28. Dezember 2021

Zwischen Sensation und Denkwürdigkeit

Jahresrückblick der Monate Januar bis März.

Zwischen Sensation und Denkwürdigkeit – Rot-Weiss Essen
Surreal anmutendes Bild: RWE schlägt Bayer Leverkusen und jubelt darüber kräftig. (Fotos: Endberg)

Für eine faustdicke Überraschung hatte Regionalliga-Herbstmeister Rot-Weiss Essen mit dem 3:2-Sieg über Zweitbundesligist Fortuna Düsseldorf vor Heiligabend gesorgt. So findet sich Essen in den Monaten Januar, Februar und März im Pokalwahn wieder, muss aber auch schmerzhafte Niederlagen in der Regionalliga hinnehmen. Zwischen den Feiertagen blickt RWE auf das Jahr zurück, in diesem Text: Der Jahresbeginn und die Monate Januar, Februar und März.

„Es ist nicht das Wunschlos Schalke geworden“, stellte Christian Neidhart in der Live-Schalte der ARD Sportschau fest. Minuten zuvor hatte Skispringer Sven Hannawald im Studio Eintracht Frankfurt oder Bayer Leverkusen aus dem Topf gezogen – das Duell der Bundesligisten stand noch aus. Und so kam es, dass Rot-Weisse am Abend des 12. Januars wohl besonders genau in der 2. DFB-Pokalrunde hinschauten, um zu erfahren, wer Achtelfinalgegner an der Hafenstraße wird. Leverkusen entschied das Tête-a-Tête der Erstligisten mit 4:1 für sich, Underdog Essen empfängt einen Champions-League-Teilnehmer an der Hafenstraße. Weitaus gedämpfter, als der deutliche Bayer-Sieg gegen die Hessen, begann die rot-weisse Rückrunde. Gastspiel in Wiedenbrück, RWE schaffte es bei eisigen Temperaturen nicht, den Gegner aufzutauen. Am Ende blieb bei einem torlosen Remis der erste 2021-Dreier verwehrt, stattdessen sammelten Neidharts Männer den eine Woche später dank Engelmann-Doppelpack gegen den Bonner SC (2:0).

Zwischen Sensation und Denkwürdigkeit – Rot-Weiss Essen
Den ersten Jahressieg bescherte Simon Engelmann mit einem Doppelpack gegen Bonn.

Pokal-Wahnsinn – aber keine Regionalliga-Punkte

Stellen Sie sich vor, Sie wären am 02. Februar um kurz vor halb 7 eingeschlafen und würden am darauffolgenden Morgen die Zeitung aufblättern. Ihnen würde die Kinnlade auffallen, den Kaffee würden Sie aus purer Absicht verschütten und Sie würden vielleicht den Weg zurück ins Bett antreten, nur um nochmal aufzustehen und festzustellen, dass Sie nicht träumen. Rot-Weiss Essen schlägt nach Verlängerung nicht nur Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen mit 2:1, sondern dreht das Spiel durch Treffer von Kefkir und Engelmann auch noch in den allerletzten Minuten und versetzt so eine ganze Stadt in Ekstase. Rot-Weiss Essen heroisch in der Presse, sogar Übersee wird berichtet.

Zwischen Sensation und Denkwürdigkeit – Rot-Weiss Essen
RWE enteilt Bayer: Der Champions-League-Teilnehmer konnte die Rot-Weissen im Februar nicht aufhalten.

Obwohl die „Werkself“ das Spiel machte, erreicht RWE am Ende auf schlechtem Geläuf erstmals seit 1994 wieder das Viertelfinale – und das als Viertligist. Eben jener Rasen, der vielleicht am Pokaltriumph mitgewerkelt hatte, sorgte nur wenige Tage später für den Spielausfall des danach angesetzten Borussia-Dortmund-Duells. So fielen im Februar gleich drei Partien nacheinander aus – erst Rasen, dann meterhoher Schnee in Ahlen, dann Corona beim Gegner gegen Lippstadt. Erst Ende des Monats, wenige Tage vor dem DFB-Pokalduell gegen Holstein Kiel, standen die Rot-Weissen wieder auf dem Feld und kassierten gegen unglücklich effiziente Düsseldorfer ihre erste Saisonniederlage (0:3) – ein Regionalliga-Punkt freier Februar. Im zweiten Jahresmonat trocknete auch die Tinte: Jakob Golz verlängerte seinen Vertrag, mit Ex-Braunschweig-Trainer Christian Flüthmann war ein neuer NLZ-Leiter gefunden, der auf den ausgeschiedenen Enrico Schleinitz folgte.

Denkwürdiger März

Und wie auch der Februar, startete der März mit einem Pokalspiel. Am Ende gab’s aus Essener Sicht aber nichts zu jubeln: Nach einem äußerst umstrittenen und spielverändernden Elfmeter ging Kontrahent, Zweitligist und Bayern-Besieger Holstein Kiel 0:1 in Führung, am Ende folgten Treffer zwei und drei – 0:3!

Zwischen Sensation und Denkwürdigkeit – Rot-Weiss Essen
Endstation Kiel: Gegen Holstein unterlag Rot-Weiss im Viertelfinale 0:3.

Es folgte eine Saisonphase, in der Neidhart und das vor Mentalität strotzende Team öfter Federn ließen, als ihnen selbst lieb war. Auf 2:0 gegen Fortuna Köln, folgte 0:1 gegen Preußen Münster, 1:1 gegen den ärgsten Konkurrenten BVB und nach einem zwischenzeitlichen Kantersieg gegen Borussia Mönchengladbach (4:0) eine Niederlage in Ahlen (1:2) sowie ein äußerst ärgerliches Last-Minute-Unentschieden gegen RWO (1:1). Die Tabellenführung: Futsch, Kontrahent BVB II: Schmerzhaft enteilt! „Der Fußball ist manchmal so grausam, wie er es aktuell zu uns ist“, stellte Neidhart nach dem Oberhausener Remis nüchtern fest.