20. August 2014

Die einzige Null-Nummer in der Meisterschaftssaison

Aachen holte sich jeweils einen Punkt

Alemannia Aachen war in der Meisterschaftssaison 1954/55 neben Leverkusen die einzige Mannschaft, die in beiden Spielen gegen RWE punkten konnte. An der Hafenstraße und am Tivoli endeten die Begegnungen jeweils 1:1 unentschieden. Ausgerechnet Aachen, die im DFB-Pokalfinale 1953 von Rot-Weiss Essen mit 2:1 geschlagen wurden, sicherten sich also zwei Teilerfolge.

Am 12.09.1954 fand das Hinspiel im Stadion an der Hafenstraße statt. RWE wollte nach dem 3:0 gegen Duisburg auch im zweiten Heimspiel einen Sieg feiern, hatte man die Aachener doch seit 1948/49 immer zuhause geschlagen. Doch 11.000 Zuschauer sahen ein verkehrtes Spiel. Nach 20 Minuten spielte RWE nur noch gegen 10 Aachener, da ein Aachener ausgefallen war. Trotzdem reichte es nur für ein 1:1. Der Torhüter der Aachener, Helmut Schiffer, hielt seinen Kasten sauber. So hieß es in der Presse: „Dieser Schiffer ist große Klasse!“ „Prachtvoller Schiffer rettet das Unentschieden!“ Michael Pfeiffer, der neben Schiffer überzeugte, sagte hinterher: „Das engmaschige Spiel der Essener kam uns entgegen.“
Ernst Ruhkamp, von 1963-1971 RWE-Präsident, der damals in der kurzen fuffzehn schrieb, meinte zum Spiel: „Dieses Spiel wird uns Rot-Weißen noch lange als ein Lehrbeispiel in Erinnerung bleiben dafür, wie man es nicht machen darf. (…) Wir erleben das nun schon mehrere Spiele hintereinander. Unser Spiel ist zu zeitraubend und zu durchsichtig geworden.“
Für RWE war das Ergebnis trotzdem nicht schlecht, da der Spitzenreiter 1. FC Köln am gleichen Tag verlor. RWE lag nun auf dem 2. Platz in der Oberliga West, gefolgt vom SV Sodingen, die ebenfalls 6:2 Punkte hatten.

Am Tivoli

Am 30.1.1955 fand dann das Rückspiel statt. Am Mittwoch zuvor hatte RWE zuhause gegen die argentinische Mannschaft Newell Old Boys Rosario gespielt und mit 3:2 gewonnen. Bei RWE wusste man nicht, wie die Spieler das Spiel verkraftet hatten. Die Düsseldorfer Nachrichten schrieben vorausahnend: „Fast sieht es so aus, als ob die Tivolihürde wieder nicht zu nehmen sei.“
Am „Schreckgespenst Tivoli“ reichte es vor 22.000 Zuschauern erneut nur zu einem 1:1. Nachdem man in den Jahren zuvor immer verloren hatte (1:3, 1:4 und 0:1), konnte RWE mit dem Punkt aber zufrieden sein. Zumal man in der zweiten Spielhälfte teilweise überlegen spielte. Kritik gab es dennoch. Am schlimmsten traf es Helmut Rahn, wie der RWE-Chronist vermerkte: „Hinzu kam noch, daß Helmut Rahn von seinem Spiel gegen die Old Boys aber auch nichts zeigte, so daß er es sich gefallen lassen musste, einige Male ausgelacht zu werden.“ Insgesamt entsprach das Ergebnis wohl auch den Leistungen beider Mannschaften.
In der Tabelle führte RWE immer noch vor Bayer Leverkusen und dem SV Sodingen: RWE hatte am 19. Spieltag 32:6 Punkte und 42:19 Tore. 11 Spieltage später konnte dann die Meisterschaft in der Oberliga West gefeiert werden.