16. April 2015

„Wir müssen die Situation annehmen“

Trainer Markus Reiter glaubt an die Qualität seiner Mannschaft und die Arbeit mit Jürgen Lucas.

Sie sind das neue Führungsduo unserer rot-weissen Mannschaft: Jürgen Lucas und Markus Reiter. Letzterer stand uns vor dem Niederrheinpokal-Halbfinale gegen den FC Kray (2:0) Rede und Antwort, zum Beispiel darüber, wie nervös er vor seinem ersten Spiel bei RWE war und welche Ziele die beiden Trainer bis zum Saisonende noch verfolgen. Eines ist dabei klar: Abschenken will bei RWE niemand etwas.

Markus Reiter, wie hast du dein erstes Spiel gegen den SC Verl gesehen?
Vorangestellt möchte ich sagen, dass wir trotz der Niederlage nach wie vor zuversichtlich sind, dass die Mannschaft die Kurve bekommen wird. Wir hätten uns natürlich gewünscht, dass wir in Verl einen Punkt oder sogar drei mitnehmen und ich glaube, dass wir uns das nach dem Spielverlauf auch verdient hätten. Wir haben die Sachen, die wir uns vorgenommen haben, gut umgesetzt und haben die Bälle von hinten fast immer herausgespielt beziehungsweise sind mit Ball am Fuß in die gegnerische Hälfte gekommen. Das hatten wir uns für den Spielaufbau vorgenommen. Klar haben wir auch gesehen, dass wir so unsere Probleme haben.

Kannst du uns erklären, welche das sind?
Wir haben beispielsweise im letzten Drittel nicht die richtigen Entscheidungen getroffen, da hatten wir unnötige Ballverluste und konnten deswegen nicht so häufig wie gewünscht Druck auf das gegnerische Tor machen.

Die Probleme vor des Gegners Tor prägen die gesamte Rückrunde. Fehlt es unseren Jungs einfach ein wenig an Selbstvertrauen?
Ich glaube, dass sicherlich ein wenig Mut und Sicherheit fehlen. Die Offensivspieler denken immer mehr darüber nach, warum es nicht klappt, umso länger die Serie ohne Tor vorangeht. Ein Stück weit Selbstbewusstsein, Vertrauen in die eigene Stärke, aber auch die Automatismen, dass man immer wieder in gefährliche Räume kommt und man Druck auf das Tor üben kann; all das fehlt uns im Moment beziehungsweise fällt uns etwas schwer. Auch in Verl habe ich aber gute Ansätze gesehen, dass man das ändern möchte und die Mannschaft sich bewusst ist, dass wir dort Veränderungen vornehmen müssen. Sie hören zu, nehmen Dinge aus dem Training auf und letztendlich werden wir das auch ins Spiel übertragen können.

Erfahrungen aus der Dritten Liga einfließen lassen

Wie nervös warst du eigentlich vor deiner ersten Partie auf der RWE-Bank und hat sich das während der Partie gelegt?
Das ist bei mir immer gleich: Vor dem Spiel bin ich eigentlich nervöser als während des Spiels. Wenn es um meine Traineraufgaben geht, sprich die Jungs vor dem Spiel vorzubereiten, dann empfinde ich absolut positive Anspannung. Wenn das Spiel dann läuft, kommt keine Entspannung auf, aber dann bin ich sehr ruhig und konzentriere mich auf taktische Sachen, auf individuelle Dinge, die ich sehen möchte. Da bin ich einfach sehr auf das Spiel fokussiert.

Wer von euch beiden übernimmt eigentlich welche Rolle? Wer ist eher emotional, wer eher sachlich?
Ich weiß gar nicht, ob es so notwendig ist, dass einer eher emotional und einer eher sachlich ist. (lacht) Natürlich bringt Jürgen eine Menge Emotionen mit, hat aber immer noch Fußballsachverstand und wir ergänzen uns wirklich gut. Ich kann sicherlich meine Erfahrungen aus dem Seniorenbereich, also der 3. Liga, einfließen lassen, was Trainingsinhalte und Trainingsintensität angehen.

Was steht auf dem Trainingsplan?
Ich habe es schon angesprochen: Es geht um das Selbstbewusstsein der Offensivleute. Wir müssen ihnen aufzeigen, dass wir auch in Verl richtige Räume angelaufen haben, in die richtigen Räume gespielt haben. Allerdings müssen Anschlussaktionen an diese Pässe verfeinert werden. Da kann man im Training trotz der kurzen Zeit etwas bewirken. Unseren Abwehrspielern werden wir an die Hand geben, dass Sicherheit auszustrahlen an erster Stelle steht. Man muss dem Gegner sofort zeigen, dass es schwierig ist, gegen uns ein Tor zu machen. Außerdem haben wir natürlich diverse Standardmöglichkeiten. Wir werden sehr gut vorbereitet sein.

Was wünschst Du dir von deiner Mannschaft?
Wir sind alle Profifußballer, so kann man es durchaus nennen, und wir müssen mit dieser sportlichen Drucksituation umgehen, wir müssen sie annehmen. Wir müssen durch unsere Körpersprache zeigen, dass wir der Herr im Haus sind. Wenn wir Leidenschaft und Kampfgeist an den Tag bringen, haben wir sicherlich die spielerischen Mittel, um den Gegner in Verlegenheit zu bringen und dann bin ich mir sicher, dass wir ein Tor mehr schießen werden.