5. April 2012

Viertelfinale! Steurer trifft in der letzten Sekunde!

Hollywood beim Dallas-Cup Teil 2

Dieser Amerika-Trip sucht täglich nach neuen Superlativen. Vergesst die besten Kriminal- und Aktionromane, hier kommt Hollywood beim Dallas-Cup Teil 2.

„Oh my goodness“. So schön dieser Trip nach Dallas auch ist, er kostet mich mindestens genauso viele Nerven wie ein Spiel im Georg-Melches-Stadion beim Stand von 1:0 für RWE zwei Minuten vor dem Ende. Heute ging es um alles. Nur mit einem Sieg konnte man die Türen Richtung Viertelfinale weit aufreißen.

Das Trainerteam stimmte unsere Jungs in den letzten Minuten vor dem Beginn dieses „Endspiels“ mit den richtigen Worten ein: „ Wir waren nach dem ersten Spieltag Erster, wir waren nach dem zweiten Spieltag Erster und wir werden auch nach dem dritten Spieltag Erster sein. Und wenn es soweit ist, dann wollen wir uns auch den Pott holen! Jetzt geht da raus und zeigt denen wer der RWE ist!“ 

Unser Nachwuchs dominierte von der ersten Sekunde an das Spiel. Nur einen einzigen Torschuss ließ unsere stabil stehende Hintermannschaft zu. Einzig zu bemängeln war erneut die mangelnde Chancenauswertung. Die größten Chancen vergaben zwei Mal Torjäger Oguz Ayan (2., 24.) und Abwehrspieler Maksymilian Ilias (20.), bevor Ayan (30.) mit seinem vierter Turniertreffer einen Freistoß aus 18 Metern unhaltbar im rechten Winkel des gegnerischen Tores unterbrachte. Die Führung wurde nicht nur stark umjubelt, sondern war auch hoch verdient.

Kurz vor der Halbzeit hätten Jan-Niklas Haffke nach einem herrlichen Solo über den rechten Flügel und Joel Ngom Ngom nach einem Distanzschuss aus 35 Metern eine Vorentscheidung herbeiführen können, doch beide Versuche den gegnerischen Torwart zu bezwingen verfehlten das Gehäuse um wenige Zentimeter.

Eine Minute nach Beginn der zweiten Halbzeit gelang unserem RWE dann doch noch ein zweites Tor. Allerdings auf der falschen Seite. Ein unglückliches Eigentor stellte erneut den Spielverlauf mal wieder auf den Kopf.

Da war sie wieder, die Fassungslosigkeit in den Gesichtern aller in Rot und Weiss gekleideten Essenern. Von nun an begann eine von Nervosität geplagte „Schlussphase“. Mehr als 40 Minuten waren noch Zeit, um die Weichen auf Viertelfinaleinzug zu stellen. Den agilen Ilias hielt es für die restliche Spielzeit kaum noch in der Defensive und so entwickelte sich zwischen ihm und dem amerikanischem Torwart ein Privatduell. Mehrfach (56., 67., 75. 81.) hatten wir den Torschrei auf den Lippen, doch der Keeper ließ Ilias und alle Anderen verzweifeln. Nachdem „Kosta“ Koukladas auf dem Weg zum Führungstreffer war und sein Gegenspieler ihn als letzter Mann rüde von den Beinen holte, entschied sich der Schiedsrichter dazu, dem Übeltäter die schon fast traditionelle rote Karte pro Spiel zu zeigen. Wenn nicht jetzt wann dann?!

Ein Mann mehr auf dem Feld und Chancen im Minutentakt. In der 87. Minute vergab Koukladas die nächste Großchance, zwei Minuten später semmelte auch Maurice Adorf den Ball am Tor vorbei. 11:0 Großchancen hatte ich zu diesem Zeitpunkt in meinem Notizheftchen notiert. Mehr als ein ungläubiges Kopfschütteln als Dauerbewegung fiel mir allerdings auch nicht ein.

Keinen hielt es jetzt mehr auf den Sitzen. Das kleine Stadion entwickelte sich zu einer reinen „Stehplatz-Arena“. Die letzte Minute begann und der Schiedsrichter blickte bereits auf die Uhr. Noch einmal Eckball. Bis auf unseren Torwart Calvin Momoh befanden sich alle Spieler im gegnerischen Strafraum. Koukladas schlenzte den Ball auf den zweiten Pfosten, wo Ribene Ngwanguata den Ball um wenige Zentimeter verpasste. Der Ball fiel im hohen Bogen zurück zur Strafraumgrenze, an der Oliver Steurer den Ball mit einer Volleyabnahme Richtung Tor preschte. Kurz vor dem Torwart veränderte der Ball seine Flugrichtung durch irgendeinen der vielen herumstehenden Beine und ließ das Netz zappeln! Unfassbar, ein Tor! Nein, das Tor! Alle verfolgten unsere Nummer 13, dass Jubelszenario kannte keine Grenzen mehr.Kaum führten die IMG Academy den Wiederanpfiff aus, pfiff der Schiedsrichter diesen „Fußballkrimi“ auch schon wieder ab. Aus, aus, aus, das Spiel ist aus. Rot-Weiss Essens U17 steht im Viertelfinale!

Trainer und Freizeitspaßvogel Marco Rudnik und ich waren uns nach dem Spiel einig: „Wir tun halt nicht mehr als nötig. Und ein Spiel dauert 90 Minuten und 23 Sekunden.“ Heute zumindest.

Morgen steht wieder eine Trainingseinheit an. In weniger als sechs Stunden schellt der Wecker und hier in der Hotellobby sitzt derweil auch keiner mehr. Ich denke es ist der Zeitpunkt gekommen, mich in mein Zimmer mit dem mittlerweile kaputten Fernseher zu begeben und von einem ganz entspannten 5:0 Viertelfinalsieg zu träumen.

Gute Nacht Essen, auch wenn ich hörte, die Stadt schläft nie!