19. März 2015

Vom Pechvogel zum Dauerbrenner

Vize-Kapitän Benjamin Baier im Porträt.

Es war ein Spiel, in dem Legenden geboren werden. Als in der Relegation um den letzten Platz in Liga zwei Darmstadt in einer turbulenten Partie auf der letzten Rille den Aufstieg schaffte, war auch Benjamin Baier dabei. Der 26-Jährige musste sich beide Partien von der Bank anschauen, und war dennoch Teil des Darmstädter Wunders. Zu diesem Zeitpunkt aber war „Benni“ längst klar, dass er in der kommenden Saison nicht in Darmstadt seine Schuhe schnüren wird. Stattdessen entschied er sich für ein Engagement im Ruhrgebiet – zum Glück.

Dass Benjamin Baier einmal als Fußballer aktiv sein wird, liegt quasi in seinen Genen. Sein Vater Jürgen war über 400 Mal in der 1. und 2. Bundesliga aktiv, unter anderem für Fortuna Köln, Offenbach, Darmstadt und Hannover. Auch sein Bruder spielt eine nicht unerhebliche Rolle in Deutschlands höchster Profiliga. Daniel Baier spielt beim FC Augsburg und ist eine wichtige Korsettstange.

Wie also hätte Benjamin Baier nicht Fußballer werden sollen? „Wir wurden nicht dazu gezwungen“, schmunzelt Baier, „Unser Vater hat uns früher immer mitgenommen zu seinen Spielen und ich glaube, da ist ein bisschen was hängengeblieben. Das es dann natürlich so klappt, ist eine schöne Sache.“ Doch Benjamin Baier verfolgte nicht nur die Partien des Vaters. Jürgen Baier war auch mal sein Trainer. Trainersohn – eine schwierige Position für so manchen, aber nicht für Benjamin Baier: „Er war ja mal Trainer bei Offenbach in der A-Jugend und damit auch mein Trainer. Es war eine gute Sache, weil wir das beide professionell genommen haben und da gab es das nicht so wie bei anderen, dass es hieß: Er bevorzugt seinen Sohn oder behandelt ihn strenger. Es war ganz normal.“

Professioneller Trainersohn

Die Zeiten, dass die beiden Brüder ein Spiel gemeinsam verfolgen, sind rar geworden. Auch Besuche beim jeweils anderen gestalten sich alles andere als einfach: „Es ist schwierig für uns, den anderen live im Stadion zu verfolgen. Die letzten Spiele, die mein Bruder gesehen hat, waren die Relegationsspiele mit Darmstadt. Da war er live dabei, weil er schon Urlaub hatte. Sonst würde er gerne mal nach Essen kommen, aber das ist wirklich kompliziert.“ Ganz aus den Augen verlieren sich die beiden natürlich dennoch nicht: „Wir sehen uns dann meistens in der Sommer- und Winterpause.“

Doch zurück zum Sportlichen. Wie schwer ein Wechsel wohl fallen muss, wenn man gerade etwas Historisches vollbracht hat? Benjamin Baier erklärt: „Ich sage mal so: Ich hatte drei schöne Jahre in Darmstadt. Da fällt es einem schon schwer zu gehen, gerade auch, wenn man aufgestiegen ist. Im letzten Jahr allerdings hat sich viel getan.“ Für den 1,80 Meter großen Mittelfeldspieler war die Zeit gekommen, sich eine neue Herausforderung zu suchen, auch wenn das zugegebenermaßen nicht ganz freiwillig war: „Ich bin von einer Verletzung spät zurückgekommen und war auch kein Stammspieler, wie die Jahre davor. Mir war es wichtig, wieder zu spielen.“

Spielpraxis gewünscht

Und so suchte er nach einem neuen Klub. Am schnellsten und überzeugendsten agierten dabei unser Sportvorstand Dr. Uwe Harttgen und unser Trainer Marc Fascher: „Da kam dann früh das Interesse von Trainer Marc Fascher und Uwe Harttgen und die Gespräche waren auch sehr positiv. Ich habe mich dann früh entschieden, den Weg an die Hafenstraße zu gehen.“ Und das zu einer Zeit, als man in Darmstadt von einem Aufstieg in Liga zwei nicht zu träumen wagte: „Da war der Aufstieg bei Darmstadt noch nicht geplant oder sowas. Es war nicht mal klar, dass wir in die Relegation gehen.“ Benjamin Baier wäre nicht er selbst, wenn er nicht grinsend einen Spruch nachschieben würde: „Ich nenne das einen gelungenen Abschied.“

Dass seine ehemalige Truppe nicht nur zweite Liga spielen darf, sondern auch vom Durchmarsch in Liga eins träumen darf, belastet unseren Dauerbrenner kein Stück: „Darüber denke ich gar nicht nach – was hätte wie und wann passieren können? Ich habe mich für den Weg entschieden und bereue ihn überhaupt nicht. Ich bin froh hier zu sein, aber natürlich habe ich mit den Jungs in Darmstadt noch gute Kontakte.“ Selbst ein möglicher Erstliga-Aufstieg ohne ihn wurmt Baier nicht: „Für die Jungs freut es mich natürlich, aber dass die so eine Entwicklung nehmen, hätte auch keiner vorhergesagt.“

Doch was wusste Benjamin Baier eigentlich über unseren RWE, bevor er an die Hafenstraße kam? „Ich habe mir eigentlich nicht so große Gedanken über die Regionalliga gemacht vor meinem Wechsel“, gibt Baier ehrlich zu, „weil ich in den letzten Jahren in der dritten Liga gespielt habe. Als das Interesse dann kam, habe ich mich natürlich informiert, habe ein paar Videos gesehen und das hat natürlich Eindruck gemacht. Das Konzept mit den Fans war ausschlaggebend, denn das ist schon einzigartig, so viele Zuschauer Woche für Woche in der Regionalliga zu haben.“

Eine wichtige Rolle bei seinem Wechsel, und damit schließt sich der Kreis, spielten erneut Vater und Bruder. „Natürlich war das ein Thema bei uns und wir haben darüber geredet, was man machen kann und wie die Meinung der beiden ist. Das ist mir sehr wichtig, denn beide haben auch Ahnung. Sie haben sich alle positiv für den Wechsel ausgesprochen. Es war ein gemeinsamer Schritt.“ Vielen Dank also, Jürgen und Daniel Baier.

Hartnäckig bleiben

Doch der Wechsel hat sich auch sportlich für unseren Akteur ausgezahlt. Baier ist der Dauerbrenner im Mittelfeld, hat nur 25 Minuten Regionalliga-Spielzeit verpasst. Für unseren Abräumer im Zentrum kein Problem: „Für mich war das ja auch ein Schritt, die Spielpraxis wieder zu sammeln, weil ich im Jahr davor durch die Verletzung nicht so viel hatte. Ich bin einer, der gerne über 90 Minuten geht. Dass es jetzt so gelungen ist, freut mich natürlich.“

Auch die schwierigen letzten Wochen lassen Benjamin Baier in seiner Entscheidung nicht wanken: „Wir haben uns das auch anders vorgestellt. Es sind immer andere Kleinigkeiten. Wir arbeiten immer daran, das abzustellen und werden das auch weiterhin tun, und wenn wir es erzwingen müssen.“