3. April 2012

5 Tore, 4x Rot, 3 Krankenwagen, 2 Elfmeter,1 Helikopter, 0 Punkte

Hollywood beim Dallas-Cup

Das heutige Gruppenspiel zwischen unserer U17 und dem FC Schwarz United war sicherlich eines der denkwürdigsten in der Geschichte des Dallas-Cups. Ein Sieg wäre durchaus ein Meilenstein für die Finalspiele gewesen. Dieses Spiel hatte wahrlich nicht nur kuriose, sondern auch unbegreifliche Szenen in sich. Aber fangen wir ausführlich ganz vorne an.

Die Voraussetzungen waren optimal, das Wetter bei weitem nicht so hitzig wie am Vortag und bis auf den gelb-rot gesperrten Joel Ngom-Ngom waren alle Spieler einsatzfähig. Nach zehn Minuten hätte ich die Überschrift „RWE überrollt seinen Gegner“ gewählt. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Kaum fünf Minuten waren absolviert, als der Schiedsrichter, der später zu einem der Hauptdarsteller avancieren sollte, auf Strafstoß für Rot-Weiss entschied. „Kosta“ Koukladas schnappte sich die Kugel, platzierte den Ball jedoch zu mittig, sodass der gegnerische Torwart keine Mühe hatte zu parieren. Den Unmengen an liegen gelassenen Großchancen folgte die Bestrafung. Der erste Torschuss unseres Gegners führte zum 1:0 (15.) und stellte den Spielverlauf völlig auf den Kopf. 

Davon unbeeindruckt rollte der RWE-Express weiter Richtung Torerfolg. Nach einer halben Stunde überkam mich allerdings das Gefühl, dass am heutigen Tage das Runde nicht im Eckigen landen wird, zumindest nicht für uns. Zunächst ließ Kosta eine gute Einschuss-Gelegenheit aus, Oguz Ayan und Oliver Steurer machten es ihm nach. Es folgte der zweite Spielzug unseres Gegners über die Mittellinie. Unmittelbar danach stand es 2:0. Und wenn ich zuvor erklärte, dass das Spiel auf den Kopf gestellt wurde, fehlt mir an dieser Stelle eine noch deutlichere Steigerungsform.

Weitere zehn Minuten später hatte Kosta den Anschlusstreffer auf dem Fuß, wurde aber unmittelbar vor der Strafraumlinie zu Fall gebracht. Die Folge: Eine zweifelhafte rote Karte für den Verteidiger. Den anschließenden Freistoß von Oli Steurer „fischte“ der Keeper mit einer Sonntagsparade aus dem linken Winkel seines Tores. Als sich schon alle auf die Halbzeitpause eingestellt hatten, setzte sich Ribene Ngwanguata über links durch und zirkelte den Ball beinahe ins Tor. Wie hätte es auch anders sein können, prallte der Ball von der Querlatte zurück auf das Spielfeld und die derweil fassungslosen Essener quälten sich für die Halbzeitansprache zurück zur Trainerbank.

Im zweiten Durchgang ging sprichwörtlich die Post ab. Nachdem die unzähligen Möglichkeiten nicht genutzt wurden, brachte Maksymilian Ilias mit einem Distanzkullerball wieder Hoffnung ins Spiel unserer Rot-Weissen. Unter den Armen des Goalkeepers rollte der Ball endlich über die Torlinie. Von nun an startete wieder der Sturmlauf aus der ersten Halbzeit. Nach einem Pass in den Fünfmeterraum setzte Phil Spillmann zum Kopfball an und prallte unglücklich mit dem amerikanischen Torwart zusammen. Beide Spieler lagen vor lauter Schmerzen minutenlang gekrümmt auf dem Rasen liegen. Während Spillmann höchst verwundert mit einer roten Karte vom Platz gestellt wurde, musste der gegnerische Schlussmann aufgrund eines epileptischen Anfalls mit einem Helikopter ins nächste Krankenhaus gebracht werden. 

Eine Viertelstunde wurde um beide Spieler gebangt, dann ging es weiter. RWE im gewohnten Vorwärtsgang, doch Ayan und Maurice Adorf vergaben in kürzester Zeit erneut zwei gute Tormöglichkeiten. Als Rene Üffing kurz darauf nach seinem ersten Foul mit gelb-rot vom Platz gestellt wurde, gingen die Diskussionen mit dem Unparteiischen weiter. Obwohl die Schiedsrichter-Assistentin darauf aufmerksam machte, dass Üffing noch nicht verwarnt wurde, musste der nächste RWE-Akteur das Spielfeld verlassen. Nur Sekunden später eilte unser Torwart Azmir Alisic in seinem Strafraum dem heranfliegenden Ball entgegen und wurde dafür ebenfalls prompt vom Platz gestellt. Als Begründung dafür stellte sich sein angewinkeltes Knie heraus, mit dem er sich lediglich vor dem Gegner schützen wollte. Der darauffolgende Strafstoß sorgte für das dritte Tor im dritten Schuss unseres Gegners. Spätestens jetzt lagen die Nerven blank.

Die kuriosen Fehlentscheidungen des Schiedsrichters und unsere mangelnde Chancenauswertung sollten am Abend das Gesprächsthema des gesamten Hotels werden. Doch noch war das Spiel nicht vorbei. Mit drei Spielern weniger als zu Beginn des Spiels, setzten unsere stark aufspielenden Jungs weiter die Akzente. In der 90. Minute verkürzte Ayan mit einem direkt verwandelten Freistoß auf 2:3 und es keimte ein letztes Mal Hoffnung auf.

Statt der erwarteten mehreren Minuten Nachspielzeit pfiff der Referee unverständlicher Weise nach nur zwei Minuten Nachspielzeit ab und nahm unserem RWE somit die letzte Chance zumindest ein Remis zu erzielen.Trainer Marco Rudnik teilte den Jungs nach diesen denkwürdigen 90 Minuten mit gleich vier unberechtigten Platzverweisen das Motto für das letzte Gruppenspiel mit: „Wir hauen die am Mittwoch einfach weg. Egal wie viele Tore wir schießen müssen, wir schießen noch eins mehr. Männer, es gibt nur eine Mannschaft die hier in die Finalphase einziehen wird, das sind wir und absolut keine andere!“ 

Die Mannschaft hat nun zwei Tage Zeit dieses Spiel zu verarbeiten, um am Mittwoch, 5. April, das „Endspiel“ gegen die Auswahlmannschaft IMG SA USSF Academy zu ihren Gunsten zu entscheiden.

Morgen ist Spielfrei und ich habe endlich mal wieder Zeit über andere wichtige Sachen zu schreiben. Wie ist die Pooltemperatur, erreicht der Tag vielleicht nur 24 Grad, wie ist das Essen beim Mexikaner nebenan und gibt es vielleicht doch eine Tankstelle mit deutschen Benzinpreisen. Bei allem Lob, das ich in meinen letzten Berichten über Amerika geschrieben habe, nun weiß ich, warum es das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist!

Grüße von den Rote-Karten-Rekordhaltern des Dallas-Cups in die Heimat!