10. Juni 2020

Wo sind wir zuhause? An der Hafenstraße RWE!

Die rot-weisse Heimat wird 100. (Foto: Gohl)
Die rot-weisse Heimat wird 100. (Foto: Gohl)

Rot-Weisse Heimat feiert 100-jähriges Jubiläum.

Wegen der aktuellen Corona-Pandemie gelten im ganzen Land weiterhin Kontaktbeschränkungen. Eine Vorgabe, welche nicht zuletzt die Rot-Weissen hart trifft. Neben den ausbleibenden Heimspielen kann die RWE-Familie auch nicht zusammenkommen, um ein ganz besonderes Jubiläum zu feiern: 100 Jahren sind vergangen, seit Georg Melches mit seinem Verein an dem Ort Wurzeln schlug, an den noch heute regelmäßig zehntausende Rot-Weisse pilgern.

100 von 113 Vereinsjahren pilgern die Anhänger der Essener nun schon zu Heimspielen ihres RWE an die Essener Hafenstraße. 100 Jahre, in denen sich aus einer Straße an der Grenze der Essener Stadtteile Bergeborbeck und Vogelheim längst eine Heimat entwickelt hat – ein Zuhause für alle Rot-Weissen. Wie andernorts Sonntags zu Kaffee und Kuchen, kommt auch die rot-weisse Familie regelmäßig zusammen. Statt Kaffeetafel gibt es Stauder und Bratwurst; statt sitzend am Esstisch steht die Familie dicht gedrängt auf den Stadionrängen. Man tauscht sich aus, spricht über die Arbeit, über die Familie, über RWE. Aus einer Rasenfläche und Tribünen ist längst ein Wohnzimmer geworden. Wenn das Jubiläum dieser besonderen Stätte in der aktuellen Coronakrise schon nicht angemessen gefeiert werden kann, so bietet sich den RWE-Fans zumindest die Gelegenheit, sich ab Dienstag ein ganz besonderes Erinnerungsstück zu sichern: Zum Anlass des 100-jährigen Jubiläums hat Rot-Weiss Essen ein limitiertes Sondertrikot aufgelegt.

Und wenn das Fluchtlicht brennt…
Freitagabend – RWE ruft zum Heimspiel. Das Fluchtlicht wirft sein Licht über die Stadiondächer hinaus und fällt vor den Toren auf die Hafenstraße. Rot-Weiss macht sich auf den Weg zur Hafenstraße, ob bei Sonne, Regen oder Sturm. Voller Spannung und Vorfreude biegt der rot-weisse Tross ab und nimmt Kurs auf den Flutlichtmast. Vorbei am Hafenstübchen, über die Bahngleise entlang der kleinen Gruga sieht man viele bekannte Gesichter und taucht immer weiter ein in die zwei Farben, die diese Straße so prägen. Durch die Stadiontore hindurch und auf die Ränge, noch ein letzter Schluck vom Kaltgetränk, Luft holen und los: Hergeben was Kehle und Stimmbänder zu bieten haben. Dann wird das Wohnzimmer zum Hexenkessel und die Hafenstraße mit ihrer einzigartigen Atmosphäre durchflutet. Bis man sich mit dem Schlusspfiff hoffentlich wieder jubelnd in den ausgestreckten Armen des Nebenmannes oder der Nebenfrau wiederfindet. 

An der 97a wird es laut
Das Material, die Fangesänge, welche den rot-weissen Chor diese besondere Stimmung jedesmal aufs Neue schaffen lassen, zeigen ebenfalls die Bedeutung der Hafenstraße für Rot-Weiss Essen. „Für uns warst du immer wer, war die Zeit auch noch so schwer. An der Hafenstraße RWE!“, hört man an Spieltagen von der Stadiontribüne. Niemals aufgeben, kämpfen und immer wieder aufstehen. Eigenschaften, die den gesamten Verein Rot-Weiss Essen seit jeher auszeichnen und die an genau diesem Ort erlernt wurden. Bittere Niederlagen haben diese Koordinaten ebenso aufgeladen, wie großartige Siege und Comebacks. Wo einst Georg Melches im August 1945 zwischen den Stadiontrümmern die erste Mitgliederversammlung einberief und die Vereinsmitglieder den Wiederaufbau des Stadions beschlossen, dort erzählt man sich und singt noch heute und hoffentlich auch die nächsten 100 Jahre vom Mythos Hafenstraße – von Zusammenhalt, Treue und Durchhaltevermögen. 

Hexenkessel, Mythos, Wohnzimmer – die Hafenstraße ist das Zuhause aller Rot-Weisser, die vier Wände und bald endlich auch wieder Gastgeber.