25. Juni 2015

Ab ins Finale!

Der rot-weisse Weg zur Deutschen Meisterschaft 1955

Am 1. Mai 1955, also vor etwas mehr als 60 Jahren, gewann Rot-Weiss Essen die Westdeutsche Meisterschaft und war damit qualifiziert, um an der Endrunde für die Deutsche Meisterschaft teilzunehmen.

Man musste zunächst abwarten, wie die Spiele der Oberligenzweiten aus dem Norden, aus dem Süden und dem Südwesten ausgingen, um zu wissen, gegen wen man spielen würde. Am 8. Mai 1955 stand dann fest: In der Gruppe 1 oder A spielten Hamburger SV, 1. FC Kaiserslautern, BFC Viktoria 1889 und SV Sodigen. In der Gruppe 2 oder B spielten Rot-Weiss Essen, Kickers Offenbach, VfR Wormatia Worms und Bremerhaven 93. Die sechs Vorrundenspiele fanden zwischen dem 15. Mai und dem 12. Juni 1955 statt, das Endspiel der beiden Gruppenersten sollte am 26. Juni 1955 in Hannover stattfinden.

Die ersten drei Spiele

Zum ersten Spiel musste am 15. Mai Bremerhaven 93 an der Hafenstraße antreten. 35.000 Zuschauer kamen ins Stadion Rot-Weiss, um einen Sieg der Rot-Weissen zu sehen. Am Ende stand es 4:0 für RWE. Torschützen waren Islacker, Termath, Röhrig und Vordenbäumen und RWE übernahm gleich die Tabellenspitze.

Am 19. Mai waren 75.000 Zuschauer ins Frankfurter Stadion gekommen, um zu erleben, wie das Duell zwischen Kickers Offenbach und RWE ausgehen würde. Termath brachte RWE in der zweiten Hälfte in Führung. Offenbach konterte und es stand 1:1. Röhrig erzielte das 2:1, bevor dann wiederum Termath das Endergebnis von 3:1 besorgte. RWE lag weiter vorn.

Am 22. Mai strömten wieder 35.000 Zuschauer in Stadion an der Hafenstraße, um zu sehen, wie RWE gegen Worms den 3. Sieg in Folge einfährt. Doch die Wormser waren dagegen. Der Torwart der Wormser, Günter Bär, lief zur Hochform auf. Zur Halbzeit lagen die Wormser gar mit 1:0 vorn. Erst in der zweiten Halbzeit gelang Islacker endlich das Ausgleichstor und RWE blieb Tabellenerster.

Die letzten drei Spiele

Knapp 30.000 Zuschauer wollten in Worms mitterleben, ob Wormatia jetzt am 30. Mai den Heimvorteil gegen RWE nutzen würde. Bei den Rot-Weissen war zum ersten Mal in der Endrunde Rahn dabei. Schon nach drei Minuten führten die Wormser mit 1:0. In der 22. Minute gab Rahn einen Ball zu Islacker, der das 1:1 schoss. Zwei Minuten später schoss Rahn das 2:1 und der Boss war es dann auch, der in der zweiten Hälfte den Endstand von 3:1 herstellte.

Am 5. Juni kamen 32.000 Zuschauer ins Stadion von RWE, um zu erleben, ob die Rot-Weissen nun gegen Offenbach den Einzug ins Endspiel schaffen würde. Ein Spieler der Rot-Weissen sollte es richten: ‚Penny‘ Islacker. RWE gewann 4:1, alle vier Tore schoss Islacker innerhalb von 20 Minuten (41., 48., 58. und 61. Minute). Das Ehrentor für Offenbach fiel dann in der 70. Minute.

Mit 9:1 Punkten stand RWE im Endspiel. 15.000 Zuschauer kamen am 12. Juni ins Bremer Weserstadion, um zu erleben wie sich Bremerhaven 93 gegen RWE schlagen würde. Sie sahen ein 1:1, das Tor für RWE schoss August Gottschalk.

Endspiel erreicht!

RWE hatte die Gruppe B mit 10:2 Punkten und 16:5 Toren gewonnen, gefolgt von Bremerhaven (6:6), Offenbach und Worms (beide 4:8). In Gruppe A setzte sich der 1. FC Kaiserslautern durch.

RWE war sozusagen bereit, auch den 1. FC Kaiserslautern zu schlagen, zumal man ja noch die Niederlage gegen den 1. FCK im Achtelfinale der Endrunde 1950 in Erinnerung hatte. Und vor allen Dingen stellte sich eine Frage: Würde August Gottschalk seine Karriere nach dem Spiel als Deutscher Meister beenden?

Text: Uwe Wick