15. Februar 2020

„Immer wieder stark zurückgekommen“

Christian Titz vor dem morgigen Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen. (Foto: Endberg)
Christian Titz vor dem morgigen Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen. (Foto: Endberg)

Christian Titz vor dem Derby gegen Rot-Weiß Oberhausen an der Hafenstraße.

Rot-Weiss gegen Rot-Weiß! Das Revierderby zwischen den Traditionsvereinen RWE und RWO elektrisiert seit Jahrzehnten die Fans im Ruhrgebiet. In diesem Jahr kommt noch hinzu, dass die beiden Nachbarn im Stadion Essen an der Hafenstraße ein echtes Spitzenspiel bestreiten. Für beide Teams geht es darum, der Titelkonkurrenz aus Ostwestfalen (SV Rödinghausen und SC Verl) auf den Fersen zu bleiben und die Ausgangsposition im Rennen um die Spitzenplätze möglichst zu verbessern. Im Interview mit der "kurzen fuffzehn" nimmt RWE-Cheftrainer Christian Titz ausführlich Stellung. 

Hallo Christian! Die spielfreie Zeit habt ihr für eine intensive Vorbereitung auf das Spiel gegen RWO genutzt. Auf welche Aspekte habt ihr dabei wertgelegt? 

Ich glaube gerade in einer langen Saison sind Phasen, in denen du mal ein spielfreies Wochenende hast, nicht unwichtig, um neben taktischen und fußballerischen Aspekten auch das Teambuilding weiter zu fördern. Wir haben die erste Woche neben der Trainingsarbeit und einem mannschaftsinternen Test auch zusätzlich dafür genutzt, um Bubble-Football spielen zu gehen und nicht zuletzt, um natürlich auch unsere beiden neuen Spieler ins Mannschaftgefüge zu integrieren. In der zweiten Woche haben wir dann mit der differenzierten Vorbereitung auf das Spiel gegen RWO begonnen. Bei allen sportlichen Überlegungen waren immer auch Ruhe und Besonnenheit sowie die Überzeugung in unser eigenes Handeln wichtige Parameter. Das haben wir versucht, der Mannschaft mitzugeben und das hat uns auch in der Vergangenheit immer wieder ausgezeichnet.  

Mit Innenverteidiger José-Junior Matuwila und Angreifer Maximilian Pronichev gaben die beiden Neuzugänge, die jeweils erst kurz vor dem Ablauf der Winter-Transferperiode verpflichtet worden waren, gegen Bremen ihr Debüt. Beide gehörten zur Startformation. Welchen Eindruck haben sie hinterlassen?

Beide haben es vernünftig gemacht. Für sie war das Testspiel auch besonders wichtig, weil sie die Vorbereitung nicht mit unserem Team absolviert hatten und sich erst an unsere Arbeits- und Spielweise gewöhnen müssen. Diese Anpassungsprozesse sind nicht nach einer oder zwei Wochen abgeschlossen. Das dauert seine Zeit.

Könnten beide dennoch schon beim heutigen Derby gegen Rot-Weiß Oberhausen Alternativen für die Startformation oder zumindest für einen Einsatz sein?

Das will ich nicht ausschließen. Entscheidend dafür werden aber die letzten Trainingseindrücke sein.

Eine Umstellung im Team wird auf jeden Fall notwendig, weil Alexander Hahn wegen einer Gelbsperre fehlen und deshalb zum ersten Mal in dieser Saison ein Punktspiel verpassen wird. Wie schwer wiegt der Ausfall?

Alex hat bislang eine gute, sehr stabile Saison gespielt. Wenn ein Spieler, der in der Regel zum Stammpersonal gehört, dann nicht zur Verfügung steht, ist das zunächst ein Verlust. Wir haben uns aber bewusst für einen breiten Kader entschieden um auf solch eine Situation reagieren zu können. 

Wie ist sonst die personelle Lage? Fallen weitere Spieler aus?

Hedon Selishta wird uns nach seiner Operation noch einige Zeit nicht zur Verfügung stehen, konnte aber schon mit leichtem Lauftraining beginnen. In den letzten Tagen waren auch Jonas Hildebrandt und Erolind Krasniqi durch Magen-Darm-Infekte stark angeschlagen, mussten mit dem Training aussetzen.

Während RWE wegen des Wattenscheider Rückzugs spielfrei war, fuhren die drei Konkurrenten aus der Spitzengruppe ausnahmslos Siege ein. Was bedeutet das für die Ausgangsposition vor dem Derby gegen Rot-Weiß Oberhausen?

Wir tun gut daran, uns nicht mit den Ergebnissen der Konkurrenz zu beschäftigen, sondern damit, was wir selbst beeinflussen können. Es geht darum, gegen RWO unsere bestmögliche Leistung abzurufen. Dann haben wir auch gute Chancen, einen Heimsieg zu landen. Und genau das haben wir vor.

Im Hinspiel hatte sich RWE in Oberhausen 3:0 durchgesetzt. War es eine der besten Saisonleistungen?

Wir haben dort auf jeden Fall ein gutes Spiel abgeliefert und verdient die drei Punkte eingefahren. Daran wollen wir diesmal anknüpfen.

Damals sah es noch ein wenig so aus, als könnten die Oberhausener diesmal nicht um die Spitzenplätze mitzuspielen. Das hat sich inzwischen dank einer Erfolgsserie in den letzten Wochen und Monaten geändert. Bist Du überrascht?

Nein. RWO war in der letzten Saison Vize-Meister, hatte bis zum Schluss um den Aufstieg mitgespielt. Außerdem ist es eine gewachsene Mannschaft, die sehr kompakt auftritt. Dass das Team die Qualität besitzt, um in der Spitzengruppe der Liga mitzuspielen, steht außer Frage.

Es gibt Schlagzeilen, die die Partie gegen RWO zu einem entscheidenden Spiel für die gesamte Restsaison hochstilisieren wollen. Was entgegnest du?

Natürlich handelt es sich um eine wichtige Partie, die wir unbedingt gewinnen wollen. Man ist aber schlecht beraten, wenn man sich zu sehr unter Druck setzt oder setzen lässt, zumal auch nach dem Spiel gegen RWO bis zum Saisonende noch 39 weitere Punkte zu vergeben sind. Unser Fokus ist ganz klar darauf ausgerichtet, gegen Oberhausen als Team aufzutreten, über 90 Minuten alles zu geben und die eigene Spielstärke auf den Platz zu bringen. Das ist uns in dieser Saison schon oft gelungen und wird uns auch noch oft gelingen. 

Die letzten beiden Heimspiele gegen den VfB Homberg und gegen Spitzenreiter SV Rödinghausen sind allerdings nicht erfolgreich verlaufen. Warum klappt es diesmal besser?

In beiden Partien hatten wir mehr vom Spiel, konnten aber unsere Möglichkeiten nicht verwerten. Wir haben jedoch schon mehrfach bewiesen, dass wir nach Rückschlägen immer wieder stark zurückkommen.