20. Mai 2015

„Saison mit einem Heimsieg beenden“

Cheftrainer Markus Reiter lobt den Charakter der Mannschaft.

Kaum 72 Stunden nach dem Triumph im Niederrheinpokal siegte unsere Mannschaft erneut. Erfolgstrainer Markus Reiter kommt aus dem Lächeln gar nicht mehr raus. Im folgenden Interview erklärt Reiter den Weg zum Erfolg, spricht über die Säulen der Mannschaft und die dritte Halbzeit nach dem Pokalsieg gegen Oberhausen.

Markus Reiter, wir kommen nicht umher, einen Blick auf den Donnerstag vergangener Woche zu werfen. Das Spiel ist lang und breit besprochen worden, die dritte Halbzeit allerdings noch nicht…
MR: …(lacht) Ja, das klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber da war schon erstmal ein bisschen Leere. Natürlich gab es den Spurt von mir über den Platz und ich feiere dann auch gerne mit, aber irgendwann braucht man so ein bisschen Ruhe. Als die Mannschaft noch draußen war, habe ich fünf, sechs Minuten einfach ruhig in der Umkleidekabine gesessen. Es fällt eine Menge Anspannung ab und man versucht kurz zur Ruhe zu kommen und wie man so schön sagt: Erst einmal sacken lassen. Danach freut man sich natürlich weiter und der Abend mit dem Trainerteam war wirklich schön.

Wie schwierig war es eigentlich, die Jungs nach dem heißen Pokaltanz gegen Rot-Weiß Oberhausen zu motivieren?
MR: Schwierig war es nicht. Natürlich haben wir angesprochen, dass mit dem Erreichen des Top-Ziels ein Spannungsverlust menschlich ist. Allerdings haben wir auch in den Vordergrund gestellt, dass es für manche Vereine noch um eine Menge geht und wir eine professionelle Einstellung zeigen wollen. Wir wollten das Spiel schon anders angehen, als letztendlich geschehen.

Welche Probleme hast Du in der Anfangsphase gegen Fortuna Düsseldorf II gesehen?
MR: Wir haben ein bisschen Zeit gebraucht, bis wir im Spiel waren, waren unkonzentriert, gingen dann aber wie aus dem Nichts in Führung. Leider wurde unser Spiel dadurch nicht wesentlich besser. Erst durch den Rückstand sind wir aufgewacht. Wir waren dann erst bereit, dass Spiel richtig anzunehmen und genügend Engagement zu zeigen. Wenn das gegeben ist, haben wir schon die Qualität und ein Stück weit mehr Erfahrung als die Düsseldorfer, und konnten das Spiel gegen die Fortuna noch gewinnen.

Bemerkenswert dabei ist, dass die Mannschaft trotz der Pokalschlacht das Spiel nach dem Rückstand unbedingt drehen wollte.
MR: Absolut. Die Mannschaft erkennt dann schon, dass sie sich selbst in eine richtige Bredouille gebracht hat – unnötigerweise. Dennoch spricht es für den Charakter der Mannschaft, dass sie – gerade nach den 120 Minuten im Pokal und der Nervenbelastung – das Spiel unbedingt noch gewinnen wollte. Wie wir dann die Tore gemacht haben, war fußballerisch auch wieder ansehnlich. Düsseldorf II kann solche Angriffe dann einfach nicht verteidigen.

Du hast ordentlich rotiert nach dem Pokal, unter anderem Zeiger und Baier draußen gelassen. Welche Auswirkungen hatte das auf das RWE-Spiel?
MR: Zunächst einmal möchte ich Patrick Huckle ebenfalls explizit erwähnen, weil Zeiger, Baier und Huckle drei Stützen sind, die mit viel Präsenz auf dem Platz agieren. Ein Benjamin Baier etwa kann mit seiner Art und Weise immer vorweggehen. Über Philipp Zeiger brauchen wir gar nicht reden, der strahlt so viel Ruhe und Souveränität aus, dass man ihn kaum Eins-zu-Eins ersetzen kann.

Einen Spieler wollen wir noch einmal herausheben: Marco Beier feierte sein Debüt in der Regionalliga. Konnte man seine Vorfreude mit den Händen greifen?
MR: (lacht) Natürlich war Marco hocherfreut. Man hat auch ein Stück weit Erleichterung gesehen, endlich mal Regionalliga spielen zu dürfen. Das war wirklich greifbar. Die Einwechslung war aber auch ein Ausdruck des Trainer-Teams an Marco, der jedes Training sehr konzentriert angegangen ist und die Veränderungen in unserer Spielweise auf seine eigene angepasst hat. Gegen Düsseldorf ergab sich die Möglichkeit, ihn zu bringen, und er hat seine Sache sehr gut gemacht – so, wie wir es erwartet haben.

Mit dem Sieg gegen Düsseldorf sind zwei große Saisonziele erreicht: Ein Platz unter den ersten Fünf in der Regionalliga und der Pokalsieg samt Qualifikation für den DFB-Pokal. Hand aufs Herz: Hättest Du das bei deinem Antritt geglaubt?
MR: Ich habe schon erwartet, dass wir das Endspiel erreichen, aber dass man RWO schlägt, damit kann nicht rechnen. Es ist wirklich eine absolut positive Entwicklung in der Mannschaft zu sehen, trotz der Kürze der Zeit, und das konnte man so einfach nicht vorhersehen.

Ein kurzer Blick auf Köln: Ein Sieg zum Saisonende und dann mit den Fans feiern?
MR: So sieht unser Plan aus. Wir wollen die Saison mit einem Heimsieg beenden.