23. September 2015

„Die Kunst ist, nach Rückschlägen wieder aufzustehen“

Chef-Trainer Jan Siewert im Interview

Mit 3:2 schlugen die Rot-Weissen die Fortunen aus Düsseldorf am gestrigen Dienstag an der Hafenstraße. Einen Tag nach dem Heimsieg blickt Chef-Trainer Jan Siewert auf den spielintensiven September und die anstehende Partie am Samstag beim SC Verl.

Hallo Jan! Mit sechs Spielen im September bleibt ja kaum Zeit zum Durchatmen. Trotzdem vielleicht eine kurze Einschätzung zu den bisherigen Auftritten unserer Jungs in diesem Monat.

JS: Ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen bin ich davon überzeugt, dass uns die Spiele als Mannschaft weitergebracht haben. Die Ergebnisse und teilweise auch die Leistungen waren sicherlich nicht so, wie wir sie uns gewünscht hätten. Aber wenn ich mir speziell die letzten beiden Spiele anschaue, dann sehe ich in den letzten 30 Minuten in Gladbach und auch im gestrigen Spiel deutliche Fortschritte im Puncto Siegeswille. 

Wir brauchen diese Mentalität unbedingt, denn das, was wir vorhaben, ist ein Prozess. Wir müssen uns die nötige Sicherheit in unser Spiel holen, um das Spielerische so umzusetzen, wie wir es vorhaben. Da helfen natürlich in erster Linie Erfolgserlebnisse. Die hatten wir zu Saisonbeginn eher weniger. Umso schwieriger ist es in solchen Situationen und umso zufriedener hat mich das gestrige Spiel gemacht. Wir haben eine Führung abgegeben, Chancen vergeben, einen Elfmeter verschossen und das in einem Spiel, vor dem wir zuvor zwei Mal verloren haben. An einem Tag, an dem dir alles zufliegt zu gewinnen, ist vergleichsweise einfach. Aber die echte Kunst ist, nach Rückschlägen wieder aufzustehen und das haben wir gestern getan.

Trotzdem dürften Dir die zwei Gegentore nicht geschmeckt haben…

JS: …natürlich nicht. Wir sind in diesen Situationen nicht konzentriert genug. Das müssen wir unbedingt abstellen, denn wir machen uns das Leben natürlich deutlich schwerer, wenn wir Rückständen hinterherlaufen müssen. Aber nochmal: Wir sind zurückgekommen und letztendlich ist eine solche Mentalität wichtiger als Fehler auf dem Rasen. An diesen Fehlern kann man nämlich leichter arbeiten, als an der Mentalität einer Mannschaft.

Gestern seid Ihr wie immer nach dem Schlusspfiff zu den Fans gegangen. Wie muss man sich eure Gespräche dort am Zaun vorstellen?

JS: Wir sind ein Verein, bei dem jeder – ob Spieler, Mitarbeiter oder Fan – seinen Teil zum Erfolg beitragen kann. Wir möchten diesen Weg hier gemeinsam gehen und daher gehen wir nach den Spielen zu unseren Fans. Dabei gibt es mal Lob und mal Kritik. Es geht nicht darum, sich vor den Fans zu rechtfertigen, sondern auszutauschen und auch den Einsatz der Fans anzuerkennen. Da gibt es dann von uns eben auch Applaus für deren Leistung und Einsatz.

Du hast Dir den Einstieg hier doch sicher etwas leichter vorgestellt, oder?

JS: Nein, das nicht. Natürlich habe ich gehofft, dass wir durch Erfolgserlebnisse gleich zu Beginn einen gewissen Schwung mitnehmen, der uns viele Dinge leichter gemacht hätte. Wir waren ja auch nah dran, wenn ich da bspw. an die Begegnung gegen Wiedenbrück denke, wo wir uns nach einem guten Spiel quasi selbst ins Hintertreffen bringen, oder an das DFB-Pokalspiel, wo wir in der Lotterie Elfmeterschießen ausscheiden. Aber im Fußball musst du immer alle Möglichkeiten in Betracht ziehen und das habe ich vor meiner Entscheidung für Rot-Weiss Essen auch getan. Jetzt ist es eben anders gekommen und  der Weg für uns dadurch etwas schwieriger.

Man sagt Dir nach, Du würdest viel rotieren um jedem Spieler eine Chance geben. Geben bei Dir vor allem die Trainingsleistungen den Ausschlag ?

JS: Also erst einmal: Natürlich hat jeder Spieler des Kaders eine Chance auf die erste Elf. Da bin ich durch starke Trainingsleistungen schon beeinflussbar und muss es auch sein, um die Trainingsintensität hoch zu halten und allen Spielern gegenüber fair zu bleiben. Man wird aber eben auch leicht in Schubladen gesteckt. Wenn man sich die Aufstellungen der bisherigen Spiele einmal genau anschaut, fällt auf, dass wir nur zum DFB-Pokalspiel gegen Fortuna Düsseldorf stark rotiert haben. Danach hat sich ein gewisser Stamm herausgebildet, den wir lediglich punktuell und meist sogar aufgrund von Sperren oder Verletzungen verändert haben. Wir rotieren nicht, um zu rotieren, sondern – wenn nötig – auf gewisse Dinge zu reagieren. Das ist nun einmal der Job eines Chef-Trainers.

Richten wir unseren Blick zum Schluss noch auf die anstehende Aufgabe: Am Wochenende geht es für RWE gegen den SC Verl. Wie schätzt du die Verler ein?

JS: Ich glaube jedem, der die Regionalliga West verfolgt, ist klar, dass es sich bei den Verlern um einen extrem unangenehmen Gegner handelt. Durch ihre Robustheit und Kompaktheit wird es für uns sehr schwer. Aber wenn wir mit dem gleichen Siegeswillen auftreten, wie gegen Düsseldorf, haben wir die Chance, dort etwas mitzunehmen.