„Können auch gegen Spitzenteams gewinnen“

RWE-Cheftrainer Sven Demandt vor Heimspiel gegen die U 23 von Borussia Dortmund im Interview.

Vertraut in die Stärke seiner Mannschaft: Sven Demandt. (Foto: Endberg)

Das Traditionsduell bei Alemannia Aachen (0:1) war nicht nur wegen des enttäuschenden Ergebnisses gar nicht nach dem Geschmack von RWE-Cheftrainer Sven Demandt (51). „Mit einem solchen Auftritt können wir nicht zufrieden sein. Das war unter dem Strich zu wenig“, redete der frühere Bundesligaprofi Klartext. Scheinbar wie weggeblasen war das eigentlich gewachsene Selbstvertrauen nach den beiden vorausgegangenen Siegen bei Rot Weiss Ahlen (3:0) und gegen den SC Verl (2:0). „Das war keine Frage der Qualität, sondern der Mentalität“, legte Demandt den Finger in die Wunde. Keine Frage: Im heutigen Heimspiel gegen die ambitionierte U 23 von Borussia Dortmund, das im Rahmen des traditionellen Familienspieltages an der Hafenstraße ausgetragen wird, erwartet der Cheftrainer einen ganz anderen Auftritt seines Teams. Vor dem Anpfiff sprachen wir mit Sven Demandt.

Mit dem 0:1 bei Alemannia Aachen setzte es für RWE einen Rückschlag. Warum warst Du nach dem Abpfiff so sauer?

SD: Gerade bei den Basiselementen des Fußballs - dazu gehören Laufbereitschaft, Einsatz und Aggressivität in den Zweikämpfen - war uns der Gegner überlegen. Das darf nicht sein. Die Aachener waren galliger und griffiger, haben deshalb unter dem Strich auch nicht unverdient gewonnen. Gerade vor dem Hintergrund, dass unsere Mannschaft zuvor in Ahlen und Verl gute Leistungen gezeigt hatte, ist mir der Auftritt in Aachen, speziell in der ersten Halbzeit, unverständlich. Nach sechs Punkten und 5:0 Toren hatte ich anderes erwartet. Ganz klar: Wir haben uns die Niederlage in Aachen selbst zuzuschreiben.

Musstest Du bereits in der Kabine laut werden?

SD: Das war in der Tat so. Ich habe versucht, die Jungs aufzuwecken. In der zweiten Halbzeit haben wir dann auch eine andere Mannschaft gesehen, die zumindest alles versucht hat, um die Niederlage noch abzuwenden und in der Schlussphase einige Male die Chance zum Ausgleich hatte.

Allein Kamil Bednarski traf bei seinem Liga-Debüt als Einwechselspieler zweimal die Latte!

SD: Die Leistung von Kamil gehörte zweifellos zu den positiven Dingen, die wir aus dem Spiel mitnehmen können. In den 30 Minuten, die er auf dem Platz stand, war er praktisch an allen torgefährlichen Aktionen beteiligt.

Ist er für die heutige Partie gegen die U 23 von Borussia Dortmund bereits eine Option für die Startformation?

SD: Ich denke schon, dass Kamil 90 Minuten durchhalten könnte. Von daher ist es zumindest nicht ausgeschlossen. Die letzten Trainingseindrücke waren entscheidend.

Fest steht, dass RWE in dieser Saison zu wenig Torgefahr ausstrahlt. Nach neun Spielen hat die Mannschaft erst neun Treffer erzielt. Woran liegt das?

SD: Das wir in neun Partien schon fünfmal gar kein Tor erzielt haben, ist mangelhaft und sicher auch kein Zufall mehr. Fakt ist: Wir spielen uns eigentlich immer genügend Möglichkeiten heraus, nutzen sie aber nicht konsequent. Da fehlt mir ab und an die notwendige Entschlossenheit und Präzision. Das muss sich schleunigst ändern. Wir arbeiten im Training auf jeden Fall intensiv daran.

Kapitän Benjamin Baier und auch Jan-Steffen Meier saßen in Aachen nach ihren abgelaufenen Rotsperren nur auf der Bank. Hast Du bewusst der Formation der vorausgegangenen Spiele vertraut?

SD: Klares Ja! Die Mannschaft hatte es schließlich gegen Ahlen und Verl gut gemacht. Gerade im defensiven Mittelfeld gab es nach den guten Leistungen von Timo Brauer und besonders Kasim Rabihic keinen Grund für einen Wechsel.

Welche Umstellungen könnte es diesmal geben?

SD: Wenn ich das Spiel gegen die Alemannia als Maßstab nehme, dann müsste ich sehr viel verändern. Von der Kritik ausdrücklich ausnehmen würde ich nur Tolga Cokkosan, den auch in Aachen eine gute Körpersprache ausgezeichnet hat. Mit Abstrichen hatten allenfalls noch Marcel Platzek und Philipp Zeiger zumindest einige gute Aktionen.

Besondere Aufmerksamkeit genießt Rückkehrer Timo Brauer, der bisher aber noch nicht seine Bestform erreichen konnte. Wie bewertest Du die Entwicklung?

SD:Grundsätzlich ist Timo für diese Liga ein Super-Spieler, auch Charakter und Mentalität sind vorbildlich. Mit seinen Qualitäten hilft er uns ohne Zweifel weiter. Man darf jetzt aber nicht erwarten, dass er in den Spielen immer wieder den Unterschied ausmacht. Damit würde man ihm Unrecht tun, das kann nicht seine Aufgabe sein. Ich habe im Moment ein wenig das Gefühl, dass er es allen und jedem Recht machen will, sich auch deshalb schwer tut. Zuletzt dachte ich, er ist auf einem guten Weg. In Aachen gab es aber einen Rückschlag. Für Timo ist wichtig, dass er sich auf seine eigene Leistung konzentriert.

Heute geht es gegen die U 23 des BVB, die in der Spitzengruppe mitmischt. Gehören die Dortmunder zu den Meisterschaftsfavoriten?

SD: Aktuell spricht viel dafür, dass Dortmund neben Mönchengladbach und Viktoria Köln zu den drei Mannschaften gehört, die sich ganz oben festsetzen werden. Daran ändert auch die jüngste Serie von vier Unentschieden nichts. Das BVB-Spiel ist auf viel Ballbesitz und Dominanz ausgelegt. Dem müssen wir uns stellen.

Allein BVB-Torjäger Hamadi Al Ghaddioui hat mit zehn Saisontreffern mehr Tore erzielt als die gesamte RWE-Mannschaft. Wird er eine „Sonderbehandlung“ bekommen?

SD: Davon halte ich nichts, auch wenn Al Ghaddioui zweifellos ein sehr guter Mann ist. Wir müssen auf ihn achten, werden das aber - wie immer - im Verbund lösen.

Was wirst Du der Mannschaft mit auf den Weg geben?

SD: Wir müssen vor allem ganz anders auftreten als in Aachen. Das erwarte ich. Wenn wir von Beginn an hochkonzentriert sind und unsere bestmögliche Leistung abrufen, dann können wir gegen jeden Gegner in der Liga bestehen und gewinnen. Auch gegen die Spitzenteams.

Wie sieht es personell aus?

SD: Kevin Grund hat nach einem harten Zusammenprall noch Schmerzen im Brustbereich. Daher wird es wohl leider noch nicht für einen Einsatz reichen.