30. Juli 2015

„Endlich geht es wieder um Punkte“

Es geht wieder los! Endlich startet die Regionalliga in die neue Saison. Auch Sportdirektor Andreas Winkler ist wie das gesamte Umfeld des Traditionsvereins an der Hafenstraße gespannt auf den Saisonstart. Im Interview mit der kurzen fuffzehn spricht Winkler über den neuen Trainer und die neue Philosophie.

Andreas Winkler, die Liga steht in den Startlöchern. Wie sehr freust Du dich?
AW: Ich freue mich genauso wie das gesamte Umfeld. Endlich geht es wieder um Siege und Punkte.

Es hat sich viel getan und verändert bei RWE. Das Auffälligste: Mit Jan Siewert gibt es einen neuen Cheftrainer. Was zeichnet ihn aus?
AW: Er ist in erster Linie ein positiver Mensch. Er hat ein unheimliches Fachwissen, denkt sehr analytisch und will aus den bestehenden Möglichkeiten das Beste machen. Dazu zählt auch die Fähigkeit, auf die verschiedenen Charaktere innerhalb der Mannschaft individuell einzugehen. Außerdem ist Jan extrem ehrgeizig.

Jan hat lange Zeit im U-Bereich des DFB gearbeitet. Welche spielerischen Ideen hat er mitgebracht?
AW: Das haben wir sogar schriftlich abgeklärt. Als ich Jan zum ersten Mal offiziell getroffen habe, um mit ihm zu verhandeln, hatte ich die ausgedruckte Spielphilosophie auf dem Beifahrersitz liegen. Er hat sich diese Ideen durchgelesen und meinte dann mit einem Schmunzeln, woher ich seine Philosophie hätte. Das zeigt, dass sich unsere Ideen schon sehr gedeckt haben. Die Spielphilosophie haben – das möchte ich betonen – wir bei RWE gemeinsam entwickelt, zusammen mit Co-Trainern, Athletik-Trainern, dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) und anderen. Natürlich habe ich mir während meiner Tätigkeit im NLZ Gedanken gemacht, wie RWE spielen sollte; welche Ideen verfolgt werden sollten. Glücklicherweise deckten sich unsere Ideen zu großen Teilen mit denen von Jan. Er übernimmt natürlich nicht das Konzept des DFB, sondern hat einen eigenen Stil entwickelt. U-Mannschaften haben andere Spielideen, als eine Regionalliga-Mannschaft bei den Senioren.

Es soll eine gemeinsame Philosophie für die ältesten Junioren-Teams und die Regionalliga-Mannschaft geben. Welche Attribute soll diese besitzen?
AW: Mutig sowohl mit dem Ball als auch ohne, aber in jeder Phase auch kompakt sein. Dazu kommt noch, dass das System auf dem Platz flexibel sein soll. Aber: Natürlich kann und soll eine U15 noch nicht so taktisch variabel agieren wie eine U19. Kurz gesagt: Der Fußball unserer Teams soll nach vorne ausgerichtet sein.

U19 und U17 spielen in der Bundesliga und werden bei der starken Konkurrenz nicht immer Favorit sein. Soll der Spielstil dennoch offensiv ausgelegt sein?
AW: Ja, auf alle Fälle. Wir wissen aber auch, dass Spiele mal anders laufen können und wir darauf vorbereitet sein müssen. Das bedeutet, dass die Pressing-Zone variiert werden kann. Wir werden nicht ständig ganz vorne draufgehen, das kann auch die Regionalliga-Mannschaft nicht. Das funktioniert einfach konditionell und athletisch nicht. Außerdem wären wir zu leicht ausrechenbar. Und dennoch: Man kann mutig und aktiv sein in der Balleroberung, unabhängig davon, wo der jeweilige Trainer für die einzelnen Partien die Pressing-Zone vorgibt.

In der Vorbereitung der Regionalliga-Mannschaft hat man viel von dieser Flexibilität gesehen – Stichwort Dreierkette. Welche Fortschritte siehst Du?
AW: Wir konnten sehen, dass die Mannschaft die neuen Ideen in jeder Phase versucht hat, umzusetzen. Auch in den Momenten, als es nach harten Trainingswochen vielleicht mal schwerer fiel. Grundsätzlich konnten wir gut damit leben, wie die Mannschaft von der ersten zur zweiten Halbzeit unterschiedliche Grundordnungen umgesetzt hat.

Du arbeitest mittlerweile als Sportdirektor bei RWE, hast vorher lange die Geschicke im NLZ geleitet. Wie hilft Dir diese Erfahrung?
AW: Ich sehe es als großen Vorteil. Ich habe zehn Jahre im NLZ gearbeitet und dort auch fast jede Tätigkeit gemacht. Nebenher habe ich die Trainerscheine gemacht und eine kaufmännische Ausbildung. In diesem ganzen Kontext lernt man mit vielen Dingen umzugehen, weiß was Arbeit bedeutet und man lernt zu delegieren. Vor allem aber lernt man, einen Kader zusammenzustellen.

Und nicht nur einen…
AW: …im Nachwuchsbereich haben wir, nicht ich alleine, jedes Jahr zehn neue Kader zusammengestellt und mussten Talent einschätzen. Wenn man das über zehn Jahre macht, dann sieht man, ob die Jungs, die man verpflichtet hat, nicht nur im ersten Jahr weitergeholfen haben, sondern ob sie sich wie gewünscht entwickelt haben; ob sie RWE langfristig helfen konnten. Es geht nicht nur darum, ob junge Spieler innerhalb von sechs Wochen den Weg in den 18er Kader finden, sondern wir wollen Spieler mit langfristiger Perspektive nach Essen holen.

Wo soll es in diesem Jahr mit unserem RWE hingehen?
AW: Wir wollen es nicht an einem Tabellenplatz festmachen. Solange RWE in der vierten Liga spielt, wollen wir oben mitspielen. Das bedeutet für diese Spielzeit, dass wir so lange wie möglich Tuchfühlung nach oben haben; dass bei einem guten Lauf immer noch alles möglich ist. Wichtig ist, dass die Fans an der Hafenstraße guten Fußball sehen, dass man unsere Philosophie erkennt und dass wir natürlich auch Punkte holen.