14. Januar 2014

Ein Hauch Rot-Weiss Essen in den USA

Vor einigen Wochen erreichte die Geschäftsstelle des RWE ein Relikt aus längst vergangenen Tagen. Ein schlichter, rot-weisser Wimpel, mit einem großen RWE-Emblem in der Mitte. So weit, so unspektakulär: Doch das gute Stück hat nunmehr 52 Jahre auf dem Buckel.

Aus Zeiten Herkenraths, Wewers, Köchlings, Röhrigs und von „Boss“ Helmut Rahn entspringt dieser Stander. Alles „Männer mit Format!“, wie Jürgen Wciorka seine damaligen Helden liebevoll in einem Anschreiben bezeichnet.
Den 72-jährigen Ur-Essener zog es vor rund drei Jahren in die weite Welt hinaus. Seiner Frau Marlene und dessen beiden Töchter Simone und Sandra zur Liebe packte der ehemalige Chefeinkäufer der Modekette C&A seine sieben Sachen und wanderte in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Simone Wciorka ist dort Managerin des größten amerikanischen Hofbräuhauses in Las Vegas und Sandra gründete ihre eigene Grafikdesign Firma.

Schon früh in seinem Leben verfolgte Jürgen Wciorka mit seinen Tennisfreunden Peter Pottel, Heinz Fink und Gunter van Almsick vom TC Grün-Weiß Kray das Geschehen an der Hafenstraße im Essener Stadtteil Bergeborbeck. „Früher kamen die Jungs nach dem Spiel zu uns ins Klubheim und haben dort mit uns gefeiert“, erinnert sich Pottel an eine „tolle Zeit.“
In einem kleinen Brief, welchen Jürgen Wciorka dem Uralt-Wimpel hinzugefügt hatte, heißt es, dass er dem Verein einiges zu verdanken habe, denn RWE habe dem Auswanderer in seiner Jugend den nötigen Halt gegeben. Für ihn war der Wimpel stets Zeichen seiner Dankbarkeit und Verbundenheit zu seinem Heimatverein. „Er ist Rot-Weiss-Anhänger durch und durch. Für ihn steht fest: Einmal Fan – immer Fan“, bestätigt Pottel, der schon seit über sechzig Jahren mit dem zweifachen Familienvater befreundet ist.

Aber wie in jeder Freundschaft gab es auch eine Zeit, in der man weniger miteinander zu tun hatte. Nachdem Wciorka seinen Job bei der Modekette C&A in München anfing, verloren sich die beiden Essener Jungs ein wenig aus den Augen. Als Jürgen Wciorka zu den deutschen Seniorenmeisterschaften im Tennis in der Bergeborbecker Sporthalle wieder nach Essen zurückkehrte, bat er Peter Pottel um ein Quartier. So fanden die beiden Rot-Weissen wieder zueinander und blieben daraufhin in regem Kontakt. Nach seinem Umzug in das drittgrößte Land der Erde  lud er den Ruhrpottler und dessen Frau ein, ihn und seine Familie besuchen zu kommen.

Das Ehepaar Pottel folgte der Einladung und reiste in den Wüstenbundesstaat Nevada.
Nach einem dreiwöchigen Besuch bat Jürgen Wciorka seinen langjährigen Weggefährten, den Wimpel in der Heimat dem Traditionsverein von der Hafenstraße zu übergeben.
„Es war ein toller Urlaub. Jürgen war ein super Gastgeber und hat uns alles gezeigt. Trotz allem ist er sehr bodenständig geblieben“, beschreibt Peter Pottel die Tage im über vierzehn Flugstunden entfernten westamerikanischen Bundestaat.
Trotz der hohen Entfernung tausender Kilometer zwischen der alten Heimat, dem Ruhrgebiet, und seinem neuen Zuhause in einem Vorort der Spielmetropole Las Vegas, änderte sich seine Liebe zum Fußball und vor allem zum RWE keineswegs. „Ständig schaut er im Internet ob es Neuigkeiten gibt.“, schwärmt Pottel über den ebenfalls im Essener Stadtteil Kray geborenen und aufgewachsenen Wciorka. „Jeden Spieltag fiebert Jürgen mit den Rot-Weissen mit und drückt ihnen die Daumen“, so Pottel weiter. Auf die Frage, mit welchem Wort, der wohl einzige Rot-Weiss-Essen-Fan Amerikas zu beschreiben wäre, antwortete sein Kompagnon wie folgt: „Verrückt! Er ist einfach rot-weiss verrückt. Für Jürgen gibt es nur den RWE.“

„Da steckt viel rot-weisses Herzblut und RWE-Geschichte drin. Wir freuen uns über das geniale Geschenk und werden für den Wimpel einen Ehrenplatz finden“, verspricht Dr. Michael Welling, Vorstandsvorsitzender von Rot-Weiss Essen, das Mitbringsel der langjährigen Freunde standesgemäß zu präsentieren.