6. August 2015

Beeindruckende Vorstellung – den Angstgegner niedergekämpft

Pokalspiele gegen unseren Gegner in der 1. DFB-Pokalhauptrunde Fortuna Düsseldorf waren für Rot-Weiss Essen immer eine besondere Herausforderung und zumeist erfolgreich, selbst wenn der RWE Klassen tiefer spielte. Ein kleiner Rückblick zur Einstimmung auf den Pokalfight am Sonntag.

Der Sieg war hochverdient

Im Viertelfinale des DFB-Pokals traf RWE vor genau 40 Jahren schon einmal an der Hafenstraße auf Fortuna Düsseldorf. Beide Teams spielten damals in der Bundesliga und die Landeshauptstädter hatten in der Saison 1974/75 mit 4:0 im Rheinstadion und 2:1 im Georg Melches-Stadion gewonnen. In der Vorberichterstattung waren die Essener Journalisten daher skeptisch. Im Pokalspiel kam Rot-Weiss Essen dann aber mit Kampf und Leidenschaft zu einem verdienten 1:0 Erfolg. Die rot-weisse Abwehr ließ das Düsseldorfer Angriffsspiel diesmal nicht zur Entfaltung kommen. Essens Paradesturm überzeugte dagegen. Drei dicke Torchancen gab es bereits in den Anfangsminuten. Doch Lippens und zweimal Burgsmüller fehlten jeweils nur Zentimeter zum Torerfolg. Besser machte es da Werner Lorant, der den Ball im Anschluss an die 13. Ecke im Nachschuss zum Siegtor unter die Latte wuchtete. An der Chancenverteilung gemessen „hätte es am Ende leicht 5:2 heißen mögen“, zog der Kicker sein Schlussfazit.

Von der Haupttribüne beobachtete übrigens ein 23jähriges Stürmertalent das Pokalviertelfinale, den die NRZ als den „Schrecken aller Abwehrreihen in der westfälischen Bezirksklasse“ vorstellte: Horst Hrubesch. Im bisherigen Saisonverlauf hatte der gelernte Dachdecker 38 Tore für den 1. FC Westtünnen erzielt, in der Vorsaison kam er in der Kreisliga auf 73 Tore. Trainer in Westtünnen, einem Vorortverein von Hamm, war RWE-Mittelfeldmotor Werner Lorant, der seinen Sturmtank für höhere Aufgaben empfahl: „Horst hat eine Chance verdient! Ich glaube, bei seiner Kopfballstärke und seinem harten Schuss kann er sich auch in der Bundesliga behaupten.“ In der nachfolgenden Saison ging Hrubesch für RWE in der Bundesliga auf Torjagd und erzielte in 22 Spielen 18 Tore.
Drei Jahre nach seinem Pokaltreffer gelang Werner Lorant erneut ein besonderes Tor gegen Fortuna Düsseldorf. Der Mittelfeldspieler schoss am 14.Mai 1977 in der 73. Minute das bis heute letzte Bundesligator für den RWE.

Nach dem Bundesligaabstieg 1977 fuhr RWE am 15.10.1977 als Tabellendritter der 2. Bundesliga Nord in der 3. Pokalhauptrunde zum Bundesligaachten ins Düsseldorfer Rheinstadion. Spielerisch vermochten beiden Mannschaften nicht zu überzeugen. RWE-Torjäger Horst Hrubesch war durch eine Knöchelverletzung gehandicapt, Essens Abwehr leistete sich katastrophale Fehler, so dass Fortuna Düsseldorf zu einem klaren 4:1 Sieg kam.

Zwei Finalerfolge im Niederrheinpokal für RWE

Erst 2004 folgte das nächste große Spiel der beiden Mannschaften gegeneinander. In der Krefelder Grotenburg standen sie sich im Finale des Verbandspokals gegenüber. Rot-Weiss Essen, das mit großem Vorsprung an der Tabellenspitze der 3. Liga (Regionalliga Nord) stand war als potentieller Aufsteiger praktisch bereits für den DFB-Pokal qualifiziert. So ließ Trainer Jürgen Geldsdorf acht Stammspieler auf der Bank und schickte eine bessere A-Jugend auf den Platz. Diese gewann mit 2:0 gegen den damaligen Viertligisten Fortuna Düsseldorf. Doch am Ende der Saison konnten auch die Landeshauptstädter jubeln, da sie nach dem RWE-Aufstieg in die 2. Bundesliga ebenfalls im DFB-Pokal dabei waren.

RWE holt erneut den Pott und ist erster Pflichtspielgegner von BVB-Trainer Jürgen Klopp
Rot-Weiss Essen und Fortuna Düsseldorf spielten beide in der 3. Liga (Regionalliga Nord), als sie am 8. April 2008 im Niederrheinpokalfinale erneut aufeinander trafen. In den Ligaspielen der Saison 2007/08 hatte es jeweils ein 0:0 Unentschieden gegeben. An den vorangegangenen fünf Regionalligaspieltagen vor dem Endspiel war RWE allerdings ohne Sieg geblieben und somit klarer Außenseiter. Fortuna Düsseldorf hatte zu diesem Zeitpunkt in der Liga einen Zehn-Punkte-Vorsprung auf RWE und Aufstiegsambitionen, die sie am Ende auch verwirklichen sollten. Düsseldorf Trainer Nobert Meier mahnte vor dem Pokalauftritt in der MSV-Arena: „Da begegnen sich zwei Mannschaften auf Augenhöhe.“

Das Spiel selbst war diesmal sehr schwach und für die Fans enttäuschend. Beide Teams erspielten sich nur wenige Torchancen. In der 78. Spielminute zirkelte RWE-Mittelfeldspielspieler Kazior einen Freistoß in den Strafraum, am langen Pfosten stand „Jojo“ Joseph-Augustin frei und stocherte den Ball über die Linie zum 1:0 Erfolg.
RWE qualifizierte sich damit erneut für die 1. Hauptpokalrunde des DFB-Pokals und konnte am 09. August 2008 den BVB und mit Trainer Jürgen Klopp zu seinem ersten Pflichtspiel mit der Borussia im Georg-Melches-Stadion begrüßen.

Trotz Sieg im Elfmeterschießen die DFB-Pokalhauptrunde verpasst

Der letzte Pokalfight gegen Fortuna Düsseldorf fand am 31.01.2009 im Viertelfinale des Niederrheinpokals statt. Viertligist Rot-Weiss Essen zog mit einem verdienten 11:10 Sieg nach Elfmeterschießen über den klassenhöheren Drittligisten Fortuna Düsseldorf ins Halbfinale ein. Youngster Kai von der Gathen sorgte mit dem zehnten Elfmeter für die Entscheidung, nachdem zuvor Michael Lorenz über das Düsseldorfer Tor geschossen und Essens Torwart Andrè Maczkowiak zwei Strafstöße gehalten hatte. „Wir haben einem Spitzenteam aus der 3. Liga nicht nur Paroli geboten, sondern verdient gewonnen“, stellte RWE-Trainer Michael Kulm damals fest. Während Rot-Weiss Essen anschließend zwar das Halbfinale gegen Wuppertal gewann , dann aber das Finale im heimischen Stadion mit 2:3 gegen VfB Speldorf verlor und somit den Einzug in den DFB-Pokal verpasste, gelang Düsseldorf durch den Aufstieg in die 2. Bundesliga dennoch der Sprung in die 1. Hauptrunde des DFB-Pokals 2009/10.

Für Spannung ist also in der Begegnung am Sonntag gesorgt und die Spielergebnisse zeigen, dass RWE auch als klassentiefere Mannschaft gegen die Landeshauptstädter eine echte Chance besitzt.

Text: Georg Schrepper