13. August 2015

„Wir haben nur Highlight-Spiele!“

Cheftrainer Jan Siewert ist stolz auf seine Mannschaft und die Anhänger.

Alle mussten nach dem vergangenen Sonntag einmal durchatmen. DFB-Pokal, eine überragende Kulisse und ein tolles Spiel der Mannschaft – leider ohne das gewünschte Ende. Dennoch: RWE hat begeistert, das sieht auch unser Cheftrainer Jan Siewert im KF-Interview so.

Jan Siewert, wie hast Du von Sonntag auf Montag geschlafen?

JS: Geschlafen habe ich gut, weil ich einfach stolz auf meine Mannschaft war, die ein ganz famoses Spiel abgeliefert hat. Da konnte ich in der Tat ruhig schlafen.

Man muss Dir und der Mannschaft ein Riesen-Kompliment machen für diese tolle Leistung. Wurde genau das umgesetzt, was ihr euch als Mannschaft vorgenommen hattet?

JS: Ja, genau. Unser taktischer Plan ging auf. Wir wussten, dass wir nur dann Raum bekommen, wenn wir Düsseldorf ein Stück weit locken, um dann schnell umzuschalten. Das hat wirklich super geklappt. Marcel Platzek hat das zum Beispiel hervorragend gemacht; auch, weil die Bälle genau so gespielt wurden, dass er sie verarbeiten konnte und wir den Raum nutzen konnten.

Defensiv stand RWE sehr gut, hat gegen einen Zweitligisten mit Ambitionen nach oben kaum Chancen zugelassen. War die mannschaftliche Kompaktheit der Schlüssel dazu?

JS: Wir hatten nach dem Spiel gegen Wiedenbrück analysiert, dass unsere Mannschaft auch mit neun Feldspielern den Mut hatte, nach vorne zu spielen und Wiedenbrück so zu bespielen, dass wir ein Übergewicht hatten. Was daraus aber resultierte, war, dass wir hinten nicht so kompakt agiert haben. Daraus ist zum Beispiel das 0:1 entstanden. Wir wussten also, dass wir das in der Woche vor dem Düsseldorf-Spiel ändern mussten, haben auch personell Veränderungen vorgenommen und letztendlich sicherer gestanden.

Wenn man Dich an der Seitenlinie beobachtet hat, hatte man teilweise das Gefühl, dass Du am liebsten mit auf den Platz rennen würdest. Vergisst man in solchen Momenten alles um sich herum?

JS: Ich vergesse nicht den Rest um mich herum, aber es gibt Momente, in denen ich ganz nah bei meiner Mannschaft bin und das sieht sie dann auch. Nichtsdestotrotz habe ich auch oft Momente, in denen ich mich ganz ruhig hinstelle und analysiere. Natürlich wirke ich nach einer gelungenen Aktion eher emotional.

Was kann man aus der Partie gegen Düsseldorf mitnehmen?

JS: Zum einen können wir mitnehmen, dass wir wirklich sehr kompakt stehen können und dabei mit breiter Brust auftreten. Wir wissen, dass wir fußballerisch so gefestigt sind, dass wir die nächsten Spiele gut bestreiten können.

Deine Mannschaft wirkt sehr sicher im neuen System. Zahlt sich die harte Vorbereitung schon aus?

JS: Genauso ist es. Wir haben einiges probiert und auch probieren müssen, weil wir eine neu zusammengestellte Mannschaft besitzen. Auch gegen Düsseldorf haben wir flexibel agiert und das System von einem 4-1-4-1 auf ein 4-2-3-1 geändert, weil es besser zum Spiel der Düsseldorfer in Abschnitt zwei gepasst hat. Das ist heutzutage wirklich wichtig. Jetzt gilt es, das auch gegen Rödinghausen in der Liga umzusetzen.

Rödinghausen ist das Stichwort – der Liga-Alltag wartet. Wie schwierig war das nach dem Highlight-Spiel gegen die Fortuna aus Düsseldorf?

JS: Man hat am Sonntag die Kulisse gesehen und wir wussten, dass es ein besonderes Spiel werden würde. Highlight-Spiele sind aber alle Spiele für uns. Das weiß die Mannschaft auch. Also ist der Fokus gar nicht schwer umzulenken. Wir wissen, dass wir wieder in unserem Stadion spielen und wollen einfach alles dafür tun, dass wir das Spiel positiv bestreiten.

Eine Variable wird sich ändern, denn gegen Rödinghausen wird RWE wohl wieder als „Favorit“ gelten. Welche Auswirkungen hat das?

JS: Das werden wir sehen. Es ist nun einmal so, dass Rödinghausen mit sechs Punkten kommt und bei uns stehen null. Also wer da der Favorit ist, dass werden wir noch sehen. Da muss man die Tabelle mal ganz nüchtern betrachten.

Das Beste kommt zum Schluss: Lass uns kurz über die Fans reden. Die Stimmung am Sonntag war pure Gänsehaut. Wie nimmt man das an der Seitenlinie wahr?

JS: Ich bin unheimlich stolz, Trainer eines Vereins zu sein, der solche Fans hat. Egal auf welcher Tribüne, überall war Unterstützung zu spüren. Es war eine traumhafte Kulisse, die man sich schöner nicht vorstellen kann. Das macht mich unheimlich stolz, vor allem für meine Mannschaft, denn die Fans haben gemerkt, dass wir Zeit brauchen. Die Mannschaft ist neu zusammengestellt und wir werden jeden Zentimeter Rasen in dieser Saison beackern!

Text: MSPW