19. August 2021

Marschroute: „Nachlegen und gleichzeitig vorlegen“

Neidhart: "Wir alle spielen doch Fußball für die Fans." (Foto: Endberg)
Neidhart: „Wir alle spielen doch Fußball für die Fans.“ (Foto: Endberg)

RWE-Cheftrainer Christian Neidhart vor Heimpremiere gegen SV Straelen.

Eine bessere Heimpremiere in der neuen Regionalliga-Saison könnte sich Rot-Weiss Essen kaum wünschen: Freitag, Flutlicht und vor allem viele Fans! Vor bis zu 7.500 Zuschauern trifft das Team von Cheftrainer Christian Neidhart zum Auftakt des 2. Spieltages auf den SV Straelen – und strebt nach dem Auftaktsieg in Bonn jetzt auch den ersten Dreier an der heimischen Hafenstraße an. Im aktuellen Interview mit der "kurzen fuffzehn" nimmt der 52-jährige Fußball-Lehrer Christian Neidhart ausführlich Stellung.

Hallo Christian! Mit dem 3:0-Auswärtssieg beim Bonner SC hat RWE einen gelungenen Saisonstart hingelegt. Wie fällt Dein Fazit aus?
Wir sind auf einen Gegner getroffen, der gut begonnen hat und dann auch zu einer sehr guten Chance kam. In dieser Szene hat uns Daniel Davari vor einem möglichen Rückstand bewahrt. Für uns war es dann sehr wichtig, noch vor der Pause in Führung zu gehen, zumal das Stadion wegen der hochsommerlichen Temperaturen fast einem Glutofen glich. Da hat uns die Führung schon in die Karten gespielt. Unter dem Strich ist der Auftakt gelungen. Jetzt freuen wir uns alle auf das erste Heimspiel an der Hafenstraße.

Was hat Dir schon besonders gut gefallen?
Nach der 1:0-Führung haben wir Spielfreude gezeigt, zwei weitere Treffer nachgelegt und das Spiel souverän nach Hause gebracht. Alle Einwechslungen haben für frischen Wind gesorgt. Das galt für Zlatko Janjic, der sofort einen Treffer beigesteuert hat, aber auch für die jungen Erolind Krasniqi, José-Enrique Rios Alonso und Sascha Voelcke, die es aktuell wirklich gut machen. Das zeigt, dass wir von der Bank gut nachlegen können. Sehr positiv war auch, dass Isaiah Young ein Tor erzielt und zahlreiche weitere gute Aktionen hatte. Die Fans haben ihn lautstark gefeiert. Das tut dem Jungen richtig gut.

Stichwort Wechsel: Warum blieb Kevin Holzweiler, der das 1:0 mustergültig vorbereitet hatte, zur Pause in der Kabine?
Kevin hatte kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit bei einem Zusammenprall einen Schlag mit der Hand oder dem Ellenbogen ins Gesicht abbekommen. Dabei war er wohl auch von einem Fingernagel genau im Auge getroffen worden und sah deshalb verschwommen. Wir sind kein Risiko eingegangen und haben Kevin sofort von einem Arzt behandeln lassen. Ich gehe davon aus, dass er uns gegen den SV Straelen wieder zur Verfügung steht. Gleiches gilt für Simon Engelmann, der in Bonn einen Schlag auf den Fuß bekommen hatte.

Für die Partie gegen den SV Straelen sind erstmals seit langer Zeit wieder über tausend Zuschauer an der Hafenstraße zugelassen. Es ist Deine größte Kulisse als RWE-Trainer, oder?
Das stimmt – und deshalb freuen wir uns alle noch mehr auf Freitagabend. In der Anfangsphase der letzten Saison durften beim 2:0 gegen die U 23 von Fortuna Düsseldorf mal 5.000 Fans dabei sein, sonst immer deutlich weniger oder – leider in den meisten Fällen – gar keine. Umso mehr hoffe ich, dass wir ab jetzt auch wieder dauerhaft vor so vielen Zuschauern spielen dürfen und dass es nach und nach möglichst noch mehr werden. Denn wir alle spielen doch Fußball für die Fans.

Beim letzten Aufeinandertreffen mit dem SV Straelen schied RWE im Halbfinale des Niederrheinpokals aus. Schmerzt das noch?
Das ist abgehakt, denn es bringt auch nichts, dem hinterher zu trauern. Wir haben den Sieg damals in der letzten Minute aus der Hand gegeben, das war sehr ärgerlich. Im Elfmeterschießen war Straelen dann aber besser als wir und hat daher auch verdient gewonnen. Das hat aber nichts mehr mit dem jetzt anstehenden Ligaspiel zu tun, deshalb kann auch von einer möglichen Revanche keine Rede sein.

Der SV Straelen ist mit einem 3:2-Heimsieg gegen Rot Weiss Ahlen ebenfalls erfolgreich gestartet. Wie schätzt Du den Gegner ein?
Der Verein ist in allen Bereichen ordentlich aufgestellt, verfügt über ein gutes Umfeld. Die Chancen stehen sicherlich nicht schlecht, sich fest in der Regionalliga zu etablieren. Wir treffen auf einen gut besetzten Gegner, der alles versuchen wird, um uns erneut das Leben so schwer wie möglich zu machen. Gegen Ahlen kam die Mannschaft zweimal nach einem Rückstand ins Spiel zurück und wendete am Ende komplett das Blatt.

Mit Kevin Wolze kam kurz vor dem Saisonstart noch ein langjähriger Zweitliga-Profi nach Straelen, steuerte gegen Ahlen auf Anhieb einen Treffer bei. Müsst Ihr auf den früheren Duisburger ein besonderes Auge werfen?
Klar ist, dass er dem Team sicherlich helfen kam. Als Linksfuß ist er auch bei Standards sehr gut und gefährlich für den Gegner. Da müssen wir schon aufpassen.

Wie lautet die Marschroute?
Wir spielen am Freitagabend unter Flutlicht, können also im Vergleich zur Konkurrenz vorlegen. Das ist ganz klar unser Ziel. Nach dem Auftaktsieg in Bonn wollen wir den nächsten Dreier nachlegen.

Linksverteidiger Michel Niemeyer, der einen Großteil der Vorbereitung verpasst hatte, gehörte in Bonn zumindest zum Aufgebot. Hat er den Anschluss schon geschafft?
Michel ist belastbar und kann jetzt voll mittrainieren, weist aber nach seiner langen Pause noch einen erheblichen Trainingsrückstand auf. Wir werden intensiv daran arbeiten, ihn heranzuführen. Mal schauen, ob es schon für einen Einsatz reicht.

Gibt es noch Ausfälle für die Heimpremiere?
Oguzhan Kefkir muss gegen Straelen das letzte Spiel seiner Rotsperre absitzen. David Sauerland ist nach einigen Rückschlägen noch nicht bei 100 Prozent, Nils Kaiser konnte nach einer Pause erst in dieser Woche wieder in das Training einsteigen.