8. September 2015

„Das Tor war schon geil!“

Innenverteidiger Gino Windmüller will weitere Erfolgserlebnisse einsammeln

Wenn man Gino Windmüller fragt, warum er nach zwei Jahren 3. Liga zurück in die Regionalliga gewechselt ist, dauert es nicht lange, bis eine energische und überzeugende Antwort kommt: „Weil ich zu einem großen, guten Verein gehen konnte und einfach froh darüber bin, jetzt bei Essen zu spielen. Die Kulisse ist einzigartig und deswegen bin glücklich, dass ich die Möglichkeit habe, hier zu spielen.“ Für Windmüller ist der Sport nicht nur ein Beruf, er ist eine Leidenschaft. Warum? Ganz einfach: Die gesamte Familie Windmüller ist vom Sport „infiziert“…

Und so war es auch für Gino Windmüller keine schwierige Entscheidung, wohin sein beruflicher Weg führen sollte: „Fußball war immer der Sport, den ich am liebsten gemacht habe. Ich habe viele Sportarten ausprobiert – Tennis, Leichtathletik, Schwimmen – aber beim Fußball bin ich hängen geblieben.“

Eine auch logistisch clevere Entscheidung: „Wir hatten direkt einen Bolzplatz vor der Tür, da war ich natürlich immer draußen und habe mit meinen Freunden gespielt. Das war für mich immer ganz normal. Ich wollte immer  so lange wie möglich Fußball spielen.“

Diese Leidenschaft für Fußball und für den Sport im Allgemeinen muss bei Windmüller in den Genen liegen. Auch der Rest der Familie, so klingt es aus Windmüllers Erzählungen, könnte praktisch gar nicht ohne Sport. „Meine Schwester hat erst dieses Jahr mit dem Fußball aufgehört. Sie war sehr erfolgreich, hat in der 1. Bundesliga gespielt. Das hat sie mir auf jeden Fall voraus“, sagt Windmüller schmunzelnd. „Aber meine Familie ist generell sportverrückt. Meine kleine Schwester hat früher Kunstturnen als Leistungssport betrieben, ist mittlerweile Weltmeisterin im Tanzen.“

Weltmeisterliche Familie mit Erfolgs-Gen

Und wie so oft fängt diese Sportbegeisterung schon bei den Vorbildern an. „Meine Eltern haben ein Fitnessstudio, also war es von Anfang klar, dass ich auch irgendwas mit Sport machen werde. So habe ich auch das Glück, dass ich Sport als meinen Beruf ausüben darf.“ Ein Leben ohne Sport? Bei Gino Windmüller kaum vorstellbar. Der 26-jährige Neuzugang aus Regensburg verbindet diese Leidenschaft auch mit einer wichtigen Feststellung, die in Zeiten von Smartphones weniger präsent ist: „Ich glaube, dass eine Grundausbildung im Sport ganz gut ist.“

Sicher ist, dass es dem Innenverteidiger nicht geschadet hat. Über den Bonner SC, Bergisch Gladbach und zuletzt Jahn Regensburg führte ihn sein sportlicher Weg immerhin bis in die 3. Liga. Zwei Jahre lang durfte er sich mit Duisburg, Dresden und Co. messen, nun ist er zurück in der Regionalliga. Bei der Frage, ob sich die 4. Liga in dieser Zeit entwickelt hat, lässt sich Windmüller Zeit zum Nachdenken: „Das ist schwer für mich zu sagen, weil ich die Regionalliga aus einer anderen Perspektive gesehen habe. Rot-Weiss Essen ist eine ganz andere Mannschaft als Bergisch-Gladbach. Ich glaube aber nicht, dass sich großartig viel verändert hat. Nach wie vor sind viele zweite Mannschaften in der Regionalliga; das war damals auch schon so. Es sind also viele spielstarke, aber auch junge Mannschaften in der Regionalliga. Die Qualität ist dieses Jahr schon ziemlich hoch, aber wir müssen dennoch schauen, dass wir eine gute Rolle spielen.“

Windmüller gehört noch nicht zum „alten Eisen“

Die Voraussetzungen dafür sind bei uns in Essen sicherlich gegeben: Eine junge Mannschaft, die sich mit einem jungen Trainer Schritt für Schritt weiterentwickelt. Obwohl Windmüller gerade einmal 26 Jahre jung ist, gehört er bei RWE zu den älteren Spielern. „Im Fußball ist das ganz normal. Es ist immer die Spannweite von 18 bis 35 Jahre gegeben und so habe ich es immer kennengelernt. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich schon zu den ganz Alten gehöre“, sagt Windmüller lachend.

Aus seiner Zeit bei Jahn Regensburg weiß der Innenverteidiger, dass eine gewisse Portion Erfahrung immer dazugehört: „Man merkt schon Unterschiede, ob viele junge oder ältere Spieler auf dem Platz stehen. Den größten Unterschied habe ich erst in der 3. Liga gemerkt. Wenn mehr Erfahrung auf dem Platz steht, dann werden einfach weniger Fehler gemacht und es wird konstanter gespielt.“

In seinem neuen Team Rot-Weiss Essen sieht er diese Gefahr nicht: „Ich glaube nicht, dass wir eine zu junge oder unerfahrene Mannschaft haben. Wir haben eine gute Mischung und deswegen bin ich zufrieden, wie wir aufgestellt sind.“

Aufstellung ist ein gutes Stichwort, wenn man mit Windmüller plauscht. Die viel diskutierte Variabilität im System – sprich Dreier- oder Viererkette – beeinflusst auch das Verhalten der Innenverteidiger. Wir haben Gino Windmüller also gefragt, worin eigentlich die spielerischen Unterschiede zwischen Dreier- und Viererkette liegen: „Das Aufbauspiel ist etwas verändert. Mit einer Dreierkette empfinde ich es persönlich als etwas leichter, weil man sehr offensive Außenverteidiger hat. Letztendlich kommt es auf den Gegner an: Spielt der Gegner mit einer oder zwei Spitzen? Wie kommt er damit zu Recht? Dann stellt man das Spiel je nach Situation etwas um.“

Doch ist die Wahl zwischen Dreier- und Viererkette wirklich spielentscheidend? Aus seiner persönlichen Erfahrung berichtet Windmüller: „Ich glaube, dass das Entscheidende im Fußball die Eins-gegen-Eins-Situationen sind. Die muss man gewinnen, denn dann gewinnst du auch die Spiele – egal ob mit Dreier- oder Viererkette.“

Und so hat der 26-Jährige eine klare Vorstellung, wie das RWE-Spiel aussehen soll: „Wir müssen einfach konsequent vor dem Tor sein und defensiv stabil bleiben. Denn wenn du wenig Tore kassierst, muss du auch nicht so viele machen.“ So klingt ein echter Defensivspieler.

Dabei ist Windmüller nicht nur ein Fels in der (Defensiv-)Brandung. Gegen Rödinghausen hat er bewiesen, dass er auch vor des Gegners Tor Qualität hat. „In der U19 habe ich im Sturm gespielt, als wir dort Probleme hatten. Ich war ganz gut vor dem Tor, aber ich bin keiner, der einen Gegenspieler aussteigen lässt“, sagt Windmüller, der sich in der Defensive deutlich wohler fühlt, als im gegnerischen Sechzehner. Er kann aber nicht verhehlen, dass „der Jubel nach dem Tor geil war. Das werde ich hoffentlich noch öfter erleben“.