10. April 2013

Andreas Winkler über den rot-weissen Weg zum Nachwuchsleistungszentrum

Was macht man als professioneller Fußballer nach Karriereende? Und was macht man als professioneller Fußballer, wenn einen die Sportinvalidität zu einem plötzlichen Karriereende zwingt? Der rot-weisse Jugendkoordinator Andreas Winkler musste sich im Jahr 2003 genau diesen Fragen stellen, die Antwort darauf fand er eher zufällig.

„Eigentlich wollte ich weg vom Fußball. Ich wollte etwas Anderes, etwas Neues machen“, sagt Winkler über seine damalige Zukunftsplanung. Dass es letztendlich doch der Fußball geblieben ist, verdankt er Nico Schäfer, damals Geschäftsführer von RWE. Als feststand, dass Winkler seine Karriere nach über 200 Ligapflichtspielen verteilt auf Regional- und 2.Bundesliga nicht fortsetzen konnte, sprach Schäfer ihn auf die Stelle an. „Das lief alles relativ unkompliziert. Nico Schäfer fragte mich, ob ich nicht Lust darauf hätte und da ich damals selbst nicht wusste wie es weitergeht habe ich zugesagt. Dass ich am Ende so lange dabeibleiben sollte hätte ich selbst nie gedacht“, so der gebürtige Bayer über seinen Einstieg in die rot-weisse Jugendabteilung. Mittlerweile ist Winkler zehn Jahre verantwortlich für den rollenden Ball an der Seumannstraße und das mit Erfolg.

Aus anderthalb Ascheplätzen an der Hafenstraße sind mittlerweile drei Sportplätze an der Seumannstraße geworden und der schlechte Ruf der rot-weissen Nachwuchsabteilung gehört auch der Vergangenheit an. „Den schlechten Ruf loszuwerden war das Schwierigste überhaupt. Du kannst jahrelang gute Arbeit leisten, aber stehst du nur einmal negativ in den Schlagzeilen heißt es: „Typisch RWE“.“ Nachdem immer mehr ehemaligen Rot-Weissen der Sprung in den Profifußball gelungen ist, hat sich das Bild der chaotischen Jugendabteilung in das einer der erfolgreichsten Talentschmieden des Reviers gewandelt. Mesut Özil, Baris Özbeck und Pierre-Michel Lasogga trugen über ihren Schienbeinschonern allesamt bereits rot-weisse Stutzen und haben sich mittlerweile im nationalen und teilweise sogar internationalen Fußball etabliert.

Dabei hat Winklers Jugendabteilung im Einzugsgebiet Ruhrgebiet eine erhebliche Konkurrenz: „Natürlich müssen wir uns immer besonders ins Zeug legen, um ein Talent von unserem Konzept zu überzeugen. Die Namen Borussia Dortmund und Schalke 04 sind eben noch ein bisschen größer als der von Rot-Weiss Essen.“ Trotzdem hält RWE im Werben um die Stars von morgen einen großen Trumpf in der Hand: Individualität. „Bei uns werden die Jungs nicht so gleichgemacht wie bei anderen Vereinen. Viele unserer Spieler sind bei anderen Vereinen durch das Raster gefallen, weil sie eben auch mal aus der Reihe tanzen. Damit muss man als Trainer bei RWE umgehen können.“

Und noch etwas unterscheidet die Jugendarbeit der Rot-Weissen von der anderer Vereine. Ergebnisse stehen an der Seumannstraße nämlich nicht immer an erster Stelle. „Uns geht es vornehmlich um die Ausbildung der Jungs. Natürlich treiben wir Leistungssport und dazu gehören eben auch Punkte, aber besonders in den unteren Jugendmannschaften können sich die Spieler unter Druck nicht so gut entwickeln. Dort spielen in Vorbereitungsspielen Torhüter dann auch mal im Feld oder der Mittelstürmer rechts in der Abwehr. Damit erreichen wir, dass man unsere Torhüter im Spiel auch mal anspielen kann oder der Mittelstürmer bereits in vorderster Linie den einen oder anderen Ball mehr für die Mannschaft erkämpft. Für diesen Ansatz benötigt man aber eben auch das richtige Trainerteam und da haben wir glaube ich eine ganz gute Truppe beisammen.“

Enge Zusammenarbeit und intensiver Austausch kennzeichnen die Arbeit der Verantwortlichen an der Seumannstraße für die Winkler auch in Zukunft klare Vorstellungen hat: „Der nächste Schritt heißt ganz klar Nachwuchsleistungszentrum! Dazu gehören Partnerschulen, Vereinskooperationen und vieles mehr und daran arbeitet der Verein gerade. Bald haben wir dann hoffentlich ein NLZ an der Seumannstraße.“

Einen großen Schritt hat RWE durch Winklers frisch erworbene Fußballlehrerlizenz bereits gemacht. Der rot-weisse Jugendkoordinator ist seit vergangener Woche Inhaber der höchsten Trainerlizenz Deutschlands und damit zur Leitung eines Nachwuchsleistungszentrums berechtigt.