23. Oktober 2013

„Konst“ Fring: Unauffällig auffällig

Essens „Maskenmann“ kämpft sich nach Verletzungen in die Mannschaft und lässt lieber andere glänzen.

An der Essener Hafenstraße war er zunächst fast eine Art Schatten: Kaum war Konstantin Fring im Sommer aus der U 23 von Borussia Dortmund unmittelbar vor dem Trainingsstart zu den Rot-Weissen gewechselt, verschwand er auch schon wieder von der Bildfläche. Muskelfaserriss lautete bereits am zweiten Tag bei RWE die Hiobsbotschaft für unsere neue Nummer „13“, die sich davon aber nicht aus der Bahn werfen ließ und sich inzwischen trotz weiterer Widerstände mehr und mehr zu einem wichtigen Bestandteil im Essener Mittelfeld entwickelt.

„Jetzt“, betont Konstantin Fring und führt aus, „bin ich endgültig in Essen angekommen“. Beim Gespräch mit der „kurzen fuffzehn“ ist der 23-Jährige allerdings noch ein wenig von seiner Verletzungsmisere gezeichnet. Erst in rund zwei Wochen darf er seine Schutzmaske abnehmen, die er seit dem erlittenen Nasenbeinbruch im Heimspiel gegen die SG Wattenscheid 09 (2:2) am 24. September tragen muss. „So etwas ist zunächst schmerzhaft. Doch die Maske behindert mich im Spiel zum Glück nicht großartig“, erzählt Fring, der wegen seiner Namensgleichheit mit Angreifer Konstantin „Kosta“ Sawin von seinen Mitspielern nur „Konst“ gerufen wird.

Deutlichere Nachwirkungen als die Gesichtsblessur hatte für Fring die hartnäckige Muskelverletzung aus der Vorbereitung. „Es war ohne Fremdeinwirkung beim Aufwärmen passiert. In der Kennenlern-Phase bei einem neuen Verein wirft dich das schon zurück.“ Die Folge: Konstantin Fring verpasste weite Teile der Sommervorbereitung und sein Debüt beim 2:2 gegen Bayer 04 Leverkusens U 23 verlief nicht unbedingt nach Wunsch. „Ich hing durch den Trainingsrückstand etwas hinten dran, war damals vielleicht erst bei 70 Prozent“, verdeutlicht Mittelfeldmann, der 55 Minuten zum Einsatz kam und in den folgenden fünf Partien jeweils 90 Minuten auf der Bank saß. An einen Zusammenhang mit seiner Rückennummer „13“ glaubt Konstantin nicht.

„Ich bin nicht so abergläubisch“, winkt Fring ab und liefert sofort ein Gegenbeispiel: „Die 13 ist für mich eher eine positive Nummer.“ An einem Freitag, den 13., lernte der Neu-Essener etwa vor rund eineinhalb Jahren seine Freundin Henrike kennen. Ausgerechnet am 13. September feierte Konstantin Fring dann auch seine Rückkehr auf den Platz. Im Flutlichtspiel gegen den KFC Uerdingen 05 (2:2) stand er erstmals wieder in der Startelf und war entscheidend am späten 2:2-Ausgleich durch Michael Laletin beteiligt.

Seitdem zeigt die Formkurve des gebürtige Bad Kreuznachers stetig nach oben, auch wenn der „Maskenmann“ an Torraumszenen oder spektakulären Aktionen eher weniger beteiligt ist. Bälle erobern, dirigieren und vor allem Räume schließen nennt Fring als seine wichtigen Aufgaben. Auf gut Deutsch: Die Schweine-Arbeiten“ im Mittelfeld. „Dafür bin ich mir nicht zu schade. Wenn dann andere glänzen, habe ich alles richtig gemacht“, grinst der Rechtsfuß und nennt BVB-Nationalspieler Sven Bender als Vorbild.

Nach einer schwierigen Anfangsphase überzeugt Konstantin Fring bei RWE in den vergangenen Wochen auch durch Spielwitz und sicheres Passspiel, erweist sich dabei nicht zum ersten Mal in seiner Karriere als Stehaufmännchen. Einen ähnlich unglücklichen Start wie in Essen hatte „Konst“ auch zu Beginn seiner zweijährigen Zeit beim Drittligisten Borussia Dortmund II erwischt. Eine Knieverletzung kostete ihn nach seinem Wechsel vom FSV Mainz 05 II zum BVB in der Saison 2011/2012 die wichtige Vorbereitungszeit und auch die ersten vier Ligapartien. Als Rechtsverteidiger kämpfte sich der Sportmanagement-Student in die Mannschaft von Trainer David Wagner und schaffte im weiteren Saisonverlauf auch noch die Rückkehr auf seine Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld. Als „Sechser“ gelang Konstantin Fring mit den Schwarz-Gelben in jener Spielzeit ein wahres Husarenstück.

Zur Winterpause noch mit 15 Punkten abgeschlagen von der Spitzengruppe, belohnte sich die BVB-Reserve nach einer unglaublichen Aufholjagd (17 Siege aus 19 Restrundenpartien) mit dem Aufstieg in die 3. Liga. „Die zwei Jahre in Dortmund waren das Beste und Emotionalste, was ich in meiner bisherigen Karriere erleben durfte“, sagt Fring. Und das, obwohl zu seinen Karriere-Höhepunkten doch immerhin auch die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft mit dem FSV Mainz 05 gehört.

Der in der von Mainz rund 30 Kilometer entfernten Kleinstadt Gensingen aufgewachsene Mittelfeldmann, der über die TuS 1878 Gensingen und Hassia Bingen mit 14 Jahren zum großen Nachbarn in die Karnevalsstadt gewechselt war, gewann 2009 ausgerechnet das Finale gegen seinen späteren Klub Dortmund 2:1. „Der BVB hatte – unter anderem mit Mario Götze – eigentlich die besseren Einzelspieler. Daher war es ein großer Triumph für uns“, erinnert sich Konstantin Fring mit leuchtenden Augen. Unter anderem mit dem jetzigen Nationalspieler André Schürrle (nun beim englischen Spitzenklub FC Chelsea) und Jan Kirchhoff vom FC Bayern München holte der FSV erstmals den höchsten Junioren-Titel. Trainer war damals kein Geringerer als der jetzige FSV-Cheftrainer Thomas Tuchel. „Er stellte uns taktisch immer hervorragend ein und war eine Art Kumpel-Typ für seine Spieler“, beschreibt Fring, der zu dieser Zeit noch mit dem Zug nach Mainz reiste und während der Fahrt für sein Abitur (Abschlussnote: 2,3) paukte. Während Mutter Antje und Vater Guido, der beim Ailton-Club in Bingen als Jugendtrainer arbeitet und dabei unter anderem Jan Schlaudraff (Hannover 96) trainiert hatte, weiter in der 40.000 Einwohner-Stadt Gensingen leben, ist nun der Dortmunder Stadtteil Aplerbeck der Lebensmittelpunkt von „Konst“.

Steht der 23-Jährige nicht auf dem Fußballplatz oder ist mit Freundin Henrike, die im westfälischen Ahlen in einer Anwaltskanzlei arbeitet, zusammen, dann trifft man ihn öfter am Phoenix-See in Hörde. „Das ist mein Lieblingsplatz in Dortmund“, sagt der Rechtsfuß, der sich als Familienmensch beschreibt und mittelfristig mit seiner Lebensgefährtin zusammen ziehen möchte.

Bei RWE hat Konstantin Fring einen Vertrag bis 2014 mit einer Option unterschrieb. „Ich sehe die Chance in Essen als Glücksfall, zumal ich in der letzten Saison beim BVB wegen einer Schambeinverletzung lange Zeit ausgefallen war. Rot-Weiss ist für mich ein schlafender Riese, den man nur wünschen kann, irgendwann wieder ganz oben zu kommen. Das ist auch mein Ziel“, betont der Ex-Dortmunder.