28. April 2015

Westdeutscher Meister ist nur der RWE!

Der erste Schritt auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft 1955

Am 1. Mai 1955, also vor ziemlich genau 60 Jahren, wurde Rot-Weiss Essen vor dem letzten Spiel in der Oberligasaison 1954/55 geehrt. RWE hatte nach 1952 zum zweiten Mal den Titel „Westdeutscher Meister“ gewonnen und stand nach 1950 und 1952 zum dritten Mal in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.

Das letzte Spiel gegen Schalke 04 im Glückauf-Stadion endete 1:1. Das konnte aber niemanden unter den RWE-Anhängern wirklich ärgern. Denn vor dem Spiel wurde RWE vom Westdeutschen Fußballverband geehrt – ganz so wie schon drei Jahre zuvor beim ersten Titelgewinn. Fritz Szepan, der Schalker, den Georg Melches als neuen Trainer zur Hafenstraße geholt hatte, hatte das erste Ziel erreicht.

Starke Hinrunde 1954

Schon die Hinrunde war erstaunlich: RWE hatte kein Spiel verloren und nur dreimal unentschieden gespielt. Mit 27:3 Punkte und 37:15 Toren beendeten die Rot-Weissen die Hinserie. Der Zweite, der SV Sodingen, hatte nur 20:10 Punkte und 27:23 Tore. Seit dem 4. Spieltag führte RWE durchweg die Tabelle an. Gegen die anderen großen drei – Gelsenkirchen, Dortmund und Köln – konnten alle Spiele gewonnen werden. Am 5. Spieltag wurde der 1. FC Köln mit 4:2 geschlagen, am 14. Spieltag gastierte Borussia Dortmund an der Hafenstraßen, RWE gewann mit 2:1. Am 26. Dezember kamen die Schalker zur Hafenstraße und wurden von RWE mit 2:0 geschlagen. Auch der Gegner aus Herne, der SV Sodingen, sollte kein Glück haben. In der Hinrunde gewannen die Rot-Weissen in Herne mit 4:2.

Schwache Rückrunde 1955

Die Rückrunde verlief dagegen wesentlich schlechter für RWE. Von den 15 Spielen konnten nur acht gewonnen werde, dazu kamen zwei Unentschieden und fünf Spiele wurden verloren: Gegen Bayer Leverkusen zuhause 0:1, gegen Preußen Münster mit 1:4, gegen Westfalia Herne mit 1:2, gegen den Duisburger SV mit 0:2 und auch Viktoria Köln konnte an der Hafenstraße mit 2:0 gewinnen.
Dennoch zeigt RWE durch Siege gegen den 1. FC Köln (4:2) und durch ein 2:1 im Dortmunder Stadion „Rote Erde“ gegen Borussia, dass man siegen konnte. Auch die Sodinger verloren an der Hafenstraße mit 1:2. Der Gegner aus dem Essener Süden wurde am Uhlenkrug mit 3:0 geschlagen und auch an der Hafenstraße verlor der Essener TB mit 4:2.
Die Niederlageserie kam für RWE eigentlich zu spät. Denn schon am 6. April 1955, nach dem Sieg über Sodingen, stand RWE als neuer Meister der Oberliga Westfalen fest. Am Ende hatte man 45:15 Punkte und 64:38 Tore. Man war also verdient Meister des Westens geworden.

Meister RWE

Schon zur Vorbereitung auf das Spiel gegen Schalke 04 waren Trainer und Spieler von RWE zu einem Trainingslager in der Sportschule des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen gefahren. Man hatte in Kamen-Kaiserau trainiert, denn alle wussten, dass es nach dem Spiel gegen Schalke 04 noch einmal um mehr ging. Es galt nun, bei den anstehenden sechs Gruppenspielen in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft am Ende ganz oben zu stehen, damit man danach ins Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft einziehen konnte.

Text:

Uwe Wick