22. Dezember 2015

Breilmanns Wiese: „Mein Herz schlägt für Rot-Weiss“

U17-Trainer Antonios „Toni“ Kotziampassis ist bei RWE seit Jahren eine feste Größe

Bei Rot-Weiss Essens U17-Trainer Antonios „Toni“ Kotziampassis (42) dreht sich fast alles um Fußball. Der zweifache Familienvater, der mit seiner Familie im 30 Kilometer entfernten Castrop-Rauxel lebt, hat in insgesamt elf Jahren im RWE-Jugendbereich schon zahlreiche Funktionen ausgeübt. Von der U12 bis zur U23 hat er fast alle Mannschaften durch. Auch seine beiden Töchter Celina (16) und Stella (14) jagen bei der SG Schönebeck dem Ball hinterher.  

Seit dem 1. Juni 2014 ist der ehemalige Angreifer, der im Berufsleben als Briefzusteller bei der Post arbeitet, nun für unsere U17 in der Staffel West der B-Junioren-Bundesliga tätig. In seinem ersten Jahr wurde der Klassenverbleib am vorletzten Spieltag perfekt gemacht. In dieser Saison überwintert der RWE-Nachwuchs auf dem beachtlichen siebten Rang. Sehr viel spricht deshalb dafür, dass auch in der Saison 2016/2017 wieder U17-Bundesliga-Fußball in Essen zu sehen sein wird. Wir sprachen mit „Toni“ Kotziampassis.  

Hallo „Toni“! Die U17 von Rot-Weiss überwintert mit 21 Punkten auf Platz sieben. Wie lautet Dein Fazit zum Jahresabschluss?  

Kotziampassis: „Wir haben bis jetzt eine sehr ordentliche Saison gespielt. Die Mannschaft ist fleißig und engagiert bei der Sache. Die Kameradschaft innerhalb der Gruppe war von Anfang an gut und hat sich bis zum Jahresende noch gesteigert. Ich lege viel Wert auf Disziplin. Die Truppe soll bereits im Training die Einstellung mitbringen, die am Wochenende auch im Spiel verlangt wird.“  

Mit einem 5:0 hat die U17 zuletzt Arminia Bielefeld nach Hause geschickt, damit ein kleines Tief beendet. Wie wichtig war dieser Sieg auch für die kommenden Aufgaben? 

Kotziampassis: „Das war ein Spiel, das die Mannschaft zum Abschluss gebraucht hat. Wir wollten gegenüber den letzten Partien etwas ändern und haben frische Kräfte gebracht. Spieler, die vorher nicht so oft zum Einsatz gekommen waren, haben ihre Chance genutzt und den Konkurrenzkampf für die Rückrunde weiter angeheizt. Dass war der Schlüssel zum Sieg und die Botschaft, dass sich keiner mehr ausruhen darf. Die vermeintlichen ‚Reservisten‘ haben mächtig aufgeholt. Wir sind in der Breite gut aufgestellt.“  

Seit Juli 2014 bist Du für die U17 bei Rot-Weiss verantwortlich. Wie bewertest Du die Entwicklung im Verein? 

Kotziampassis: „Ich habe noch nie einen solchen Zusammenhalt unter allen Jugendtrainer erlebt. Jeder weiß um seine Aufgabe und kann alles vernünftig einschätzen. Die U17 und die U19 betreiben Leistungssport. Jeder hilft jedem, wenn es irgendwo brennt.“  

Du hast selbst in der Siaosn 2005/2006 noch für die U 23 von Rot-Weiss gespielt. Was verbindet Dich mit dem Verein?  

Kotziampassis: „Jeder im Verein weiß, dass ich seit meinem fünften Lebensjahr eigentlich Schalke-Fan bin. Aber wenn ich an die letzten elf Jahre zurückdenke, in denen ich die U12, U13, U14, U16, U17 und U23 betreut habe, bin ich immer mehr zum RWE-Anhänger geworden. Mein Herz schlägt längst für Rot-Weiss. Es ist nicht alltäglich, dass Leute aus dem Aufsichtsrat oder der Vorsitzende Prof. Dr. Michael Welling unsere Spiele besuchen. Ich sehe das auch als eine Art der Anerkennung unserer Arbeit.“  

Welche Faszination geht Deiner Meinung von Rot-Weiss Essen aus?  

Kotziampassis: „Mit RWE verbinde ich Herz, Kampf und Leidenschaft. Diese Begeisterung muss auch bei jedem Spieler rüberkommen, der sich das RWE-Trikot überstreift. Diese Attribute machen den Verein aus, das versuche ich auch den Jungs zu vermitteln. Wir sind kein ‚Lackschuh‘-, sondern ein Malocher-Verein.“  

Welche Eigenschaften sollte ein junger Spieler mitbringen, um später den Sprung in das Profigeschäft zu schaffen?  

Kotziampassis: „Talente gibt es wie Sand am Meer. Wichtig ist, dass der Spieler für den späteren Erfolg bereit sein muss, auch durch Höhen und Tiefen zu gehen, und nicht beim ersten Gegenwind abbricht. Dazu gehört ein gehöriges Maß an Disziplin, die er sich selbst auferlegen muss. In der heutigen Zeit – bei den vielfältigen Freizeitangeboten – ist das nicht immer einfach für einen jungen Spieler. Dafür muss er schon ziemlich klar im Kopf sein.“  

Als unterklassiger Verein hat RWE es schwer, sich Jahr für Jahr in der Bundesliga gegen die großen Klubs durchsetzen. Wie lautet das Erfolgs-Geheimnis?  

Kotziampassis: „Alle Trainer im gesamten Jugendbereich arbeiten eng zusammen. Wenn mir ein Spieler bei der U14 auffällt, dann notiere ich mir das und gebe es auch weiter. RWE hat sich im Jugendbereich über viele Jahre einen guten Ruf erarbeitet. Spieler, die früher nicht zu uns gekommen wären, klopfen nun bei uns an. Sie sehen für sich auch perspektivisch die Chance, über die U17 hinaus sich immer mit den Besten messen zu können.“  

Gehst Du auch persönlich auf Scouting-Tour?  

Kotziampassis: „Ich bin auf vielen Plätzen zu sehen und halte immer Ausschau nach Talenten. Zuletzt haben wir beispielsweise erst um 15 Uhr gespielt und ich war morgens um 11 Uhr beim VfL Bochum, habe mir dort ein Spiel der U16 angeschaut, um zu sehen, ob ein Spieler für uns dabei sein könnte.  

In welchen Bereichen siehst Du bei Deiner Mannschaft am meisten Luft nach oben?  

Kotziampassis: „Wir haben noch zu viele Gegentore kassiert. Außerdem muss sich die Mannschaft in brenzligen Situationen abgeklärter verhalten und geduldiger spielen.“  

Wann beginnt die Vorbereitung auf die Restrunde und was hast Du Dir mit der U17 für das neue Jahr vorgenommen?  

Kotziampassis: „Für den 4. Januar habe ich das erste Training angesetzt. Mit Eintracht Dortmund, den Sportfreunden Troisdorf, dem TSV Marl-Hüls und dem VfL Bochum haben wir vier Testspiele vereinbart, bevor es am 14. Februar zum Restrundenstart bei Borussia Mönchengladbach weiter geht. Keiner soll glauben, dass wir mit 21 Punkten schon durch sind. Auf uns wartet auch 2016 noch sehr viel Arbeit.“  

Was waren für Dich die sportlichen Höhepunkte im Jahr 2015  

Kotziampassis: „Wir haben in den Derbys gegen Borussia Dortmund und auch gegen Schalke 04 den Power-Fußball gespielt, wie ich mir das vorstelle. Da ist manchmal das Ergebnis nicht ganz so wichtig. Auch die Partie gegen den 1. FC Köln, bei der wir in der letzten Saison mit einem 1:0-Sieg den Klassenverbleib perfekt gemacht hatten, ist mir sehr gut in Erinnerung geblieben und macht mich stolz.“  

Wie aufgeschlossen stehst Du bei der Zusammenarbeit mit Deinen Spielern den neuen Medien gegenüber? Hast Du beispielsweise eine WhatsApp-Gruppe gegründet?  

Kotziampassis: „Ich klinke mich in die WhatsApp-Gruppe meiner Spieler nicht ein. Wenn ich etwas zu sagen habe, teile ich es meinem Kapitän Johan Scherr mit, der es dann für mich in die Gruppe setzt. Ich muss nicht lesen, was meine Spieler unter sich austragen.“  

Zum Jahreswechsel hast Du drei Wünsche frei. Wie würden die lauten?  

Kotziampassis: „Gesundheit für die gesamte Familie ist für mich das Wichtigste. Weniger Kriege und mehr Frieden wären auch nicht schlecht. Auch bei RWE sind viele Spieler aus den verschiedensten Kulturkreisen zusammen. Ein respektvoller Umgang ist mir dabei sehr wichtig.“