5. August 2021

„Nach oben keine Grenzen“

"Es passt alles. Die Mannschaft hat mich gut aufgenommen": Zlatko Janjic fühlt sich bei Rot-Weiss Essen wohl. (Foto: Endberg)
„Es passt alles. Die Mannschaft hat mich gut aufgenommen“: Zlatko Janjic fühlt sich bei Rot-Weiss Essen wohl. (Foto: Endberg)

RWE-Neuzugang Zlatko Janjic im Interview vor dem Duell mit seinem Ex-Verein SC Verl.

15 Treffer in 21 Partien der Regionalliga West, 81 Tore in 216 Drittliga-Begegnungen, dazu noch 70 Einsätze in der 2. Bundesliga: Mit dieser Empfehlung läuft seit diesem Sommer Angreifer Zlatko Janjic für Rot-Weiss Essen auf. Bereits am Samstag (07. August, 14.00 Uhr) wartet auf den Neuzugang das Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Verein, dem SC Verl. Zuvor nahm sich der 35-Jährige die Zeit für ein Interview.

Herzlich willkommen an der Hafenstraße, Zlatko! Mit 35 Jahren beenden andere Spieler teilweise ihre Karriere. Warum hast Du Dich noch einmal für eine neue Aufgabe entschieden?
So wie ich mich körperlich fühle und die zurückliegende Saison mit 14 Drittliga-Toren gelaufen ist, hat sich für mich nicht die Frage gestellt, ob ich weitermache. Der Gedanke ist auch nicht nötig, solange ich auf diesem Niveau mithalten kann. Ich habe einfach noch zu viel Spaß am Fußball, um aufzuhören.

Gibt es denn grundsätzlich schon Pläne für die Zeit nach Deiner aktiven Karriere?
Ich habe ein abgeschlossenes Sportmanagement-Studium und absolviere aktuell eine Weiterbildung im Bereich Performance Analyse Fußball. Mein Ziel ist es, da möglichst breit aufgestellt zu sein. Ich hatte auch schon die Zusage, die DFB-Jugend-Elite-Lizenz als Trainer absolvieren zu können. Der Lehrgang war dann aber wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. Das will ich demnächst nachholen, wenn es zeitlich passt.

Was hat für Rot-Weiss Essen den Ausschlag gegeben?
Die Gespräche mit Sportdirektor Jörn Nowak, Vorstand Marcus Uhlig – den ich noch aus unserer gemeinsamen Zeit bei Arminia Bielefeld kenne – und Trainer Christian Neidhart waren sehr gut. Ich hatte danach einfach total Lust darauf. Ich finde es sehr reizvoll, Teil der Mannschaft zu sein, die RWE nach so langer Zeit zurück in den Profibereich bringt.

Wie sind bisher die Eindrücke Deiner Zeit bei RWE?
Es passt alles. Die Mannschaft hat mich gut aufgenommen, der Kern des Kaders ist nach der starken zurückliegenden Saison zusammengeblieben. Mit Dennis Grote und Daniel Davari sind sogar zwei Jungs dabei, mit denen ich schon beim MSV Duisburg zusammengespielt habe. "Diva" ist sogar mein Sitznachbar in der Kabine. Auch mit dem Rest des Teams verstehe ich mich gut. Im Trainingslager haben wir einige Teamabende gemacht, auch die Kanu-Tour hat zum Zusammenhalt beigetragen. Sportlich haben wir die Zeit natürlich auch genutzt und an unserer Spielidee gearbeitet. Wir wollen den Ball laufen lassen und das Geschehen kontrollieren. Das passt gut zu mir und meiner Spielweise.

In den beiden zurückliegenden Spielzeiten hast Du für den SC Verl insgesamt 29 Treffer erzielt und warst an weiteren 13 Toren als Vorlagengeber beteiligt. Nimmst du Dir bei RWE eine bestimmte Marke vor?
Nein, das habe ich bislang auch nicht gemacht. Darüber würde man sich nur zu viele Gedanken machen. So gibt es nach oben keine Grenzen. Ich bin aber zuversichtlich, dass es mehr Tore werden als in meiner bislang letzten Spielzeit in der Regionalliga West. Da hatte ich für den SC Verl 15 Treffer erzielt. Allerdings kam ich in der Saison wegen der Corona-Pandemie auch nur zu 21 Einsätzen.

In der 3. Liga belegst du mit 81 Treffern in 216 Begegnungen sogar Platz zwei in der "ewigen Torschützenliste". Was bedeutet dir das?

Das ist eine schöne Bilanz und auch ein Zeichen dafür, dass ich bei vier verschiedenen Vereinen meine Leistung regelmäßig abgerufen habe. Damit habe ich vielleicht auch gezeigt, dass das Alter eines Spielers nicht unbedingt etwas zu sagen hat. Mit insgesamt sechseinhalb Spielzeiten habe ich sogar teilweise weniger Spiele für die Anzahl der Treffer benötigt als einige andere Spieler in der Spitzengruppe. Jetzt will ich meine Ausbeute in der Regionalliga West noch weiter nach oben schrauben. Und wenn die Saison so verläuft, wie sich das alle vorstellen, muss danach noch nicht Schluss sein.

Mit dem SC Verl ist Dir nicht nur der Aufstieg in die 3. Liga gelungen, auch eine Spielklasse höher habt Ihr eine gute Rolle gespielt. Was war das Erfolgsgeheimnis?
Der Zusammenhalt war außergewöhnlich. Wir hatten eine sehr homogene Truppe. Jeder hat den anderen Jungs die Spielzeit gegönnt. Der gesamte Kader hat sich geschlossen für den Erfolg der Mannschaft eingesetzt. Die Spieler waren füreinander da. Das war die ideale Voraussetzung, um unsere Qualität auf den Platz zu bringen.

In Essen hast Du mit Torschützenkönig Simon Engelmann im Sturm starke Konkurrenz. Wie versteht Ihr Euch?
Sehr gut. Es verging fast kein Abend, an dem wir im Trainingslager nicht gemeinsam mit Dennis Grote auf dem Hotelzimmer gesessen haben. Sportlich ist das bei uns auch keine "Entweder…oder"-Frage. Wir können genauso gut auch gemeinsam auf dem Platz stehen. Beim MSV Duisburg hatte ich auch mit Kingsley Onuegbu sehr erfolgreich einen Stoßstürmer noch vor mir auf dem Feld positioniert. Das kann mit Simon genauso gut klappen.

RWE startet in der Liga mit einem Auswärtsspiel in Bonn, das erste Heimspiel steigt am Freitagabend, 20. August, ab 19.30 Uhr unter Flutlicht gegen den SV Straelen. Wie groß ist schon jetzt die Vorfreude?
Die Hafenstraße kannte ich bislang nur als Gegenspieler. Bei den nächsten Partien werden die Fans aber meine Mannschaft und mich unterstützen. Auf diesen Moment fiebere ich hin. In den zurückliegenden Monaten hat man einfach gespürt, dass der Fußball ohne die Fans nicht derselbe ist. Die rund 2.500 Zuschauer beim Abschiedsspiel von Kevin Grund und Marcel Platzek gegen den 1. FC Bocholt waren schon ein kleiner Vorgeschmack. Die Stimmung im Stadion war für ein Vorbereitungsspiel außergewöhnlich. In der Meisterschaft wird das sicherlich noch einmal deutlich übertroffen.

Am kommenden Samstag trifft Janjic mit seiner neuen Truppe auf den SC Verl, den Ex-Verein des Torjägers. Tickets für die Saison-Generalprobe sind noch bis einschließlich Freitag im Fanshop an der Hafenstraße erhältlich. Im Rahmen des Spiels werden auch erstmals die neuen Heimtrikots zu erwerben sind – hierzu öffnet zwischen 12.00 und 14.00 Uhr der Fanshop an der Hafenstraße seine Türen. Eine Tageskasse gibt es zum Duell mit dem SC nicht.