Fachtag: neue Perspektiven für FairPlayLiga

Neue Impulse: Waldemar Wrobel, Schirmherr 1. Fachtag FairPlayLiga, Ralf Klohr, Erfinder FairPlayLiga, Prof. Dr. Ulf Gebken, Universität Duisburg-Essen, Klaus Koglin, stlv. Kreisjugendausschuss-Vorsitzender Fußballkreis Essen, Andreas Bomheuer, Dezernent der Stadt Essen für Kultur, Sport und Integration, Thorsten Flügel, Kreisvorsitzender Fußballkreis Essen, und Prof. Dr. Michael Welling, 1. Vorsitzender Rot-Weiss Essen und Essener Chancen, engagieren sich für Fairplay im Kinderfußball. Foto: Capitain/EC

Premiere geglückt! Michael Welling betont die Multiplikatorenrolle der Ehrenamtler. Fotos: Müller/EC

Kinder an die Macht: Schirmherr Waldemar Worbel (3.v.l.) kennt die Qualitäten von Straßenfußball und Bolzplätzen.

Seit inzwischen vier Jahren kicken Essener Kinder von den Bambinis bis zur E-Jugend nach den Regeln der FairPlayLiga, doch noch läuft nicht immer alles reibungslos. Stadt Essen, Universität Duisburg-Essen, Fußballverband Niederrhein und Essener Chancen luden deshalb Trainer, Vereinsverantwortliche und Funktionäre zum 1. Fachtag FairPlayLiga und zum konstruktiven Meinungsaustausch über Schwierigkeiten und Perspektiven ein.

„Wir haben eine Resonanz, die alle unsere Erwartungen übertroffen hat“, begrüßte Prof. Dr. Michael Welling, 1. Vorsitzender von Rot-Weiss Essen und Essener Chancen, die zahlreichen Gäste des Fachtags. „Hier sitzen über 200 Ehrenamtler, die über 4.000 Kinder betreuen.“
Erfinder der FairPlayLiga ist der für sein Wirken bereits vom DFB ausgezeichnete und ebenfalls anwesende Ralf Klohr. Seine drei Grundregeln lassen sich schnell zusammenfassen: Eltern halten Abstand vom Feld, Trainer müssen gemeinsam moderieren und die Kinder spielen ohne Schiedsrichter.
Waldemar Wrobel, Schirmherr der Veranstaltung, erinnert das System an die Zeiten des Straßenfußballs, als ebenfalls ohne Unparteiischen gekickt wurde: „Was haben die Kinder gemacht? Sie haben geredet und eigenständig über Foul- oder Handspiel entschieden. Wir müssen den Kindern auf Vereinsebene den Bolzpatz zurückgeben.“

Das Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Duisburg Essen hatte im Vorfeld intensiv zum Thema geforscht. So läuten beispielsweise die Alarmglocken, wenn zwar bei allen Heim-, aber scheinbar nur bei der Hälfte der Auswärtsspiele die Zuschauerzone respektiert wird.
Da sich Aufgaben und Verantwortung der Trainer in dem noch jungen System verändern, hatten die Coaches in acht Gruppen Gelegenheit, in einer ergebnisoffenen Diskussion von Schwierigkeiten und Chancen mit dem System zu berichten.

Rückmeldesystem ab September
Während die meisten Jugendtrainer den Gedanken der FairPlayLiga unterstützen, sehen sie sich in der Praxis noch mit verschiedenen Hürden konfrontiert. Besonders im Umgang mit problematischen Eltern und Trainern fehlt die Handhabe. Außerdem verändert sich zunehmend die Rolle der Coaches: Sie haben eine größere Verantwortung und hoffen auf mehr Unterstützung von Verein und Verband. Ein Lösungsansatz könnte ein Stammtisch für alle Trainer sein, damit sie sich abseits des Platzes in entspannter Atmosphäre kennenlernen. Und am Spieltag gilt: Fünf Minuten vor einer Partie stimmen sich beide Fußballlehrer gemeinsam auf ein faires Spiel ein.
Die Mehrfachbelastung Privatleben, Beruf und Ehrenamt soll in Zukunft ebenfalls stärker berücksichtigt werden: Der Fußballverband Niederrhein möchte zur Qualifizierung vermehrt Module und Kurzschulungen anbieten. Aufklärungsarbeit muss auch an anderer Stelle geleistet werden. Elternabende sollen für das System sensibiliseren.

Größtes Problem bleiben aber Vereine, die sich der FairPlayLiga gänzlich entziehen. Dafür soll schon im Herbst in zwei, drei Staffeln ein neues Rückmeldesystem an den Start gehen. Per App können die Trainer beispielsweise Spielverlauf, Organisation sowie Fairness einer Partie beurteilen. Zeigt sich ein negativer Trend, kann der Verband reagieren.
Mit vielen Ideen aller am Kinderfußball Beteiligten war der 1. Fachtag Auftakt einer praxisnahen Diskussion über die FairPlayLiga, setzte erste neue Impulse. Ralf Klohr, der die Regeln vor über zehn Jahren erfand, ist aber besonders eine Sache wichtig: „Für mich ist es einer der bisher schönsten Tage, weil die Menschen hier in Essen miteinander reden und zusammenarbeiten.“