Preußen Münster – Rot-Weiss EssenRot-Weiss Essen – Rot-Weiss Essen

Preußen Münster

 - 

Rot-Weiss Essen

Di. 14.09. 19:00 Uhr

2 - 3

2 - 0

GegnerinfosSpielberichtStimmen

Nach sechs Spieltagen Tabellenführer

Trotz zuletzt zwei Unentschieden noch Tabellenführer: Mit 14 Punkten führt Preußen Münster, bei denen RWE am Dienstag (19.00 Uhr) mit vollem Gästeblock zu Gast ist, das Regionalliga-West-Klassement an. Dabei blicken die „Adlerträger“ auf ein Spiel mehr, als die Verfolgergruppe, bestehend aus dem 1. FC Köln, RWO, RWE und dem SC Wiedenbrück (allesamt fünf). Nach vier Siegen in den ersten vier Spielen, kam das Team von Trainer Sascha Hildmann in den letzten beiden Partie gegen den SV Rödinghausen (0:0) und RW Ahlen (1:1) nicht über ein Unentschieden hinaus.

Alle Trainer hatten das Gründungsmitglied der Bundesliga vor der Spielzeit bei der alljährlichen Trainerumfrage als Titelkandidat auf der Rechnung. Auch SCP-Trainer Hildmann wagte sich bei der Frage nach dem Saisonziel ein wenig „aus der Deckung“. Der 49-jährige Ex-Profi (u. a. 1. FC Saarbrücken und Alemannia Aachen) sagte: „Wir wollen unsere Saison bestätigen und – wenn möglich – noch ein wenig besser als Platz drei abschneiden.

“ Dass der SC Preußen Münster im ersten Jahr nach dem Abstieg aus der 3. Liga so weit oben landete, hing eng mit der starken Rückrunde zusammen. Die 44 Punkte aus der zweiten Saisonhälfte wurden lediglich von der U23 von Borussia Dortmund, die am Saisonende den Sprung in die 3. Liga schaffte, um zwei Zähler übertroffen. In der Gesamtabrechnung fehlten den Münsteranern zu den Dortmundern (15 Punkte Abstand) und Vizemeister Rot-Weiss Essen (zwölf) aber doch einiges.

Nur punktuell verstärkt

Um diesmal möglichst bis zum Saisonende ein Wörtchen um den Aufstieg in die 3. Liga mitzureden, vertrauen die Verantwortlichen um Münsters Sportdirektor und Ex-Profi Peter Niemeyer (146 Bundesliga-Spiele für den SV Werder Bremen, Hertha BSC und SV Darmstadt 98) auf einen Großteil des letztjährigen Kaders. 14 Spieler sind weiterhin für den SC Preußen am Ball.

Unter den Abgängen finden sich mit Angreifer Joel Grodowski (zum SC Verl) und Linksverteidiger Niklas Heidemann (Wuppertaler SV) allerdings auch zwei vorherige Stammspieler. Bei den Zugängen griffen die Münsteraner in recht hohe „Regale“. Mit Thorben Deters und Marvin Thiel (beide VfB Lübeck) sowie Luke Hemmerich (Würzburger Kickers), Manfred Osei Kwadwo (SV Waldhof Mannheim) und Last-Minute-Zugang Manuel Farrona Pulido (FC Hansa Rostock) waren gleich fünf Spieler zuletzt in höheren Ligen am Ball. Aber auch der von Oberligist VfR Wormatia Worms verpflichtete Jan Dahlke stellte mit seinem Siegtreffer in der Partie bei der U23 von Borussia Mönchengladbach (2:1) schon unter Beweis, dass er durchaus eine Verstärkung werden kann.
Außerdem wurde eine Entdeckung der zurückliegenden Saison mit einem Profivertrag ausgestattet. Der 18-jährige Angreifer Deniz-Fabian Bindemann, der bereits im März 2021 im Spiel gegen den Wuppertaler SV (2:0) sein Debüt für die erste Mannschaft gegeben hatte, spielte sich seitdem durch gute Leistungen in den Vordergrund. In seinen zwölf Einsätzen in der abgelaufenen Spielzeit erzielte Bindemann beachtliche acht Treffer.

Nationalspieler verlässt das Preußenstadion

Nicht mehr zurückgreifen kann SCP-Trainer Hildmann dagegen auf Abwehrspieler Roshon van Eijma. Der Vertrag des 23-Jährigen wurde im beiderseitigen Einvernehmen vorzeitig aufgelöst. Der Nationalspieler von Curacao hatte bereits während der gesamten Saisonvorbereitung wegen seiner Länderspielreisen gefehlt und deshalb kaum Aussicht auf Einsatzzeiten. „So schön es ist, einen Nationalspieler in den eigenen Reihen zu haben, so groß sind auch die damit verbundenen Schwierigkeiten“, sagt Münsters Sportdirektor Peter Niemeyer.

„Für einen Regionalligisten, der in seinem Spielplan keine Länderspielpausen vorgesehen hat, waren die vielen Nationalmannschaftsabstellungen am Ende leider nicht mehr realisierbar. Sowohl für den Spieler als auch für den Klub war das keine zufriedenstellende Situation“, kommentierte Ex-Profi Niemeyer die vorzeitige Trennung. Van Eijma war vor einem Jahr von Roda JC Kerkrade aus der zweiten niederländischen Liga an die Hammer Straße gewechselt, schaffte es aber – auch wegen der zahlreichen Länderspiel-Abstellungen – nicht, sich für dauerhafte Einsätze zu empfehlen. In der abgelaufenen Saison kam van Eijma elfmal zum Einsatz, davon dreimal über 90 Minuten. Im März feierte er sein Debüt für die A-Nationalmannschaft der Karibik-Insel Curacao, die von den niederländischen Fußball-Legenden Guus Hiddink und Patrick Kluivert trainiert wird. Inzwischen heuerte Roshon van Eijma in den Niederlanden beim Zweitligisten TOP Oss an.

Packendes Top-Spiel gedreht

Wahnsinn in Münster! Im Spitzenspiel der Regionalliga West bewies Rot-Weiss Essen eine ausgezeichnete Moral. Das Team von RWE-Cheftrainer Christian Neidhart gewann zum Auftakt des 7. Spieltages den Westschlager beim direkten Konkurrenten SC Preußen Münster 3:2 (0:2) und verdrängte mit jetzt 15 Punkten aus sechs Spielen die Gastgeber (14 Zähler nach sieben Partien) von der Tabellenspitze. Vor 7.500 Zuschauern im ausverkauften Preußenstadion führten die Münsteraner nach einem Doppelpack von Thorben Deters (19./27.) bereits 2:0, standen am Ende jedoch mit leeren Händen da und kassierten ihre erste Saisonniederlage. In der zweiten Halbzeit sorgten Kevin Holzweiler (50.) und Isaiah Young (65.) zunächst für den Ausgleich, ehe der eingewechselte Simon Engelmann (87.) kurz vor Schluss den Siegtreffer markierte. Christian Neidhart zum Spiel „Die erste Halbzeit ging hundertprozentig an Preußen Münster, die alle Derby-Tugenden mit Zweikampfstärke auf den Platz gebracht haben. Nach der Pause haben es meine Jungs dann gut gemacht. Es ist gar nicht wichtig: ‚Wer war besser oder wer war schlechter?‘, sondern es zählt das nackte Ergebnis.

Neuzugang Felix Bastians gibt Startelf-Debüt
Im Vergleich zum 3:0-Heimerfolg gegen den VfB Homberg hatte Christian Neidhart drei Veränderungen in seiner Startformation vorgenommen. Für Felix Herzenbruch, Cedric Harenbrock und Simon Engelmann, die alle zunächst auf der Bank Platz nahmen, begannen Felix Bastians als linker Innenverteidiger, Oguzhan Kefkir auf der linken Außenbahn und Zlatko Janjic im Sturmzentrum. Bastians, der gegen Homberg in der Schlussphase als Einwechselspieler noch an zwei Toren beteiligt war, absolvierte sein Startelf-Debüt – und spielte dann auch 90 Minuten durch.

Zwei Deters-Treffer innerhalb von acht Minuten
In der Anfangsphase tat sich vor beiden Toren nicht allzu viel, das Duell der beiden Titelaspiranten war zunächst von der Taktik geprägt. Die Gastgeber nutzten dann allerdings direkt ihre erste Möglichkeit zur Führung. RWE-Rechtsverteidiger Sandro Plechaty konnte Thorben Deters nicht am Torschuss hindern, Daniel Davari war machtlos – 1:0 (19.). Mit der Führung im Rücken traten die Münsteraner selbstbewusster auf – und erwiesen sich als äußerst effektiv. Nur acht Minuten nach der Führung war Thorben Deters (27.) erneut zur Stelle und baute nach Vorarbeit von Gerrit Wegkamp den Vorsprung aus. RWE-Schlussmann Daniel Davari konnte den ersten Versuch noch parieren, den zweiten Schuss aber nicht mehr.

Gerrit Wegkamp mit einem Seitfallzieher-Versuch und Last-Minute-Neuzugang Manuel Farrona Pulido mit einem Distanzschuss hatten nach der Auswechslung von Deters weitere Möglichkeiten für Münster, ehe auf der Gegenseite RWE-Mittelfeldspieler Dennis Grote im Preußen-Strafraum zu Fall gebracht wurde. Die Rot-Weissen und die 800 mitgereisten Fans warteten jedoch vergeblich auf den Elfmeter-Pfiff von Schiedsrichter Timo Gansloweit (Dortmund). Weil wenig später ein 20-Meter-Schuss von Kevin Holzweiler das Münsteraner Tor verfehlte, ging es mit einem 0:2-Rückstand in die Kabinen.

Kevin Holzweiler leitet nach der Pause Wende ein
Christian Neidhart reagierte zur Pause, wechselte Torjäger Simon Engelmann für Oguzhan Kefkir ein. Und RWE wurde schnell belohnt. Isaiah Young bediente Kevin Holzweiler (50.), der aus kurzer Entfernung den 2:1-Anschlusstreffer erzielte. Damit war das Signal zur erfolgreichen Aufholjagd gegeben. Vor allem „Isi“ Young drehte jetzt richtig auf. Zunächst vergab er noch den möglichen Ausgleich, als er freistehend an Preußen-Torhüter Maximilian Schulze Niehues scheiterte. Nur wenig später tauchte der Flügelstürmer jedoch erneut vor dem Münsteraner Kasten auf und versenkte die Kugel nach einem Zuspiel von Dennis Grote aus 18 Metern – 2:2 (65.). Wer jetzt glaubte, RWE würde sich mit dem Remis zufriedengeben, der sah sich schnell getäuscht. Mit Cedric Harenbrock und Erolind Krasniqi kamen zwei weitere frische Offensivspieler (für Zlatko Janjic und Cedric Harenbrock), um den Druck hochzuhalten. Zwar musste Daniel Davari noch einmal einen Versuch von Dennis Daube parieren. Insgesamt blieben jedoch die Rot-Weissen im Vorwärtsgang – und wurden dann auch mit dem verdienten Siegtor belohnt. Nach einer Freistoßflanke von Dennis Grote zog zunächst Isaiah Young ab. In der Mitte stand dann aber „Joker“ Simon Engelmann genau richtig und beförderte den Ball zum umjubelten 3:2 (87.) über die Linie.

Nach dem Rückstand warfen die Preußen noch einmal alles nach vorne, forderten vergeblich einen Strafstoß (Trainer Sascha Hildmann sah wegen Reklamierens die Rote Karte), kamen aber sonst zu keiner klaren Torchance mehr. Fast hätte Simon Engelmann in der Nachspielzeit sogar noch einen weiteren Treffer erzielt. Auch so war der wertvolle Dreier jedoch unter Dach und Fach.

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt jetzt nicht. Für die Rot-Weissen endet die zweite „englische Woche“ in dieser Saison bereits am kommenden Freitag, 17. September, 19.30 Uhr. Dann gastiert die U23 des FC Schalke 04 zum Revierderby an die Hafenstraße.

Stimmen zum Spiel

Die erste Halbzeit ging hundertprozentig an Preußen Münster, die alle Derby-Tugenden mit Zweikampfstärke auf den Platz gebracht haben. Nach der Pause haben es meine Jungs dann gut gemacht. Es ist gar nicht wichtig: „Wer war besser oder wer war schlechter?“, sondern es zählt das nackte Ergebnis.

Christian Neidhart

In der ersten Halbzeit hätten wir mehr in die Zweikämpfe gehen und arbeiten sollen. Manchmal ist das aber so im Fußball, dass du eine Halbzeit brauchst und mit dem Trainer sprechen musst, um besser zu werden. Die zweite Halbzeit war eine der besten der vergangenen zwei Saisons.

Isaiah Young

Das war ein sehr schönes Gefühl, in einem Derby so ein Tor zu machen. Ich habe einfach den Fuß rein gehalten und war froh, dass das kein Abseits war. Dieses Spiel zu gewinnen war wichtig, um uns oben festzusetzen. Auch für die Moral geht es nicht besser, so ein Match auswärts zu drehen – wir haben jetzt vier Siege in Folge!

Simon Engelmann