4. August 2014

Cebio Soukou: Mittendrin statt nur dabei

Ein Jahr nach dem „Totalschaden“ will die rot-weisse Nummer 10 endlich durchstarten.

Den 7. August 2013 wird Cebio Soukou vermutlich nie vergessen. Hoch motiviert wartete der „Zehner“ auf das Highlight der Saisoneröffnung, ein Spiel gegen einen Bundesligisten – nicht irgendeinen: Werder Bremen war zur offiziellen Eröffnung des neuen Stadions an die Hafenstraße nach Essen gereist. Ein volles Haus, gute Stimmung und alles wartete auf ein tolles Spiel mit schönen Toren und einer Menge Fußballbegeisterung. Auch der damals 20-jährige Offensivspieler wollte sein Können beweisen, um sich kurz vor dem Regionalliga-Start seinen Stammplatz zu sichern. Doch es kam ganz anders.

Zu diesem Zeitpunkt als großer Hoffnungsträger gehandelt, war Cebio Soukou in einer Top-Verfassung. Von einer Sekunde zur nächsten war das dann alles Vergangenheit. Einmal unglücklich umgeknickt, und die Saison war für den gebürtigen Bochumer gelaufen. Diagnose: Kreuzbandriss und Knorpelschaden im Knie, eine Horror-Diagnose. Erst im April dieses Jahres, zum Ende der Saison, stand Cebio nach 238 Tagen endlich wieder auf den Trainingsplatz. Für unseren Offensivmann gab es während seiner Leidenszeit nur ein Ziel: „Endlich wieder auf dem Platz stehen und Fußball spielen.“

„Ich fühle mich von Tag zu Tag immer besser.“

Während andere Spieler in der Sommerpause etwas abschalten konnten, arbeitete Cebio weiter an seinem Comeback für RWE: „Ich habe quasi den ganzen Sommer trainiert und fühle mich von Tag zu Tag besser, auch wenn es natürlich nicht einfach war, nach dieser Verletzung zurückzukommen.“

Acht Monate Verletzungspause bedeuten auch acht Monate wenig Bewegung, schon gar keine schnelle oder unbedachte für den flinken Mittelfeldspieler. Schon einmal hatte Soukou lange pausieren müssen, damals noch im Trikot des VfL Bochum, als er sich als Jungjahrgang in der A-Jugend das Kreuzband riss.

Gedanken, dass seine Karriere zu Ende sein könnte, hegte er in beiden Fällen nicht. Im Gegenteil: „Nach einer Woche Training war ich vom Kopf wieder soweit, dass ich voll durchziehen konnte und auch keine Angst hatte. Es ging relativ schnell.“ Dennoch gesteht er ein: „Solche Verletzungen verändern einen als Fußballer, als Persönlichkeit. Als Regionalliga-Spieler muss man auch an die Zukunft nach dem Fußball denken.“

Der Grund dafür liegt auf der Hand. „Ich liebe es einfach Fußball zu spielen, es ist für mich das Größte. Ich habe jeden Tag dafür gearbeitet, bald wieder für RWE auf den Platz stehen zu können“, erklärt Soukou, und die Freude darüber, dass er wieder regelmäßig trainieren und spielen kann, ist ihm deutlich anzumerken. „Dieser Wille war es, der mir half, die lange Pause und die harte Arbeit durchzuhalten. Der Fußball gibt mir viel Kraft, auch in schwierigen Situationen.“

Dass Soukou die Kraft und den Willen in seiner dritten Saison für die Rot-Weissen auch auf dem Feld zeigen will, steht außer Frage. „Als Fußballer will man natürlich spielen, und das so gut wie möglich. Keiner will auf der Bank sitzen, deswegen arbeiten wir im Training jeden Tag sehr hart“, sagt Soukou. Beim Testspiel gegen den Landesligisten VfB Bottrop vor rund einem Monat durfte Cebio das erste Mal wieder über 90 Minuten ran – ein ganz besonderer Moment nach der langen Spielabstinenz.

In der vergangenen Saison war er mehr Zuschauer als Spieler, war zwar dabei, aber nicht mitten im Geschehen. Seit 2012 spielt der 1,84 Meter große Soukou für RWE, doch absolvierte er „nur“  25 Einsätze im rot-weissen Dress. Entsprechend freut sich der vielseitig einsetzbare Offensivakteur auf den Saisonstart.

Unsicherheit vor dem Start verspürt der 21-Jährige nicht: „Wir haben mehr Qualität im Kader, sind hoch motiviert und wollen loslegen. Besonders im Stadion Essen wollen wir wieder eine Festung aufbauen und möglichst viele Spiele gewinnen, auch für unsere Fans.“ Die Integration der vielen Neuzugänge bereitet dem Mann mit der Rückennummer 10 keine Sorgen: „Das kennt doch eigentlich jeder Fußballer aus der Jugend oder aus Auswahlmannschaften. Der Trainer wird die richtige Marschroute vorgeben.Wir wollen eine erfolgreiche Saison spielen.“

Stadion an der Hafenstraße soll zur Festung werden

Für Trainer Marc Fascher ist Soukou quasi ein weiterer Neuzugang, der sich erst einmal beweisen muss. Einen verschärften Konkurrenzkampf sieht Soukou trotz der großen Veränderungen im Kader dennoch nicht. Der Grund: „Im Fußball ist der Konkurrenzkampf immer gegeben. Es wäre fatal, wenn ein Spieler nicht alles geben würde, um den anderen zu verdrängen.“

Spannung oder gar Streit im Training bringt das bei den Rot-Weissen allerdings nicht. Im Gegenteil, Cebio lobt die Übungseinheiten von Cheftrainer Marc Fascher: „Sie bieten die richtige Mischung aus Ernst und Spaß. Auf dem Platz herrscht Konzentration und es wird hart gearbeitet, keine Frage. Aber nach den Einheiten ist auch genug Raum für Spaß und Freude, das ist eine gute Mischung.“ Diese Mischung soll sich in der Regionalliga auszahlen, wenn es nach Soukou geht.

„Wollen eine gute Saison spielen.“

Dazu will der Offensivakteur auch selbst beitragen: „Wo ich spiele, ist mir egal. Bislang sieht mich der Trainer wohl auf den Außen, das funktionierte in der Vorbereitung ganz gut.“ In seinen Bochumer Zeiten wurde er einmal mit 16 Treffern Torschützenkönig in der Weststaffel der U19-Bundesliga. Dieses Offensivpotential würde sicherlich auch Fascher gerne in der Regionalliga West sehen. Man kann ihm nur wünschen, dass sein persönlicher Saisonstart für die Rot-Weissen wesentlich besser verläuft, als vor gut einem Jahr gegen den Bundesligisten aus Bremen. Eine Wiederholung ist definitiv nicht erwünscht.