16. September 2021

„Möglichst jeden Spieler mitnehmen“

RWE-Cheftrainer Christian Neidhart vor Revierderby gegen U23 des FC Schalke 04.

"Möglichst jeden Spieler mitnehmen" – Rot-Weiss Essen




„Qualität auf den Platz bringen und die drei Punkte in Essen behalten“: Christian Neidhart. (Foto: Endberg)

Derbyzeit an der Hafenstraße: Die U23 des FC Schalke 04 stellt sich am Freitag, 19.30 Uhr, bei Flutlicht-Atmosphäre zum Revierduell im Stadion Essen vor. Nach dem eindrucksvollen 3:2-Auswärtsspiel im Top-Spiel beim SC Preußen Münster geht es für die Rot-Weissen darum, mit dem dritten Heimsieg in Folge die gute Ausgangsposition weiter zu festigen. Im aktuellen Interview nimmt RWE-Cheftrainer Christian Neidhart ausführlich Stellung.

Hallo Christian! Werden wir mit Blick auf den 3:2-Auswärtssieg beim SC Preußen Münster von einem „Meilenstein“ sprechen, wenn wir eines Tages auf die Regionalliga-Saison 2021/2022 zurückblicken?

Neidhart: Ich hätte nichts dagegen, wenn es so kommt. (lacht) Es würde dann ja wohl bedeuten, dass wir die Spielzeit auch erfolgreich abgeschlossen haben. Aber so weit sind wir noch lange nicht. Klar ist: Auf jeden Fall war es ein sehr wichtiger Sieg für uns. Nach den ersten sechs Spieltagen können wir festhalten, dass wir mit dem Wuppertaler SV, Fortuna Köln und Preußen Münster schon auf drei andere Topteams in dieser Liga getroffen sind – und dreimal den Platz als Sieger verlassen haben. Gerade in Münster hat die Mannschaft Moral bewiesen und in der zweiten Halbzeit überragend gespielt. Das ist kein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen. Aber es gibt uns ein gutes Gefühl für die nächsten Aufgaben.

War es auch ein Schlüssel, dass RWE nach dem 2:2-Ausgleich weiter entschlossen die Chance auf den Sieg gesucht hat?

Definitiv. Deshalb habe ich nach 70 Minuten mit Cedric Harenbrock und Erolind Krasniqi auch noch mal zwei frische Offensivspieler eingewechselt. Wir hatten nach dem 2:2 das Momentum auf unserer Seite und wollten alles dafür tun, um die Partie noch für uns zu entscheiden. Es zeichnet die Mannschaft aus, dass sie sich in einer solchen Situation nicht mit einem Punkt zufrieden gibt, sondern weiter nach vorne spielt. Dafür wurden wir belohnt.

Wir müssen aber auch über die erste Halbzeit sprechen. Da lag RWE 0:2 zurück. Woran lag es, dass die Mannschaft nicht wie gewünscht in das Spiel gekommen ist?

Da kamen einige Dinge zusammen. Zum einen haben wir die beiden Gegentreffer durch unsere Fehler sowie unser passives Defensivverhalten begünstigt. Noch mehr hat mich allerdings geärgert, dass wir Münster das Spiel weitgehend überlassen haben. Die Köpersprache hat nicht gestimmt. Das geht in einem solchen Duell nicht.

Bist Du in der Halbzeit laut geworden?

Wir haben die Fehler natürlich deutlich angesprochen und das Team durch die Hereinnahme von Simon Engelmann auch ein wenig umgestellt. Vor allem aber habe ich den Jungs gesagt, dass sie bei sich bleiben, in der zweiten Halbzeit unsere spielerische Qualität auf den Platz bringen und den Ball laufen lassen sollen. Das haben sich dann auch sehr gut umgesetzt.

Hat das verletzungsbedingte Ausscheiden des Münsteraner Doppeltorschützen Thorben Deters eine Rolle gespielt?

Schwer zu sagen. Thorben ist sicherlich ein wichtiger Spieler, hat die beiden Tore auch gut gemacht. Es war aber auch so, dass Preußen Münster in der ersten Halbzeit sehr viel investiert hatte und diese Intensität nicht durchhalten konnte. Vielleicht waren sie sich nach dem 2:0-Vorsprung auch ein Stück weit zu sicher. In erster Linie haben wir jedoch ein ganz anderes Gesicht gezeigt und uns deshalb auch den Sieg verdient. Dabei kam uns der frühe Anschlusstreffer nach der Halbzeit sicher nicht ungelegen. Danach waren wir voll im Spiel.

Isaiah Young gelang in Münster nicht alles. In der zweiten Halbzeit war er jedoch an den drei RWE-Treffern entscheidend beteiligt. Wie beurteilst Du seine Leistung?

Isi ist ein Spieler, der immer viel versucht und dabei auch ins Risiko geht. Dabei macht er dann auch mal Fehler, was in der Natur der Sache liegt. Am Ende aber macht er dann oft den Unterschied. So war es auch in Münster – und das freut mich sehr für ihn.

Hatte es etwas mit der engen zeitlichen Abfolge der Spiele in der englischen Woche zu tun, dass Zlatko Janjic diesmal von Beginn an für Simon Engelmann im Sturm gespielt hat?

Auf jeden Fall. Bei einem Freitag-Dienstag-Freitag-Rhythmus ist die Belastung sehr hoch. Deshalb können wir uns glücklich schätzen, zwei solche Torjäger in unseren Reihen zu haben. Für beide ist es schwierig, in einer Woche dreimal über 90 Minuten zu gehen. Das gilt aber auch für andere Positionen, auf denen ebenfalls ein großer Konkurrenzkampf herrscht. Grundsätzlich ist es wichtig, möglichst jeden Spieler mitzunehmen und allen Einsatzzeiten zu ermöglichen. Deshalb kann es sein, dass wir auch für das Schalke-Spiel ein wenig rotieren und wieder den einen oder anderen Wechsel vornehmen werden.

Stichwort Schalke: Nachdem sich unsere Gäste in dieser Saison bislang vor allem defensiv stark, aber in der Offensive noch nicht so durchschlagskräftig präsentiert hatten, gewannen sie am Dienstag gegen Rot Weiss Ahlen 5:3. Überrascht?

Bei zweiten Mannschaften kann mich gar nichts überraschen. Wir hatten Schalke auch beim Spiel in Lotte beobachtet. Dort hatten sie zwar durch einen Elfmeter und einen Konter 0:2 verloren, waren aber sehr spielstark. Von daher wissen wir, was auf uns zukommt.

Wie wird die Marschroute aussehen?

Wir haben ein Heimspiel, wollen unsere fußballerische Qualität auf den Platz bringen und die drei Punkte in Essen behalten. Durch die jüngsten Ergebnisse haben wir wieder eine Euphorie entfacht und wollen diese jetzt auch weiter schüren.