7. August 2015

Nächster Gegner: Fortuna großer Favorit an der Hafenstraße

Heute drittes Duell mit Düsseldorf im DFB-Pokal

Mit nur 16 Punkten aus der Rückrunde musste Fortuna Düsseldorf, heute zum DFB-Pokal-Erstrundenspiel an der Hafenstraße zu Gast in der abgelaufenen Saison schnell alle Aufstiegsträume begraben. Dabei sah es für die Rheinländer bis zur Winterpause mit dem Wiederaufstieg in das Fußball Oberhaus recht gut aus. Mit nur einem Zähler Rückstand auf den späteren Aufsteiger SV Darmstadt 98 lag die Mannschaft des damaligen Trainers Oliver Reck ständig in Schlagdistanz zu den begehrten Plätzen. Nach der Winterpause konnte die Fortuna jedoch die eigenen und die im Umfeld gestellten Erwartungen nicht erfüllen, stürzte im Endklassement trotz Recks Entlassung durch eine Negativserie unter Interimstrainer Taskin Aksoy noch auf Platz zehn ab.

Es scheint fast so, als habe das Trauma des äußerst unglücklichen Abstiegs aus der Bundesliga im Jahr 2013 bei den Spielern langfristig Spuren hinterlassen. Rückblick: Am 33. Spieltag belegte die Fortuna als Aufsteiger punktgleich mit dem FC Augsburg (jeweils 30 Zähler) den rettenden 15. Platz. Dahinter folgten die TSG 1899 Hoffenheim (28) und das zu diesem Zeitpunkt bereits abgestiegene Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth (21). Am letzten Spieltag gewinnt Augsburg 3:1 gegen Fürth und Hoffenheim rettet sich mit dem dramatischen 2:1-Auswärtserfolg beim Vizemeister Borussia Dortmund in die Relegation. Durch die 0:3-Niederlage der Fortuna bei Hannover 96 rutschten die Rheinländer erstmals auf einen Abstiegsplatz ab und mussten den bitteren Gang in die zweite Liga antreten.

Nach der folgenden Trennung von Trainer Norbert Meier, der die Düsseldorfer zuvor aus der Regionalliga bis in die Bundesliga geführt hatte, versuchten nacheinander Mike Büskens, Lorenz-Günter Köstner, Oliver Reck und Taskin Aksoy vergeblich, den „Patienten“ Fortuna Düsseldorf wieder auf die Beine zu bekommen. Nun soll es Fortunas neuer Trainer Frank Kramer richten. Der 43-Jährige kommt von der SpVgg Greuther Fürth und will die verloren gegangene Euphorie rund um die Düsseldorfer Arena neu entfachen. Gemeinsam mit dem neuen Sportdirektor Rachid Azzouzi hat sich Kramer viel vorgenommen.

Mit der Verpflichtung von Angreifer Didier Ya Konan (früher Hannover 96) sendeten die Rheinländer, die 1979 und 1980 zweimal in Folge den DFB-Pokal gewinnen konnten sowie einmal (1933) Deutscher Meister waren, auf jeden Fall schon mal ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz. Gleich am 1. Spieltag zeigte der 31-Jährige, wie wertvoll er sein kann. In letzter Minute bescherte er seiner Mannschaft mit einem Last-Minute-Treffer einen Punktgewinn beim 1. FC Union Berlin (1:1). Dass der Start dennoch alles andere als optimal verlief, lag am folgenden 1:2 gegen den SC Paderborn – trotz eigener Führung durch den erst 18-jährigen Mathis Bolly.

Neben Ya Konan wurden mit Sercan Sararer und Karim Haggui (beide vom VfB Stutgart), Kevin Akpoguma (TSG 1899 Hoffenheim), Christian Strohdiek (SC Paderborn 07) und Julian Koch (1. FSV Mainz 05) sowie Mittelstürmer Mike van Duinen (ADO Den Haag/Niederlande)  weitere gestandene Erstligaspieler an den Rhein gelockt. Aber auch Fabian Holthaus (VfL Bochum) hat bereits seine Qualitäten in der 2. Liga mehrfach unter Beweis gestellt.

Verzichten müssen die Fortuna-Fans allerdings ab sofort auf ein liebgewonnenes Gesicht. Mittelfeldspieler Andreas „Lumpi“ Lambertz, der mit den NRW-Landeshauptstädtern als erster Spieler im deutschen Profifußball überhaupt von der Oberliga bis in die Bundesliga aufgestiegen war, verließ wegen mangelnder sportlicher Perspektive „seinen“ Verein und wechselte zum Drittligisten Dynamo Dresden. Nach Abschluss seiner aktiven Laufbahn soll Lambertz allerdings in anderer Funktion zur Fortuna zurückkehren.

Im aktuellen Kader der Fortuna steht mit Ersatztorhüter Tim Wiesner auch ein ehemaliger Rot-Weisser. Der erst 18-jährige Schlussmann muss sich allerdings hinter Michael Rensing und Lars Unnerstall einreihen.

Die Bilanz zwischen Essen und Düsseldorf im DFB-Pokal ist ausgeglichen. In der Saison 1974/75 setzte sich RWE im Viertelfinale gegen die Fortuna 1:0 durch. Gut drei Jahre später behielten jedoch die Düsseldorfer in der dritten Runde 4:1 die Oberhand. Heute kann also eine Mannschaft in Führung gehen.

Auf Verbandsebene zogen die zwischenzeitlich ebenfalls bis in die 4. Liga abgerutschten Fortunen gegen RWE jedoch regelmäßig den Kürzeren. Während sich Rekordgewinner RWE zuletzt mit dem achten Niederrheinpokal-Triumph (6:5 nach Elfmeterschießen im Finale gegen Rot-Weiß Oberhausen) für die Hauptrunde qualifizierte, blieben die Düsseldorfer zu ihren Dritt- und Viertliga-Zeiten ohne Titelgewinn. Sie mussten den DFB-Pokal deshalb oft als Zuschauer verfolgen. Unter anderem gingen auch die Endspiele 2004 (0:2) und 2008 (0:1) gegen Rot-Weiss Essen verloren.

Text: MSPW