24. August 2015

„Den Fans dankbar sein.“

Cheftrainer Jan Siewert will mit einem Heimsieg etwas zurückgeben.

Es soll einfach nicht sein: Elfmeter und RWE – wohl keine Freunde mehr in dieser Saison. Doch statt zu lamentieren, soll das fehlende Glück im täglichen Training erarbeitet werden. Jan Siewert erklärt im KF-Interview, wie der erste Dreier geschafft werden soll.

Jan, Du hast nach dem Spiel gegen Rödinghausen mit dem Fußballgott gehadert. Hast Du mittlerweile deinen Frieden mit ihm geschlossen?

JS: (lacht) Den habe ich direkt nach dem Spiel wieder geschlossen. Das sollte man auch relativ schnell tun und den Satz auch nicht überbewerten. Letztendlich ist es ja so, dass wir nicht an irgendeine höhere Macht beten, sondern dass wir viel Pech hatten, wenn man an die Elfmeter im Spiel gegen Düsseldorf oder den von Moritz Fritz im letzten Ligaspiel denkt. Wir haben einfach dieses Glück ein wenig vermissen lassen. Das müssen wir uns diese Woche wieder erarbeiten.

Passt es da nicht ins Bild, dass der Gegentreffer ausgerechnet von der Mittellinie erzielt wurde?

JS: Absolut. Darauf bezog sich auch meine Aussage. Da kommen einfach gewisse Dinge zusammen. Da fällt eben auch ein Treffer, der vielleicht zum „Tor des Monats“ werden kann.

„Wir haben das Glück etwas vermissen lassen.“

Benjamin Baier hat nach der Partie gesagt, dass nach einer guten Anfangsphase die letzte Konsequenz gefehlt habe. Siehst Du das ähnlich?

JS: Unsere Schwierigkeiten hatten damit zu tun, dass wir ein unheimlich geringes Basistempo hatten. Diese Probleme sind dann verstärkt worden, als wir den Elfmeter verschossen haben und mit diesem kleinen „Schicksalsschlag“ umgehen mussten. Es war danach insgesamt ein Tempoverlust innerhalb unseres Spiels zu beobachten. Das meinte Benni…

Wie wichtig ist das Tempo in Deinem Konzept? Geht es dabei vor allem um die schnelle Spielverlagerung?

JS: Ganz genau. Wir wollen den Gegner schnell dazu zwingen, dass er verschieben muss. Das geht nur, wenn wir ihn in Bewegung halten. Irgendwann macht der Gegner dann Fehler und eröffnet uns Lücken in seinem Abwehrverbund, aber das Balltempo gegen Rödinghausen hat nicht ausgereicht. Das war ein großes Manko.

Achtung, Phrase: Aller guten Dinge sind drei. Es folgt das dritte Liga-Heimspiel in Folge, und damit auch die ersten drei Punkte?

JS: Wir werden alles dafür tun, dass es so ist. Letztendlich ist es immer wieder wichtig, die entscheidende Situation für sich zu bestreiten. Dann klappt es auch mit dem ersten Dreier.

Lass uns auf den kommenden Gegner Erndtebrück schauen. Welche Eindrücke hast Du von der Mannschaft gewonnen, und ist es gegen Aufsteiger immer eine besondere Krux?

JS: Ich habe sie beim Sieg gegen Wegberg beobachtet, aber der Gegner ist nicht so entscheidend. Wir wollen ihm immer unser Spiel aufzwingen. Da ist es egal, ob Erndtebrück ein Aufsteiger ist. Wichtiger ist, dass wir von unserer Spielweise überzeugt sind, und wir müssen unsere Spielweise wieder auf dem Platz zeigen.

Kompaktheit und Abschlüsse im täglichen Training weiter verbessern

Worauf lag der Fokus der Trainingswoche?

JS: Wir haben weiter an unserer Kompaktheit gearbeitet sowie an Abschlüssen. Letztere mussten wir eindeutig verbessern, um das Glück letztendlich auf unsere Seite zu bringen. Die Saison ist etwas mehr als vier Wochen alt, wenn man die Vorbereitung dazu rechnet, rund zwei Monate.

Bist Du bei Rot-Weiss Essen nicht nur sportlich, sondern auch persönlich angekommen?

JS: Ja, auf jeden Fall! Man muss einfach mal festhalten: Wenn man sieht, wie die Fans uns unterstützt haben, weil sie gesehen haben, dass wir alles geben, auch wenn das Spiel schlecht war – einfach toll. Sie klatschen auch bei einem 1:1, obwohl das Spiel von unserer Seite aus kein gutes war. Da muss man dankbar sein, wenn man solche Fans im Rücken hat. Und so kommt man auch als neuer Trainer ganz schnell an.

Du warst viel für den DFB unterwegs, hast viele Städte und Landstriche besucht. Wie geht es Dir im Ruhrgebiet?

JS: Ich habe mich in der Tat schon eingelebt. Die Leute hier sind sehr, sehr freundlich und sehr aufgeschlossen. Auch direkt, wenn es um Fußball geht. Das lässt einen schnell ankommen.