Nobby Fürhoff: Für immer RWE

Vereinslegende wäre heute 70 Jahre alt geworden.

Zehn Jahre lief der Essener Junge für seinen RWE auf.

Bekannt für sein feines Füßchen: Günther "Nobby" Fürhoff.

Über den Tod hinaus Rot-Weisser: Auf Nobbys Wunsch wurde er in einem Sarg mit RWE-Emblem beerdigt. (Foto: Hülsmann)

Als begnadeter Regisseur zog Günter „Nobby“ Fürhoff zwischen 1968 und 1978 die Fäden im Spiel der RWE-Elf. Gemeinsam mit Hansi Dörre, Willi Lippens und Horst Hrubesch zählte er zu den herausragenden Spielern der rot-weissen 1970er Jahre und wurde folgerichtig zum Vereinsjubiläum 2007 in die Jahrhundertelf gewählt. Am 6. Oktober 2017 wäre der filigrane Techniker 70 Jahre alt geworden.

Von Essen-Frintrop an die Hafenstraße
Günter Fürhoff war ein echter Essener Junge, der in der Jugend beim Vorortverein Union Frintrop das Kicken gelernt hatte. Ende der 1960er Jahre wurde Rot-Weiss Essen auf den blonden Bomber aus Essen-Frintrop aufmerksam.

RWE-Coach Erich Ribbeck, der spätere Bundesliga- und Nationaltrainer, lotste das Frintroper Fußballtalent bei seiner ersten Trainerstation auf Empfehlung von Geschäftsstellenleiter Paul Nikelski 1968 an die Hafenstraße. 1500,- DM Handgeld soll Fürhoff für seinen ersten Vertrag bekommen haben. Eine enorme Summe für den talentierten Bergmann, der zu diesem Zeitpunkt noch auf der Zeche Amalie tätig war und Fußball eigentlich als sein Hobby betrachtete.

Auf und Ab mit RWE
Fürhoff debütierte am 1. September 1968 für RWE in der Regionalliga West beim 2:2-Heimremis vor 20.000 Zuschauern an der Hafenstraße gegen Bayer Leverkusen. In den Folgejahren entwickelte sich der zentrale Mittelfeldspieler deutschlandweit zu einem der besten auf seiner Position und wurde zum Fixpunkt im rot-weissen Spiel.

Mit RWE erlebte er drei Aufstiegsrunden (1969, 1972 und 1973), sechs Jahre in der höchsten deutschen Spielklasse (1969-1971 und 1972-1977), jeweils zwei Aufstiege (1969 und 1973) und Abstiege (1971 und 1977) in und aus der Bundesliga, zwei Halbfinalteilnahmen im DFB-Pokal (1974 und 1977) und das Scheitern in den Aufstiegsspielen 1978.

Günter Fürhoff spielte von 1968 bis 1978 für seine Rot-Weissen und erzielte in 309 Spielen insgesamt 77 Tore, darunter 20 Treffer in 153 Erstliga-Einsätzen. Nach Willi Lippens ist er damit der Essener Spieler mit den zweitmeisten Bundesliga-Einsätzen für RWE. Hinzu kommen in seiner RWE-Zeit noch 78 Spiele in der damals zweitklassigen Regionalliga West mit 36 Toren, 19 Spiele mit 13 Toren in den Bundesligaaufstiegsrunden, sowie 38 Spiele in der 2. Bundesliga mit drei Toren.

Die Spitznamen „Nobby“ und „Asbach“
Der Mittelfeldstratege war ein Regisseur mit genialen Zügen, dessen blonde Matte fast so schön im Wind stand wie die von Günter Netzer. Bei RWE erhielt er auch seinen ersten Spitznamen „Nobby“. „Den hat mir der Willi Lippens verpasst“, erzählte Fürhoff einmal. „Damals gab es in England einen Nationalspieler Nobby Stiles, dem bei einem seiner gefürchteten Zweikämpfe ein Vorderzahn abgebrochen war. Als mir das auch passierte, hat mich der Willi in `Nobby´ umgetauft. Dabei ist es geblieben, obwohl ich alles andere als ein Raubein wie Stiles war“.
Nur vier Mal bekam der rot-weisse Mittelfeldstratege  in seiner Bundesligazeit eine Gelbe Karte. Rot hat er nie gesehen.

Doch Fürhoff zauberte nicht nur auf dem Rasen. Weil er schon mal von Fans in Kneipen gesichtet wurde, bekam er bald auch noch den zweiten Spitznamen „Asbach“ verpasst. Den „Nobby“ hat Fürhoff verinnerlicht, mit `Asbach´ konnte er sich dagegen nie anfreunden und meinte einmal: „Da ist auch viel übertrieben worden.“

Würzburg und Laufbahnende
Nach dem verpassten Bundesligaaufstieg verließ er 1978 Rot-Weiss Essen. Nicht ganz freiwillig. Er wäre gern geblieben, es scheiterte aber am Geld. Südzweitligist FV Würzburg 04 lockte in dem damals noch zweigeteilten Bundesligaunterbau mit vermeintlich mehr Kohle, war zwei Jahre später allerdings pleite. Hier kam Fürhoff zu insgesamt 69 Einsätzen und erzielte dabei neun Tore. Nach dem Konkurs der Mainfranken beendete er seine Profikarriere.

In den Spielzeiten 1984/85 und 1985/86 lief Fürhoff für den FV Uffenheim in der A-Klasse des Fußballkreises Frankenhöhe auf. In der Saison 1986/87 spielte Fürhoff für den SV Heidingsfeld in der drittklassigen Bayernliga und unterstützte in der Folgesaison Jürgen Suchanek als Co-Trainer.

Für immer RWE
Nach dem Ende seiner Karriere blieb der Essener Junge in Würzburg. Hier hatte er seine zweite Frau Gaby kennengelernt, mit der er bis zuletzt in einer kleinen Etagenwohnung im Stadtteil Grombühl lebte. Am 26. Januar 2016 verstarb Günter „Nobby“ Fürhoff im Alter von nur 68 Jahren nach langer, schwerer Krankheit. Seinem RWE blieb der blonde Mittelfeldstratege bis zuletzt verbunden. Dies kam bei seiner Beerdigung in besonderem Maße zum Ausdruck. Sein Sarg leuchtete in den rot-weissen Vereinsfarben, verziert mit dem RWE-Logo und rot-weissen Rosen. Daneben stand ein rot-weisser Blumenschmuck.. Die Totenkarte zierte unter dem RWE-Logo der Satz: „In unserem Leben hast Du als unsere Fussball-Legende deinen Platz verlassen, in unseren Herzen bist du immer bei uns.“

Prof. Dr. Michael Welling würdigte das rot-weisse Urgestein mit den Worten: „Nobby Fürhoff hat in der Vereinshistorie einen festen Platz eingenommen. Jeder Rot-Weisse denkt bei seinem Namen an den feinen Fuß und die Übersicht, mit der er das RWE-Spiel gestaltet hat, aber sicher auch an den Menschen Nobby Fürhoff, der rund um die Hafenstraße positiv in Erinnerung geblieben ist.“
Kein Wunder - Günter „Nobby“ Fürhoff begeisterte ein Jahrzehnt die RWE-Fans an der Hafenstraße.

 

Ein Beitrag von Georg Schrepper