14. Mai 2015

Pokalrahnsinn an der Hafenstraße

RWE schlägt RWO nach Elfmeterschießen

Rot-Weiss Essen ist Niederrheinpokalsieger 2015! Der Traditionsverein von der Hafenstraße sicherte sich den Titel und die damit einhergehende Teilnahme am DFB-Pokal in der kommenden Saison mit 6:5 nach Elfmeterschießen. „Wie die Jungs sich heute reingehauen haben und wie konzentriert sich nach 120 Minuten in den Knochen noch die Elfmeter geschossen haben, verdient allerhöchsten Respekt", freute sich Chef-Trainer Markus Reiter nach Abpfiff.

Die rot-weisse Elf hat wieder einmal den Beweis angetreten, dass Pokalspiele an der Hafenstraße etwas ganz Besonderes sind. 120 Minuten warf sich RWE in jeden Ball und ließ sich auch von einigen vergebenen Hochkarätern nicht aus der Fassung bringen. Ungewohnt sicher und souverän nagelten die Rot-Weissen den Ball aus elf Metern schließlich in die Maschen. Doch bereits in den vorangegangenen 120 Minuten hatte sich die Mannschaft von Markus Reiter den Pokalerfolg verdient.

Gegen eine starke Oberhausener Mannschaft agierten die Bergeborbecker hochkonzentriert und ließen die brandgefährliche Offensive von RWO besonders in der ersten Halbzeit kaum zur Entfaltung kommen. Da jedoch auch die Oberhausener entsprechend zu verteidigen wussten, dauerte es bis zur 43. Minute, bis die RWE-Fans zum ersten Mal den Torschrei auf den Lippen hatten: Kevin Grund war nach Ballgewinn von Benjamin Baier auf die Reise geschickt worden, scheiterte allein vor RWO-Keeper Kühn jedoch an dessen rechten Fuß. 

Nach dem Seitenwechsel wurde es ein offeneres Spiel im mit 18.500 Zuschauern gefüllten und damit ausverkauften Stadion Essen. Viele Standardsituationen auf beiden Seiten sorgten immer wieder für Gefahr, scheiterten im letzten Moment jedoch immer am Torwart oder einem Abwehrbein des Gegenspielers. Doch auch spielerisch liefen die Angriffe der Kontrahenten mit fortschreitender Spielzeit deutlich flüssiger und zielstrebiger. Die Abschlussversuche der Rot-Weissen gingen dabei jedoch nur selten in die gewünschte Richtung, oder prallten auf ein Körperteil der gegnerischen Abwehrreihe. Kurz bevor Schiedsrichter Guido Winkmann dann die Pfeife zum Schlusspfiff der 90 Minuten in den Mund nahm, rutschte den RWE-Fans kurzzeitig noch einmal das Herz in die Hose: Der Oberhausener Steinmetz kam am rot-weissen Fünfmeterraum plötzlich völlig frei zum Kopfball, setzte diesen aber deutlich über das Tor (92.) und bescherte beiden Mannschaften so die Verlängerung.

Auch dort blieb es ein ausgeglichenes Spiel mit leichten Vorteilen auf Seiten der Bergeborbecker. Marcel Platzek (107.) hätte seine Elf bereits vor dem Elfmeterschießen auf die Siegerstraße bringen können, traf mit seinem Versuch nach gewonnenem Laufduell mit Herzenbruch jedoch nur Torwart Kühn, der den Ball dadurch knapp am Tor vorbeilenkte.

Elfmeterschießen war also angesagt an der Hafenstraße und spätestens als Guido Winkmann sich für das Tor vor der Gästetribüne entschied, wurde vielen Rot-Weissen im Stadion angesichts der durchwachsenen Elfmeterquote ihrer Mannschaft wohl etwas mulmig zumute. Doch es sollte anders kommen: Benjamin Baier, Kevin Freiberger, Marwin Studtrucker, Tim Treude und Sven Kreyer verwandelten die ersten fünf Elfmeter für ihre Mannschaft ebenso erfolgreich, wie Bauder, Fleeßers, Weigelt, Schneider und Scheelen für RWO. Als auch Richard Weber den Ball sicher im Tor unterbrachte, schlug die Stunde von Niclas Heimann. Der RWE-Keeper tauchte in die von ihm aus rechte Ecke und brachte seine Torwarthandschuhe rechtzeitig zwischen Ball und Torlinie. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, schallte es angesichts der soeben gesicherten DFB-Pokalteilnahme von den Rängen, die zur ersten Hauptrunde des deutschlandweiten Pokalwettbewerbs in der nächsten Saison wohl ebenso gut gefüllt sein dürften.

Allerdings wurde die rot-weisse Stimmung nach Abpfiff durch eine besonders tragische Nachricht getrübt: Ein Fan fiel beim Feiern des Pokalgewinns so unglücklich vom Zaun, dass er reanimiert und unverzüglich ins Krankenhaus gebracht werden musste. Ein Ereignis, das die Wichtigkeit des Fußballs einmal mehr in den Hintergrund treten ließ.

Das Spielgeschehen im Ticker.