19. Dezember 2014

Breilmanns Wiese: „Wir stehen immer wieder auf“

Andreas Winkler, Leiter der RWE-Nachwuchsabteilung, zieht seine Halbjahres-Bilanz:

Andreas Winkler ist einer der dienstältesten Rot-Weissen. Vor 15 Jahren war der heute 45-Jährige als Spieler vom damaligen Oberligisten 1. FC Magdeburg an die Hafenstraße gewechselt. Nach einem Kreuzbandriss musste der dreifache Familienvater seine aktive Karriere beenden, wurde danach in die RWE-Jugendarbeit eingebunden. Bereits seit 2003 ist Winkler Leiter der Nachwuchsabteilung von Rot-Weiss. Vor zwei Jahren erwarb „Jimmy“ (so wird er seit Teenager-Zeiten wegen der vielen James Dean-Poster in seinem damaligen Zimmer genannt) an der Hennes-Weisweiler-Akademie des DFB die Fußballlehrer-Lizenz. Vor dem Weihnachtsfest zieht Andreas Winkler seine Halbjahres-Bilanz und spricht unter anderem über das Abschneiden der ältesten Ausbildungsmannschaften, über das geplante NLZ und den eigenen Nachwuchs.

Während die U19 als Tabellenführer in der A-Junioren-Niederrheinliga überwintert, belegt die U17 in der B-Junioren-Bundesliga West einen Abstiegsplatz. Trübt das Ihre Halbjahres-Bilanz für die Nachwuchsabteilung?

AW: „Bei nur 14 Mannschaften, aber gleich drei Absteigern ist es für einen Verein wie Rot-Weiss Essen wegen der großen Profi-Konkurrenz in unmittelbarer Nachbarschaft sehr schwierig, sich dauerhaft in den Junioren-Bundesligen zu halten. Insgesamt zwölf Neuzugänge, von denen nicht gleich jeder auf Anhieb den Sprung geschafft hatte, mussten integriert werden. Das benötigt Zeit. Deshalb hatten die Ergebnisse zu Saisonbeginn auch nicht gestimmt. Mittlerweile verfügen wir über eine konkurrenzfähige Mannschaft. Die Jungs haben dazugelernt, sind jetzt in der Lage, ein Spiel zu drehen und wissen auch genau, was Abstiegskampf bedeutet. Unser Ziel war es, vor der Winterpause den Anschluss zu den Nichtabstiegsplätzen wieder herzustellen. Das ist uns gelungen und wir haben uns für die Rückrunde in eine relativ gute Ausgangslage gebracht.“

Wie zufrieden sind Sie mit den Auftritten der U19?

AW: „Wir haben bisher fast alles umgesetzt, was wir uns vor der Saison vorgenommen hatten. Die Mannschaft ist in der Meisterschaft unbesiegt, hat in 13 Spielen nur vier Gegentore kassiert und ist auch im Niederrheinpokal nach wie vor vertreten. Insgesamt setzt die Truppe unsere Spielphilosophie sehr gut um. Unser U19-Trainer Jürgen Lucas ist mit dem jüngsten Kader in die Saison gegangen und hat es geschafft, den physischen Nachteil überhaupt nicht sichtbar werden zu lassen.“

Nach dem letzten Abstieg aus der A-Junioren-Bundesliga hatte es ganze drei Jahre gedauert, bis RWE den Sprung zurück ins Oberhaus schaffte. Wie wichtig wäre der direkte Wiederaufstieg für den Gesamtverein Rot-Weiss Essen?

AW: „Es ist für uns ungemein wichtig, dass die jungen Spieler an ein gehobenes Niveau herangeführt werden. Klar ist aber auch, dass wir auch in den kommenden Jahren bei einem weniger guten Jahrgang immer wieder mit Rückschlägen rechnen müssen. Damit gehen wir um und werden immer wieder aufstehen.“

Werden im Winter Neuzugänge für die „Mission Wiederaufstieg“ oder für den Klassenverbleib der U17 verpflichtet?

AW: „Für die U17 haben wir bereits Angreifer Mirco Brückner von Bayer 04 Leverkusen verpflichtet. Mirco ist ein Essener Junge und wird uns mit seiner Torgefährlichkeit weiterbringen. Darüber hinaus haben wir noch einige Spieler auf dem Schirm oder im Probetraining. Es wird aber keiner geholt, um den Kader aufzustocken. Ein neuer Spieler muss uns sofort weiterhelfen.“

Wie hoch schätzen Sie die Chancen für die U17 ein, die mit Trainer Antonios „Toni“ Kotziampassis um den Ligaverbleib kämpft. Wie schätzen Sie seine Arbeit ein und was muss sich im neuen Jahr ändern, um doch noch über den Strich zu landen?

AW: „Toni hat bis jetzt sehr gute Arbeit geleistet. Er ist ein positiver Mensch und vermittelt das auch seinen Spielern. Er hat aus Straßenkickern eine eingeschworene Mannschaft geformt, bei der jeder sein Ego zurückstellen muss. Den Spielern ist klar gemacht worden, dass jeder Punkt erst hart erarbeitet werden will. Diese Eichhörnchen-Taktik wollen wir beibehalten.“

RWE hatte schon vor Monaten die Unterlagen für ein zertifiziertes Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) beim DFB eingereicht. Wie ist der Stand der Dinge?

AW: „Wir haben inzwischen eine erste offizielle Rückmeldung vom DFB erhalten und hoffen – nachdem wir einige Neuerungen ausformuliert und zurückgesandt haben – auf einen baldigen Besichtigungstermin der zuständigen DFB-Delegation. Das Dokument umfasst insgesamt 300 Seiten.“

Welche Voraussetzungen mussten dafür erfüllt werden?

AW: „Das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Aber eine Neuerung ist zum Beispiel, dass neben einem DFB-Fußballlehrer jetzt auch zwei A-Lizenzinhaber dem NLZ zur Verfügung stehen müssen.“

Welche Aufgaben übernimmt Jahrhundertspieler Dirk „Putsche“ Helmig, der in der letzten Saison noch die inzwischen aufgelöste U23 trainiert hatte?

AW: „Dirk hat ein umfangreiches Aufgabengebiet zu bearbeiten. Er ist im Scouting-Bereich tätig und ist Ansprechpartner für die Jugendtrainer im unteren Bereich. Für viele Mitarbeiter ist er eine Art Mentor geworden.“

Welcher Spieler besitzt das größte Potenzial, um schon bald den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen?

AW: „Mit Torhüter Moritz Nicolas, der zuletzt nicht von ungefähr im Aufgebot des DFB auftauchte, haben wir ein Ausnahmetalent in unseren Reihen, dem ich sehr viel zutraue. Dazu gehören aber noch zwei oder drei weitere Spieler des 97er-Jahrgangs, die wir im Fokus haben.“

Welcher Ihrer drei Söhne ist schon RWE-Mitglied und für welche Mannschaft ist er am Ball?

AW: „Mein elfjähriger Sohn Lennart kickt in der U12, spielte dort abwechselnd im Tor oder im Sturm. Er hat sich aber mittlerweile auf die Torhüter-Position festgelegt.“

Wie kann man sich Ihren Tagesablauf vorstellen?

AW: „Wenn an der Hafenstraße keine Sitzung ansteht, bin ich um neun Uhr an der Seumannstraße. Dort stehen Eltern- und Beratergespräche auf der Tagesordnung. Der administrative Bereich – mit all seinen unterschiedlichen Aufgaben – sorgt dafür, dass ich meistens nicht vor 19.30 Uhr die Anlage verlasse. Zusätzlich trainiere ich einmal wöchentlich noch die U15.“

Interview: MSPW