2. Februar 2021

Der rot-weisse Traum lebt weiter!

Mal so richtig Grund zum Jubel! RWE schlägt den Bundesligisten Bayer Leverkusen mit 2:1. (Foto: Endberg)
Mal so richtig Grund zum Jubel! RWE schlägt den Bundesligisten Bayer Leverkusen mit 2:1. (Foto: Endberg)

RWE – Leverkusen 2:1 (n.V.). Davari, der Pfosten, Kefkir und Engelmann regeln Wunder.

RWE gewinnt die dritte Runde des DFB-Pokals mit Kampf, Können und einer Prise Spielglück mit 2:1 gegen den Champions-League-Aspiranten Bayer Leverkusen an der Hafenstraße. Die Werkself machte das Spiel, aber RWE hielt mit einem Weltklasse-Keeper Daniel Davari die Null bis in die Nachspielzeit. Und als nach dem 0:1-Rückstand durch Bailey (105.) scheinbar alles vorbei war, drehen Kefkir (108.) und Engelmann (117.) das Match. Rot-Weisser Rahnsinn in Reinform!

Schiedsrichter Daniel Schlager pfeift an: Bei den Gastgebern wirft Chef-Trainer Christian Neidhart im Vergleich zum Bonn-Erfolg zwei frische Kräfte ins Rennen. Oguzhan Kefkir und Cedric Harenbrock sitzen zunächst auf der Bank, dafür starten mit Amara Condé und Felix Herzenbruch zwei Pokal-Helden aus dem Düsseldorf-Fest.
Der Favorit legt furios los: Tapsoba haut in der dritten Minuten aus über 30 Metern drauf und prüft Essens Nummer eins Daniel Davari mit einem gefährlichen Flatterball. Nach acht Zeigerumdrehungen will Lucas Alario aus elf Metern einschieben, doch Davari ist zur Stelle und pariert stark mit dem linken Schienbein.

Auch die Hafenstraßenmänner kommen in die gegnerische Hälfte. Kevin Grund zieht über links an und marschiert bis zur Grundlinie durch und setzt die erste Flanke (22.) Im direkten Gegenzug zielt Bellarabi auf den Schädel von Patrik Schick, der glücklicherweise nur den Pfosten markiert. Kurz darauf spielt Alario auf Aránguiz, doch der Chilene scheitert am bärenstarken RWE-Schnapper (28.), der warm geworden ist, was auch Kerem Demirbay zu spüren bekommt (38.).

Dann scheint der Matchplan zum ersten Mal aufzugehen: Der fleißige Isiah Young lässt zwei Rheinstädter stehen und legt für Kapitän Kehl-Gómez auf. Der versetzt Dragovic und zielt von der Strafraumkante aufs kleine Netz. Bayer-Tormann Lukas Hrádecký steht auf dem falschen Fuß und sieht zu, wie die Murmel links vorbei trudelt.
Kurz nach seiner Einwechslung für den verletzten Bellarabi wird Diaby unmittelbar vor dem Wechsel auf der anderen Seite lang in den Strafraum geschickt und schiebt die Kugel am rechten Aluminium vorbei. Es bleibt beim 0:0 zur Halbzeit, Essen hat sich das Remis bis hierhin verdient erkämpft.

Torwart-Magie in Perfektion
Peter Bosz stellt auf eine Viererkette um und bringt auf der linken Seite Wendell für Angreifer Patrik Schick. Zudem kommt der 17-jährige Florian Wirtz im Mittelfeld den vorbelasteten Palacios. Leverkusen startet eine nicht enden wollende Drangphase, die aber nichts Zählbares einbringen soll. Demirbay schickt Diaby über links, doch Davari guckt das Geschoss wieder an den Pfosten (49.). 120 Sekunden später scheitert Tapsoba per Kopfball-Aufsetzer an Teufelskerl am roten Beton aus Fleisch und Blut. Nach einer Stunde muss Bailey in Duell mit Essens ehemaligen Bundesligaschlussmann und zieht den Kürzeren.
Im Anschluss ordert Christian Neidhart Kefkir und Hildebrandt für Condé und Young auf den Platz. Die Hausherren können sich befreien und holen erneut einen Eckball heraus, doch ansonsten bleibt Bayer 04 am Drücker. Dieser Cup-Kampf kostet Körner, Florian Neuwirt erlöst Kevin Grund (70.).

In den Schlusssekundenbrennt das Stadion Essen: Diaby probiert es aus 18 Metern, Davari lenkt das Spielgerät mit den Fingerspitzen ans linke Gebälk, den Abpraller lenkt er dann auch noch irgendwie an den anderen Pfosten – Torwart-Magie in Perfektion (89.)!
Plötzlich haben die Roten  zwei Gelegenheiten. Sandro Plechaty zirkelt aus 20 Metern rechts neben den Kasten. Einen haben wir noch in den regulären 90 Minuten: Oguzhan Kefkir setzt zum Seitfallzieher an, Wendell fälscht zur Ecke ab. Rahnsinn bei strömenden Regen – es geht in die Verlängerung.

Es gibt das Wunder von der Hafenstraße
Jetzt geht hier alles, der absolute Pokalkracher nimmt Gestalt an. In der 105. Spielminute fällt zunächst die vermeintlich logische Führung für Bayer. Essen kann eine Ecke nicht klären und Bailey aus acht Metern einschieben – 0:1. Ende, aus, Mickey Maus? Denkste!
Nur 180 Sekunden später gleichen die Roten aus. Die Werkself verteidigt schlampig und der kurz zuvor eingewechselte Platzek zieht einfach mal ab. Hrádecký kann nur abklatschen lassen und Pokal-König Oguzhan Kefkir müllert den Knicker aus sieben Metern zum 1:1-Ausgleich ins Netz. Jaaa!!!

Der Irrsinn geht weiter: Vielleicht, weil unsere Mannen keinen Bock auf ein Elfmeterschießen haben, muss Engelmann das Ding hier noch einmal regeln. Der frische Cedric Harenbrock serviert für die rot-weisse Tormaschine butterweich auf, der macht die unglaubliche Pokalsensation trocken aus spitzem Winkel wahr.
2:1 – Rot-Weiss Essen öffnet das nächste Kapitel vom Wunder von der Hafenstraße (117.)!