3. September 2015

„Müssen Wegberg unser Spiel aufzwingen“

Cheftrainer Jan Siewert ärgert sich über die Vorstellung in Wattenscheid

Nach dem Spiel gegen Erndtebrück war die Erleichterung groß. Der erste Sieg in der Regionalliga sollte gegen Wattenscheid vergoldet werden. Warum das nicht klappte und welche Fortschritte die Mannschaft dennoch gemacht hat, erklärt Trainer Jan Siewert im KF-Interview.

Jan Siewert, wie groß war die Ereichterung nach dem ersten Regionalliga-Sieg in dieser Saison?

JS: Wir waren alle ziemlich froh über den Sieg und die ersten drei Punkte im Ligabetrieb. Auch das Ergebnis war erfreulich, weil wir uns für den Aufwand der letzten Wochen belohnt haben.

Die Chancenverwertung war vor dem Spiel gegen Erndtebrück ein großes Thema, und dann rappelte es gleich neunmal. Was haben Deine Spieler besser gemacht?

JS: Ich glaube, dass es ein gutes und wichtiges Zeichen war, dass der erste Ball sofort drin war. Ob wir wirklich etwas anders gemacht haben, weiß ich gar nicht. Es ist eher so, dass wir mit der letzten Überzeugung den Ball über die Linie drücken wollten und auch gedrückt haben. Das erste Tor war eine Befreiung und wir konnten sagen: ‚Jetzt legen wir nach.‘ Ich war unheimlich stolz, dass wir nach den ersten Toren drangeblieben sind und nach dem dritten Tor nicht aufgehört haben zu spielen. Wir hatten weiter den Mut, unseren Fußball zu zeigen und dieser Mut ist mit weiteren Toren belohnt worden.

9:1 gegen einen Aufsteiger – wie habt ihr den Erfolg bewertet?

JS: Wir haben es als Mannschaft so bewertet, dass wir drei Punkte geholt haben und etwas für unser Torverhältnis getan haben. Fakt ist: Wir haben das nicht überbewertet, sondern haben die Woche danach konzentriert trainiert und uns auf Wattenscheid vorbereitet. Es ist eine anstrengende Woche, wenn du dienstags und freitags spielst.

Gino Windmüller hat, angesprochen auf das System und die Philosophie, von einem „langfristigen Prozess“ gesprochen, der sich über die ganze Saison strecke…

JS: …so ist es.

Auf welchem Stand siehst Du das Team?

JS: Wir haben nach der Vorbereitung einen wichtigen Schritt gemacht. Die Mannschaft hat sich innerhalb der Liga gefunden. Da ist schon was dran, wenn Gino von einem langwierigen Prozess spricht. Man kann nicht erwarten, dass bei einer neu zusammengestellten Mannschaft sofort jedes Rädchen ineinandergreift. Die Sicherheit kommt von Spieltag zu Spieltag. Nichtsdestotrotz müssen wir punkten. Wir wollen natürlich ergebnisorientiert Fußball spielen, aber dennoch unsere Philosophie weiter vorantreiben.

Das hat gegen Wattenscheid nicht geklappt. Wie hast Du das Spiel gesehen?

JS: Wir legen los wie die Feuer, haben in zwanzig Minuten zwei große Torchancen. Gegen Erndtebrück machen wir die Tore, gegen Wattenscheid scheinbar nicht. Wenn man dann noch so eine Zweikampfführung hat, darf man sich nicht beschweren. Das war in gewissen Momenten indiskutabel. Man kann in Rückstand geraten, muss aber reagieren können. Gegen Wegberg-Beeck muss Besserung erfolgen.

Wie gefährlich ist so ein angeschlagener Gegner?

JS: Ob sie gefährlich sind, weiß ich nicht. Es ist natürlich so, dass Wegberg sich erst einmal in der Regionalliga zurechtfinden muss. Wir müssen einfach an unserem Spiel festhalten und es Wegberg aufzwingen.

Teil unserer Gesamtphilosophie ist es, dass die U19 und U17 die gleiche Philosophie haben; dass Jugendspieler auch bei der Regionalliga-Mannschaft mittrainieren. Welche Fortschritte siehst Du?

JS: Es ist ja so, dass der diesjährige U19-Jahrgang schon sehr lange eine ähnliche Philosophie verfolgt hat. Da greifen schon die Mechanismen, die schon seit Jahren in der Mannschaft praktiziert werden. Das ist ein großer Vorteil für die Jungs. Man sieht auch, dass sich die U19-Spieler, die bei uns mitmachen, relativ schnell integrieren. Sie setzen die Philosophie zwar noch nicht mit dieser Intensität um, aber sie gewöhnen sich schnell daran. Das führt auch dazu, dass im Gesamtverein gute Stimmung herrscht. Die Spieler wissen, dass sie gesehen werden, wenn sie im Mannschaftstraining dabei sind oder in den Förderspielen zum Einsatz kommen.

Wie läuft der Austausch zwischen der Regionalliga-Mannschaft und dem Unterbau praktisch ab? 

JS: Wir sitzen mit dem Trainerstab, Sportdirektor Andreas Winkler, Markus Reiter und Jürgen Lucas fast jeden Mittwoch zusammen. Wir bereden dann die Entwicklung und die Spiele des vergangenen Wochenendes. Auch werden einzelne Spieler im Profil besprochen. Das ist ein wichtiger Teil unserer Philosophie.