Am 1. Februar im Jahre 1907 wurde in Essen-Vogelheim zum ersten Mal eine Mannschaft unter dem Vereinsnamen "Sportverein Vogelheim" aufgestellt. Entstanden ist dieser Verein aus dem "SC Preussen" und "Deutsche Eiche". Dieser kleine Sportverein sollte später zu "Rot-Weiss Essen" werden. Im Jahr 1910 wurden Verhandlungen mit dem "Turnerbund Bergeborbeck" zur Gründung einer Fußballabteilung geführt. Damit wurde der "Sportverein Vogelheim" in Fusion mit dem "Turnerbund Bergeborbeck" ein Verbandsverein und konnte somit an Meisterschaftsspielen teilnehmen.

Am 14. September 1913 wurde der Club dann selbständig und trennte sich wieder vom "Turnerbund Bergeborbeck". Am 18. September 1913 gründete sich der Verein unter dem Namen "Spiel- und Sportverein Emscher-Vogelheim" neu und wurde gleichzeitig beim Westdeutschen Spielverband eingetragen. In den ersten Jahren des ersten Weltkrieges wurde der Spielbetrieb noch aufrecht erhalten, und die Mannschaft konnte sich sogar in der Spitzengruppe festsetzen. Nach dem Krieg änderte man den Namen in "Spiel und Sport 1912".

Im Jahre 1923 fusionierten die beiden Bergeborbecker Vereine "Spiel und Sport 1912" und der "Turnerbund Bergeborbeck" erneut miteinander. Die Idee, die hinter dieser Fusion steckte, war klar. Ein großer Verein könne mehr für die Idee des Fussballs werben, als zwei kleine. Damit war der Verein "Rot-Weiss Essen" geboren.

Der Sportplatz an der Hafenstraße wurde mehr und mehr zu einem Magnet für die Massen. Bald schon konnte der Platz diesen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden, und es musste nun ernsthaft über eine Vergrößerung nachgedacht werden, was aber einige Schwierigkeiten mit sich brachte.

Mit Erfindungsgeist löste Georg Melches aber auch dieses Problem. Die schwierige Lage zwischen einer Gaststätte und einer Schule zwang die Vereinsführung zu einer Ausführung mit einer kleinen Holztribüne für 1.428 Zuschauer und Stehplatzrängen für 25.000 Zuschauer. Pünktlich zum vorgesehenen Einweihungsspiel gegen den FC Schalke 04 am 13. August 1939 erstrahlte der Platz im Flaggenschmuck. Fast 30.000 Zuschauer erfreuten sich an der neuen Platzanlage und klatschten begeistert Beifall.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Bilanz für Rot-Weiss Essen dramatisch. Die gesamte Anlage war fast völlig zerstört. Während andere Vereine unmittelbar nach dem Krieg den Spielbetrieb wieder aufnehmen konnten, standen die Rot-Weissen vor riesigen Bombentrichtern, aus denen erst nach und nach wieder die Umrisse eines Fußballplatzes auftauchen sollten.

Mit Schippe und Hacke begannen die freiwilligen Helfer nun ihr Aufräumwerk. Ernst Ruhkamp, später Ehrenpräsident des Vereins, stellte sich täglich zur Verfügung, beaufsichtigte und teilte Aufräumungsarbeiten ein. "Männer aller Berufe standen einträchtig nebeneinander und schufteten Abend für Abend. Wenn auch die Hauptarbeit von Handarbeitern, meist Bergleuten, geleistet wurde, so war es doch rührend anzusehen, wie Leute, die nie mit Schaufel oder Spaten gearbeitet hatten, sich abmühten, es den anderen gleichzutun", so Ernst Ruhkamp.

Im Jahre 1953 erreichten die Essener mit dem Pokalsieg ihren ersten großen Erfolg in der Vereinsgeschichte. Auf dem Weg ins Finale hatten die Essener eigentlich keine großen Probleme. Nach Siegen über Regensburg (5:0), den VfL Osnabrück (2:0), den Hamburger SV (6:1) und über den SV Waldhof Mannheim (3:2) standen die Essener zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte in einem Finale.

Der Gegner im Endspiel vor 40.000 Zuschauern im ausverkauften Rheinstadion hieß Alemannia Aachen. Die Rheinländer machten von Beginn an Druck und kamen zu einigen Chancen, die Torwart Fritz Herkenrath glänzend parierte. Nach den Warnschüssen der Aachener kamen dann auch die Essener ins Spiel. Kurz vor der Halbzeit erlangten die Essener durch einen Heber von Islacker die 1:0-Führung. Nach der Pause machten die Essener dort weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. Gottschalk passte den Ball zu Helmut "Boss" Rahn, der die Aachener Abwehr ausspielte und den Ball zum vorentscheidenden 2:0 ins Tor drosch.

Doch wer dachte, die Partie wäre entschieden, hatte seine Rechnung ohne die Aachener gemacht. In der 56. Spielminute markierte Jupp Derwall, der später im Jahr 1980 als Bundestrainer Europameister werden sollte, mit einem Schuss unter die Querlatte den Anschlusstreffer für die Aachener. Nun spürten die Aachener, dass vielleicht noch etwas mehr drin war. Beide Seiten kamen noch zu guten Torchancen, doch dieses temporeiche Spiel bei sommerlichen Temperaturen verlangte seinen Tribut.

Beide Mannschaften wurden zusehends müder und ersehnten den Schlusspfiff. Der Stuttgarter Schiedsrichter hatte dann auch ein Einsehen und pfiff pünktlich ab. Rot-Weiss Essen war neuer Pokalsieger und durfte die Trophäe unter lautstarkem Jubel der Essener Fans in Empfang nehmen.

Am 26. Juni 1955 konnte Rot-Weiss Essen den wohl größten Erfolg in der Vereinsgeschichte feiern, nämlich den Gewinn der deutschen Meisterschaft. Nach Siegen über Kickers Offenbach (3:1, 4:1), Wormatia Worms (4:0, 1:1) und Bremerhaven 93 (3:1, 1:1) zogen die Essener ins Finale um die deutsche Meisterschaft ein. Endspielgegner war der 1.FC Kaiserslautern, der als Favorit in dieses Finale ging.

Über 80.000 Zuschauer kamen bei Sonnenschein ins Niedersachsenstadion in Hannover. Die Pfälzer erwischten auch gleich den besseren Start und setzten die Essener gehörig unter Druck. Folglich war ihnen auch das erste Tor in diesem Spiel vergönnt. Nach elf Minuten stand es 1:0 für den 1.FC Kaiserslautern durch Wenzel. Nur wenige Minuten später verhinderte Essens Torwart Fritz Herkenrath mit einer tollen Parade das 2:0. Bei dieser Aktion verletzte sich der Torwart zwar, doch Fritz Herkenrath konnte unter Schmerzen weiterspielen. So nach und nach wachten dann auch die Essener auf und erarbeiteten sich nun auch Torchancen. In der 19. Spielminute glich Islacker für Essen nach einer Flanke von Röhring aus.

Keine zehn Minuten später nutze Röhring ein Abspiel von Helmut Rahn, der vorher die ganze Abwehr der Lauterer ausgespielt hatte, zum 2:1 für die Essener. Ab diesem Tor lieferten sich beide Mannschaften einen erbitterten Schlagabtausch, und beide Seiten hatten die Chance zum Ausgleich bzw. die Führung zu erhöhen. Letzteres schafften die Essener. Wenige Minuten vor der Pause erhöhte Islacker zum 3:1-Pausenstand für Rot-Weiss Essen. Nach der Pause setzten die Pfälzer noch mal alles daran, dieses Spiel vielleicht doch noch zu drehen. Schon zwei Minuten nach dem Seitenwechsel kamen sie diesem Ziel auch schon näher, als Wenzel den Ball zum 3:2 ins Tor köpfte.

In der 72. Spielminute ging Scheffler plötzlich im Essener Strafraum zu Boden, und der Schiedsrichter zögerte keine Sekunde und pfiff Elfmeter. Baßler hatte nun keine Probleme auszugleichen. In der 84. Minute hielten die Fans aus dem Ruhrgebiet den Atem an. Fritz Walter hob den Ball in den Strafraum, und drei Lauterer drückten das Leder über die Torlinie, doch der Schiedsrichter erkannte die Abseitsposition und verweigerte dem Tor die Anerkennung.

Wenige Minuten vor dem Schlusspfiff wandte sich das Spiel aber noch einmal zum Guten. Termath umspielte die Abwehr der Lauterer und passte zum mittlerweile angeschlagenen Islacker, der den Ball dann mit letzter Kraft ins Tor köpfte. Nach dem Abpfiff gab es für die Fans kein Halten mehr. Das Niedersachsenstadion war in einem rot-weissen Fahnenmehr untergetaucht. Rot-Weiss Essen war deutscher Fussballmeister.

 

 

 

 

Am 8. August 1956 bescherte Rot-Weiss Essen den aus nah und fern angereisten Fußballfreunden dann einen besonderen Leckerbissen. Die erste Flutlichtanlage Deutschlands wurde mit dem 100. internationalen Spiel nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem 4:0-Sieg gegen Racing Straßburg eingeweiht. "Ein Schauspiel von faszinierender Wirkung. Dem Flutlichtfußball gehört die Zukunft", schrieb man damals in den Tageszeitungen. Heute gehört es zur Tagesordnung, und doch hat es seinen eigenartigen Reiz und seine Anziehungskraft behalten.

Als am 26. August 1963 der Anpfiff in der neugeschaffenen Bundesliga ertönt, schauen die Rot-Weissen etwas wehmütig in Richtung der acht Premiere-Stadien. Der Deutsche Meister von 1955 und Pokalsieger von 1953 gehörte nicht zu den 16 ausgewählten Vereinen, die um die ersten Bundesligapunkte kämpften.

Die Chancen zur Qualifikation verspielten die Essener bereits zwei Jahre zuvor. Der Traditionsverein musste nach einem Unentschieden gegen den Nachbarn aus Oberhausen die Oberliga West (damalige Topliga) verlassen und den bitteren Weg nach unten antreten. Da der angestrebte Wiederaufstieg nicht in die Tat umgesetzt werden konnte, kam Rot-Weiss Essen von vornherein nicht für die Eliteklasse in Frage. Trotzdem nahmen die Essener Verantwortlichen die Umstrukturierung des deutschen Fussballs mit Zufriedenheit zur Kenntnis.

Durch die Gründung der Regionalliga West (damals 2. Liga, heute 4. Liga.) kamen endlich wieder so attraktive Vereine wie Borussia Mönchengladbach, Fortuna Düsseldorf oder Alemannia Aachen nach Essen-Bergeborbeck. Einer, der länger als ein halbes Jahrhundert die Geschicke des Vereins entscheidend beeinflusst hatte, durfte diesen Augenblick allerdings nicht mehr miterleben.

Am 24. März 1963 starb Georg Melches, einer der Gründer und Ehrenvorsitzender von Rot-Weiss Essen. Sportlich verlief die Saison einigermaßen zufriedenstellend. Mit einem ausgeglichenen Punkteverhältnis musste sich Rot-Weiss Essen keine Sorgen um den Klassenerhalt machen. Allerdings war die Ausbeute gegen die Spitzenteams äußerst mager. Lediglich dem Vize-Meister Wuppertaler SV wurden gleich drei Punkte abgeknöpft.

Am 5. August 1964, ein Jahr nach dem Tod des unermüdlichen Motors von Rot-Weiss Essen, wurde dem Stadion sein Name verliehen: Georg Melches. 25.000 Zuschauer, darunter viel Prominenz und als Festredner Innenminister Willy Weyer, Bundesligaboss Franz Kremer und Essens damaliger Oberbürgermeister und heutiges Ehrenmitglied, Wilhelm Nieswandt, waren an diesem Fußballfeiertag zugegen, der mit einem Freundschaftsspiel der RWE-Meistermannschaft von 1955 begann. Höhepunkt war ein Freundschaftsspiel gegen den Deutschen Meister der ersten Bundesligasaison, dem 1.FC Köln, dem die Regionalligamannschaft der Rot-Weissen ein verdientes 2:2 abtrotze.

Es gab Niederlagen, die machten so richtig Spaß. Als Schiedsrichter Kreitlein am 26. Juni 1966 die Aufstiegsrunden-Begegnung zwischen Rot-Weiss Essen und dem FC St. Pauli abgepfiffen hat, waren 36.000 Zuschauer im überfüllten Georg-Melches-Stadion total aus dem Häuschen. 1:0 hatten die Hamburger gewonnen, doch aus norddeutscher Sicht waren es zwei Treffer zu wenig. Rot-Weiss Essen hatte bei einer Punktegleichheit knapp die Torverhältnisnase vorn. Der heißersehnte Sprung in die Bundesliga war vollbracht.

Der Jubel der Fans war gleichzeitig ein Aufschrei der Erleichterung, denn die Schützlinge von Trainer Fritz Pliska hatten in den vorausgegangenen Spielen die Nerven der Anhänger wahrlich nicht geschont. Nachdem die Essener in der Regionalliga hinter Meister Fortuna Düsseldorf und vor Alemannia Aachen den zweiten Platz belegt hatten, erhielten die Aufstiegshoffnungen gleich am ersten Spieltag einen empfindlichen Dämpfer.

Die 7.000 mitgereisten Anhänger hatten am Millerntor zwar mehrfach den Torschrei auf den Lippen, aber Lippens, Hasebrink & Co. bemühten sich vergeblich, die 1:0-Führung der Hanseaten auszugleichen. Auch in den restlichen zwei Auswärtsspielen musste bis zum Schluss gezittert werden. Sowohl in Schweinfurt als auch in Saarbrücken erzielten Herbert Weinberg bzw. Helmut Littek die Siegtreffer jeweils erst fünf Minuten vor Schluss.

Da die "Roten" gegen die gleichen Gegner nichts anbrennen ließen und St. Pauli zweimal auswärts gerupft wurde, war Essen schon vor der WM in England im Fußballrausch. Daran konnte auch Paulis Pape, der im entscheidenden Rückspiel erneut Torhüter Hermann Roß überwinden konnte, nichts ändern. Rot-Weiss Essen war endlich wieder erstklassig.

Drei Jahre lang hatte die Fußballgemeinde in der Ruhrmetropole auf diesen Augenblick warten müssen. Im August 1966 war es dann endlich soweit, die Bundesliga-Lederkugel rollte auch an der Hafenstrasse. Direkt im ersten Heimspiel gab es den Knaller gegen den Reviernachbarn aus Schalke. 65 Minuten lang konnten die Königsblauen dem Sturmlauf des Neulings standhalten, dann brach Heinz-Dieter Hasebrink den Bann und legte mit seinem Treffer den Grundstein zum vielumjubelten 4:1-Sieg gegen den FC Schalke 04.

Einmal auf den Geschmack gekommen, ließen sich die Essener auch weiterhin nicht die Butter vom heimischen Brot nehmen. Das Georg-Melches-Stadion erlebte rauschende Fußballfeste. "Meine Mannschaft hat gut gekämpft, doch die bessere hat gewonnen", bekannte Bayern-Trainer Tschik Cajkowski nach der 1:3-Niederlage der Münchner Bayern. Nicht besser erging es den Fohlen von Gladbachs Coach Hennes Weisweiler. Quasi mit dem Schlusspfiff erzielte Hasebrink den 2:1-Siegtreffer.

Auswärts hingegen war die Ausbeute äußerst bescheiden. Das 0:0 beim frischgebackenen Europapokalsieger Borussia Dortmund war eines der wenigen Erfolgserlebnisse. Als dann der SV Werder Bremen in einer überaus harten Partie den Heimnimbus brach, ging es permanent bergab. In den restlichen 21 Spielen konnte nur noch ein einziger doppelter Punktgewinn, mit einem 3:1 über den KSC, geholt werden. Am vorletzten Spieltag lagen dann Freud und Leid ganz dicht beieinander.

Während die Braunschweiger mit einem torlosen Unentschieden die Meisterschaft perfekt machten, bedeutete der Punktverlust für Rot-Weiss Essen den Abstieg in die Regionalliga West. Obwohl anschließend dann Hasebrink, Simmet, Dietrich und Koslowski den Verein verließen, konnte ein Ausverkauf an der Hafenstrasse verhindert werden.

Beide Augen schauten auf das Spielfeld, ein Ohr lauschte am Radio - der Zieleinlauf glich wieder einmal einem Herzschlagfinale. Der 3:0-Erfolg bei Eintracht Gelsenkirchen reichte schließlich, um den VfL Bochum hauchdünn auf den undankbaren dritten Platz zu verweisen. Das Unternehmen Aufstiegsrunde konnte zum dritten Mal in Angriff genommen werden. Vom ersten Spieltag an rollte der RWE-Express unbeirrbar in Richtung Erste Bundesliga. Drei Siege in Serie, darunter ein phantastischer 5:0-Erfolg über den Karlsruher SC. Wer sollte Rot-Weiss Essen noch stoppen?

Der VfL Osnabrück hatte sich vorgenommen, die Ziele der Essener noch zu durchkreuzen, doch an der "Bremer Brücke" feierten zunächst nur die fast 15.000 mitgereisten Essener Fans ein Fußballfest vom Feinsten. Schon nach neun Minuten versetzten Treffer von Georg Jung und Helmut Littek sie in Erstligastimmung. Kurz nach der Pause setzte Willi Lippens noch einen drauf, und auf den Rängen regierte nur noch rot und weiss.

Nach dem Schlusspfiff war die Stimmung in den drei Sonderzügen und den unzähligen PKWs allerdings gedämpft, denn die Norddeutschen hatten noch in einem furiosen Schlussspurt den Ausgleich geschafft. Die Aufstiegsfeier musste erst einmal verschoben werden. Der Schock über den überflüssigen Punktverlust saß allerdings nicht sehr tief, denn schon drei Tage später nahm die Essener Torfabrik ihre Arbeit gegen Tasmania 1900 wieder auf. Willi Lippens, Helmut Littek und Nobby Führhoff jagten dem gegnerischen Torhüter die Bälle nur so um die Ohren. Da sich die Essener im Rückspiel gegen den VfL Osnabrück nicht noch mal einen 3:0-Vorsprung aus den Händen nehmen ließen, wurde der Aufstieg in souveräner Manier perfekt gemacht.

Im Juni präsentierte Gregorio Canellas, damaliger Präsident der Kickers Offenbach, den Gästen auf seinem Geburtstag eine erstaunliche Geschichte. In der Fußball-Bundesliga gab es Manipulationen. Nationalspieler - Idole von Tausenden Fußballfans bundesweit - haben Bestechungsgelder angenommen und falsch gespielt. Canellas spielte vor seinen Gästen Tonbänder ab, auf denen die Stimmen bekannter Fußballspieler zu hören waren, die um Tore, Punkte und Geld feilschten. Am 6. Juni 1971 ging die Meldung vom Bundesligaskandal durch alle Redaktionen der Republik.

Im späten Nachmittag war das dramatische Spieljahr 1970/71 gelaufen. Die Borussia aus Mönchengladbach war durch ein 4:1 bei Eintracht Frankfurt zum zweiten Mal Deutscher Meister geworden. Bayern München wurde nach einer 0:2-Niederlage in Duisburg Vizemeister. Rot-Weiss Essen beendete diesen letzten Spieltag als sicherer Absteiger. Selbst ein Sieg gegen den Hamburger SV hätte die Essener nicht mehr retten können. Erstaunlicherweise hatten sich einige Clubs von den Abstiegsrängen entfernt, die in der Hinrunde noch weit hinter Rot-Weiss Essen gestanden hatten.

Durch die Beichte des Offenbacher Präsidenten wurde klar, dass man sich im Fußball wohl nicht nur durch sportliche Leistungen vom Abstieg aus der höchsten Spielklasse fernhalten konnte. Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld machten davon Gebrauch, und auch Rot-Weiss Oberhausen war daran beteiligt. Während Offenbach die Flucht nach vorne antrat - immerhin konnte man sich trotz der Manipulationen nicht retten - wies man Bielefeld nach, mindestens drei Spiele "gekauft" zu haben: gegen den VfB Stuttgart (1:0), beim FC Schalke 04 (1:0) und bei Hertha BSC Berlin (1:0). Wer jetzt aber glaubte, nach diesem Tatbestand werde der gerechten Sache zum Siege verholfen (und in Essen glaubte man dies), sah sich allerdings getäuscht. "Ohne die Punkte aus den bekannt gewordenen Bestechungsfällen", so argumentierte RWE-Präsident Dr. von Wick damals zu Recht, "wäre Arminia Bielefeld zusammen mit den Kickers Offenbach auf den letzten Tabellenplätzen gelandet."

Doch auch ohne diese Rechnung hätten diese Vereine logischerweise durch eine Rückversetzung in die Regionalliga bestraft werden müssen. Doch dem war nicht so. Die Bundesligasaison 1971/72 fand ohne Rot-Weiss Essen statt. Zwei Jahre brauchte Rot-Weiss Essen dann, um wieder in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Selbst drei Jahre später, im Jahr der Weltmeisterschaft 1974, war dieser Skandal noch nicht ausgestanden. Vor dem Zivilgericht gab es noch einen Prozess wegen Meineid gegen den königsblauen Nachbarn aus Schalke, der später auf 1975 vertagt worden ist. Auf Unverständnis stießen die Urteile des DFB. Alle Sünder, die Punkte kauften bzw. verkauften, wurden wieder für den Spielbetrieb zugelassen. Torwart Manglitz vom 1.FC Köln hingegen, der von den Kickers Offenbach 25.000 DM bekam, wenn er gegen Essen so gut wie möglich halten würde, durfte nicht einmal mehr als Amateurfußballer tätig werden. Nach den Satzungen hätte er niemals bestraft werden dürfen, weil ein Torwart immer versuchen wird, sein Möglichstes zu tun, um Tore des Gegners zu verhindern. Dieser Skandal kostete den deutschen Fußball einigen Kredit.

Die Saison 1972/73 war ein einziger Triumphmarsch in rot und weiss. In der Regionalliga gab es nicht einmal ansatzweise einen ernsthaften Konkurrenten, und wer den Favoriten ärgerte, der bekam prompt seine Strafe. Besonders hart traf es den Nachbarn aus Mülheim-Styrum, der sich erdreistete, in der Höhle des Löwen, sprich an der Hafenstraße, den Führungstreffer zu erzielen. Die Antwort von Harry de Vlugt, "Pille" Gecks, Nobby Führhoff und Willi Lippens liess nicht lange auf sich warten.

Zehnmal schlug es im Kasten der Mühlheimer ein, die sich wohl wie auf dem örtlichen Schützenfest vorkommen mussten. Borussia Dortmund leistete in der heimischen "Roten Erde" zwar weitaus mehr Widerstand, doch am Ende musste sich auch der BVB mit 2:3 beugen. Mit fünf bzw. zwölf Punkten Vorsprung auf Fortuna Köln und Bayer 05 Uerdingen ging die Witzler-Elf souverän durchs erste Etappenziel. Konzentriert absolvierten die alten "Aufstiegsrunden-Hasen" auch das zweite Teilstück.

Gleich zum Auftakt wurde der vermeintlich schärfste Mitfavorit SV Darmstadt 98 in die Schranken verwiesen. Der Rest war nur noch Formsache. Fast hätten die Essener auch im DFB-Pokal für Furore gesorgt. Bundesligist Hamburger SV bekam eine Halbzeit lang eine Lektion erteilt und lag mit sage und schreibe 5:0 zurück. Drei Treffer der Norddeutschen sorgten dann dafür, dass für sie im Rückspiel (damaliger Pokalmodus) noch alles möglich war. Trotz großartiger Gegenwehr ging dem Zweitligisten dann aber in der Verlängerung die Puste aus, und Essen musste sich mit 0:5 beugen.

Schon vor dem Meisterschaftsstart war sich die Essener Fußballgemeinde darüber bewusst, dass das siebte Bundesligajahr kein Zuckerschlecken für Rot-Weiss Essen werden würde. Mit Willi "Ente" Lippens (zu Borussia Dortmund) und Manfred Burgsmüller (zu Bayer 05 Uerdingen) hatten gleich zwei Leistungsträger den Deutschen Meister von 1955 verlassen.

Als dann auch noch Torhüter Heinz Blasey, Horst Hrubesch und Abwehrchef Hartmut Huse verletzungsbedingt eine Zwangspause einlegen mussten, nahm das Unglück seinen Lauf. Nach 15 Spieltagen konnten die Essener gerade einmal fünf Punkte auf der Habenseite verbuchen. Ein 18-jähriger Youngster flößte den Essenern dann wieder neuen Mut ein. Frank Mill, der im Sommer mit der A-Jugend die Vize-Meisterschaft errungen hatte, wurde ins kalte Bundesligawasser geworfen und hatte Erfolg. Sein Treffer in Frankfurt hatte beim 1:3 zwar nur statistischen Wert, aber sieben Tage später trug ein Tor von Frank Mill zumindest dazu bei, dass in Düsseldorf ein Zähler heraussprang.

Der Bann schien gebrochen. Rot-Weiss Essen startete mit dem genesenen Horts Hrubesch, der es insgesamt auf 20 Tore brachte, eine Aufholjagd. Die Zebras aus Duisburg beendeten dann allerdings mit einem deprimierenden 4:0 über den Nachbarn die kleine Essener Serie. Der Sturz in die Zweitklassigkeit war nicht mehr aufzuhalten. Am 14. Mai 1977 verabschiedete sich Rot-Weiss Essen mit einem 5:3-Sieg über Fortuna Düsseldorf aus der Bundesliga.

Obwohl es an der Hafenstrasse ein neues Dach gab, standen die Rot-Weissen schon am ersten Spieltag im Regen. Mit einem Freundschaftsspiel gegen den Pokalsieger 1.FC Köln, der standesgemäß mit 5:3 gewann, wurde die neue Osttribüne eingeweiht. Von den guten Ansätzen war in Ulm allerdings nicht mehr viel zu sehen. Mit 2:5 gingen Pusch & Co. bei den Spatzen unter, und anschließend weinte nicht nur der Himmel.

Die Abwehr um Karl Richter blieb auch in der Folgezeit das große Sorgenkind der Essener. Selbst zu Hause erwies sich die vermeintliche Deckung eher als löcheriger Käse. Gegen den KSC musste Keeper Carsten Hallmann vier-, gegen Saarbrücken gleich fünfmal hinter sich greifen. Kleiner Lichtblick: Dem souveränen Tabellenführer Schalke 04 trotzten die Essener einen Punkt ab. Trotzdem ist zur Weihnachtszeit nicht nur das Punkte-, sondern auch das Bankkonto nur dürftig gefüllt. Um wirtschaftlich zu überleben, muss Rot-Weiss Essen sich schmerzlicherweise von Goalgetter Jürgen Wegmann, der bereits zwölf Treffer erzielte, trennen. Für rund eine Million Mark wechselte er zu Borussia Dortmund.

Während die Spieler nicht richtig in Schwung kamen, drehte sich das Trainerkarussell plötzlich immer schneller. Für Rolf Bock kam Janos Bedl, der musste Burkhardt Schacht weichen, und zum Schluss schwang dann Siegfried Melzig das Zepter. Mit ihm und einer schweren Hypothek reisten die Essener zum Saisonfinale ins Gelsenkirchener Parkstadion: Wenn Konkurrent Rot-Weiss Oberhausen nicht patzt, konnte nur noch ein Sieg den Abstieg verhindern.

Obwohl Rot-Weiss Oberhausen gegen Lütteringshausen mit 4:0 die Oberhand behielt und Essen in Gelsenkirchen mit 0:5 verlor, gab es noch eine kleine Chance. Im Schalker Aufstiegstaumel wurde Essens Torwart Carsten Hallmann von einem königsblauen Fan verletzt und musste ausgewechselt werden. Die Partie wurde daraufhin wiederholt, doch der Strohhalm war zu dünn, und Schalke pustete mit 2:3 die Essener Zweitliga-Lichter aus.

"Der 4:1-Sieg in Viersen war das beste Auswärtsspiel meiner Amtszeit", jubelte Dieter Tartemann schon am siebten Spieltag. Auch an den folgenden Wochenenden erschien der Coach der Essener meist zufrieden zur Pressekonferenz, denn seine Mannschaft blieb auf Erfolgskurs. Lediglich der BVL Remscheid konnte den Essenern, bei denen mittlerweile Michael Tönnies auf Torejagd geht, halbwegs auf den Fersen bleiben.

Doch dann erlaubten sich die Rot-Weissen gleich zwei "Karnevalsscherze" hintereinander. Im Stadtderby sicherte der Treffer von Klaus Wuschka den ETB-Sieg, und eine Woche später gab es gegen Viersen gleich die zweite Heimniederlage obendrauf. Glücklicherweise bewahrten sowohl die Spieler als auch die Verantwortlichen danach die Ruhe, und Rot-Weiss Essen erreichte mit einem Punkt Vorsprung das Oberligaziel (damals 3. Liga, heute 4.). Mit großen Hoffnungen machten sich die Essener Fans dann auch in den kühlen Norden zum VfB Oldenburg auf, der die Essener aber gleich mit 5:0 abschoss.

Der 2:1-Erfolg über den FC St. Pauli versöhnte die Anhänger dann auch wieder, zumal man in den nächsten Spielen konzentrierter zur Sache ging. In Münster hatten es die Essener dann selbst in der Hand, mit einem Sieg über den ASC Schöppingen alles klar zu machen. Rüdiger Abramczik war kaum zu bremsen, drehte gleich viermal jubelnd ab und liess danach die Champagner-Korken knallen. Im Preussenstadion feierten 8.000 Essener den 5:1-Triumph. Das Kapitel Oberliga konnte erst einmal ad acta gelegt werden.

Bis zum letzten Moment musste Rot-Weiss Essen um die Lizenz zittern, doch im Trainingslager in Ascheberg erhielten die Profis endlich den heißersehnten Anruf von Manager Hans Wüst: Der DFB erteilt für die Saison 1990/91 grünes Licht. "Ein einstelliger Tabellenplatz mit Blick nach vorne" lautete die Zielsetzung von Hans-Werner Moors. Eine Meßlatte, die von den Essener Spielern nicht übersprungen werden konnte, zumal mit Dirk "Putsche" Helmig zum wiederholten Mal ein Leistungsträger aus finanziellen Gründen zum Jahreswechsel verkauft werden musste.

Da Helmig-Ersatz Michael Hubner erst spät der Durchbruch gelang, begann danach der für Rot-Weiss Essen fast schon traditionelle Existenzkampf in der Zweiten Bundesliga. Der VfB Oldenburg gewann z.B. selbst mit zehn Mann 3:1 an der Hafenstrasse, und auch in Hannover hingen die Trauben beim 0:2 zu hoch. Der klare 3:0-Erfolg gegen den SC Freiburg blieb leider nur eine Eintagsfliege, denn es folgten 1:7 Punkte in Serie. Erst in Mannheim konnten sich die Essener an den eigenen Haaren aus dem Abstiegssumpf ziehen. Das abschließende 0:3 bei den Stuttgarter Kickers hat nur noch statistischen Wert.

Der Jubel über das glückliche Ende - Essen war mit 34:42 Punkten auf dem 15. Tabellenplatz - verflog allerdings recht schnell. Bevor die Herren des DFB-Vorstandes am 22. Juni ins Olympiastadion pilgerten, um dem Pokalfinale zwischen dem SV Werder Bremen und dem 1.FC Köln beizuwohnen, teilten sie dem Essener Schatzmeister Hans-Jürgen Bredendiek die schmerzliche Nachricht mit: Rot-Weiss Essen erhält keine Lizenz für die kommende Saison und wird ins Amateurlager zurückversetzt.

Vor dem An- und nach dem Abpfiff des ersten Saisonspieles rieben sich eingefleischte RWE-Fans verwundert die Augen. Zunächst einmal, weil sie sich nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga an die vielen neuen Gesichter in der neuformierten Mannschaft gewöhnen mussten, anschließend über die furiose Spielweise der zusammengewürfelten Elf.

Mit einem in dieser Höhe absolut überraschenden 4:0-Erfolg über den 1.FC Bocholt spielte sich diese Mannschaft gleich zum Auftakt in die Herzen der Anhänger. Dem SC Brück schlug die Angriffslust der Röber-Schützlinge besonders auf den Magen. Die 90 Minuten gegen Rot-Weiss Essen wurden für sie zum Alptraum erster Klasse, denn die 1:9-Packung im eigenen Stadion glich schon einer Demütigung. Auch Titelfavorit Wuppertaler SV konnte den Gipfelsturm der Essener nicht stoppen. Mit englischer Begeisterung feierten rund 15.000 Zuschauer den knappen, aber verdienten 1:0-Erfolg.

Nach Abschluss der Hinrunde konnte sich Rot-Weiss Essen mit zwei Punkten Vorsprung den Titel als Herbstmeister sichern, aber Trainer Jürgen Röber blieb trotzdem skeptisch: "Wir sind zwar Tabellenführer, aber zwei, drei Niederlagen und wir sind wieder ganz schnell weg vom Fenster." Frank Kontny musste zwar nur einmal, und zwar in Aachen, als geschlagener Kapitän vom Rasen gehen, doch ein läppisches Törchen ließ den Wuppertaler SV noch vorbeiziehen.

Die anschließenden Begegnungen um die Deutsche Amateurmeisterschaft waren mehr als nur ein Trostpflaster für den verpassten Aufstieg in die 2. Bundesliga. Immerhin konnten sich die Essener mit dem Gruppensieg durch die Hintertür in die DFB-Pokal Hauptrunde einschleichen. Der Hunger war damit jedoch noch nicht gestillt. In einem Herzschlagfinale wurde die Spielvereinigung Bad Homburg in die Knie gezwungen, und an der Hafenstrasse gab es endlich mal wieder eine Meisterschaft zu feiern - auch wenn es nur die Amateurmeisterschaft war.

Alle Trainer der 15 anderen Vereine der Liga waren sich einig: Meister wird nur der RWE. Für Jürgen Röber war die Favoritenrolle allerdings keine Bürde: "Wir werden uns der Herausforderung stellen. Packen wir es an!" Zum Auftakt griff seine Mannschaft dann erst einmal gehörig daneben: Mit 5:2 wurde das Team von den Amateuren des 1.FC Köln kräftig auf die Hörner genommen. Zunächst erst schleppend, dann aber immer schneller kam der Aufstiegsexpress ins Rollen.

Auch wenn das Pflaster in der Domstadt sich auch weiterhin nicht als erfolgreich erwies, denn auch Viktoria Köln behielt beide Punkte am Rhein, war der Vorsprung zur Halbzeit recht respektabel. Vier Punkte Vorsprung waren ganz komfortabel, zumal sich das Georg-Melches-Stadion als uneinnehmbare Festung präsentierte: 14:0 Punkte lautete die makellose Heimbilanz.

Den Sand vom Winterschlaf noch in den Augen, ließen sich die Essener erneut vom Kölner Talentschuppen überraschen und auskontern. Auch wenn die Essener ins Stolpern gerieten, von der Tabellenführung konnte sie keiner verdrängen. Der souveräne 3:0-Sieg gegen Alemannia Aachen am Tivoli war dafür der beste Beweis. Die errungene Meisterschaft in der Oberliga Nordrhein war zwar schön und gut, letztendlich jedoch wertlos, wenn in der folgenden Qualifikationsrunde der Aufstieg nicht unter Dach und Fach gebracht worden wäre.

Wie erwartet, erwiesen sich die Münsteraner Preußen bis zum letzten Spieltag als hartnäckigster Konkurrent. Gemeinsam waren Hans-Werner Moors und Jürgen Röber knapp zwei Jahren zuvor vom DFB ins Amateurlager verbannt worden, die Rückkehr zu den Profis konnte jedoch nur einer schaffen. In einer eindrucksvollen Manier nahm Rot-Weiss Essen auch die letzte Hürde und versetzte die Ruhrmetropole in totale Euphorie. Zwei Spielzeiten nach dem Lizenzentzug war Rot-Weiss Essen wieder da.

Am 14. Mai 1994 hatte Rot-Weiss Essen die große Chance, seinen Erfolg aus dem Jahr 1953 zu wiederholen. Nach dem Lizenzentzug und dem damit verbundenen Abstieg in die Regionalliga zeigten die Essener gerade im DFB-Pokal eine herausragende Leistung. Eine Trotzreaktion?

Der Essener Siegeszug begann in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals. Gegen den 1.FC Bocholt gewann Rot-Weiss Essen mit 3:2, danach folgte ein knapper 3:2-Sieg gegen den FC St. Pauli, der erst in der Verlängerung möglich wurde. Im Achtelfinale bezwangen die Essener dann den Nachbarn MSV Duisburg mit 4:2. Zittern mussten die Rot-Weissen im Viertelfinale. Beim FC Carl-Zeiss Jena stand es nach 90 Minuten 0:0. Auch die Verlängerung brachte keine Entscheidung, also kam es zum Elfmeterschießen, das Essen aber mit 6:5 für sich entscheiden konnte. Im Halbfinale wurde dann auf dem schneebedecktem Rasen an der Hafenstrasse Tennis Borussia Berlin mit 2:0 geschlagen.

Damit war der Weg frei für das Finale in Berlin. Gegner und haushoher Favorit war der Bundesligist SV Werder Bremen. Die Stimmung im mit 78.000 Zuschauern ausverkauften Berliner Olympiastadion war großartig, und die Zuschauer bekamen ein spannendes Spiel zu sehen. Bremen bestimmte die erste Halbzeit und ging mit einer verdienten 2:0 Führung durch Beiersdorfer (17.) und Herzog (38.) in die zweite Hälfte. Nach der Halbzeit drehten die Essener groß auf und "stürzten die Bremer von einer Verlegenheit in die andere" (Otto Rehhagel).

In der Saison 1993/94 lagen Freud und Leid für Rot-Weiss Essen dicht beieinander. Ende März 1994, Rot-Weiss Essen war als Zweitligist längst für das DFB-Pokalfinale in Berlin qualifiziert, entschied der DFB in Frankfurt, Rot-Weiss Essen die erteilte Lizenz für die Saison 1993/94 nach einer Selbstanzeige des Vereins zu entziehen. Damit sollte Rot-Weiss Essen bereits im März an das Tabellenende rutschen und als erster Absteiger feststehen.

Der DFB sah sich bei der Erteilung der Lizenz von Rot-Weiss Essen getäuscht. Anstoß gaben zwei Verträge mit dem ehemaligen Präsidenten Anton Döbbe. Der Verein schuldete Döbbe rund 1,6 Millionen Mark. In beiden Verträgen verzichtete Döbbe auf einen Teil seiner Forderung. Beide Verträge trugen auf Seite des Vereins die Unterschriften der Vorstandsmitglieder Himmelreich, Lessau und Buddenbrock. Beide Verträge, so urteilte das Landgericht Essen im November 1993, sind "wirtschaftlich gleichwertig". Das Eigentor aus Sicht des DFB lag darin, dass ein Vertrag für die Lizenzverhandlungen nach Frankfurt ging, und ein Vertrag in Essen in der Schublade blieb. Deswegen zeigte der DFB den Essenern die rote Karte. Rot-Weiss Essen musste erneut den bitteren Gang in die Drittklassigkeit antreten.

Zwei Jahre nach dem Zwangsabstieg aus der 2. Bundesliga und dem Pokalfinale in Berlin meldeten sich Rot-Weiss Essen im bezahlten Fußball zurück. Meister sind die Essener zwar nicht geworden, aber spitze war die Mannschaft aus dem Ruhrgebiet trotzdem.

Vor allem bei den Zuschauern war Rot-Weiss Essen ungeschlagen. Rund 750.000 kamen insgesamt in die Stadien zu den 342 Begegnungen der Regionalliga West/Südwest, im Schnitt 2.205 zu jeder Partie. 149.600 Fans, das ergab einen Schnitt von 8.311 Zuschauern pro Spiel, pilgerten alleine an die Hafenstraße. Bei diesem Vergleich hatte selbst der Meister aus Gütersloh keine Chance gegen den Vize.

Spitze waren die Rot-Weissen vor allem in der Fremde. Elf Siege, drei Unentschieden und vier Niederlagen ergaben 36 Punkte. Kein anderes Team der Liga war in dieser Beziehung besser. Essen verspielte den Titel allerdings keinesfalls auf eigenem Platz, sondern im direkten Vergleich gegen Gütersloh. Zu Hause verlor man mit 3:6 und in Ostwestfalen mit 0:2. Letztendlich führten die Gütersloher die Tabelle dann aber doch mit 16 Punkten Vorsprung klar an. Aber einen Rekord stellte Rot-Weiss Essen dennoch auf: Mit 31 Gegentreffern stellten die Essener die beste Abwehr der Liga.

Bester Essener Torschütze in dieser Saison war Wolfram Klein mit 15 Treffern. An 20 der 36 Spieltagen standen die Essener auf einem Aufstiegsplatz, so dass eine Rückkehr zwei Jahre nach dem Lizenzentzug für die Essener durchaus verdient war.

In der Saison 1996/97 wagte Rot-Weiss Essen erneut das Unterfangen 2. Bundesliga, nachdem die letzten beiden Versuche 1991 und 1994 mit Lizenzentzügen endeten. Diesmal sollte es allerdings sportlich nicht gelingen, die Klasse zu erhalten. Einer der Gründe für den Abstieg war die desolate Abwehrleistung der Essener in diesem Jahr. Das rot-weisse Tor entwickelte sich im Laufe der Saison zu einer wahren Schießbude. 74 mal durfte der Essener Keeper hinter sich greifen.

Im Sturm hingegen lief es prächtig. Mit 47 Treffern waren nur sechs andere Mannschaften erfolgreich. Essens Stürmer Angelo Vier wurde sogar am Saisonende Torschützenkönig in der 2. Bundesliga. Aber der beste Sturm nützt nichts, wenn die Abwehr in einem desolaten Zustand ist. 13 mal kassierten die Essener drei oder mehr Treffer. Häufig führte die Mannschaft von der Hafenstrasse sogar und musste sich letzten Endes dann doch geschlagen geben.

Trauriger Höhepunkt in dieser Beziehung war wohl die Niederlage in Kaiserslautern auf dem Betzenberg. Rot-Weiss Essen führte bis zur 80. Minute mit 0:2 beim unangefochtenen Spitzenreiter aus der Pfalz, doch nach 90 Minuten stand es dann 3:2 für die Gastgeber. Am Ende der Saison standen die Essener mit 13 Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz an vorletzter Stelle. Nur der VfB Oldenburg sammelte in dieser Saison noch weniger Punkte. Essen trat also erneut den schweren Gang in die Drittklassigkeit an. Aus finanziellen Gründen konnten viele Spieler wie zum Beispiel Angelo Vier nicht mehr gehalten werden. Essen stolperte im Sommer 1997 einer ungewissen und dunklen Zukunft entgegen.

Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga wurde in Essen eine neue Truppe um erfahrene Spieler wie Ingo Pickenäcker, Frank Kurth, Wolfram Klein oder Dirk "Putsche" Helmig geformt. Zum großen Leidwesen verließen Spieler wie Angelo Vier oder Günter Kutowski die Hafenstrasse. Leider genügte diese Truppe nur selten dem Anspruch, der an sie gestellt worden ist.

Nur ganze sechsmal durften die Anhänger der Truppe von der Hafenstraße nach 90 Minuten jubeln, und genau wie im Vorjahr war der rot-weisse Kasten die Schießbude der Liga. Ganze 80 mal durfte der Essener Torwart hinter sich greifen. Die Stürmer waren nur halb so oft erfolgreich: 41 mal schlug der Ball im gegnerischen Tornetz ein. Immer wieder setzte es gewaltige Niederlagen, wie zum Beispiel zu Hause mit 0:5 gegen den SC Verl oder mit 0:4 gegen den FC Homburg.

Auch auswärts waren die Essener eigentlich nicht erfolgreich, denn auch in der Fremde gab es zum Beispiel eine 0:6-Niederlage gegen die Amateure des 1.FC Kaiserslautern oder auch ein 0:6 gegen den SC Paderborn. Essens Trainer Dieter Brei begründete die Misserfolge immer wieder mit der Unerfahrenheit seiner vielen jungen Spieler. Sein Nachfolger, Willi "Ente" Lippens, der allerdings auch nichts mehr retten konnte, suchte die Gründe bei der Kondition der Spieler. Letzteres schien auch der Fall zu sein, denn die Mannschaft ging oft in Führung und verspielte dann einen Sieg oder ein Unentschieden meist gegen Ende der 2. Halbzeit.

Am letzten Spieltag bekleideten die Essener dann den vorletzten Tabellenplatz mit sechs Punkten Rückstand auf den rettenden 15. Platz und trat zusammen mit Germania Teveren und dem Bonner SC den schweren Gang in die Oberliga an.

Nach dem freien Fall aus der 2. Bundesliga bis in die Oberliga befand sich Rot-Weiss Essen auf dem Tiefpunkt seiner Vereinsgeschichte. Bis auf ganz wenige Spieler, unter anderem Frank Kurth, hatten fast alle Akteure der Hafenstraße den Rücken gekehrt, und es musste eine ganz neue Truppe um Essens Trainer Dieter Tartemann zusammengestellt werden. Für den Traditionsverein gab es von Saisonbeginn an nur ein Ziel: Der Wiederaufstieg in die Regionalliga West/Südwest.

Obwohl die Testspiele recht positiv verliefen, ging der Saisonstart in die Hose, als die Amateure von Borussia Mönchengladbach mit einem Tor kurz vor Spielende den Essenern Aufstiegsgedanken einen gehörigen Dämpfer verpassten. Doch durch konzentriertes Spielen arbeitete Essen sich Stück für Stück nach vorne und stand zur Halbzeit nach einem knappen 2:0-Auswärtssieg beim SV Adler Osterfeld, der sich überraschenderweise als härtester Konkurrent im Aufstiegskampf entpuppte, im Oberhausener Niederrheinstadion an der Tabellenspitze.

Doch die Rückrunde begann genauso wie die Hinrunde, nämlich mit einer Niederlage gegen die Amateure von Borussia Mönchengladbach. Damit waren die "Fohlen" die einzige Mannschaft, die Essen in dieser Saison zweimal besiegte. Nach schwachen Leistungen der Mannschaft warf Dieter Tartemann nach der 0:1-Niederlage beim 1.FC Bocholt das Handtuch. Sein Nachfolger wurde Klaus Berge. Ab diesem Zeitpunkt ging es dann wieder bergauf für die Essener, doch alles lief auf ein Herzschlagfinale am letzten Spieltag im Georg-Melches Stadion gegen Adler Osterfeld heraus. Doch nachdem Osterfeld patzte, hatten die Essener am vorletzten Spieltag beim SCB Preussen Köln die Möglichkeit, den Aufstieg vorzeitig zu schaffen.

Voraussetzung waren allerdings drei Punkte. Lange Zeit sah es in Köln jedoch düster für die Essener aus, denn die Kölner übernahmen zuerst die Führung und hatten viele gute Möglichkeiten, diese noch zu erhöhen. Erst 15 Minuten vor Schluss konnten die Essener durch einen Doppelschlag das Spiel zum Guten wenden. Nach dem Abpfiff gab es für die Fans kein Halten mehr, und sie feierten mit der Mannschaft zusammen auf dem Rasen ausgelassen den Wiederaufstieg in die Regionalliga.

Besonders gefreut über das Essener Gastspiel in der Oberliga haben sich wohl die Schatzmeister der Vereine. In Dinslaken waren zum Beispiel bis April rund 2.000 Fans überhaupt registriert worden - zum Spiel gegen Essen kamen dann rund 6.000 Zuschauer. Auch in den beiden Stadtderbys gegen Schwarz-Weiss Essen wurden mit je 11.000 Zuschauern Oberliga-Rekordwerte erzielt. Rot-Weiss Essen hatte am Ende der Saison mehr Zuschauer, als die übrigen Vereine der beiden Oberligen Nordrhein und Westfalen zusammen.