16. März 2021

„Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen bleiben“

Christian Neidhart: "Ruhe bewahren und alle Kräfte bündeln." (Foto: Endberg)
Christian Neidhart: „Ruhe bewahren und alle Kräfte bündeln.“ (Foto: Endberg)

Christian Neidhart vor dem Mittwochabend-Duell gegen die U23 von Borussia Dortmund.

Mit Rot-Weiss Essen und der U23 von Borussia Dortmund stehen sich an diesem Mittwoch, 19.30 Uhr, der Tabellenzweite und der Spitzenreiter im Top-Spiel der Regionalliga West gegenüber. Vor dieser Nachholpartie vom 25. Spieltag, die Anfang Februar den schlechten Platzverhältnissen im Stadion Essen zum Opfer gefallen war, rangiert der BVB – bei allerdings einem mehr ausgetragenen Spiel – vier Punkte vor RWE. Beide Mannschaften können damit noch aus eigener Kraft Meister werden und in die 3. Liga aufsteigen. Von den weiteren Konkurrenten in der Spitzengruppe haben sich beide Teams ein Stück abgesetzt, so dass dem direkten Duell eine hohe Bedeutung zukommt. "Es wird aber mit Sicherheit noch nichts entschieden", betont RWE-Cheftrainer Christian Neidhart. Im aktuellen Interview nimmt der Fußballehrer Stellung zur aktuellen Situation.

Hallo Christian! Mit der 0:1-Niederlage beim SC Preußen Münster musste RWE die zweite Saisonniederlage hinnehmen. Was hat aus Deiner Sicht dazu geführt?
Unter dem Strich war die Niederlage sehr unglücklich für uns. Vor allem während der ersten Halbzeit hatten wir zahlreiche gute Möglichkeiten, um selbst in Führung zu gehen. Diese haben wir nicht genutzt. Ich erinnere da nur an den Pfostentreffer von Cedric Harenbrock, den Nachschuss von Felix Backszat und den Kopfball von Daniel Heber, der auf der Linie geklärt wurde. Kurz nach der Pause haben die Preußen dann einen Fehler von uns sofort bestraft und sich nach der Führung noch mehr auf die eigene Defensivarbeit konzentriert. Dadurch war es alles andere als leicht, zu Torchancen zu kommen. Wir haben zwar alles versucht, konnten uns aber nur noch selten entscheidend durchsetzen. Dass in ein oder sogar zwei Situationen nicht auf Elfmeter entschieden wurde, kam dann noch hinzu. Insgesamt war es eine bittere Pille, die wir schlucken mussten. Das ist jetzt aber längst abgehakt, wir konzentrieren uns nur noch auf die nächste Aufgabe.

Es fällt auf, das RWE in diesem Jahr in allen drei Auswärtsspielen kein Tor erzielt hat. Wie ist das zu erklären?
Genügend Möglichkeiten, um zu Toren zu kommen, hatten wir nicht nur in Münster, sondern auch zuvor in Wiedenbrück und Düsseldorf. Von daher ist klar, dass unsere Chancenverwertung wieder besser werden muss. Hinzu kommt, dass sich die Gegner auf unsere Spielweise vielleicht auch ein Stück weit besser einstellen, als es noch während der Hinserie der Fall war. Dafür müssen wir Lösungen finden.

Der Rückstand zu Spitzenreiter BVB II ist um einen Zähler auf vier Punkte angewachsen. Hat sich dadurch die Ausgangslage für das Spitzenspiel verändert?
Es hat sich trotz der Niederlage in Münster nichts daran geändert, dass wir es nach wie vor selbst in der Hand haben und nur auf uns schauen müssen. Grundsätzlich spielt es zum jetzigen Zeitpunkt keine entscheidende Rolle, wer auf Platz eins oder zwei steht. Erst am Saisonende gilt es. Dann wollen wir Erster sein. Dass es auf diesem Weg hilfreich wäre, die drei Punkte an der Hafenstraße zu behalten, liegt auf der Hand.

Auch vor dem Hinspiel war der BVB Tabellenführer, während RWE sogar mit zwei Partien im Rückstand war. Ist die Situation daher vergleichbar?
Vor dem Hinspiel war die Lage für uns aus meiner Sicht fast noch schwieriger. Damals hatten wir nur das Unentschieden zum Auftakt gegen den SC Wiedenbrück auf dem Konto, der BVB aber schon drei Partien gewonnen. Mit einem Sieg hätten die Dortmunder direkt auf elf Punkte wegziehen können. Von daher waren wir schon in einer Drucksituation, aus der wir uns dann nach dem Rückstand durch unseren späten Ausgleich sehr gut befreien konnten. Unter dem Strich war es ein Duell auf Augenhöhe zweier Teams mit hoher Qualität – und so wird es auch diesmal sein.

Die Konkurrenz versucht gerne, RWE die Favoritenrolle zuzuschieben. Wie siehst Du das?
Wir haben vor der Saison den Aufstieg in die 3. Liga als klares Saisonziel formuliert. Das ist unser Anspruch, daran hat sich nichts geändert. Wir werden auf jeden Fall alles dafür geben.

Welche Bedeutung hat vor diesem Hintergrund das direkte Duell mit dem BVB?
Es ist ein sehr wichtiges Spiel, keine Frage. Es treffen zwei Top-Mannschaften aufeinander, wir wollen das Duell für uns entscheiden. Die Meisterschaft wird aber ganz sicher nicht durch dieses Spiel entschieden, unabhängig vom Ausgang. Dafür ist die Saison noch viel zu lang. Beide Teams müssen noch zahlreiche schwere Spiele bestreiten und werden sicher nicht jede Partie gewinnen. Das hat ja gerade auch der letzte Spieltag gezeigt.
 
Läuft es denn auf einen dauerhaften Zweikampf mit den Dortmundern hinaus oder können auch noch andere Vereine – beispielsweise der Tabellendritte Preußen Münster – ganz oben eingreifen?
Ich will das nicht ganz ausschließen, zumal Münster aktuell wirklich einen guten Lauf hat und zu Hause auch noch gegen den BVB antreten wird. Dennoch spricht viel dafür, dass es vor allem zwischen dem BVB und uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen bleiben wird. Beide Teams haben in der Tabelle nach wie vor einen Vorsprung vor der Konkurrenz, haben weniger Spiele als die Verfolger ausgetragen und sind bislang sehr, sehr stabil. Da ist es schwer vorstellbar, dass plötzlich beide Mannschaften in Negativläufe geraten. Aber wie gesagt: Die Saison ist sehr lang. Nach dem Dortmund-Spiel warten auf uns noch 14 schwere Partien, in denen wir ebenfalls nichts geschenkt bekommen und unsere Leistung bringen müssen. Wichtig wird es sein, die Ruhe zu bewahren und alle Kräfte zu bündeln.