23. November 2013

Rechtsrockdokumentation lockt 500 Gäste ins Stadion Essen

Am gestrigen Freitag zeigten Rot-Weiss Essen, die GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH und die AWO die Dokumentation „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ im Assindia-Bereich des Stadion Essen. Knapp 500 Personen fanden sich zu diesem Zweck an der Hafenstraße ein und erlebten einen schockierenden Film sowie eine intensive Diskussion über Rassismus und Diskriminierung.

 Es war ein Schock für alle Beteiligten, als die geplante Vorführung des Dokumentarfilms „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ am 16. Oktober unter Gewaltandrohung abgebrochen werden musste. Schnell entschieden sich Veranstalter AWO sowie der Verein Rot-Weiss Essen und der Stadionbetreiber GVE als Reaktion auf den verhinderten Ursprungstermin zu einer Neuansetzung der Filmvorführung in größerem Rahmen. Diese fand nun am vergangenen Freitag im Stadion Essen statt. 

Dort fanden sich zu diesem Zweck knapp 500 Besucher in den damit voll besetzten Assindia-Bereich der rot-weissen Heimspielstätte ein. Neben der Einführung in die Arbeit des AWO-Fanprojekts sowie die Vorführung der Rechtsrockdokumentation „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ war vor allem die anschließende Podiums-Diskussion von besonderem Wert. Dort war neben den Filminhalten natürlich auch die verhinderte Filmvorführung am 16. Oktober ein Thema. Anknüpfend an die einleitenden Worte des Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Hülsmann zu Beginn des Abends lautete der einhellige Tenor der Diskussion „Wehret den Anfängen“.

„Die Fans selbst haben den Stein ins Rollen gebracht“, so Fanforscher Jonas Gabler über die Anfänge der Diskussion um Diskriminierung im Fußball. „In den 80ern war es ganz normal, dass in den Fankurven eine Reichskriegsflagge wehte. In der zweiten Hälfte der 2000er war es dann die Ultraszene, die gesagt hat: Wir machen zwar keine Politik, aber wir möchten nicht, dass in unserem Stadion diskriminiert wird.“

Dementsprechend ließ Dr. Michael Welling den Vorwurf, man habe durch den Kampf gegen Rassismus Politik ins Stadion gebracht, nicht gelten: „Wogegen wir uns als Verein wehren ist das Gleichsetzen dieses Einstehens gegen Rassismus und Diskriminierung mit irgendeiner Form von Politik. Das ist für uns eine Bürgerpflicht, die jeder einzelne, egal ob beim Fußball, Zuhause oder in der Oper erfüllen muss.“

Eine Ansicht, die auch ein Großteil der anwesenden RWE-Fans teilte. Von Fanseite wehrte man sich in Publikumsbeiträgen aber auch gegen die einseitige Berichterstattung durch die Medien: „Es ist in den Medien ein Bild entstanden, als ob alle RWE-Fans rechts wären. Wir vernünftigen Fans und Fanclubs lehnen Rassimus und Diskriminierung ab – so steht es auch in unseren Satzungen. Rassismus ist natürlich ein Problem. Aber nicht nur von Rot-Weiss Essen, sondern unserer gesamten Gesellschaft.“

Dem von Max Ardelmann, Sprecher des Bündnisses Essen stellt sich quer, formulierten Wunschergebnis des Abends, an dem er die am 16. Oktober erzielte 1:0-Führung der Nazis drehen wollte, wurde durch die Veranstaltung gerecht. So sprach auch Regisseur Peter Ohlendorf aufgrund der zahlreich erschienenen Gäste und der regen Diskussion am Ende von einem Eigentor, welches die betreffenden Personen durch ihre Verhinderung der Filmvorführung Mitte Oktober erzielt hätten.