12. Mai 2015

„Wir müssen an unsere eigenen Stärken glauben“

RWE-Trainer Markus Reiter vor dem Niederrhein-Pokalfinale gegen RWO.

Christi Himmelfahrt soll für alle Essener Rot-Weissen ein besonderer Feiertag werden. Nach einer nicht optimal verlaufenden Spielzeit steht heute (ab 14 Uhr, live im WDR Fernsehen) mit dem Niederrheinpokal-Finale gegen den Reviernachbarn Rot-Weiß Oberhausen der Saison-Höhepunkt auf dem Programm, bei dem sich der Sieger für die erste DFB-Pokal-Hauptrunde qualifiziert und sich damit auf lukrative Einnahmen freuen kann.

Keine Frage: Für den aktuellen RWE-Trainer Markus Reiter und seine Mannschaft, aber auch für den gesamten Verein steht heute sehr viel auf dem Spiel. Wie der 38-Jährige Ex-Profi die Aufgabe gegen die „Kleeblätter“ angehen will, verriet er uns im folgenden Interview.

Hallo Markus! Wie wichtig war der 5:0-Heimsieg gegen den KFC Uerdingen 05 im Hinblick auf das heutige Pokalfinale?

MR: Ich habe jetzt in der Kabine Spieler sitzen, die nur so vor Selbstvertrauen strotzen. Wir alle wissen, dass Fußball auch Kopfsache ist. Daher sollte uns der Auftritt gegen den KFC einen Schub gegeben haben. Aber mit RWO erwartet uns ein ganz anderes Kaliber.

Wie groß ist bei Dir die Anspannung vor diesem Endspiel?

MR: Das Kribbeln und die Vorfreude sind seit Tagen deutlich zu spüren. Schließlich sind solche Partien – nicht nur für Spieler, sondern auch für uns Trainer – der Grund, warum wir uns diesen Beruf ausgesucht haben. Wir haben ein volles Haus, das Fernsehen überträgt die Partie live. Was will man mehr?

Das Derby gegen RWO ist seit Wochen Gesprächsthema Nummer eins in der Stadt. Wie heiß ist die Mannschaft auf den Titel und wodurch hat sich das in den letzten Tagen bemerkbar gemacht?

MR: Die langen Zuschauerschlangen, die sich vor dem Stadion beim Vorverkauf gebildet hatten, sind uns nicht verborgen geblieben. Die Stimmung im Kader würde ich als sehr fokussiert und konzentriert beschreiben. Die Jungs wollen nach dem Abpfiff den Pokal in den Händen halten. Das hat man der Truppe im Training klar angemerkt.

Die Partien gegen die „Kleeblätter“ verliefen in der Meisterschaft recht turbulent. Dem 4:4 an der Hafenstraße folgte im Rückspiel eine 0:1-Niederlage. Wie muss Deine Mannschaft auftreten, damit der erste Sieg gegen RWO in dieser Spielzeit gelingt?

MR: Wir müssen vor allem an unsere eigenen Stärken glauben und selbstbewusst auftreten. Sobald RWO daran riecht, dass wir irgendwelche Zweifel haben, wird es für uns gegen diese erfahrene Truppe schwer. Mit Patrick Bauder und David Jansen verfügen die Oberhausener über eine starke Offensivabteilung, die wir nicht zur Entfaltung kommen lassen dürfen.

Die Hafenstraße ist wohl ausverkauft und die Zuschauer werden mit einer hohen Erwartungshaltung ins Stadion strömen. Was ist gefordert, um mit diesem Druck klarzukommen?

MR: In erster Linie gilt es, über die gesamte Spieldauer konzentriert zu bleiben. Wir wollen unsere Spielphilosophie durchbringen, ehrgeizig auf das 1:0 gehen und vor allem fußballerisch Akzente setzen. Das bedeutet viel Ballbesitz, sicheres Passspiel und forciertes Flügelspiel.

Mit einem Sieg kann RWE heute eine nicht optimal verlaufene Saison noch versöhnlich abschließen. Ist dies auch von Dir gegenüber der Mannschaft thematisiert worden?

MR: Selbstverständlich habe ich gegenüber der Mannschaft dieses Thema angeschnitten. Wir können in dieser Spielzeit noch etwas erreichen. Unsere Fans würden uns bei einem Pokal-Triumph vieles verzeihen.

Wie wichtig ist der Titel auch im Hinblick auf die kommende Saison. Immerhin spült die Teilnahme im DFB-Pokal über 100.000 Euro in die Vereinskasse?

MR: Wir haben gegenüber dem Verein eine Verantwortung. Eine solche Gelegenheit wie heute gegen RWO bietet sich einem nicht oft. Deshalb gilt es, sich voll reinzuhängen. Das Ziel ist nur mit 100 Prozent Einsatz zu erreichen.

RWE steht nach einer zweijährigen Auszeit erstmals wieder im Pokalfinale. Davor war Rot-Weiss fünfmal in Folge im Endspiel, holte dabei dreimal den „Pott“. Wer ist heute Favorit und wie muss RWE die Aufgabe angehen?

MR: Schwer zu sagen, wer Favorit ist. Wir gehen gerne in Vorleistung, wollen das Publikum mit einem engagierten Auftritt mitreißen und zu unserem zwölften Mann machen. Unsere Fans haben dafür ein feines Gespür. Sollte es nicht so gut laufen, ist die Unterstützung von den Rängen für uns aber ebenso wichtig. Ein 4:4 wie in der Hinrunde der Liga schließe ich aber aus.

Warum wird Christi Himmelfahrt für Rot-Weiss Essen ein schöner Feiertag?

MR: Weil wir fest entschlossen sind, den Pokal an der Hafenstraße zu behalten.