29. September 2021

Felix Bastians: „Volle Identifikation mit der Aufgabe“

RWE-Zugang im Interview.

Felix Bastians: "Volle Identifikation mit der Aufgabe" – Rot-Weiss Essen
„Allrounder“ in der Verteidigung: Felix Bastians ist sowohl als Innen-, als auch als Außenverteidiger einsetzbar. (Fotos: Endberg)

Vier Spiele hat Innenverteidiger Felix Bastians, der Anfang September an die Hafenstraße wechselte, schon im rot-weissen Trikot absolviert, davon zuletzt drei in der Startaufstellung. Während seiner langjährigen Profikarriere war der 33-jährige Routinier unter anderem Kapitän beim VfL Bochum, spielte aber auch schon in England, der Schweiz, China und Belgien. Im Interview spricht Felix Bastians über Fußball im Ruhrgebiet, Auslandserfahrungen und persönliche Ziele.

Felix Bastians, was macht den Fußball im Ruhrgebiet für Dich aus?
Nirgendwo wird der Fußball so geliebt und gelebt wie hier bei uns im „Pott“. Ich habe während meiner Karriere schon in vielen Ländern gespielt. Wenn die Leute sehen, dass du auf dem Platz alles raushaust, wirst du überall akzeptiert. Im Ruhrgebiet gilt das aber noch ein bisschen mehr. Ich habe es bei meinem Heimatverein VfL Bochum erlebt, welche Kraft man freisetzen kann, wenn man sich mit dem Verein, den Fans und der gesamten Region identifiziert.

Du warst schon für die SG Wattenscheid 09, Borussia Dortmund und dreimal für den VfL Bochum am Ball. Hat in dieser Liste RWE irgendwie noch gefehlt?
Sozusagen. (lacht) Für Wattenscheid 09 und Borussia Dortmund war ich in der Jugend, für den VfL im Nachwuchs und später im Profibereich aktiv. Was das Letztere betrifft, bin ich sehr zuversichtlich, dass es auch mit RWE klappen kann.

Kamen Dir die klar formulierten und hochgesteckten Ziele an der Hafenstraße bei Deiner Unterschrift entgegen?
Jeder Sportler sollte so ehrgeizig wie möglich sein. Wenn Rot-Weiss Essen mit seiner gesamten Wucht von etwas anderem reden würde als dem Aufstieg, wäre es wenig glaubhaft. Deshalb sind die Ziele nur logisch und auch nachvollziehbar. Wir gehen aber mit Respekt und Demut gegenüber den anderen Gegnern an diese Aufgabe heran.

In Deutschland hast Du während Deiner Laufbahn insgesamt 208 Erst- und Zweitligaspiele für SC Freiburg, Hertha BSC und den VfL Bochum absolviert. Wie willst Du Dich einbringen, damit für RWE und Dich eine Win-Win-Situation entsteht?
Alles entscheidend wird sein, dass ich meine bestmögliche Leistung auf den Platz bringe. Darauf kommt es an. Natürlich bin ich für die jungen Spieler auch als Ansprechpartner für Gespräche offen. Letztendlich möchte ich aber erst einmal durch Leistung überzeugen. Wenn man neu irgendwo hinkommt, muss man sich immer erst beweisen. Ich habe den persönlichen Ehrgeiz, mich bei RWE ins Team zu arbeiten und der Mannschaft auf dem Platz zu helfen.

Nach Deiner Zeit als Kapitän beim VfL Bochum bist Du zunächst für zwei Jahre nach China gewechselt, danach warst Du in Belgien für Waasland-Beveren am Ball. Was war Deine Motivation, um diesen Weg zu gehen?
Ganz nüchtern betrachtet: Der chinesische Verein Tianjin Jinmen Tiger konnte die Ablöseforderung des VfL Bochum damals stemmen. Der Wechsel war für mich auch finanziell lukrativ. Das Gesamtpaket hatte gestimmt. Jede Auslandserfahrung bringt einen Spieler nicht nur beruflich, sondern auch persönlich in der Entwicklung einen Schritt nach vorne. Es war eine große Umstellung nicht nur für mich, sondern auch für die gesamte Familie. Ich bin jetzt auch froh, endlich wieder zu Hause angekommen zu sein.

Felix Bastians: "Volle Identifikation mit der Aufgabe" – Rot-Weiss Essen
Felix Bastians, hier mit den Teamkollegen Raphael Koczor (mi.) und Jakob Golz (r.), hat in seiner Karriere schon viel erlebt.

War das Engagement in China so etwas wie ein Kulturschock?
Es ist vieles anders. Wenn man in ein fremdes Land kommt, dann sollte man probieren, sich anzupassen. Man muss auf die Leute zugehen und offen für Neues sein.

Bereits in jungen Jahren zog es Dich nach England, wo Du erst im Nachwuchsbereich von Nottingham Forest und später für verschiedene Vereine gespielt hattest. Wo liegen die wesentlichen Unterschiede bei der Ausbildung junger Talente, die an den Profibereich herangeführt werden sollen?
2004 bin ich als damals 16-Jähriger nach England gegangen. Die Erfahrungen, die ich dort gesammelt hatte, sind längst überholt. Damals waren die Engländer deutlich weiter. Während ich bei Borussia Dortmund noch auf Asche trainiert hatte, standen uns in England sechs oder sieben Rasenplätze für die Jugend zur Verfügung. Mittlerweile haben wir in Deutschland durch die Nachwuchsleistungszentren aufgeholt, teilweise sogar überholt. Es waren auf jeden Fall sehr lehrreiche Jahre, die mich geprägt haben.

Als weitere Station kam noch die Schweiz hinzu. Was waren Deine wichtigsten Erfahrungen im Ausland?
Wenn man in jungen Jahren das gewohnte Umfeld verlässt und auf sich allein gestellt ist, dann lernt man schnell. So wie es gelaufen ist, hat es mir nicht geschadet. (lacht)

Du hast von der U18 bis zur U21 sämtliche DFB-Teams durchlaufen. Was hat vielleicht gefehlt, um es auch zum A-Nationalspieler zu bringen?
Leider hat sich dieser Traum für mich nicht erfüllt, obwohl ich Stammspieler in der U21-Nationalmannschaft war. Mein damaliger Konkurrent war Marcel Schmelzer, der eine sehr gute Serie mit Borussia Dortmund gespielt und für den man sich letztlich auch in der A-Nationalmannschaft entschieden hatte. Diese Entscheidung habe ich respektiert und das Beste daraus gemacht. Das ist für mich aber heute kein Thema mehr.

Mit 33 Jahren bist Du nicht der einzige routinierte Ex-Profi im RWE-Kader. Wie wertvoll könnte Erfahrung im Aufstiegsrennen werden?
Ich würde mich freuen, wenn ich helfen kann. In der vergangenen Saison hatte RWE mit 90 Punkten eine sensationelle Runde gespielt. Es wird immer Phasen im Fußball geben, in denen es nicht ideal läuft. In solchen Fällen tut Erfahrung einer Mannschaft sicherlich gut.

Felix Bastians: "Volle Identifikation mit der Aufgabe" – Rot-Weiss Essen
Torvorlage gleich im ersten Spiel: Für Bastians lief die Hafenstraßen-Premiere gut.

Wie sehr hast Du Dich im Vorfeld der Verpflichtung schon mit der Liga auseinandergesetzt? Welche Vereine sind die größten Konkurrenten?
Wenn man aus Bochum kommt, ist die Regionalliga West immer ein Thema. Ich sehe den SC Preußen Münster, den Wuppertaler SV und Fortuna Köln als ärgste Konkurrenten, die ihre Ambitionen formuliert haben und sich in der Rolle des Verfolgers ganz wohl fühlen.

Du hast zunächst für ein Jahr bei Rot-Weiss Essen unterschrieben, allerdings mit der Option auf eine weitere Spielzeit. Wie sehr hast Du Dich bereits mit der Zeit nach der Fußballerkarriere beschäftigt und wo siehst Du Dich in den nächsten fünf Jahren?
Meine volle Konzentration liegt auf Rot-Weiss Essen. Ich habe klare Vorstellungen wie es nach meiner Karriere weitergeht, aber das behalte ich noch für mich. Zuerst gilt es, die anspruchsvolle Aufgabe bei RWE anzugehen.

Über Felix bastians

  • Geburtsdatum: 09.05.1988
  • Nationalität: deutsch
  • Im Verein seit: 2021
  • Größe: 1,88
  • Bisherige Vereine: FC Waasland-Beveren (BEL), Tianjin Teda (CHN), VfL Bochum, Hertha BSC Berlin, SC Freiburg, BSC Young Boys Bern (SCH), Nottingham Forest (ENG), MK Dons (ENG), FC Chesterfield (ENG), FC Gillingham (ENG), Halifax Town (ENG), Northwich Victoria (ENG)