17. August 2018

„Dem Gegner die Lust am Kicken nehmen“

RWE geht mit Rückenwind in die Partie gegen die Kölner U21. (Foto: Tillmann)
RWE geht mit Rückenwind in die Partie gegen die Kölner U21. (Foto: Tillmann)

Cheftrainer Karsten Neitzel vor Heimspiel gegen U 21 des 1. FC Köln

Im zweiten RWE-Heimspiel der noch jungen Saison stellt sich am heutigen Sonntag, 14 Uhr, die U 21 des 1. FC Köln im Stadion Essen an der Hafenstraße vor. Nach der 5:1-Gala gegen den Wuppertaler SV und den folgenden 4:1-Auswärtserfolg beim 1. FC Kaan-Marienborn hoffen sich Fans der Rot-Weissen auf ein weiteres Erfolgserlebnis für das Team von RWE-Cheftrainer Karsten Neitzel. Die Gäste aus dem Rheinland sind zwar noch sieglos, aber auch immer wieder für Überraschungen gut – positiv wie negativ. Im Interview mit der nimmt Karsten Neitzel ausführlich Stellung zur aktuellen Situation.

Hallo Karsten! Nach dem 4:1-Auswärtssieg beim Aufsteiger 1. FC Kaan-Marienborn warst Du mit der Leistung der Mannschaft nicht ganz zufrieden. Warum nicht?

Nachdem wir in den ersten beiden Spielen bis auf wenige „Wackler“ defensiv sehr stabil standen, habe ich das gegen Kaan-Marienborn vor allem während der ersten Halbzeit vermisst. Neben dem Gegentreffer, der zum Rückstand führte, haben wir dem Gegner noch drei bis vier gute oder sogar sehr gute Tormöglichkeiten gestattet. Ein erneuter Rückstand lag kurz vor oder auch kurz nach der Pause durchaus im Bereich des Möglichen. In der Halbzeit haben wir dann einiges korrigiert und es danach besser gemacht.

Unter dem Strich stand jedoch ein am Ende noch deutlicher Erfolg!

Das stimmt. Dennoch ist es wichtig, jedes Ergebnis und jede Leistung richtig einzuordnen. Bei unserer Auftaktniederlage in Rödinghausen war bei weitem nicht alles schlecht. Wir werden aber auch das 5:1 im Derby gegen den WSV und erst recht die Partie gegen Kaan-Marienborn nicht überbewerten.

Sechs Punkte aus den ersten drei Saisonspielen und Platz drei können sich aber durchaus sehen lassen, oder?

Das ist schon in Ordnung. Da müssen wir auch nicht darüber diskutieren, ob wir vielleicht einen oder gar drei Punkte hätten mehr holen können oder nicht. Wichtig ist, die richtigen Schlüsse und weiteres Selbstvertrauen aus den Partien zu ziehen und konzentriert weiterzumachen. Es ist unser großes Ziel, unseren kleinen Lauf mit einem Heimsieg gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Köln möglichst auszubauen. Darauf fokussieren wir uns.

Besonders positiv stechen die bereits zehn erzielten Tore ins Auge. Bei Dir auch?

Ich will es mal so sagen: Wir hatten vor der Saison erklärt, dass wir künftig mehr bestimmen wollen, was auf dem Platz passiert. Dazu gehört dann auch eine mutige und offensive Einstellung. Ganz sicher wird es dadurch auch mal Rückschläge durch zwei oder drei Gegentore geben. Ich bin mir aber sicher, dass wir mit einer solchen Spielweise deutlich mehr Punkte als in der Vorsaison holen werden. Klar ist aber auch: Dafür müssen wir in möglichst vielen Spielen an unsere obere Leistungsgrenze kommen.

Die verpflichteten Neuzugänge haben schon sehr positiv von sich reden gemacht und sind – vom verletzten Kevin Freiberger einmal abgesehen – alle schon zu ihren Einsatzzeitengekommen. Wie fällt Dein erstes Fazit aus?

Wir haben erst drei Spiele bestritten, sollten also nicht zu euphorisch werden. Es war allerdings vor der Transferperiode unser klares Ziel, die Mannschaft auf diesen Positionen zu verstärken und sie damit insgesamt besser zu machen. Bisher können wir feststellen, dass alle einen guten Job machen. Ich hoffe, sie können diese Eindrücke auch in den nächsten Wochen und Monaten bestätigen.

Was nimmst Du sonst aus den ersten Saisonspielen mit?

Ich wusste schon vor meinem Amtsantritt in Essen, dass die Unterstützung der Fans für Regionalliga-Verhältnisse einsame Klasse ist. Dieses Gefühl hat sich seit Saisonbeginn noch einmal verstärkt. Ich will mich dabei ganz bewusst nicht anbiedern. Aber herausragend fand ich vor allem die Reaktion der mitgereisten Fans nach der Niederlage in Rödinghausen. Sie haben trotz des negativen Ergebnisses honoriert, dass die Mannschaft zumindest alles versucht hatte, das Spiel noch umzubiegen. Das hat den Jungs ein gutes Gefühl und auch Sicherheit gegeben. Zuletzt in Siegen waren rund 2.000 Fans dabei und haben uns den Rücken gestärkt. So kann es gerne weitergehen.

Marcel Platzek war zuletzt angeschlagen, saß gegen Kaan-Marienborn auf der Bank, kam aber nicht zum Einsatz. Hätte er notfalls spielen können?

Für seine Genesung war es auf jeden Fall besser, nicht zum Einsatz zu kommen. Marcel hatte bei seinem Kurzeinsatz im Pokalspiel bei Victoria Mennrath einen Schlag auf den Knöchel bekommen, hatte danach starke Schmerzen. Ich hoffe, dass er uns gegen Köln wieder uneingeschränkt zur Verfügung steht. Gleiches gilt für Lukas Scepanik, der für die Partie in Siegen kurzfristig ausgefallen war. Kevin Freiberger, David Jansen und Cedric Harenbrock werden weiterhin fehlen.

Stichwort Kevin Freiberger! Er hat inzwischen seine Kreuzband-OP hinter sich, der Eingriff ist gut verlaufen. Wie geht er insgesamt mit der frustrierenden Situation um?

Kevin ist psychisch schon sehr stabil. Er weiß, dass er uns lange Zeit fehlen wird. Er ist aber in guten Händen und er wird alles dafür tun, seine Ausfallzeit so gering wie möglich zu halten.

Im zweiten Heimspiel der Saison geht es gegen die U21 des 1. FC Köln. Wie schätzt Du den Gegner ein?

Wie jede zweite Mannschaft haben auch die Kölner viele gute Fußballer und eine Reihe von sehr flinken Spielern in ihren Reihen. Wir treffen auf einen Gegner mit sehr vielen Talenten, die den Sprung nach oben schaffen wollen. Was das Personal und die Leistung anbetrifft, ist bei einer zweiten Mannschaft immer alles möglich – in beide Richtungen. Das macht die Vorbereitung auf eine solche Partie zumindest nicht einfacher.

Du hast selbst in Freiburg lange Zeit eine U-Mannschaft trainiert. Wie muss man gegen einen solchen Gegner auftreten?

Es muss auf jeden Fall unser Ziel sein, den Kölnern die Lust am Kicken zu nehmen. Wenn das gelingt, dann werden wir nach 90 Minuten Grund zur Freude haben.