22. Dezember 2014

Der rot-weisse Hinrundenrückblick: Der pure Rahnsinn

Kein neues Stadion, keine neue Tribüne, kein Wasserschaden: Langweilig wurde es trotzdem nicht an der Hafenstraße. Mit dem Saisonmotto „Rot-Weisser Rahnsinn“ ging RWE in die Spielzeit 2014/2015 – Nach der rot-weissen Hinrunde zu urteilen hätte man der laufenden Spielzeit keinen besseren Titel verpassen können. 

Die Euphorie war wie immer groß vor der neuen Spielzeit. Nach einer durchwachsenen Saison 2013/2014 wollten die Rot-Weissen wieder in der oberen Tabellenregion anklopfen. Dementsprechend musste sich etwas ändern – und es änderte sich etwas. Zahlreiche neue Gesichter begrüßte das rot-weisse Trainerteam am 23. Juni zum Laktattest. Ihre Klasse hatten die Neuzugänge in der Vergangenheit bereits bewiesen, nun galt es, diese auch in rot-weisser Trikotfarbe auf den Platz zu bringen.

Einer intensiven Vorbereitung folgte dann die rot-weisse Saisoneröffnung gegen Champions League-Teilnehmer Borussia Dortmund. Dass Testspiele nicht immer geeignet sind, um Saisonverläufe vorherzusagen, zeigte nicht zuletzt dieses Aufeinandertreffen. 5:1 stand es am Ende – ein deutliches und auch in der Höhe verdientes Resultat. Während auf der anschließenden Pressekonferenz bereits die schwarzgelbe Bayernjagd ausgerufen wurde, schien sich bei einigen RWE-Fans erste leichte Ernüchterung ob der Dortmunder Überlegenheit breit zu machen.

Warten auf den ersten Heimsieg

Und doch fieberten alle Rot-Weissen dem Saisonstart an der Hafenstraße gegen die Sportfreunde Lotte entgegen. Hochkonzentriert wirkte die Mannschaft gegen den amtierenden Vizemeister der Regionalliga West und hätte sich selbst für die engagierte Leistung nur zu gerne mit drei Punkten belohnt. Doch eine Unachtsamkeit zu viel vermieste den perfekten Saisonstart. „Vielleicht wäre heute mehr drin gewesen“, wusste auch RWE-Chef-Trainer Marc Fascher unmittelbar nach der Begegnung. Und so musste seine Elf eine Woche auf den ersten Saisonsieg warten: Wiedenbrück hieß der Gegner, dem die Elf von Chef-Trainer Marc Fascher die erste Saisonniederlage beibrachte. Nicht immer souverän, aber mit Leidenschaft entführten die Rot-Weissen die Punkte aus dem Wiedenbrücker Jahnstadion.

Entsprechend selbstbewusst ging RWE in das anschließende Heimspiel. Mit den Aachenern besuchte einer der Geheimfavoriten die Hafenstraße, eine fünfstellige Zuschauerzahl hatte sich angekündigt, die rot-weisse Mannschaft bis in die Haarspitzen motiviert und dann das: Nur 15 Minuten spielten beide Teams 11 gegen 11, ehe Sven Kreyer von Schiedsrichter Rott mit Rot vom Platz gestellt wurde. Trotz 75-minütiger Unterzahl blieb den Rot-Weissen am Ende ein Punkt auf der Habenseite. Angesichts des Spielverlaufs ein zufriedenstellendes Ergebnis – der erhoffte erste Heimsieg der Saison ließ allerdings noch auf sich warten.

Auf den anschließenden Auswärtssieg gegen die Bochumer Reserve folgte gegen die ebenfalls als Geheimfavorit gehandelten rot-weißen Oberhausener an der Hafenstraße ein erneutes Unentschieden. Als „Traum für die Zuschauer, für uns Trainer ein Albtraum“ beschrieb Fascher das 4:4 gegen den Revierrivalen. Der echte Alptraum sollte aber erst eine Woche später auf die Rot-Weissen warten: Eine 4:2-Niederlage setzte es im Derby gegen den FC Kray. Ein Ergebnis, dass Spielern, Verantwortlichen und Fans auch Wochen nach der Partie noch die Laune verhagelte. Nach zwei weiteren Unentschieden gegen die Zweitvertretungen von Borussia Mönchengladbach und Gelsenkirchen folgte dann aber endlich der Wendepunkt der bis dahin durchwachsenen Hinrunde.

Selbstvertrauen kehrt zurück

Bis zum bevorstehenden 9. Spieltag zog die Viktoria aus Köln wie von vielen Experten vorhergesagt an der Tabellenspitze einsam ihre Kreise. Sieben Siege und ein Unentschieden – so lautete die imposante Bilanz der Wollitz-Elf vor deren Gastspiel an der Hafenstraße. Dass die Domstädter allerdings auch in dieser Spielzeit wieder verwundbar sind, zeigten die wohl spannendsten 90 Minuten der rot-weissen Hinrunde: Bis zur 86. Minute lagen die Rot-Weissen mit 1:0 zurück, sicherte sich aber durch imposante Moral in der dritten Minute der Nachspielzeit noch den 2:1-Heimsieg.

Doch die Mannschaft schien mehr als nur drei Punkte aus diesem Spiel gezogen zu haben. Acht von Elf Spielen gewannen die Rot-Weissen seitdem, darunter ein rundum gelungener Familienspieltag mit einem 6:0-Sieg vor 14.415 Zuschauern gegen die SG Wattenscheid, eingebettet in eine Serie von fünf Spielen ohne Gegentor. Der Mannschaft gelang es, die bereits zu Beginn der Saison gezeigte Leidenschaft in Punkte umzumünzen und sich so Schritt für Schritt der Spitze anzunähern.

Kräfte auftanken

Und so überwintern die Rot-Weissen nach einer rahnsinnigen Hinrunde tatsächlich als Spitzenreiter. Für Mannschaft und Verantwortliche allerdings kein Grund zu feiern: „Bleiben wir mal bei den Fakten: Wir stehen punktgleich mit Alemannia Aachen an der Spitze, dahinter Mönchengladbach mit einem Punkt und einem Spiel weniger und Viktoria Köln verfügt ebenfalls über die Mittel, diesen Rückstand noch aufzuholen. Nicht zu vergessen Oberhausen, die ebenfalls ganz dicht an der Spitze dran sind. Alles ist eng beisammen und die Hinrunde hat gezeigt, wie schnell es in dieser Liga rauf und runter gehen kann“, so RWE-Chef-Trainer Marc Fascher.

In der Winterpause werden jetzt erst einmal die Kräfte aufgetankt: „Was die Truppe anbelangt war dieses halbe Jahr wirklich extrem, sowohl körperlich als auch mental. Ich bin ganz ehrlich: die Jungs gehen auf dem Zahnfleisch, ich bin auch mausetot.
Auch wenn wir noch nichts erreicht haben: Wir sind in der Liga oben dabei, stehen zudem im Pokalhalbfinale und können also auf eine erfolgreiche Hinrunde zurückschauen. Dementsprechend freue ich mich jetzt auch über die Pause, um dann im neuen Jahr wieder richtig anpacken zu können.“