27. Mai 2015

„Wenn RWE Meister wird, gibt es keine Hausaufgaben“

Uwe Wick und Georg Schrepper über ihr neustes Werk über die goldenen 50er Jahre von RWE

„Deutscher Meister ist nur der RWE“ lautet der Titel des gerade erschienenen Buchs der Vereinsarchivare Uwe Wick und Georg Schrepper. Im Gespräch gaben die Rot-Weissen bereits einige der Anekdoten preis, die sich auf den 158 beschriebenen Buchseiten mit den goldenen 50er Jahren des Traditionsvereins von der Hafenstraße beschäftigen. Zu erwerben ist das Werk im Buchhandel sowie in den RWE-Fanshops.

Hallo Uwe, hallo Georg! In der vergangenen Woche ist euer Buch „Deutscher Meister ist nur der RWE“ erschienen. Euer wievieltes Werk ist das jetzt über RWE?

Georg Schrepper: Es handelt sich um unser drittes Buch. 2004 haben wir über die gesamte Vereinsgeschichte geschrieben, 2011 dann eine Hommage an das alte Georg-Melches-Stadion und jetzt eben als Abschluss der Jubiläums-Saison, die ja auch unter dem Motto „Deutscher Meister ist nur der RWE“ stand, ein Buch über die goldenen 50er Jahre.

Wann genau ist die Idee dazu entstanden?

Uwe Wick: Die Idee kam eigentlich im letzten Jahr. Daraufhin haben wir uns mit Michael Welling unterhalten, der die Idee auch gut fand, und uns dann an den Werkstatt Verlag gewandt. Wobei wir Glück hatten, dass wir im Stadtarchiv Gelsenkirchen auf einen Fotografen gestoßen sind, der die Spiele der Rot-Weissen quasi durchweg begleitet hat. Insofern haben wir eine Menge an bisher noch unveröffentlichten Bildern in dem Buch.

Wie viele Stunden Arbeit habt Ihr investieren müssen, um euch durch die zwölf Vereinsjahre zu wälzen?

UW: Oh, das ist wirklich schwer zu sagen. Aber so 250 bis 300 Stunden stecken da bestimmt drin.

GS: Ich habe für mich die Ferienzeit genutzt. Aber es hing natürlich vielfach auch von den Öffnungszeiten des Stadtarchivs ab. Dafür sind viele Ferientage und viele Nachtschichten draufgegangen.

Wie seid Ihr an das Material für das Buch gekommen?

UW: Ungefähr 1000 Fotos haben wir selbst gescannt und dann eine Auswahl getroffen. In Gelsenkirchen sind ungefähr 300 Fotos zur Meisterfeier. Die Fotos findet man wirklich nur in den damaligen Zeitungen wie Kicker, Sportbeobachter und natürlich den Tageszeitungen. Ansonsten haben wir vielfach im Nikelski- und RWE-Nachlass gesucht.  Auch die kurze fuffzehn bietet natürlich viele Informationen. Dort bekommt man die Spiele und Geschehnisse aus der Sicht von Ernst Ruhkamp beschrieben.

Die goldenen 50er Jahre von Rot-Weiss Essen sind geprägt vom Pokalsieg 1953 und der Meisterschaft 1955. Mit welchem Jahr beginnt euer Buch?

GS: Wir beginnen schon im Jahr 1945 mit der ersten Versammlung nach dem Krieg. Die hat hier im zerstörten Stadion an der Hafenstraße stattgefunden. Georg Melches hatte 20 bis 30 Leute hier zur ersten Hauptversammlung nach dem Krieg zusammengerufen. Davon gibt es noch ein handschriftliches Protokoll. Inhalt war, dass man Wagner zum neuen Vorsitzenden wählt und sich fest vornahm, das zerstörte Stadion wieder aufzubauen und den Spielbetrieb wieder aufzunehmen.

UW: Die erste Saison durfte damals auf Anordnung der Alliierten nur auf Stadtebene stattfinden. In die Oberliga ging es dann erst in der Saison 1947/1948.

Meisterschaft und Pokalsieg sind natürlich zentrale Ereignisse dieser Zeit. Was sticht denn abseits des sportlichen Geschehens für euch heraus?

GS: So herrliche Geschichten spielen sich natürlich rund um die Meisterschaft hier in Essen ab. Hier an der Hafenstraße hatte man ein großes Festzelt aufgebaut, wo dann auch in der Zeitung groß angekündigt wurde, man würde dort zehn Fernsehgeräte aufbauen und so also eine Art Public Viewing einrichten. Letztendlich konnte man aber nur drei dieser Fernseher organisieren, so dass sich um jedes Gerät eine riesige Traube gebildet hat. Es gibt auch Berichte, wo Fans sich an Fernsehläden die Nase an den Schaufenstern plattgedrückt haben, um das Spiel zu sehen. Ein Lehrer soll vor dem Spiel gesagt haben „Wenn RWE Meister wird habt ihr eine Woche lang keine Hausaufgaben auf." Solche Anekdoten sind im Buch natürlich auch mit aufgenommen. Es muss auch ein fantastischer Empfang am Essener Hauptbahnhof gewesen sein. Der Zug zur Hafenstraße… Überall lagen die Leute in den Fenstern und schwenkten rot-weisse Farben. Und die Mannschaft kommt an der Hafenstraße an und feiert ein dreitägiges Schützenfest.

Schön sind natürlich auch die Postkarten, die Helmut Rahn von seinen Reisen mit der Nationalelf verschickt und von seinen Mannschaftskameraden unterschreiben lässt. Eine, die auch im Buch abgebildet ist, schickt er beispielsweise aus dem Quartier der Nationalelf von 1954 in Spiez an Paul Nikelski mit allen Unterschriften der Weltmeisterelf und schönen Grüßen an Paul. Da sind wir im Stadtarchiv wirklich auf schöne Sachen gestoßen.

Habt Ihr bei all den Anekdoten eine Lieblingsgeschichte aus dieser Zeit?

UW: Mir gefällt eigentlich die Geschichte mit dem Malermeister am besten, der angeboten hatte: „Kommt mit euren Autos, ich male sie Rot-Weiss“. Ja und dann haben sie ihre Autos anpinseln lassen, sind nach Hannover gefahren und haben sich dort das Spiel angeguckt. Dort wurde dann natürlich kräftig gefeiert, am Tag darauf wurde dann in Essen weitergefeiert und im Laufe des Abends ist dann sogar noch der Held des Endspiels, Penny Islacker aufgetaucht.

GS: Es gibt so viele kleine nette Geschichtchen. Mich beeindrucken besonders die Schilderungen der Spieler von der Südamerikareise 1954. Man muss sich das mal vorstellen: Ein Kader mit 18 Mann absolviert in neuneinhalb Wochen 16 Spiele in sechs Ländern. Dazu gibt es sehr viele Bilder und kleinere Geschichten. Sich da hineinzuversetzen ist schon faszinierend.

Uwe Wick / Georg Schrepper
Deutscher Meister ist nur der RWE
Die goldenen fünfziger Jahre von Rot-Weiss Essen
158 Seiten, A4, Hardcover, farbig, zahlreiche Fotos
ISBN 978-3-7307-0174-4
€ 22,90