Nächster Gegner: Neuer „Boss“ Oguzhan Can als Hoffnungsträger

Umformierte Vereinsführung will ehemaligen Bundesligisten SGW auf stabile Füße stellen.

Die SG Wattenscheid 09 gastiert am Freitag unter Flutlicht an der Hafenstraße. (Foto: Endberg)

13,8 Kilometer oder 20 Minuten mit dem Auto: Nein, eine weite Strecke muss die SG Wattenscheid 09 zum Regionalliga-Auswärtsspiel bei Rot-Weiss Essen am Freitag (ab 19.30 Uhr) nicht zurücklegen. Und auch der Weg zum Klassenverbleib scheint für die Lohrheide-Kicker bei neun Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone nicht mehr allzu lang zu sein.

Dabei gleichen die bisherigen Ergebnisse des ehemaligen Erstligisten einer Achterbahnfahrt. Aus den ersten drei Partien im neuen Jahr holte das Team von Trainer Farat Toku nur einen Zähler. „Die Leistungen waren in den vergangenen Partien trotz der negativen Ergebnisse nicht so schlecht. Wir müssen also genauso weitermachen und werden nicht von unserer Spielidee abweichen. Im Spiel nach vorne haben wir gute Lösungen parat“, meint der 37-jährige Trainer, der den Blick in der Tabelle jedoch in erster Linie nach unten richtet, zumal die Wattenscheider mit bereits 22 absolvierten Begegnungen (von 24 möglichen) die meisten Punktspiele aller Vereine in der Regionalliga West bestritten hat. Daher wiegt sich Toku noch längst nicht in Sicherheit. Komplett neu ist die Situation für den Wattenscheider Trainer nicht. Bereits zum Saisonstart hatten die Schwarz-Weißen einen Fehlstart hingelegt und aus den ersten fünf Begegnungen nur zwei Punkte geholt. Es folgte allerdings eine Ausbeute von 17 Zählern aus den nächsten sieben Spielen, bevor es dann drei Niederlagen am Stück gab. In die Winterpause verabschiedeten sich die Wattenscheider wieder mit zehn Punkten aus vier Partien.

Auch während des Winter-Trainingslagers im türkischen Belek schienen die Bochumer die Form beibehalten zu können. Rund 40 Kilometer östlich von Antalya an der Mittelmeerküste erreichten die Lohrheide-Kicker beachtliche Testspielergebnisse. Gegen den bosnischen Erstligisten NK Celik Zenica (3:0) und den russischen Zweitligisten FK Dynamo St. Petersburg (2:1) sprangen jeweils Siege heraus. Vom Südwest-Regionalligisten TSV Steinbach trennte sich der ehemalige Bundesligist 1:1. In der Türkei konnte Trainer Toku mit Winterzugang Sebastian van Santen auch ein neues Gesicht im Kader begrüßen. Der 21-jährige und 1,93 Meter lange Mittelstürmer stand bis zum letzten Sommer bei der U23 von Fortuna Düsseldorf unter Vertrag. „Sebastian war lange Zeit verletzt und bekommt die Zeit, seinen Rückstand aufzuholen. Dann kann er uns mit Sicherheit helfen“, so Toku. Kurz vor dem Ende der Transferperiode wurde dann auch noch der US-amerikanische Mittelfeldspieler Mael Corboz (23) vom Zweitligisten MSV Duisburg verpflichtet.

Damit der Verein nicht nur sportlich, sondern auch finanziell auf einem gesunden Fundament steht, ist seit November mit dem Unternehmer Oguzhan Can ein neuer Aufsichtsratsvorsitzender im Amt. Die alte Führungsspitze um Vorstand Gabi Vit und Aufsichtsrats- Chef Reinhard Mokanski hatte sich im Sommer fast komplett zurückgezogen. „Es war in den letzten Jahren immer mal wieder im Gespräch, dass ich mich bei der SGW engagiere. Aber irgendwie ist es dann doch nie dazu gekommen. Seit November bin ich nun dabei und greife dem Verein unter die Arme. Es geht mir dabei vor allem um die Stärkung von Wattenscheid. Es kann nicht sein, dass ein Klub mit einer über 100-jährigen Tradition wie die SGW in die völlige Bedeutungslosigkeit abrutscht“, so Can, Inhaber einer Baufirma, eines Immobilienunternehmens, einer Multi-Sportanlage und einer Kindertagesstätte. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurden zunächst neben Can fünf weitere Mitstreiter in den neuen Aufsichtsrat gewählt. Eine Finanzspritze von mehr als 500.000 Euro musste Can mit einbringen. Damit ist der Spielbetrieb zumindest bis zum Saisonende definitiv gesichert. Wenige Tage nach der Versammlung wurde mit Dragan Markovic dann auch ein neuer Vorstandsvorsitzender installiert.