22. Mai 2021

„Bei Omma um 12 gegessen, damit wir um 15 Uhr auf dem Platz sind“

Blick mit Sehnsucht auf den echten Rasen: Sauskat bleibt RWE erhalten. (Foto: RWE)
Blick mit Sehnsucht auf den echten Rasen: Sauskat bleibt RWE erhalten. (Foto: RWE)

Roland Sauskat ist Rot-Weisser – und bleibt Rot-Weisser.

Roland Sauskat lebt RWE! Eigentlich könnte der 65-Jährige seit Ende April seine Tage entspannt im eigenen Garten verbringen, denn der Fanprojektler mit Herz und Seele hat seine Arbeitstage geschafft – endlich Rente! Sauskats Organ in  der Brust schlägt aber schnell für Rot-Weiss Essen, darum wird er weiter an der Hafenstraße beschäftigt sein.

Ohnehin ist der neue Alte unter den RWE-Mitarbeitern bekannt und ein beliebter Gast auf der Geschäftsstelle an der Hafenstraße. Gast ist aber eigentlich gar nicht richtig: Der Horster – „Gelsenkirchen ist der Parkplatz von unserem Stadtteil“, scherzt er – ist schließlich kein echter Neuzugang, sondern Rückkehrer in mehrfacher Hinsicht. Sauskat arbeitete 25 Jahre im Fanprojekt, zuletzt auf der Lehrstraße, davor an der Geschäftsstelle des Georg-Melches-Stadions. Und die Rückkehr aus dem Ruhestand…Die ist auch nicht so wirklich eine: Nach wenigen Tagen Rente, seine Arbeitszeit endete erst Mitte April, wird Sauskat für die Wartung der rot-weissen Autoflotte zuständig sein oder unterstützend bei Fan-Anliegen unter die Arme greifen.

Rot-Weiss ist Familie
Einen großen Garten habe Sauskat zwar, lieber als der Ruhestand auf dem Rollrasen sei ihm aber die Zeit auf dem Hafenstraßen-Grün. „Im Garten ist zwar viel zu tun, da habe ich aber gar keinen Bock drauf, jeden Tag einen Wildkräuter-Halm auszuzupfen“, verrät er augenzwinkernd. Darum lieber Hafenstraße, mit Rot-Weiss Essen hat Sauskat immerhin schon viel erlebt. Seinen Opa rettete der Herzensverein sogar einst vor einem schweren Grubenunglück 1955 auf der Zeche Nordstern, tauschte er doch seine Schicht wegen des Meisterschafts-Endspiels gegen den 1. FC Kaiserslautern. Selbst lieben gelernt hat Sauskat Rot-Weiss Essen dann 1965, als er vom Eingang der Ostkurve einen Blick auf das rot-weisse Fahnenmeer im Georg-Melches-Stadion erhaschte. „Auf einmal war das mein Verein“, erzählt er stolz.

„Am Ball konnt‘ ich was“
Sauskat selbst stand auch auf dem Feld. „Am Ball konnt‘ ich was“, erklärt er in  seinem Ruhrpott-Dialekt. „Der Oppa hat immer zwei Mark für Tore gegeben, dann hatte ich zwei Tore gemacht – vier Mark bekommen“, erinnert sich Sauskat, der sich auch eine Karriere als Pferde-Jockey hätte vorstellen können, dann aber doch vor seinem Abendgymnasium-Abitur Tankwart gelernt hat. Gegessen wurde immer zur Mittagszeit: „Damit wir um 15 Uhr auf dem Platz sind“ erklärt er.  Auf dem Platz stand Sauskat auch schon an der Hafenstraße: Mit Kevin Grund passte er sich einmal vor wenigen Jahren und vollem Stadion die Bälle am Spieltag zu. Früher hätte er auch gerne mit Lippens und Hrubesch „gepöhlt“: „Das war die beste Zeit mit Rot-Weiss, die ich hatte“, erzählt er.

Wo Sauskat künftig an der Hafenstraße Duelle schauen wird? Das wird sich zu seiner Tätigkeit im Fanprojekt nicht verändern. Aus der Loge deutet er schnurstracks auf die Rahn-Tribüne: „Da habe ich immer mindestens eine Halbzeit verbracht“, schließlich sitzen dort seine Bekannten, erklärt Sauskat. Aber auf einen festen Platz möchte er sich nicht festlegen, ein Fanarbeiter ist schließlich mal hier und mal dort im Stadion – „und dieses Fanarbeiter-Sein, das legst Du nicht ab“!