheinpokal somit verteidigt werden.

In der Regionalliga West spielte man als Aufsteiger eine gute Rolle und platzierte sich auf Rang 8 im gesicherten Mittelfeld. Im letzten Ligaspiel in der "Ruine" gelang den rot-weissen ein 1:1 Unentschieden gegen Fortuna Köln.

2013 Alte Heimat - neue Bude

Nachdem man das alte Stadion würdevoll mit einem Sieg verabschiedete wurde am 12. August 2012 das neue Stadion Essen mit einer Partie der U19 von Rot-Weiss Essen gegen Borussia Dortmund eingeweiht. Die Breilmänner besiegten die Jugend des Doublesiegers mit 3:2.

Anschließend folgte eine Partie der Damenmannschaften von der SG Schönebeck gegen den 1. FFC Frankfurt. In den letzten zehn Minuten wurden die elf Frankfurter Damen gegen elf Spieler der 1. Mannschaft von Rot-Weiss Essen ausgetauscht. Die Damen der SGS verloren gegen Frankfurt mit 0:3 und unterlagen den Herren mit 0:1.

Das erste Pflichtspiel der 1. Mannschaft im neuen Stadion erfolgte am 15. August 2012 im Niederrheinpokal gegend den Bezirksligisten Rot-Weiß Lintorf. Vor 5000 Zuschauern gewann man das Debüt locker mit 8:0.

Durch die Titelverteidigung des Niederrheinpokals startete man erneut im DFB-Pokal und wieder hieß der Gegener in der ersten Runden 1. FC Union Berlin. Auch in dieser Partie hatte Rot-Weiss Essen die Eisernen am Rande einer Niederlage, jedoch hatte letztendliche der Underdog das Nachsehen. Simon Terodde, welche im Vorjahr den 2:2 Ausgleich besorgte, war erneut erfolgreich und traf mit seinem Tor aus 120. Spielminuten wie ein Stich ins Herz der Essener.

In der Regionalliga hingegen sollte der RWE eine unverhofft große Rolle im Aufstiegskampf spielen. Letztendlich reichte es zwar nicht zur Rückkehr in den bezahlten Fußball, platzierte sich aber auf einen sehr guten vierten Tabellenplatz.

2014 Fertigstellung Stadion Essen

Nachdem man bereits im August 2012 das Stadion Essen eröffnete folgte im Sommer 2013 die Fertigstellung der letzten Tribüne. Am 6. August wurde mit einer Partie gegen den befreundeten Bundesligisten SV Werder Bremen die vierte Tribüne ebenfalls in einem gelungenen Rahmen eingeweiht. Zwar verloren die rot-weissen das Spiel mit 0:2, aber die 11.513 Zuschauer im neuen Stadion sahen eine über weite Strecken ausgeglichene Partie. Das Eröffnungsspiel wurde ebenfalls durch den TV-Sender Sport 1 im Free-TV ausgestrahlt.

Kurz vor der Eröffnungsfeier brach im Untergeschoss, in Nacht zum 26. Juli 2013, eine Wasserleitung und setzte die gesamte Etage metertief unter Wasser. Aufgrund dessen musste das Meisterschaftsspiel gegen Viktoria Köln abgesagt werden, da das Stadion nicht betriebsfähig war. In der betroffenen Etage befanden sich neben den Umkleiden für Spieler und Offizielle auch Presseräumlichkeiten und die Mixed-Zone. Der Schaden wurde bis Frühjahr 2014 gänzlich behoben.

Nach dem Jahreswechsel wurde vom Aufsichtsrat in Zusammenarbeit mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Michael Welling Dr. Uwe Harttgen offiziell als neuen Vorstand Sport vorgestellt. Der ehemalige Bundesligaprofi von Werder Bremen setzte sich und dem Verein das Ziel mittelfristig wieder in einer höheren Liga als der Regionalliga zu spielen.

Sportlich lief es würden RWE eher zäh. Als Saisonziel wurde der Aufstieg ausgegeben und mit Platz zehn nach 27. Spieltagen deutlich verfehlt. Darauf hin trennte sich der Verein am Montag, den 17. März 2014, vom jahrelangen Trainer Waldemar und präsentierte einen Tag später Marc Fascher als seinen Nachfolger.