2. April 2022

Herzenbruch: „Die Mischung stimmt!“

RWE-Mentalitätsspieler im Interview.

Felix Herzenbruch in Ballbesitz
Wechselte 2019 von Bundesliga-Aufsteiger Paderborn zurück ins Ruhrgebiet: Felix Herzenbruch. (Foto: Heidelberg / Breilmannswiese) 

Mit 2.280 Spielminuten zählt Felix Herzenbruch zu den rot-weissen Dauerbrennern auf dem Feld. Dabei hatte sich Herzenbruch schon kurz nach seinem Wechsel an die Hafenstraße im Sommer 2019 zwischenzeitlich wieder für ein Jahr zum Ligakonkurrenten Rot-Weiß Oberhausen verabschiedet. Inzwischen aber ist „Herze“ eine feste Größe. Im Interview spricht der 29-jährige Verteidiger mit der „kurzen fuffzehn“ unter anderem über das Aufstiegsrennen und das bevorstehende Wiedersehen mit RWO. 

Hallo Felix! RWE befindet sich gerade in der dritten von vier englischen Wochen hintereinander. Wie voll ist noch der Tank? 
Felix Herzenbruch: Die harte Arbeit in den zurückliegenden Wochen macht sich bezahlt. Wir sind körperlich in einem guten Zustand. Das Trainerteam achtet dennoch genau darauf, welcher Spieler vielleicht bei der Belastung kurzzeitig ein wenig kürzertreten sollte. Zwischen den Spielen ist bei einer englischen Woche immer viel Regeneration angesagt. 

Wie sammelst Du persönlich Kraft für die nächsten Aufgaben? 
Ich genieße jede freie Minute mit meiner Familie. Unsere Tochter Yuna ist jetzt drei Monate alt. Da ist also ständig etwas los. (lacht) Außerdem studiere ich im sechsten Semester Sport auf Lehramt. Auch abseits vom Fußball gibt es also eine Menge zu tun. 

Nach der überraschenden 0:2-Niederlage in Ahlen habt Ihr Euch mit einem 1:0 in Wiedenbrück zurückgemeldet. Wie wichtig war die direkte Antwort? 
Uns war bewusst, dass uns mit den Partien bei Rot Weiss Ahlen und beim SC Wiedenbrück zwei eklige Auswärtsspiele in der englischen Woche bevorstehen. Jede Mannschaft ist besonders motiviert, uns ein Bein zu stellen. Unsere Konkurrenten in der Spitzengruppe werden auf einen erneuten Ausrutscher von uns gehofft haben. Daher war der Sieg die richtige Reaktion. 

Du wurdest für den angeschlagenen Felix Bastians eingewechselt und kamst so nach langer Zeit wieder als Linksverteidiger zum Einsatz. Wie war das für dich? 
Nach dem Spiel in Ahlen wollten wir bei mir die Belastung eigentlich auch etwas zurücknehmen. Meine Einwechslung kam dann recht plötzlich und früher als geplant. Ich habe dann schon zehn, 15 Minuten benötigt, um richtig in die Partie zu finden. Um den Druck auf den Gegner zu erhöhen, haben wir im Spielverlauf auf eine Dreierkette umgestellt, so dass ich dann wieder zentraler gespielt habe. 

Herzenbruch: "Die Mischung stimmt!" – Rot-Weiss Essen
Wenn er kommt, wird’s für den Gegner schwer: Die Physis zählt zu Herzenbruchs Stärken im Abwehrspiel. (Foto: Endberg) 

Wo kommst du denn grundsätzlich lieber zum Einsatz: Links oder im Zentrum? 
Ich war über sehr viele Jahre Linksverteidiger. Auf der Position macht es natürlich Spaß, sich in das Offensivspiel einzuschalten. Ich habe aber auch sehr großen Gefallen an der Rolle als Innenverteidiger gefunden. Im Zentrum zu spielen, bedeutet eine größere Verantwortung.

Deine Anfangszeit in Essen war eher ungewöhnlich. Nach nur knapp zwei Monaten hattest Du Deine Zelte bei RWE zumindest vorerst wieder abgebrochen. Hättest Du gedacht, dass sich Deine sportliche Situation so sehr ändern könnte? 
Nach meinem Wechsel an die Hafenstraße im Sommer 2019 hatte ich schnell das Gefühl, dass sich meine sportliche Situation unter dem damaligen Trainer Christian Titz für mich nicht zufriedenstellend entwickeln würde. Mein Ex-Klub Rot-Weiß Oberhausen und RWE sind über eine Ausleihe ins Gespräch gekommen. So konnte ich dann bis zu meiner Rückkehr im Sommer 2020 ein weiteres Jahr Spielpraxis sammeln und wir konnten dann meine Situation neu bewerten. Auch während der zurückliegenden Saison saß ich in der Hinrunde mehrfach wegen der U23-Regel auf der Tribüne. Ich bin aber immer drangeblieben und dann hat sich meine Situation nach und nach verbessert. Jetzt bin ich auch ein wenig stolz darauf, bei RWE inzwischen Fuß gefasst zu haben. 

Mit dem Team spielst Du jetzt um den Aufstieg in die 3. Liga mit. Wie schätzt Du die Chancen ein? 
Die sind unverändert gut. Wir haben einige erfahrene Jungs in der Mannschaft, die schon höherklassig gespielt sowie zum Teil auch Aufstiegserfahrung gesammelt haben. Dadurch können sie die jungen Spieler noch besser unterstützen. Bei uns stimmt die Mischung im Team. Uns ist aber auch klar, dass bis zum Saisonende und bis zum Erreichen unseres Ziels noch einige Schritte zu gehen sind. 

Während Deiner Karriere bist auch Du schon zweimal aufgestiegen. Mit dem SC Paderborn 07 ging es innerhalb eines Jahres aus der 3. Liga bis in die Bundesliga. Wie denkst Du an diese Zeit zurück?
Das war eine echte Achterbahnfahrt. Steffen Baumgart kam Mitte April 2017 in einer sehr schwierigen Situation als neuer Trainer zu unserer damaligen Mannschaft. Obwohl wir elf Punkte aus den letzten fünf Begegnungen geholt hatten, konnten wir den Abstieg aus der 3. Liga nicht mehr abwenden. Erst dadurch, dass der TSV 1860 München von der 2. Bundesliga bis in die Regionalliga Bayern absteigen musste, sind wir in der dritthöchsten Spielklasse geblieben. Das hatte der Verein und auch die Mannschaft als unverhoffte zweite Chance gesehen. Nach der Verpflichtung einiger junger und hochmotivierter Spieler ging es direkt erfolgreich weiter. An den Aufstieg hatte lange eigentlich keiner so recht geglaubt – mit der Ausnahme von Steffen Baumgart. Als die Saison schon weiter fortgeschritten war, hatte er uns einen entsprechenden Wettschein gezeigt, den er schon früh in der Spielzeit abgeschlossen hatte. (lacht) Und auch in der 2. Bundesliga ging es dann von Sieg zu Sieg weiter. Das war wie im Traum. 

Herzenbruch: "Die Mischung stimmt!" – Rot-Weiss Essen
Legendärer Typ: Nach dem Last-Minute-Siegtreffer im Aachen-Heimspiel gesellte sich „Herze“ mit einem Stauder zu den Rot-Weissen. (Foto: Endberg) ​

Hilft Dir diese Erfahrung jetzt auch bei RWE? 
Durchaus. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, mussten wir auch in Paderborn schwierige Momente bewältigen. Es gab kleine Phasen, in denen die Ergebnisse und unsere Leistungen nicht ganz so überzeugend waren. Da wurde dann von vielen Seiten gemeint: Oh, der SC Paderborn 07 schwächelt. Diese Durststrecken haben wir aber immer gemeinsam überwunden, weil wir die Ruhe bewahrt haben. Das nötige Quäntchen Unaufgeregtheit versuche ich auch jetzt in der Mannschaft einzubringen. 

Am Dienstag geht es zum Derby bei Deinem Ex-Klub Rot-Weiß Oberhausen. Wie intensiv ist noch der Kontakt zu ehemaligen Weggefährten? 
Kurz vor Weihnachten hatten sich einige von uns zum Essen getroffen. Ab und zu schreibt man sich auch. Aus der aktuellen Mannschaft kenne ich nicht mehr ganz so viele Spieler. Mit dem Sportlichen Leiter Patrick Bauder stand ich aber beispielsweise noch gemeinsam auf dem Platz.  

Über Felix Herzenbruch

Geburtsdatum: 08. August 1992
Nationalität: deutsch
Im Verein seit: 2020
Größe: 1,84 Meter
Bisherige Vereine: RW Oberhausen, SC Paderborn, Wuppertaler SV

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