12. Mai 2014

„Erst wird malocht, dann gespielt“

„Servus und Grüß Gott“ schallt es dem entgegen, der RWE-Rechtsverteidiger Max Dombrowka auf seinem Handy erreicht. Das ist aber auch schon so ziemlich das einzige unverkennbare Zeichen auf seine bayerische Herkunft, sonst gibt es astreines Hochdeutsch, sogar schon mit ein wenig „Pott-Einschlag“. Längst ist der 22-Jährige in seiner neuen Heimat Essen angekommen. „Ich fühle mich hier pudelwohl. Wenn ich nach München reise, ist es für mich eine Art Urlaub. Wenn ich in meine Wohnung nach Essen zurückkehre, fühle ich mich zu Hause“, beschreibt der Blondschopf.

Seit fast zwei Jahren ist der in Ingolstadt geborene und in München aufgewachsene Abwehrspieler nun in Essen. Und die Geschichte des „Bayern im Pott“ soll auch noch nicht so schnell enden.

Denn erst vor wenigen Wochen gab der Verein bekannt, dass Dombrowka auch in der kommenden Saison für die Rot-Weissen am Ball sein wird. „Ich freue mich über das Vertrauen, das mir auch während meiner Verletzungszeit entgegen gebracht wurde. Schon früh haben die Verantwortlichen und ich festgestellt, dass sich unsere Zukunftsplanungen decken“, blickt Dombrowka zurück.

In der laufenden Spielzeit erlebte der 22-Jährige, der in Essen-Frohnhausen wohnt, nach der vergangenen Saison, die wesentlich ruhiger und vor allem sportlich erfolgreicher verlief und die RWE auf Platz vier beendete, erstmals stürmische Zeiten an der Hafenstraße. „Natürlich sind wir alle unzufrieden mit dem Abschneiden in dieser Saison. Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt“, räumt Dombrowka ehrlich ein. Umso glücklicher ist er, dass die harte Arbeit der laufenden Spielzeit sich zuletzt immer öfter in Punkten widerspiegelte: „Häufig fehlte uns die Konzentration über die gesamten 90 Minuten. Das hat sich in den vergangenen Partien deutlich gebessert.“

Klar ist für den Außenverteidiger auch, dass die gesamte Mannschaft bis zur letzten Sekunde vollen Einsatz zeigen wird: „Das ist eine Frage der Ehre. Hier lässt sich keiner hängen. Der Trainer lebt uns die Fußballgeilheit vor. Wir wollen möglichst alle restlichen Spiele gewinnen und dadurch soweit wie möglich nach oben klettern.“

Die Gründe für das durchwachsende Abschneiden sieht Max unter anderem in der fehlenden Cleverness, die in dieser Spielzeit viele Partien zu Ungunsten von RWE entschied. „Wir müssen oft einfach abgewichster spielen und deutlich weniger unnötige Gegentore bekommen“, analysiert Dombrowka, für den es im Rot-Weiss-Trikot gleich zwei Premieren gab. Zum einen erzielte er beim 2:3 in Siegen sein erstes Pflichtspieltor bei den Senioren, zum anderen erlebte er an der Hafenstraße seinen ersten Trainerwechsel.

Trotzdem will der 22-Jährige in dieser Saison nicht alles schlecht reden. Er betrachtet lieber die „positiven“ Seiten des Misserfolges. „Man lernt nur aus schlechten Erfahrungen. Diese Negativerlebnisse müssen wir genau analysieren, aufarbeiten und in der kommenden Spielzeit abstellen“, so Dombrowka.

Diese nüchterne Herangehensweise zeichnet den bodenständigen, jungen Mann aus, wurde ihm gleichzeitig aber auch in der Nachwuchsschule des Deutschen Rekordmeisters FC Bayern München immer wieder beigebracht. Bei den Bayern durchlief Dombrowka fast die gesamte Jugendabteilung, kam unter Hermann „Tiger“ Gerland sogar bereits als A-Jugendlicher zu ersten Einsätzen in der damaligen Drittliga-Mannschaft des FCB.

Gerland spielte beim Wechsel von München nach Essen auch keine unwichtige Rolle. „Waldemar Wrobel hat ihn damals angerufen und nach seiner Meinung über mich gefragt. Die kann nicht so schlecht gewesen sein“, lacht der Bayer. Und überhaupt hat Dombrowka ausschließlich gute Erinnerung an die Zeit mit Gerland, der in Bochum geboren wurde und zwölf Jahre für den VfL aktiv war, bei den Bayern, wo er inzwischen als Assistent von Pep Guardiola arbeitet. „Er ist ein Typ für sich. Für ihn sind Tugenden wie Laufbereitschaft und Einsatz besonmders wichtig. Erst wird malocht, dann gespielt“, beschreibt der Rechtsverteidiger seine ersten Erfahrungen mit der typischen Ruhrpott-Mentalität.

Wie schon so viele Fußballspieler vor ihm, machte auch Dombrowka einst mit dem „gerlandschen Kopfballpendel“ Bekanntschaft. „Das war für mich eine vollkommen neue Erfahrung. Am Anfang war ich auch richtig schlecht“, gibt der 22-Jährige zu und sagt weiter: „Wir haben regelmäßig am Kopfballpendel gearbeitet. Dadurch hat sich mein Timing in den Kopfballsituationen aber deutlich verbessert.“

Trotz der guten Schule von Hermann Gerland schaffte Dombrowka bei den Bayern nicht den Durchbruch nach ganz oben. Zwar absolvierte er einige Trainingseinheiten und ein Testspiel gegen die SpVgg Unterhaching (3:0) für die Münchner Profis. „Doch ich bin Realist genug, um zu wissen, dass es nicht mehr als eine schöne Erfahrung war. Mit Spielern wie Toni Kroos und Franck Ribery auf dem Platz zu stehen, war schon einmalig“, schwärmt er.
Schon immer gut war Dombrowka in Sachen Zweikampfführung. In bisher 44 Spielen für RWE kam er oft ohne Fouls aus, sah nur sechsmal Gelb und einmal Gelb-Rot. „Ich will keinen meiner Gegenspieler verletzen. Die Balleroberung steht immer an oberster Stelle. Fair geht vor“, sagt der gebürtige Ingolstädter.

Nicht nur auf dem Platz denkt er über seine Spielweise nach, auch neben dem Platz blickt der Blondschopf über den Tellerrand hinaus. Um sich ein zweites Standbein aufzubauen, wird er demnächst ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen beginnen.

„Ich will mir nicht vorwerfen lassen, dass ich mit vielleicht 32 Jahren verletzungsbedingt aufhören muss, Fußball zu spielen, und dann nichts gelernt habe. Daher habe ich mir den Bildungszweig ausgesucht, den ich auch unabhängig vom Fußball gewählt hätte“, sagt Max Dombrowka.

Zu seinen Hobbys zählt der ehrgeizige Jungspund neben seiner Freundin und gemeinsamen Aktivitäten mit Freunden weitere individuelle Trainingseinheiten. „Ich mache jeden Morgen nach dem Aufstehen eine halbe Stunde Sport. Ich gehe ein wenig Joggen, jongliere dabei zusätzlich mit drei kleinen Bällen. Dann kann ich den Tag ganz aufgeweckt angehen.“ Damit dürfen sich die RWE-Fans über einen in Zukunft noch wacheren Rechtsverteidiger freuen.