Nächster Gegner: Mike Wunderlich der Kölner Offensiv-Motor

Ex-Essener bei der Viktoria nach wie vor Dreh- und Angelpunkt

Am heutigen Freitag gastiert Viktoria Köln an der Hafenstraße.

Mit dem aktuellen Meister der Regionalliga West bekommt es Rot-Weiss Essen heute im Stadion an der Hafenstraße zu tun. Der FC Viktoria Köln nimmt in dieser Saison einen neuen Anlauf, um den ersehnten Sprung in die 3. Liga zu schaffen.

In der abgelaufenen Spielzeit hatte es die Viktoria nach zuvor vier vergeblichen Anläufen (einmal Sechster, einmal Vierter, zweimal Dritter) in der West-Staffel erstmals auf den „Thron“ geschafft. In den Playoff-Spielen um den Aufstieg wartete Nordost-Vertreter FC Carl Zeiss Jena. Im Hinspiel in Köln kassierte die Viktoria nicht nur eine bittere 2:3-Heimniederlage (nach einem 0:3-Rückstand), sondern verlor auch noch Mittelfeldmotor und Ex-Essener Mike Wunderlich mit einer Roten Karte. Das Rückspiel gewannen die Kölner dann zwar ohne Wunderlich 1:0, doch wegen der aus dem Europapokal bekannten Auswärtstorregel stieg Jena in die 3. Liga auf.

Vor Beginn der neuen Saison fiel bei den Kölnern trotz der Meisterschaft der personelle Umbruch recht groß aus. Die Folge: Der Start war für Viktoria-Verhältnisse holprig. Nach zehn Spieltagen standen bereits vier Niederlagen zu Buche. Die letzten beiden Partien gewann die Mannschaft von Trainer Marco Antwerpen allerdings, stellte damit wieder den Anschluss an die Spitze her und scheint nun immer besser ins Rollen zu kommen.

Prunkstück der Kölner ist die Offensive, die bereits 24 Tore fabriziert hat. Nur der SV Rödinghausen (29) ist in dieser Statistik noch besser. Nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt im Viktoria-Spiel ist Mike Wunderlich, der von Januar 2009 bis Juni 2010 auch im RWE-Trikot gekickt hatte. Der 31-Jährige, der für den FSV Frankfurt schon in der 2. Bundesliga am Ball war, führt die interne Torschützenliste der Kölner schon wieder mit fünf Toren an. In der Meistersaison hatte er sich mit 29 Treffern die Torjägerkrone im Westen souverän gesichert. Schon seit 2012 spielt der Sohn von Viktoria-Sportvorstand Franz Wunderlich wieder für seinen Jugendverein. „Wenn mein Vertrag ausläuft, bin ich 33 Jahre alt. Läuft alles normal, beende ich bei der Viktoria meine Karriere“, kann sich Mike Wunderlich einen Vereinswechsel kaum noch vorstellen.

Während die Offensivmaschine bei der Viktoria schon weitgehend wie geschmiert läuft, hakt es das eine oder anderen Mal in der Defensive. Schon 19 Gegentreffer stehen in der Bilanz. Um die Abwehr zu stärken, wurden die Kölner deshalb noch einmal kurzfristig auf dem Transfermarkt aktiv und verpflichteten Tobias Willers. Der Innenverteidiger stand bis zum Frühjahr beim Drittligisten VfL Osnabrück unter Vertrag, war seit Juni allerdings vereinslos. Der gebürtig aus Hasede stammende Willers absolvierte für Rot-Weiß Oberhausen, RB Leipzig und den VfL Osnabrück insgesamt 174 Spiele in der 3. Liga. Erstmals spielberechtigt ist Willers beim heutigen Auswärtsspiel an der Hafenstraße.

Das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt hatte Willers „wegen unsportlichen Verhaltens“ für drei Monate (bis zum 9. Oktober) gesperrt. Er soll gemeinsam mit seinen damaligen Osnabrücker Teamkollegen Marc Heider und Addy-Waku Menga bei zwei Vereinen (SV Werder Bremen II und Rot-Weiß Erfurt) nachgefragt haben, ob diese den Lila-Weißen im Falle eines Sieges im letzten Saisonspiel gegen den SC Paderborn 07 (0:0) eine Art Siegprämie zukommen lassen würden. Willers soll dabei der „Anführer“ gewesen sein. Heider, der nach wie vor beim VfL Osnabrück unter Vertrag steht, und Menga (jetzt BSV Schwarz-Weiß Rehden/Regionalliga Nord) wurden jeweils für vier Wochen gesperrt. Alle drei kamen in der Partie gegen Paderborn nicht zum Einsatz, weil sich Bremer Spieler die „Anfrage“ aus Osnabrück beim DFB gemeldet hatten. Eine Manipulation des Spiels gab es laut der DFB-Ermittlungen nicht.

RWE wartet gegen die Viktoria seit fünf Begegnungen auf einen Sieg. In dieser Zeit gab es drei Niederlagen und zwei Unentschieden. Der letzte Essener Erfolg datiert vom 23. September 2014. Damals gewann Rot-Weiss an der Hafenstraße nach Treffern von Tobias Steffen (jetzt SV Rödinghausen) und Sven Kreyer nach einem 0:1-Rückstand noch 2:1. Kreyer wird heute allerdings auf der anderen Seite stehen. Der 26-jährige Stürmer, der sich gerade von einer langwierigen Sprunggelenkverletzung erholt hat, verließ Essen 2015 in Richtung Viktoria Köln.