22. August 2019

„Unter Flutlicht wirklich eine spezielle Atmosphäre“

Christian Titz vor dem Revierderby gegen SG Wattenscheid 09.

Mit zehn von zwölf möglichen Punkten hat Rot-Weiss Essen in der Regionalliga West einen gelungenen Saisonstart hingelegt. Besonders emotional waren die beiden Last-Minute-Treffer bei den 2:1-Heimsiegen gegen die U 23-Mannschaften von Borussia Dortmund und des 1. FC Köln. Wenn es nach RWE-Cheftrainer Christian Titz geht, dann muss es unsere Mannschaft im heutigen Derby gegen die SG Wattenscheid 09 nicht unbedingt wieder so spannend machen. Es darf aber genauso erfolgreich sein. Vor der Partie nimmt Christian Titz im Interview ausführlich Stellung.

Hallo Christian! Wie zufrieden warst Du mit dem Unentschieden beim SV Rödinghausen?
Zunächst einmal muss ich sagen, dass das Ergebnis unter dem Strich sicher in Ordnung geht. Wir sind auf einen tiefstehenden Gegner getroffen, der sich in erster Linie auf das Umschaltspiel konzentriert hat. Wir hatten dadurch mehr Spielanteile, waren allerdings nicht effektiv genug und konnten uns deshalb nur wenige Tormöglichkeiten erarbeiten. In der Schlussphase hatte Rödinghausen eine große Chance, den Siegtreffer zu erzielen. Auf der anderen Seite hatten wir auch strittige Elfmeterentscheidungen, die auch für uns hätten entschieden werden können.

Sind in Rödinghausen zwei Mannschaften aufeinandergetroffen, die am Saisonende auch um Meisterschaft kämpfen werden?
Beide Teams verfügen auf jeden Fall über die Qualität und haben das Zeug dazu, in der Tabelle weit oben zu stehen. Beide müssen das aber auch in den nächsten Wochen und Monaten dauerhaft beweisen. Der SV Rödinghausen hat uns – wie erwartet – mit seiner körperlichen und robusten Spielweise alles abverlangt.

Wie wichtig war es Dir, mit dem Remis zumindest zu diesem Zeitpunkt die Tabellenführung verteidigt zu haben?
Jeder Fußballer und Trainer steht gerne auf Platz eins. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt aber allenfalls eine Randnotiz. Wirklich wichtig war mir, dass wir erneut nicht als Verlierer vom Platz gegangen sind. Das gibt dem Team weiteres Selbstvertrauen.

Nicht unerheblich am Punktgewinn beteiligt war Torhüter Marcel Lenz. Wie bewertest Du seine Leistung?
Marcel hat uns in der Tat in einigen Phasen mit seinen Paraden im Spiel gehalten. Er macht einen guten Eindruck, strahlt vor allem viel Ruhe aus.

Etwas überraschend mussten Oguzhan Kefkir und Marcel Platzek zunächst auf der Bank Platz nehmen. Was war der Grund dafür?
Wir hatten damit gerechnet, dass Rödinghausen immer wieder versuchen würde, uns mit langen Bällen in Schwierigkeiten zu bringen. Das wollten wir möglichst unterbinden, den Gegner deshalb auf den Außenpositionen schon früh attackieren und ständig beschäftigen. Wegen ihres aggressiven Anlaufverhaltens haben wir uns deshalb zunächst für Joshua Endres und Florian Bichler auf den offensiven Außenpositionen entschieden. Jan-Lucas Dorow hatte sich seinen Startelf-Einsatz durch die zuvor gezeigten Leistungen ebenfalls verdient.

Mit der Einwechslung von Oguzhan Kefkir zur Pause hast Du erneut ein glückliches Händchen bewiesen. Nur eine Minute später traf er zum Ausgleich!
Ich habe es schon mehrfach betont: Unser Team besteht nicht nur aus elf Spielern. Alle Jungs im Kader haben Qualität und gehören zurecht zu unserer Mannschaft. Und das zeigen sie dann auch, wenn sie neu ins Spiel kommen. Dieser breite Kader ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg. Im Übrigen ist nicht nur der Cheftrainer, sondern der gesamte Trainerstab an den Ein- oder Auswechslungen beteiligt.

Neuestes Kadermitglied bei RWE ist David Sauerland, der vom Drittligisten Eintracht Braunschweig kam. Warum gehörte er in Rödinghausen noch nicht zum Aufgebot?
David hatte vor dem Spiel erst dreimal mittrainiert. Da war mir die Zeit einfach zu kurz, um ihn sofort in den Kader zu nehmen.

Hat er denn noch Nachholbedarf oder ist er vielleicht schon für das Wattenscheid-Spiel eine Option?
Er war bei Eintracht Braunschweig voll im Training, von daher muss er keine Defizite aufarbeiten und ist sofort einsatzfähig. Auch deshalb haben wir ihn verpflichtet, zumal wir auf der Rechtsverteidiger-Position bis dahin nicht doppelt besetzt waren. Dazu kann David auch im defensiven und offensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Auch das macht ihn wertvoll.

Ist die Kaderplanung denn nun abgeschlossen oder könnte sich bis zum Ende der Transferperiode noch etwas tun?
Wir sind mit unserem Kader zufrieden, halten aber auch weiterhin Augen und Ohren offen. Auf der rechten Innenverteidiger-Position steht uns derzeit nur Marco Kehl-Gomez zur Verfügung. Von daher will ich nicht ausschließen, dass noch etwas passiert.

Heute geht es gegen die SG Wattenscheid 09, die zuletzt eine etwas überraschende 0:1-Heimniederlage gegen den Aufsteiger SV Bergisch Gladbach 09 hinnehmen musste. Wie schätzt Du den Gegner ein?
Wir treffen auf eine starke Mannschaft, die vor allem über spielerische Qualitäten verfügt. Dennoch muss es selbstverständlich unser Anspruch sein, vor eigenem Publikum dominant aufzutreten und die Punkte erneut in Essen zu behalten.

Die Wattenscheider haben RWE in den vergangenen Jahren vor allem an der Hafenstraße oft geärgert…
Daher sind wir auch gewarnt. Die Atmosphäre in Essen beflügelt. Mit unseren Fans im Rücken wollen wir aber auch im dritten Heimspiel der Saison erfolgreich sein.

Stichwort Heimspiel: Bereits in der zweiten Runde des Niederrheinpokals bekommt es RWE am Freitag, 6. September, mit dem Titelverteidiger KFC Uerdingen 05 zu tun, einem von zwei Drittligisten im Wettbewerb. Wie findest Du das?
Ich sehe es ganz pragmatisch: Wer im Pokal weit kommen möchte, muss gegen jeden Gegner bestehen. Ich freue mich auf ein sehr interessantes Duell, in dem zwei offensiv ausgerichtete Teams aufeinandertreffen werden. Dass wir außerdem an einem Freitagabend unter Flutlicht auf den KFC treffen werden, macht es noch einmal besonders. Da herrscht an der Hafenstraße wirklich eine spezielle Atmosphäre. Das dürfen wir ja auch schon heute gegen Wattenscheid wieder erleben.