„Alemannia-Kicker spielen um ihre Zukunft“

RWE-Cheftrainer Sven Demandt erwartet gegen Aachen hochmotivierten Gegner

Morgen empfängt Rot-Weiss Essen Alemannia Aachen zum Flutlichtspiel.

Was für eine Woche! Nur drei Tage nach dem Pokalkrimi und 3:2-Halbfinaltriumph unserer Rot-Weissen beim Wuppertaler SV wartet schon der nächste Höhepunkt. Am heutigen Freitag (ab 19.30 Uhr) ist mit Alemannia Aachen ein weiterer Traditionsverein und ehemaliger Bundesligist an der Hafenstraße zu Gast. Wie in Wuppertal (13.003 Zuschauer) dürfte es erneut eine große Kulisse geben. Der Wunsch von RWE-Cheftrainer Sven Demandt (52) vor der Partie ist klar: Nach dem erneuten Einzug in das Endspiel um den Niederrheinpokal (am 25. Mai gegen Rot-Weiß Oberhausen oder den MSV Duisburg) soll heute der erste Heimsieg im neuen Jahr perfekt gemacht werden. Vor dem Duell mit der Alemannia, der Neuauflage des DFB-Pokalfinales von 1953 (2:1 für RWE in Düsseldorf), äußert sich Sven Demandt im ausführlichen Interview mit der „kurzen fuffzehn“. 

Hallo Sven! Nach dem 3:2-Erfolg in Wuppertal hat RWE weiterhin die Chance, zum dritten Mal hintereinander den Niederrheinpokal zu gewinnen. Wie erleichtert warst Du nach dem Finaleinzug? 

Sven Demandt: Wir alle sind natürlich sehr froh und glücklich. Es geht im Pokal darum, die nächste Runde zu erreichen. Das haben wir geschafft. Man hat den Spielern zu Beginn angemerkt, dass es um sehr viel geht. Spätestens mit dem Gegentor nach der Pause hat die Partie dann Fahrt aufgenommen, wurde zum richtigen Pokalfight. Das 1:1 und 1:2 haben wir sehr gut herausgespielt. Nach dem 2:3 wird es nochmal spannend. Wir sind froh, dass wir das Spiel gewonnen haben. Aufgrund der zweiten Halbzeit war das sicher auch verdient. Ich bin stolz darauf, wie die Jungs diese wichtige Partie gedreht haben. 

Innerhalb von nur acht Minuten gelangen RWE die drei Treffer durch Kapitän Benjamin Baier (2) und Timo Brauer. Wie groß war ihr Anteil dem Weiterkommen? 

SD:Beide haben nicht nur wegen ihrer Tore überzeugt. Auch an ihrer Körpersprache war in den entscheidenden Szenen genau zu erkennen, dass sie vorneweg gehen wollen. 

Erst Wuppertal, nur drei Tage später Aachen: Wie sehr freut sich auch der Trainer auf solche Fußballfeste? 

SD: Vor einer großen Kulisse gegen so attraktive Gegner antreten zu dürfen, macht immer besonders viel Spaß. Da steht auch der Trainer sehr gerne an der Seitenlinie. Wenn sich dann auch noch der Erfolg einstellt wie in Wuppertal, dann ist es natürlich umso schöner. 

In der Meisterschaft ist Rot-Weiss Essen zwar seit fünf Spielen ungeschlagen. Vier dieser Partien endeten allerdings remis. Nerven Dich die zahlreichen Unentschieden? 

SD: Wenn die Mannschaft immer so spielt wie beispielsweise zuletzt beim 0:0 in Verl, dann nicht. Schließlich hatte die Leistung auch dort gestimmt, wir waren sehr dominant und hatten gefühlt mindestens 60 bis 70 Prozent Ballbesitz. Sehr schade nur, dass wir unsere bestimmt vier hochkarätigen Torchancen nicht verwerten konnten. Deshalb sprang am Ende nur ein Punkt heraus. Aber wie gesagt. Mit dem Auftritt der Mannschaft war ich durchaus zufrieden. Und wie schnell es gehen kann, haben wir dann ja in Wuppertal gesehen: Dort war in der zweiten Halbzeit plötzlich fast jeder Schuss ein Treffer. So kann es gerne weitergehen.

Vor dem Spiel in Verl sah es so aus, als müsste Kamil Bednarski verletzungsbedingt eine Pause einlegen. Selbst sein Einsatz in Wuppertal schien gefährdet. Dann war er aber in beiden Partien dabei. Wie kam es dazu? 

SD: Für das Verl-Spiel hatte ich Kamils Einsatz in der Tat wegen einer schmerzhaften Prellung am Fuß schon abgehakt. Einen Tag vor der Partie stand er jedoch plötzlich in der Kabine, weil sich die Verletzung fast über Nacht deutlich gebessert hatte. Nach einem letzten Härtetest war dann klar, dass er in Verl doch zum Kader gehören würde. Um im Hinblick auf Wuppertal kein Risiko einzugehen, gehörte er dort aber nicht zur Startformation, sondern wurde erst später eingewechselt. So konnte er gegen den WSV wieder von Beginn an auflaufen.

Etwas überraschend stand Gino Windmüller in Verl und Wuppertal jeweils in der Anfangself, nachdem er zuvor länger als ein halbes Jahr nicht mehr von Beginn an gespielt hatte. Warum? 

SD: Wegen der englischen Woche und unseres doch recht kleinen Kaders wollte ich die Belastung ein wenig verteilen. Es war klar, dass wir nicht alle drei Spiele in acht Tagen mit nur elf Akteuren durchziehen können. Außerdem hatte Gino in den Tagen zuvor gut trainiert und sich diese Chance deshalb auch verdient. 

Wie hatte er seine Sache gemacht? 

SD: Ich muss sagen, sehr ordentlich. In Verl hatte er in den letzten zehn Minuten den einen oder anderen „Wackler“ drin, sonst aber war es souverän. Deshalb war er auch in Wuppertal von Beginn an dabei

Kevin Grund musste im Pokalspiel wegen einer Sprunggelenkverletzung passen und fällt auch noch für Aachen aus. Wie sieht es sonst personell für die Partie gegen Alemannia Aachen aus? 

SD: Kasim Rabihic wird nach seinem Muskelfaserriss ebenso noch fehlen wie Frank Löning, der nach wie vor Probleme mit seiner Ferse hat, und eben Kevin Grund. Dazu kommt auch noch Dennis Malura, der sich im Pokalspiel verletzt hat.

Die Alemannia musste vor zehn Tagen zum zweiten Mal einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren stellen. Wie sehr schmerzt Dich das als Fußballer und Trainer eines konkurrierenden Klubs? 

SD: Eine solche Situation ist logischerweise immer sehr bitter. Selbstverständlich fühlt man mit den Kollegen und vor allem mit den Fans. Der Fall Aachen zeigt aber auch, wie schwer es Traditionsvereine gerade in unserer Liga haben. Vernünftig und gut zu wirtschaften, gleichzeitig aber auch den größtmöglichen sportlichen Erfolg anzustreben, ist alles andere als einfach. Wir werden aber unseren Weg weitergehen und auch in Zukunft nicht mehr ausgeben, als uns zur Verfügung steht. 

Sportlich hatten die Aachener zuletzt für einige positive Schlagzeilen gesorgt, gewannen unter anderem sogar bei Spitzenreiter und Meisterschaftsfavorit FC Viktoria Köln! 

SD: Ich war in Köln selbst im Stadion, um die Alemannia zu beobachten. Es war deutlich zu erkennen, dass dort - trotz oder sogar gerade wegen der schwierigen finanziellen Lage - etwas zusammengewachsen ist. Der Zusammenhalt im Team war deutlich zu spüren. Selbst ein später Rückstand hat die Aachener nicht aus dem Konzept gebracht, so dass sie die Partie am Ende sogar noch drehen konnten. Es ist gut möglich, dass sich nach dem Insolvenzantrag eine „Jetzt-erst-recht-Stimmung“ entwickelt. 

Also rechnest Du mit einem hochmotivierten Gegner? 

SD: Selbstverständlich! Schließlich spielen die Jungs bis zum Saisonende um ihre Zukunft. Sei es nun bei der Alemannia oder möglicherweise bei einem anderen Verein. Da ist mit Sicherheit keine Extra-Motivation notwendig.